Holzkeule sagte am 24 März 2011 - 12:13 Uhr:
Zitat
Was da nun abgelaufen ist, kann ich nicht beurteilen, aber so wie in japanischen Systemen auch auf einmal Europäer zu linientreuen Japanern werden, die sich benehmen, als würden sie schon seit mindestens 40 Jahren darin sozialisiert und darin dann ihr Ego aufbauen
Ich dachte man will sein Ego abbauen.
Ja, das ist eines der größten Dilemma im Bereich der Kampfkünste.
Man kann seine Sozialisation und seine Prägungen eben nicht von heute auf Morgen ablegen, was in der Natur der Sache liegt. Man kann als Europäer anfangen, eine KK zu trainieren, dies auch Jahrzehnte tun, man unterliegt immer noch den Werten und Prägungen der westlichen Welt.
Während Japaner, zumindest die, die ich bisher kennengelernt habe, trotz dessen, dass sie auch westlichen Einflüssen unterliegen, meistens immer noch sehr still, demütig, ja nahezu "ertragend", sich zurücknehmend sind und lieber einmal mehr "Ja" sagen als Kritik zu äußern, ist der Europäer meist eher das Gegenteil. Ein Japaner in einer japanischen KK, der sein Leben lang dieser Sozialisation unterliegt und in dessen KK System sich genau diese Mentalität spiegelt, wird auch als Meister oder Oberhaupt sich genau dieser Sozialisation entsprechend verhalten. Deswegen haben Europäer nicht selten "Verständnisprobleme", wenn sie mit Japanern sprechen, wenn diese ständig "ja" sagen, aber eigentlich was ganz anderes meinen.
Der Europäer, der in einem japanischen KK System eine Hierarchie durchläuft, kann zwar oft von der Beseitigung des Ego sprechen, meistens ist es ihm aber total fremd. Er verhält sich in der Hierarchie durch und durch europäisch. Er verlangt von anderen Menschen, die in der Hierarchie unter ihm sind, ihr Ego zu beseitigen, Stille zu üben etc, aber er erfüllt diese Kriterien selbst nicht. Im großen und ganzen wird die Beseitigung des Ego nur propagiert, um
dem Gegenüber ggf. den Mund zu verbieten und sein eigenes Ego zu zementieren und ggf. seine (vermeintliche) Machtposition zu erhalten.
Das ist ein grundsätzliches Problem in vielen Machtstrukturen, und nicht selten sind es menschlich ganz kleine Lichter, die solche Machtspielchen brauchen, die sie nie ernsthaft mit ihrem Ego befasst haben und es auch nicht aufgeben wollen. Deshalb habe ich persönlich sehr viel Respekt vor den Menschen, die genau deshalb leuchten und strahlen: weil ihr Ego durchlässig geworden ist. Die haben eine ganz natürliche Autorität
Mein persönliches Problem in klassischen Strukturen ist z.b., dass die Leute schnell merken, dass ich solche Mechanismen verstehe und die Menschen meist mit dem konfrontiere, was sie eigentlich, wenn sie das mit der Transzendenz des Ego verstanden haben sollten, schon wissen sollten: dass sie Nichts sind. Auch nicht mit 1000 Titeln.