Vielleicht ein paar Ideen zu den Rollen:
Jede der gezeigten Rollen hat Vor- und Nachteile. Die Rollen über das Knie machen wir in unserem Dojo erst später, da man sich sehr schnell eine Art "faules Bein" angewöhnt und die Spannung im Knie, über das abgerollt wird, über Bord wirft. Deshalb sind alle Grundrollen bei uns am Ende nicht über das Knie/den Spann, sondern immer über die Fersen bzw. dem Ballen aufkommend durchgeführt.
Vorwärtsrolle beidhändig:
- den Stand erhält man, indem der Schwung, den man durch die Rolle erhält, genutzt wird. Anfangs wird man noch Beinkraft nutzen, aber später sollte die reine Körperspannung und der runde Rücken (besonders die runde Lendenwirbelsäule) den Schwung nach vorne und nach oben geben. Es sollte wie ein normaler "Gehvorgang" aussehen, die Rolle sollte irgendwann in das normale Gehmuster passen und nicht davon getrennt sein.
- kein Luftanhalten während der Rolle, normale Atmung, wie beim Gehen
- die Rolle sollte leise sein. Fehler hört man sehr gut heraus. Entweder als großer Schnaufer aufgrund der angehaltenen Luft, oder als doppelter "Klatscher", wenn zuerst Rücken/Schulter und danach das Sacrum am Boden "aneckt". Versucht man, leise zu rollen, ist der LWS-Fehler meist schon einmal draußen
- Hände sollten leicht schräg zueinander zeigen, sich aber nicht berühren. Hände nach vorne oder nach außen führen sonst an einem selber eine Technik durch (Gyaku Zeoi oder Oyagoroshi) und wenn zu wenig Flexibilität vorhanden ist, dann holt man sich am Handgelenk oder sogar am Daumen etwas (auch schon passiert bei einem voreiligen Herrn

)
- die Roll-Linie wird anfangs von der Schulterseite diagonal zur Hüfte gehen und dabei leider einmal die Wirbelsäule kreuzen. Später wird man die Rolle ein wenig korrigieren, damit die Wirbelsäule keinen Schaden auf steinigen Boden erfährt (auch schon passiert), auf Matten ist das anfangs noch unwichtig, da schwieriger (in unserem Dojo zumindest korrigieren wir die Rollen inzwischen aufgrund eines solchen Vorfalls).
- der Kopf wird gekippt und nicht gedreht und das Ohr berührt dabei nicht den Boden (was man auf Beton sehr gut spürt

) -> Augenkontakt mit potentiellen Gegner
- man kommt hinter der Schulter auf und zwar dort, wo der erste Muskel beginnt. Kommt man ein wenig vorher auf, wird man das auf Stein- oder Holzboden sehr schnell bereuen oder mindestens dann, wenn alle Rollen ohne Hände oder mit Waffen in den Händen durchgeführt werden - das verzeiht dann nichts mehr. Dazu ist eine gewissen Dehnung unumgänglich, ansonsten muß man in die Rollen ähnlich einer "Mute"/ohne Hände einspringen, damit man sich nicht die Schulter prellt (wenn z.B. auch ein Single-Pack die Bewegung nach unten behindert)
- die Sicht ist immer in Richtung des potentiellen Gegners gerichtet, man "optimiert" die Zeit des Sichtkontakts
Das ist ein Beispiel für eine Grundrolle der Art "Zenten Kaiten Ryote" oder Zempo Kaiten. Derer gibt es viele, z.B. mit Rollen über das Knie, was eine andere Angriffsdistanz und einen anderen Angriffswinkel nach dem Rollen zuläßt. Gerade diese Rolle ist teilweise ein wenig kritisch zu sehen, da Kleinigkeiten für Gelenkschäden im "Dauerbetrieb" sorgen. Außerdem scheint es auch noch abhängig von der Schule zu sein, wie die Rolle aussieht. Teilweise wird über den Spann gerollt, teilweise direkt über Ferse/Spann und dann in den Kniestand. Ein Mix davon sorgt dafür, daß das Fußgelenk zu sehr belastet wird, wenn man das über Jahre fährt. Das ist hier aber schwer erklärbar.
Diese Rolle hat sich auch bisher als Abfangrollen aus einer Sprunghöhe von ca. 3m-3,50m auf ein Beton/Gras/Stein-Gemisch bewährt und nach über 15 Jahren Rollen dieser Art sind die Knie und die Fußgelenke immer noch gesund.
Ansonsten:
Es gibt das ganze natürlich aus "Katate" (mit einer Hand) und "Mute" (ohne Hände bzw. ohne Ellenbogenkontakt zum Boden). Auch von diesen Rollen gibt es unterschiedliche Versionen, je nach Anwendungsgebiet und Ausgangs-Kamae bzw. -Höhe. Man sollte nicht vergessen, daß außerdem jede Art von Rolle mit jeder Waffe durchgeführt werden sollte und später das ganze auch dynamisch funktionieren soll (aktives Arbeiten während der Rolle). Die einfachste Rolle, die das Prinzip am besten darstellt, ist wohl als erste Grundrolle am besten geeignet, aber welche das genau ist, darüber kann man streiten und ist reine Ansichtssache. Sie ist nur ein Werkzeug, um das Arbeiten nach vorne am Boden zu erlernen. Später ist nur wichtig, daß man sich nichts tut, das ganze zweihändig, einhändig, ohne Hände, mit Sprung, mit Waffe, aktiv mit Waffe, in verschiedenen Szenarien in Anwendung durchführen kann (u.a.). Aber das Thema "Shu-Ha-Ri" hatten wir ja auch schon, gilt hier genauso.
Bearbeitet von Rokudai, 30 November 2010 - 20:31 Uhr.