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Die wahre (und kontroverse) Enstehung des Shotokan Karate?


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8 Antworten in diesem Thema

#1 Jion

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    Shotokan Karate-do
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Geschrieben 08 Oktober 2010 - 03:10 Uhr

Liebes Forum,

Vor einiger Zeit ist mir das folgende Buch in die Haende gefallen:

Shotokan's Secret: The hidden truth behind Karate's fighting origins.
Bruce D. Clayton, Ohara Publications 2006

Uebersetzt so in etwa: "Das Geheimnis des Shotokan Karate: Die versteckte Wahrheit hinter der kaempferischen Herkunft des Karate".

Hinter dem etwas reisserischen Titel des Buches versteckt sich eine unglaublich genaue historische Analyse des Okinawa und Japan des 19. Jahrhunderts, welche den Autor zu einer voellig neuen und sehr kontroversen Theorie ueber die Entstehung des Shotokan Karate fuehrt; die Theorie wird durch teilweise "unglaubliche" Bunkai Interpretationen gestuetzt. Das Buch ist leider nur auf englisch erhaeltlich. Moeglicherweise haben es einige von Euch dennoch gelesen und sich eine Meinung gebildet. Ich finde die Theorie so interessant, dass ich Euch zumindest eine kurze Zusammenfassung geben moechte- als Denkanstoss sozusagen :)
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Wie wir alle wissen, sind die Wurzeln des heutigen Shotokan Karate im Shuri-Te zu suchen, einer Kampfkunst, welche vor allem im 19.Jahrhundert auf Okinawa gepraegt wurde. Okinawa war zu der Zeit eine konflikttraechtige Insel: Sowohl China wie auch Japan erachteten sich als legitime Besitzer von Okinawa. Die im 19. Jahrhundert herrschenden okinawanischen Koenige der Sho-Dynastie mussten sowohl an China wie auch Japan Steuern bezahlen. Japan entsandte zudem bewaffnete Satsuma-"Fuersten", um die Koenige von Okinawa zu uebewachen. Auf Okinawa waren Waffen seit dem 17. Jahrhundert verboten.
Japan selber wurde zu jener Zeit von Shogun (Kriegsherr) Tokugawa regiert. Unter dem Tokugawa Regime hatte jeder Japaner seine genau definierte Stellung innerhalb der Gesellschaft, seine definierte Kleidung, seine definierten Berufe, seine definierten Handgriffe. Tanzte jemand aus der Reihe, wurden er, seine Familie und manchmal sogar sein ganzes Dorf brutal bestraft (diese Mentalitaet finden wir noch heute in manchen Karateclubs wieder, wo fuer das "Vergehen" eines Einzelnen der ganze Club Liegestuetze macht). Auch war jeglicher Kontakt mit dem Ausland verboten. Gleichzeitig landeten aber auf Okinawa viele nordamerikanische Walfaenger, was naturgemaess zu Konflikten fuehrte.
Die Okinawanischen Koenige waren in einer schwierigen Situation: Sie wurden von bewaffneten Satsuma Fuersten ueberwacht und fuer geringste Vergehen bestraft. Gleichzeitig mussten sie, voellig unbewaffnet, ankommenden nordamerikanischen Walfaengern den Zutritt zu ihrem Territorium verwehren. Dies gelang ihnen kaum, die Amerikaner waren stetige unwillkommene Gaeste. Die Okinawaner mussten ihren Koenig somit ueber Jahre ohne Waffen gegen eine Unzahl aggressiver, bewaffneter und manchmal betrunkener Gegner beschuetzen. Im Jahre 1853 erzwang sich sogar ein nordamerikanischer Kapitaen names Perry mit einem Batallion Marines gewaltsam Zutritt zum Schloss Shuri.
Der Koenig von Okinawa hatte in seiner administrativen Funktion natuerlich etliche mehr oder weniger vertraute Angestellte wie Minister, Sekretaere oder andere Beamte. Unter den Namen dieser Beamten finden sich viele bekannte Namen aus der Geschichte des Karate, wie Sokon Matsumura und sein Schueler Itosu, einer der spaeteren Lehrer von Gichin Funakoshi. Matsumura hatte waehrend Jahrzehnten den Posten des Kriegsministers des Koenigs inne.

Auf diesen und vielen mehr minuzioes recherchierten historischen Fakten beruht die Theorie des Autors. Matsumura, als Kriegsminister einer unbewaffneten und von zwei Laendern unterworfenen Nation, war verpflichtet, den Koenig zu beschuetzen. Die damaligen unbewaffneten Kampfkuenste Okinawas basierten mehrheitlich auf dem chinesischen Kung Fu. Im Kung Fu, als von Moenchen entwickelte Kampfkunst, finden sich viele Buddistische Prinzipien. Ein Gegner wird grundsaetzlich nicht zerstoert, sondern mit Hebeln, Wuerfen und Vitalpunkttechniken "unterworfen". Matsumura erkannte, das diese Kampfkunst sich nicht fuer seine Zwecke eignet. Matsumura brauchte eine Kampfkunst, welche es einem trainierten Kaempfer ermoeglicht, sich gegen eine grosse Anzahl bewaffneter Gegner zu wehren, den Koenig in Sicherheit zu bringen und die Gegner von einer Verfolgung abzuhalten. Er entwickelte also seine "eigene" Kampfkunst, welche genau auf seine Beduerftnisse einging. Daraus entwickelte sich das Prinzip des "Hikken Issatsu", toeten mit einem Schlag. In einem Kampf gegen mehrere Gegner kann man nicht gut werfen und auch nicht wrestlen- man muss in der Lage sein, jedwelchen Gegner innert 1-2 Sekunden kampfunfaehig zu machen, ohne selber geschlagen oder zu Boden gerungen zu werden. Diese neue Kampfkunst unterrichtete Matsumura den Beamten des Koenigs, welche gleichzeitig als Bodyguards fungierten.

Die Analyse des Autors bezieht sich auch auf seine Interpretation der Karate Bunkais. Die Shotokan Kata sind, wie die Kata kaum einer anderen Karate Stilrichtung, voll von Kaempfen gegen mehrere Gegner, entweder gleichzeitig oder kurz nacheinander. Es kommen Techniken vor, um das Moment einer angreifenden Gruppe zu zerstoeren (erste Bewegung Bassai-Dai). In den Tekki Kata scheint man mit dem Ruecken zur Wand (oder mit dem Ruecken zum Koenig?) zu kaempfen und sich nur seitlich entlang der Wand zu bewegen. Andere Kata Interpretationen beinhalten Blocks gegen "Rugby"-Style Angriffe (Schulter in den Bauch des Gegners rammen), Abwehren gegen Waffen inklusive Schwert und sogar Gewehr mit Bajonett, die Entwaffnung eines Gegners, und viele mehr. Der Autor gibt viel detailliertere Analysen, als dass ich sie hier zusammenfassen koennte.

Der Autor gibt auch eine elegante Erklaerung der Tatsache, dass die Bunkai der Kata verloren gegangen sind. Der letzte Koenig von Okinawa ging etwa 1880 ins Exil nach Tokio. Der nun als Kriegsminister amtierende Itosu fuhr mit dem Unterricht des Shuri-Te im Geheimen fort, weil es seine Pflicht als Minister des Koenigs war. Ums Jahr 1900 aber verstarb der Koenig im Exil, und bald darauf begann Itosu, Karate oeffentlich in Schulen zu unterrichten. Das Bunkai -die Beschuetzung des Koenigs im Falle eines Angriffes einer bewaffneten Mehrheit- wurde schlichtweg nicht mehr benoetigt.

Die Hauptpunkte der Analyse:
  • Shotokan Karate ist nich das Resultat einer zufaelligen, sondern einer beabsichtigten Entwicklung
  • Shotokan Karate bereitet nicht auf den Angriff eines Gegners vor, sondern mehrerer Gegner.
  • Shotokan Karate macht jeden Gegner in 1-2 Sekunden kampfunfaehig.
  • Shotokan Karate ist nicht Selbstverteidigung, sondern Verteidigung einer anderen Pereson.
  • Vitalpunkttechniken gingen nicht verloren, sondern wurden beabsichtigterweise ausgelassen. Gleiches mit Hebeltechniken und vielen Wuerfen.
________________________________________________

Nun bin ich natuerlich gespannt, was eingefleischte Karate Historiker von diesen Theorien halten.

Osu,
Jion
_________________________________________________________

#2 Taysoku

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Geschrieben 08 Oktober 2010 - 09:20 Uhr

Beitrag anzeigenJion sagte am 08 Oktober 2010 - 03:10 Uhr:

....
Hinter dem etwas reisserischen Titel des Buches versteckt sich eine unglaublich genaue historische Analyse des Okinawa und Japan des 19. Jahrhunderts,
....
Auf Okinawa waren Waffen seit dem 17. Jahrhundert verboten.
....

Hi,

ich bin kein Experte, habe jedoch von mehreren Historikern gehört, dass das angebliche Waffenverbot auf einem Übersetzungsfehler beruht. Dazu kann man Einiges hier lesen.

An anderer Stelle habe ich mal einen Bericht eines japanischen Historikers gelesen (leider k.A. wo), der sagte, es gebe kein japanisches Original-Dokument, dass die Waffenverbotsthese auf Okinawa stütze.

Die ganze Kiste grenzt an Mystifizierung.

Insofern tue ich mich mit einem Buch schwer, dass auf ziemlich wackligen Fundamenten steht.

Tay

P.S.: In diesem Zusammenhang möchte ich mal auf einen in der IT-Branche früher gerne genutzen Leitsatz hinweisen: "Zeit neigt dazu, sich mit Arbeit aufzufüllen" (oder so ähnlich). Mit diesem Argument wurden tausende von Projektlaufzeiten zusammengekürzt. Namhafte Größen des Projektmanagements haben das übernommen - abertausende von Literaturverweisen gibt es dazu. Und wo kommt das Original her? Wer hat das erstmalig belegt? Lange Recherchen auf Quellen von Quellen von Quellen haben ergeben, dass das Original aus einem Possenspiel über die englische Post stammt! Plausibilität oder Hörensagen reichen als Grundlage für Fakten eben nicht aus, sondern belegbare historische Fakten müssen her.
Meine Lehrgangsempfehlungen:
Seminar mit Hidetoshi Nakahashi und Carlos Molina
am 19. und 20.5.2012 in Berlin
Infos unter http://www.shingitai...mid=122&lang=de

#3 GastShōkiu_*

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Geschrieben 08 Oktober 2010 - 15:18 Uhr

Hi,

Beitrag anzeigenTaysoku sagte am 08 Oktober 2010 - 09:20 Uhr:

ich bin kein Experte, habe jedoch von mehreren Historikern gehört, dass das angebliche Waffenverbot auf einem Übersetzungsfehler beruht.
Siehe z.B. Wittwer oder auch Cook.
Ob Übersetzungsfehler weiß ich nicht, aber das Waffenverbot ist genau so ein Mythos wie die Kampfkunst der Bauern gegen die widrige Obrigkeit.

lG
Sh.

#4 Terao

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Geschrieben 08 Oktober 2010 - 18:06 Uhr

Sorry, klingt für mich total unwahrscheinlich. Die Japaner sollen zwar einen okinawaischen König im Amt gelassen haben, gleichzeitig aber sogar seinen Leibwächtern jegliche (jeder Knüppel und jedes Küchenmesser ist besser als Hände&Füße) Waffen verboten haben, sodass er ohne eine geniale KK, mittels derer seine Leibwächter waffenlos mehrere Bewaffnete besiegen konnten, ständig von amerikanischen Walfängern verprügelt worden wäre? Und der Beweis für diese Geschichte steckt in den Kata (in die nach meinem Empfinden in den letzten Jahrzehnten schon so ziemlich alles mal reingedeutet wurde)?

Nee.

#5 Terao

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Geschrieben 08 Oktober 2010 - 18:33 Uhr

Oh, ist mir gar nicht aufgefallen:

Zitat

Matsumura hatte waehrend Jahrzehnten den Posten des Kriegsministers des Koenigs inne.
Der König hatte also einen Kriegsminister. Gleichzeitig waren Waffen im ganzen Land verboten. Gab`s also auch ein waffenloses Heer?

#6 Volker

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Geschrieben 08 Oktober 2010 - 23:44 Uhr

Also bin ich der Erste, der das Buch auch gelesen hat? Besser: Ich hatte versucht, es nach seinem Erscheinen 2004 zu lesen. Erst mit Neugier, dann mit Enttäuschung, zuletzt mit Ärger nicht fertiggelesen weggelegt.

Nun liegt die Lektüre schon Jahre zurück und es bleiben kurze Erinnerungen: Das Buch mit 312 Seiten widmet der eigentlichen Historie. 112 Seiten. Was dann kommt sind z. T. abenteuerliche Ausführungen zu Katas. Diese vielen allesamt unbewiesenen Seiten sind aber ausschlaggebend für den ersten kürzeren Teil der "geschichtlichen Spekulationen". Die Kata dient als Beweis, daß die alten Karatekas allesamt als unbewaffnete Leibwächter erfolgreich und mit "tödlichen Techniken" dienten. 

Es sind also zwei unbeweisbare Theorien, besser Phantasien, die sich gegenseitig stützen sollen. Da hilft auch die als "Beweis der Wissenschaftlchkeit" (!!!) großspurig genannte Zahl von 250 Fußnoten nichts. Aber das ist viell. der wissenschaftl. Standard eines amerikanischen "Ph.D."

Wie sagt der Herr doch selbst: "We are forced to rely on anecdotal information and oral tradition to fill in personalities". (XIV) Und das tut der Mann gern und reichlich. ... "Certainly we are speculating, even guessing, at the path Matsumura took in defense of Shuri." (130) ... Auf gut deutsch: "Wir wissen fast nichts, aber wir haben eine blühende Phantasie."

Der Titel ist reißerisch und der Inhalt geheimnist eher noch mehr in die Geschichte des Karate hinein, als auch nur ein  Faktum neu bewiesen wird.

Für eingehendere Kritik fehlen mir Zeit und Interesse. Schreibe deshalb so polemisch, weil man dieses "Werk" keinesfalls als "wissenschaftlich" empfehlen kann.

v. 

 

 




 

#7 Jion

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Geschrieben 09 Oktober 2010 - 03:48 Uhr

Beitrag anzeigenTaysoku sagte am 08 Oktober 2010 - 09:20 Uhr:

ich bin kein Experte, habe jedoch von mehreren Historikern gehört, dass das angebliche Waffenverbot auf einem Übersetzungsfehler beruht. Dazu kann man Einiges hier lesen.

Dies ist mitunter auch einer meiner Zweifel.

Der Autor schreibt dazu, dass der erste Koenig der Sho Dynastie bereits im Jahre 1477 die okinawanischen Kriegsfuersten entwaffnete, zentral in Shuri ansiedelte und zu seinen Beamten machte. Leider fehlt dazu die Quellenangabe.

Wieso haben sich denn die Okinawaner, wenn sie schon Waffen hatten, sich nicht gegen die Invasion des Amerikaners Perry und seiner Marines zur Wehr gesetzt?

#8 Jion

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Geschrieben 09 Oktober 2010 - 03:53 Uhr

Beitrag anzeigenTerao sagte am 08 Oktober 2010 - 18:33 Uhr:

Oh, ist mir gar nicht aufgefallen:

Zitat

Matsumura hatte waehrend Jahrzehnten den Posten des Kriegsministers des Koenigs inne.
Der König hatte also einen Kriegsminister. Gleichzeitig waren Waffen im ganzen Land verboten. Gab`s also auch ein waffenloses Heer?

Gichin Funakoshi nennt Matsumura "Minister of Military Affairs" im Buch "Karate-Do Nyuman", Kodansha 1988, p.102. :)

#9 Student1977

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    Shôtôkan-ryû Karate
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Geschrieben 24 Februar 2011 - 01:43 Uhr

Servus,

auch ich habe dieses Buch. Es enthält durchaus den ein oder anderen interessanten Punkt.

Jedoch möchte auch ich auf Wittwer verweisen.

Zitat

* Shotokan Karate ist nich das Resultat einer zufaelligen, sondern einer beabsichtigten Entwicklung
* Shotokan Karate bereitet nicht auf den Angriff eines Gegners vor, sondern mehrerer Gegner.
* Shotokan Karate macht jeden Gegner in 1-2 Sekunden kampfunfaehig.
* Shotokan Karate ist nicht Selbstverteidigung, sondern Verteidigung einer anderen Pereson.
* Vitalpunkttechniken gingen nicht verloren, sondern wurden beabsichtigterweise ausgelassen. Gleiches mit Hebeltechniken und vielen Wuerfen.

In dem oben genannten Text wird bestritten, dass es im Shôtôkan-ryû Würfe gibt. Wittwer listet dieses hingegen auf und auch Funakoshi beschreibt diese in einem seiner Werke. Warum soll es keine Würfe und Hebel im Shôtôkan-ryû geben?

Auch die Behauptung, dass das Shôtôkan-ryû bewusst entwickelt wurde ist schlicht und ergreifend falsch. Funakoshi selbst lehnte den Begriff "Shôtôkan-ryû" ab. Für ihn gab es nur Karate. Einzig um ihn, Funakoshi Gichin, zu ehren, wurde das Dôjô Shôtô-kan benannt. Somit kann überhaupt nicht die Rede davon sein, dass diese Stilrichtung einer beabsichtigten Entwicklung unterliegt.

Auch der zweite Punkt halte ich für sehr gewagt. Betrachtet man die historische Entwicklung des Te, bei dem auf Okinawa auch "gerauft & gerungen" wurde, so wird sichtbar, dass bestimmte Bewegungen im Shôtôkan-ryû (wie, meiner Meinung nach auch in anderen Stilrichtungen) nur bedingt gegen mehrere Gegner möglich ist. Betrachtet man die historische Tatsache, dass gerade die Schwertkunst auf das Karate einen maßgeblichen Einfluss hatte, so sollten diese Techniken unter dem Aspekt des Te und des Jigen-Ryû betrachtet werden.

Punkt 3. halte ich ebenfalls für einen Mythos. Hier wären wir wieder bei dem Thema "Kampfkunst x besser als y".

Auch Punkt 4 halte ich für einen absoluten Unsinn. Es ist doch schon schwer genug, sich selbst zu verteidigen. Eine andere Person u.U. zu verteidigen kann in die Hose gehen. Diese Aussage halte ich für eine

Der letzte Punkt könnte bedingt möglicherweise stimmen (es wäre interessant hierzu entsprechende Quellen zu haben). Begründung: Es liegt durchaus im Bereich des möglichen, dass die Meister des Tode aus Okinawa den Japanern nicht alles zeigen wollten. Und auch die Japaner haben den Gajin nicht alles gezeigt. Liest man in manchen Quellen, so besteht teilweise sogar der Verdacht, dass den Nicht-Japanern mit Absicht manches falsch gezeigt wurde (falls sie das nötige Hintergrundwissen überhaupt hatten). Aus diesem Grund sieht man heute in den meisten Dôjôs das standardisierte, für den Wettkampf entwickelte JKA-Block-Konter-Karate.

Gruß