Hi TheCrane,
Die Aussagen von WT-Herb und vielesoffer habe ich so verstanden:
Die Prinzipen der Bewegungen liegen grundsetzlich vor (in dem Sinn: es ist egal ob ich Tan Sao in der Form, an der Puppe, oder im Kampf mache).
Rein theoretisch schon - aber niemand verrät sie.
Ein Prinzip ist: Der Tan zeigt auf die Schulter, die Faust auf die Wirbelsäule (Zentrallinie).
Ein anderes Prinzip ist: Wenn der Weg frei ist, geh vor. Die Bewegung kann eine beliebige sein, die halt möglich ist.
Ein anderes Prinzip ist: Wenn Du auf beiden Beinen gleichmässig stehst, kommst Du nicht vom Fleck. In welcher Stellung Du gleichmässig stehst, ist da egal.
Also: Eine Bewegung ist nicht unbedingt ein Prinzip, aber ein Prinzip kann durch eine Bewegung veranschaulicht werden.
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Die Holzpuppe dient dazu, diese Bewegungen (Prinzipien) zu üben, wenn ein Widerstand (gegeben durch die Puppe)vorliegt. Dabei ist insbesonders darauf zu achten, dass die Körberstruktur stimmt.
Eigentlich dient die Holzpuppe dazu, trainieren zu können, wenn der Großmeister mal gerade keine Zeit für einen hat, man aber etwas verbessern möchte. Hier kann man experimentieren, sich etwas überlegen, mit einer Bewegung vertraut werden ... bis man jemanden findet, der Zeit und Lust hat, das an der HP geübte live zu üben.
Was die stimmende Körperstruktur angeht: Hier wird immer davon gefaselt, daß sie stimmen soll. Wann stimmt sie denn?
Nun - das sollte man bereits in den ersten Stunden lernen. Es ist aber schwierig, weil man auf sehr viele Sachen gleichzeitig achten soll.
1) Man sollte aufrecht stehen,
2) der Kopf sollte nicht nach vorne baumeln, sondern gerade gehalten werden, als hinge er an einer Schnur
3) das Kinn sollte etwas tief sein
4) die Ellenbogen sollten etwa eine Faust von den Rippen entfernt sein,
5) die Ellenbogen sollten innen geführt werden,
6) ... ein Haufen andere Dinge
80) man sollte bequem vor der HP stehen und Druck ausüben können, ohne die eigene Position ändern zu müssen
...
90) man sollte nicht mit durchgedrückten Knien rumstaksen
...
99) die Knie sollten immer etwas gebeugt sein..
Es gibt also viele Dinge, auf die man bereits von Anfang an achten sollte. Dies erleichtern Bewegungen in dünner Luft. Aber das bedeutet nicht, daß man sich was falsches antrainiert, wenn man an der HP von Anfang an übt. Man darf aber nicht erwarten, daß es besonders leicht ist. Wenn man an der HP das macht, was man im Training mit dem Partner geübt hat, dann hat man an der HP Zeit, in aller Ruhe über die Technik und ihre Ausführung nachzudenken.
Das hat mit der HP-Form nichts zu tun - sehr wohl aber mit einem sinnvollen Einsatz der HP.
Noch zum Thema Widerstand: Die starre HP kann als unendlich starker/starrer Gegner aufgefasst werden. Die Idee ist jedoch nicht, gegen so einen anzuschieben, sondern die Idee ist, sich so zu bewegen, daß man einen Stellungsvorteil hat. Prinzipiell möchte man aus seiner Druckrichtung raus, und seinen Schlägen entkommen. An der HP übt man deshalb Winkelschritte, die dieses Entkommen und Erlangen eines Stellungsvorteils ermöglichen.
Diese Schritte gelten als Ultra-Super-geheim.
Aber vielleicht möchte ja noch jemand diese Schritte beschreiben - sie sind so kompliziert nicht... und machen aus einem Anfänger relativ schnell jemanden, der was kann.
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Wenn das so ist, ist mir allerdings nicht klar, warum die Holzpuppe erst so spät unterrichtet wird (in der EWTO).
Weil die Holzpuppenform halt sämtliche Techniken der anderen Formen einschließt. Drum wird die FORM spät unterrichtet. Warum man aber die Schüler nicht anleitet, die bereits gelernten Techniken an der HP zu üben, ist wohl ein Geschäftsgeheimnis... wenn man mal davon absieht, daß nicht allzuviele Anfänger sich gleich eine HP leisten, und dann auch die erforderliche Zeit in das Üben investieren.
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Ziel ist ja letztendlich, dass im Kampf erfolgreich Tan Sao entsteht. Ist der Tan Sao im Kampf nicht viel schwiereiger als an einem unbeweglichen Holzarm?
Natürlich ist es im Kampf wesentlich schwieriger. Aber es wird deutlich leichter, wenn Du an der HP gelernt hast, dich so zu bewegen, daß der Tansao bei der HP richtig funktioniert, UND dieses Wissen dann im Training hast verfeinern können.
Eigentlich hoffe ich noch immer, daß der eine oder andere Meister seine Prinzipien oder sein Wissen hier mal offen legt - auf diese verschwiegenen Prinzipien kommt es an, um aus einer Schlägerei eine Kampftechnik/Kunst zu machen.
Auch wenn hier immer wieder behauptet wird, daß es die Bewegungen/Sequenzen der HP in der Praxis nicht gibt - glaube es nicht!
Es gibt sehr wohl Sequenzen, die übertragbar sind. Vor allem dann, wenn Du die Sequenzen übst, die Du auch im Training übst. Die Form ist u.a. eine Gedächtnisstütze.
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Wenn ich es irendwann soweit gebracht habe, dass der Tan Sao im Kampf (Sparring) funktioniert, was soll ich dann irgendwann im TG Bereich anfangen ihn an der Puppe zu üben?
Aus der Tatsache, daß Du nach relativ kurzer Zeit eine relativ hohe Selbstverteidigungsfähigkeit erreicht hast, folgt nicht, daß Deine Technik perfekt ist. Da spielen zu viele andere Faktoren rein. Eine Technik oder ein Prinzip erfordert einen erheblichen Aufwand, um es in der Praxis umzusetzen. Allein das Einschleifen einer Bewegung ist unter einigen 1000 Wiederholungen nicht drin. Wenn Du also für Dich entschieden hast, daß Du VT als Kunst erlernen möchtest, dann ist der Weg ein langer.
Servus