Qi Gong / Tai Chi Unterschiede
#1
Geschrieben 08 April 2011 - 13:19 Uhr
Hier mal kurz und bündig die wichtigsten Unterschiede aus unserer Sicht.
Qi Gong ist, wie die Akupunktur, ein Teil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Qi Gong ist keine Kampfkunst und hat ausschliesslich gesundheitliche Ziele. Hauptziel von Qi Gong ist es, die Lebensenergie des Einzelnen zu stärken. Qi Gong beinhaltet im Unterschied zu Tai Chi wenig Bewegungsarbeit und kann je nach Qi Gong-Richtung im Stehen, Sitzen oder Liegen praktiziert werden. Die Qi Gong-Übungen bestehen aus einzelnen Übungen und sind meist leichter zu erlernen als eine Bewegungsabfolge des Tai Chi. Qi Gong beinhaltet - je nach Qi Gong-Richtung - auch viel innere und geistige Arbeit.
Tai Chi Chuan wurde ursprünglich als innere Kampfkunst entwickelt, die als Form choreographisch ausgeführt wird. Tai Chi Chuan verbindet die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit und Meditation. Neben verschiedenen Faustformen werden im Tai Chi Chuan auch Waffen-Formen praktiziert. Tai Chi ist im Vergleich zu Qi Gong körperorientierter, obwohl auch geistige Aktivitäten wie z.B. Qi- und Atemführung geübt werden.
#2
Geschrieben 08 April 2011 - 13:29 Uhr
wie üblich könnte man jetzt eine Diskussion um Akzente und Nuancen beginnen... Aber dennoch: Ich finde deine Definition sehr gut und treffend. Damit kann man erst mal arbeiten. Alles weitere wären dann Dinge, die weiter in die Tiefe führen, und dmait eine kurze, prägnante Unterscheidung, wie du sie triffst, sprengen würden.
Einzig: Es gibt, wie du wahrscheinlich auch weißt, auch sehr "bewegte" Qigong-Sets, mit durchaus komplexen Bewegungsabfolgen.
Weiterführend würde ich noch anmerken, dass man imho im Taichi und im Quigong in der Regel von verschiedenen Dingen spricht, wenn es um "Energie" geht. Im Qigong ist, wie du richtig schreibst, der Energiebegriff eng an die TCM angelehnt - es geht um Leitbahnen, Organe, etc. ("Chi"). Im Taichi gehts letztlich um die Entwicklung von essentieller, nach außen wirkender Kraft ("Jin"), die so weit ich das sehe, im Qigong keine Rolle spielt.
#3
Geschrieben 08 April 2011 - 15:39 Uhr
Chajin sagte am 08 April 2011 - 13:29 Uhr:
Hallo Chajin,
an dieser Stelle würde ich gerne mal eine Diskussion zu dem Thema eröffnen.
Worunter würdest du die Seidenübungen des Chen-Taijiquan einordnen (siehe auch (Seidenübungen im Chen-Stil bei Wikipedia)? (Unter den Qigong-Übungssystemen gibt es auch eine, die als "Kunstübungen der Seidenweber" bezeichnet wird, welche sich mit dem Bewegen des Qi/ der Arbeit mit der Lebensenergie (Qigong) beschftigt.) Kampfaspekte spielen vordergründig keine Rolle. Durch Form (Taiji Taolu), Schiebende Hände (Tui Shou) und Freikampf (San Shou) werden jedoch die Grundlagen, welche durch das Qigong entwickelt wurden, in die kämpferische Anwendung übertragen.
Wo ist nun die Grenze zwischen der Energiearbeit des Qigong und des Taijiquan? Ist es die Atmung, welche im Qigong am Anfang und im Taijiquan erst viel später eine Rolle spielt? Am Ende ist es aber auch in dieser Beziehung beides ganzheitliche Arbeit mit der Lebensenergie. Wie soll Taijiquan seinem Anspruch gerecht werden, der Gesundheit zu dienen und gleichermaßen der Selbstverteidigung, wenn es die Lebensenergie, mit der es arbeitet, auf "nach außen gerichtete Kraft" beschränkt? Das würde auch grundsätzlich dem Namen Taiji Quan widersprechen. Denn Taiji verbindet innen und außen, Yin und Yang.
LG
Jadzia
#4
Geschrieben 08 April 2011 - 18:30 Uhr
ich stimme dir zu. Die Unterscheidung, die ich treffe, ist in gewisser Weise künstlich. Was du über Ganzheitlichkeit schreibst, finde ich richtig und gut.
Allerdings würde ich auch sagen, dass das in gewisser Hinsicht eine ideele Sicht auf die Dinge ist. "Pragmatisch" gesehen halt ich meine Unterscheidung schon für richtig.
Weil: Es ist ein Missverständnis im Taichi, dass die Formen nur das "Chi" trainieren und sich daraus kämpferische Fähigkeiten entwickeln. Wir reden hier über die die drei Inneren Harmonien bzw. Zusammenschlüsse, also den Dreiklang von Yi (Absicht), Chi (Energie) und Jin (Innere Kraft). Ich glaube nicht, dass das auch im Qigong so ist. Muss es ja auch nicht, da die Pflege der Lebensenergie im Qigong nach Innen wirkt - Gesundheit. Ein nach Außen richten im Sinne kämpferischer Fähigkeit wird nicht angestrebt.
Die Seidenübungen entsprechen dem voll und ganz - es geht hier um eine Harmonisierung von energetischer und körperlicher Bewegung. Aber gerade der Energieverlauf (Zentrum - Extremitäten - wieder zurück) dient ja letztlich dem Aufbau kämpferischer Fähigkeiten. Es ist ein wirksames Üben, das aber in energetischer Hinsicht viel grober ist als das energetische Fine-Tuning im Qigong. Aspekte der Organe, Leitbahnen, ev auch der fünf Elemente spielen soweit ich weiß bei den Seidenübungen keine Rolle.
Ich würde daher letztendlich soweit gehen und sagen, dass der Energie-Begriff, der dahinter steckt, ein anderer ist. Aber gut, das ist meine persönliche Interpretation der chinesischen Modelle.
#5
Geschrieben 08 April 2011 - 22:53 Uhr
Chajin sagte am 08 April 2011 - 18:30 Uhr:
Die Seidenübungen entsprechen dem voll und ganz - es geht hier um eine Harmonisierung von energetischer und körperlicher Bewegung. Aber gerade der Energieverlauf (Zentrum - Extremitäten - wieder zurück) dient ja letztlich dem Aufbau kämpferischer Fähigkeiten. Es ist ein wirksames Üben, das aber in energetischer Hinsicht viel grober ist als das energetische Fine-Tuning im Qigong. Aspekte der Organe, Leitbahnen, ev auch der fünf Elemente spielen soweit ich weiß bei den Seidenübungen keine Rolle.
Ich würde daher letztendlich soweit gehen und sagen, dass der Energie-Begriff, der dahinter steckt, ein anderer ist. Aber gut, das ist meine persönliche Interpretation der chinesischen Modelle.
Ein nach aussen richten bezügliche kämpferischer Fähigkeiten wohl nicht. Aber die Chinesen sind ein Reis-Volk. Durch Farmarbeit geprägt. Das heisst sie haben tägliche körperliche Arbeit verrichtet. Dabei steht richtige Haltung und Kraftanwendung genauso im Vordergrund wie beim Kampf. Ich denke yi, qi, jing spielt bei jeder inneren Kunst eine Rolle, selbst bei der Kalligraphie und vergleichbarem.
Der Energiebegriff ist imho der selbe. Taiji wie Qigong öffnen die jinglou und dienen somit der Gesundheit, wirken auf die Haltug, Spannung, Organe und gleichen Körper und Geist wieder aus.
Tea
Bearbeitet von Schwarztee, 08 April 2011 - 22:54 Uhr.
#6
Geschrieben 09 April 2011 - 10:43 Uhr
Klar, man könnte noch auf kleineste Einzelheiten eingehen, aber im Prinzip ist der Unterschied doch mit dieser Aussage deutlich und richtig dargestellt.
http://wenwu-zeitschrift.de
#7
Geschrieben 09 April 2011 - 19:28 Uhr
im Prinzip habe ich auch keine großen Einwände. Vielleicht trotzdem ein paar Anmerkungen:
kampfsport7 sagte:
kampfsport7 sagte:
Ich nehme mich da gar nicht aus.
Zitat
Gruß
Bearbeitet von Nordlicht, 09 April 2011 - 19:34 Uhr.
#8
Geschrieben 09 April 2011 - 20:47 Uhr
Nordlicht sagte am 09 April 2011 - 19:28 Uhr:
Aktiv rumschieben kann unangenehm rauskommen und sollte erst nach einer Gewöhnungsphase geübt werden.
Imho lernt man auch Dinge zu beeinflussen die man unter Umständen gar nicht beeinflussen können möchte. und wenn es dann einem allzuleicht gelingt dies zu bewegen ohne es zu wollen, braucht es einen ruhigen Charakter und ein konditionierten Körper um nicht durchzudrehen.
(Dabei zähle ich hier das Leiten von Bewegungen nicht als aktiv rumschieben)
Mein Lehrer meinte man solle es einfach halten. Für Taiji braucht es kein solches QiGong.
Meistens geht es ja nur um Harmonisierung (des Atems, der Bewegung, der Emotionen etc)
Tea
#9
Geschrieben 10 April 2011 - 20:36 Uhr
Jadzia sagte am 08 April 2011 - 15:39 Uhr:
Hi Jadzia, natürlich unter TaiJi UND QiGong gleichzeitig. ByTheWay hab Chen im Zitat ausgespart, da auch die Yangs redundante Übungsfolgen kennen !!
@ kampfsport7
Zu deiner opener-Frage: Taiji ist immer QiGong, aber nicht alles QiGong ist TaiJi. Eisenhemd würde ich ich z.B. Kampfkunst-orientiertes QiGong nennen, jedoch von seiner Philosophie her nicht als TaiJi bezeichnen.
Bearbeitet von opendoor, 10 April 2011 - 20:37 Uhr.
#10
Geschrieben 12 April 2011 - 08:50 Uhr
Ich war am Sonntag auf einem QiGong-Lehrgang und hab dort sehr interessante und hilfreiche Sache fürs Baguazhang gelernt.
Dabei hat der Lehrer aber immer wieder betont, dass dieser Nutzen auch für Taijiquan, Xingyiquan und alle anderen inneren Stile absolut immanent sei.
http://wenwu-zeitschrift.de
#11
Geschrieben 27 April 2011 - 11:29 Uhr
WuDang sagte am 12 April 2011 - 08:50 Uhr:
Ich wollte mit meinem obigen Post nur darauf hinweisen, dass es inneres (Neigong) und äußeres QiGong gibt (wobei die Grenze nicht immer entlang der Unterteilung stilles und bewegtes QiGong verläuft !!).
Und insofern hast du natürlich Recht: inneres (wie auch äußeres) QiGong ist Basisarbeit für alle inneren Stile. Aber genauso wird ein äußerer KK Stilist sich häufig auf inneres QiGong berufen und es als unverzichtbare Basisarbeit nicht missen wollen.
Außerdem kommt hinzu, dass beim TaiJi allein schon das Üben der Routinen und Formen schon auch schon wieder gleichzeitig QiGong-Üben bedeutet.
Bearbeitet von opendoor, 27 April 2011 - 11:31 Uhr.



