Ikeda Hiroshi
#1 Gastpilgrim_*
Geschrieben 21 Juni 2011 - 14:01 Uhr
ich überlege, bei einem Lehrgang von Ikeda Hiroshi eine "Stippvisite" zu machen. (Geht leider nicht anders, da ich Fr und So selber unterricht bzw. arbeiten muß.)
Hat von Euch schon mal jemand bei ihm geübt? Kann ihn jemand aus eigener Erfahrung "einordnen"?
Ich kenne ihn bloß von Videos und finde es interessant, was er zeigt.
Grüße,
Carsten
#3 Gastpilgrim_*
Geschrieben 24 Juli 2011 - 11:26 Uhr
War ein langer Tag, der sich aber für mich hochgradig gelohnt hat.
angel-o-sphere sagte am 29 Juni 2011 - 21:04 Uhr:
Ich hatte den Eindruck, daß nicht sehr viele der Teilnehmer regelmäßig bei Ikeda üben. Auch nicht aus der französischen Fraktion. Nur einige wenige waren für mich deutlich als Schüler erkennbar, die dann auch auffallend anders, klarer mit dem umgehen konnten, was sensei gezeigt hat.
@ ten-chi:
Ich kopiere mal einen Satz von dir, der in dem thread "Als Lehrer selber lernen" gefallen ist:
ten-chi sagte am 02 Juni 2011 - 22:23 Uhr:
Das, was ich mit dem Gedanken "inneres aikido" verbinde, hat sich auf dem Lehrgang z.B. darin geäußert, das Gleichgewicht ovn uke zu brechen, ohne sich - äußerlich sichtbar - zu bewegen. Das ist vielleich auf den Punkt gebracht das markanteste oder plakativste Merkmal, um zu beschreiben, worum es mir geht.
Tori und uke haben Kontakt, sensei sagt "his balance is broken - is not - broken again - can throw now .." Und es ist nichts zu sehen bei tori. Der Verdacht, daß uke das absichtlich mit sich machen läßt ("You think he is taking ukemi for me, ha?" wird benannt und Überprüft.
Ich hatte einige male die Gelegenheit, selber als uke vorne zu sein. Und man spürt sehr präzise im eigenen Körper, daß etwas und was genau geschieht. Gleichgewichtsbrechung in unterschiedliche Richtungen, wiedergeben des Gleichgewichtes, "Beeinflussung" unterschiedlicher Orte im Körper (Schulter, Ellenbogen, Knie ...) ohne daß tori sich irgendwie äußerlich bewegt. Man sieht schlicht nix. Man spürt es aber völlig klar.
Da ich wußte, daß es solo-Übungen gibt, um dieser Möglichkeit näher zu kommen, daß aber weder Endo, noch Ikeda diese Übungen isoliert unterrichten, habe ich sensei direkt danach gefragt und er hat mir zwei gezeigt. Mit dem Ziel, das Zentrum /dantien /seika tanden innerhalb des Körper bewegen zu können. Für mich war interessant, daß ich diese Übungen bereits ganz früher vom aikido kannte, daß ich aber seit langer Zeit nur bei meinem Lehrer erlebt habe, daß er derleic Dinge - manchen bzw. manchmal - zeigt.
Ok, also Gleichgwicht brechen, "werfen" ohne daß bei tori eine äußerliche Bewegung wahrnehmbar ist. Das ist ein Aspekt von dem, was ich mit "innerem aikido" meine. Und was ich an manchen Stellen sehe und erlebe und an anderen eben nicht. Aber es kann ja auch sehr gut sein, daß ich das einfach nur nicht sehe. Vielleicht ist all das ja nur für mich persönlich eine - seit einiger Zeit - neue Entdeckung.
Insgesamt ist jedenfalls das, was Ikeda zeigt, sehr nahe an dem, was Endo übt: Die Begrifflichkeiten sind unterschiedlich, die Übungsformen, die sie je für sich entwickelt haben z.T. auch. Aber das, was substantiell darin liegt und was geübt werden soll, das ist völlig identisch.
Auch die Intention: Aikido ohne Kraft, sondern durch Kontakt, aiki als Veränderung der Struktur des uke und nicht als "Verlängerung" von dessen Bewegungen, aiki auch ohne auf eine Energie von uke angwiesen zu sein, also der Gedanke, daß tori eine Verbindung schafft usw. Ganz nahe beeinander.
Hach, das war schön!
#4 Gastpilgrim_*
Geschrieben 25 Juli 2011 - 11:29 Uhr
Interessant sich immer wieder klar zu machen, welche Bedeutung Tohei in den US bis zum "big split" gehabt hat. Das ist ganz anders, als hier in Europa.
#5
Geschrieben 25 Juli 2011 - 12:40 Uhr
pilgrim sagte am 24 Juli 2011 - 11:26 Uhr:
Ja, schön.
Aber auch wenn eine Euro-Münze eine Vorder- und eine Rückseite hat, kannst du niemals nur mit der Vorderseite bezahlen, du brauchst immer die Ganze.
Das ist der Grund warum es für mich kein "äußeres" oder "inneres" aikido gibt.
pilgrim sagte:
Nein, ist es nicht. Die Shihan die in den 60ern nach Europa kamen, orientierten sich sehr stark an Toheis Lehrmethode.
Zumindest weiß ich es von Asai persönlich, er übernahm damals Toheis Methode, die dieser eigens für die "Westler" entwickelt hat.
Erstaunlich ist, dass er trotz dieser Methode dennoch sehr wenig redet.
Der Hunger nach logischen Erklärungen scheint aber in Europa ungebrochen zu sein, und wenn ich dann in bestimmten Kreisen von Aikido als "logischem System" höre, gruselt es mich manchmal.
#6 Gastpilgrim_*
Geschrieben 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr
ten-chi sagte am 25 Juli 2011 - 12:40 Uhr:
Das ist der Grund warum es für mich kein "äußeres" oder "inneres" aikido gibt.
Ich habe keine rechte Vorstellung davon, was du meinst?
Ich erlebe jedenfalls, daß bestimmte Auffassungen, wie sie z.B. ein Lehrer wie Ikeda übt und vermittelt, etwas anderes sind als eine Form von aikido, die darin besteht, sich nur äußerern Bewegungen eines Partners zu verbinden. Das sind nach meiner Erfahrung auch nicht zwei Verstehensweisen von aikido, die ineinander überführt werden können. Oder die gar nach langem Üben automatisch zueinander führen.
Denke ich jedenfalls. Ich sehe jedenfalls nicht, wie das zusammengehören kann.
Darum meine Frage: Was sind Vorder- und Rückseite für dich? Und was ist das Ganze?
Ich habe immer mehr und immer dringender das Gefühl, daß es ganz unterschiedliche Münzen gibt.
Zitat
pilgrim sagte:
Zitat
Aber abgesehen davon habe ich bis letzten Samstag noch nie (!) einen Lehrer, ob nun mit Hintergrund im Aikikai Deutschland oder BDAS oder FFAAA oder DAB oder ... so ganz selbstverständlich nebenher eines der Prinzipien des ki-aikido benutzen hören. Ich kenne das wirklich nur von Lehrern oder Übenden, die auf welche Weise auch immer mit dem Tempukai oder Tohei verbunden sind.
Zitat
Eine von Tohei entwickelte Lehrmethode ist mir noch nie begegnet? (Endo hat im Gegenteil mal in einem Interview gesagt, daß er zwar ganz offentsichtlich sehr viel zu geben hatte, aber seine Lehrmethode nicht wirklich dazu geholfen hat.)
Zitat
Und was das "logische System", wie es z.B. von Tissier gemeint ist, darf man das nicht mit einem Klassifizierungssystem wie bei Ikeda Masatomi verwechseln oder mit einem Übungssystem wie im Shodokan oder dergleichen.
Sondern es geht dabei in erster Linie darum - wenn ich es richtig verstehe - daß das, was man tut, ein bestimmte Struktur hat. Eine inner Notwendigkeit und Klarheit. So daß man z.B. wissen kann, was als nächstes geschehen wird (Antizipation /sensen no sen ...) Oder auch, daß den Dingen bestimmte Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen, wie z.B. ki ken tai ichi. Oder die Komplementarität von yin und yang.
Ich persönlich mag diese Formulierung eines logischen Systems auch nicht wirklich. Es klingt für mich zu wenig lebendig.
Der Gedanke aber daß das, was wir da tun eine bestimmte Struktur hat und nicht einfach beliebig ist, der ist für mich inzwischen wichtig. Und evident.
#7
Geschrieben 25 Juli 2011 - 17:19 Uhr
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Na was werde ich schon meinen? Außen und Innen, vorne und hinten, oben und unten, Feuer und Wasser, Yin und Yang.
Wäre komisches Aikido, bei dem man sich nicht bewegt.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Ich kenne keine Form von Aikido, bei der entweder nur das Eine, oder nur das Andere geübt wird, beides wäre nicht vollständig.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Tja, für den Einen sind es andere Münzen, für den Anderen sind nur andere Köpfe drauf.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Asai und Andere, mit denen er sich über dieses Thema ausgetauscht hat. Jedenfalls hat er viel mit Tohei und den anderen darüber gesprochen.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Komisch, für mich war das von Anfang an mit dabei. Der "Eine Punkt", der unbeugbare Arm, etc. etc. Hat Ueshiba in anderer Form aber auch erklärt. Tada sagte immer, es sei das Gleiche, in etwas anderen, "altmodischeren" Worten.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Er hatte eine Methode, grundlegende Dinge einfach und anschaulich zu erläutern, nicht nur die Tempukai-Sachen. Wenn das für Endo nicht hilfreich war, liegt es vielleicht auch an Endo.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Nein, aber er HAT etwas erklärt und gezeigt, was in Japan zu dieser Zeit wohl eher nicht üblich war.
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Man weiß nie, was als nächstes geschehen wird, wenn man die Ereignisse nicht in die richtige Richtung lenkt. Das hat aber nichts mit Logik zu tun, sondern damit ob man in Übereinstimmung mit den Prinzipien handelt.
Bearbeitet von ten-chi, 25 Juli 2011 - 17:20 Uhr.
#8 Gastpilgrim_*
Geschrieben 26 Juli 2011 - 10:24 Uhr
ten-chi sagte am 25 Juli 2011 - 17:19 Uhr:
Ich denke, bis zu einem gewissen Grad kennen wir das ja alle: Wenn wir gotai üben, dann gibts wenig Bewegung. uke greift z.B. gyaku hanmi katate dori, erdet sich und dann ist erstmal Pause. Normalerweise wird dieses Standbild dann durch tori aufgelöst, der eine bestimmte Technik ausführt. Dann bzw. dadurch bewegt sich auf uke.
Wenn man sich jetzt vorstellt, daß tori sich - äußerlich - überhaupt nicht merkbar bewegt, das Gleichgewicht von uke aber dennoch gebrochen wird, so daß er sich bewegen muß. Entweder zu Boden, oder mindestens, um sein Gleichgewicht wieder zu finden, dann hat man - aus meiner Sicht - eine Form von aikido, bei der man (tori) sich nicht bewegt.
Möchte man an dieses kuzushi bestimmte waza anschließen, wird sich tori natürlich bewegen müssen. Und wir sind bei deiner Aussage.
Das hat übrigens viel mit yin und yang zu tun.
Zitat
pilgrim sagte am 25 Juli 2011 - 14:35 Uhr:
Das Üben der inneren Aspekte, der Beachtung von Körperstruktur und -organisation und das Verständnis von aiki als ein "Einloggen" in die Körperstruktur des Partners durch Kontakt/connection/atari kenne ich eher als eine Besonderheit, denn als "Normalität". Selbst in meinem aikido-Umfeld ist das nicht etwas, das ich als Standard bezeichnen würde.
Zitat
Hm, das klingt für mich so, als sei allen und immer klar, was das denn eigentlich ist, "aikido"?Ich glaube, so einfach ist das - für manche Lehrer - nicht (mehr).
Endo betont immer wieder daß das, was er zeigt, anders ist, als das, was die übrigen shihan unterrichten. Das mag man gut oder schlecht finden. Fakt ist jedenfalls wohl, daß er das, was er unterrichtet nicht einfach so einsortiert in "das Ganze". Er zeigt im Gegenteil sehr konkret die Bewegungen, die wahrscheinlich den allermeisten aikidoka sehr vertraut sind und sagt: So nicht. Wenn ihr so übt, werdet ihr erstens auch in 30, 40 Jahren Praxis nichts erreichen. Und es ist zweitens nicht das, was ursprünglich gemeint ist.
Ikeda hat ganz genauso das, was er tut, jedenfalls bei diesem Lehrgang, ausdrücklichst abgegrenzt gegen die verbreitete Form dessen, was heute als aikido unterrichtet wird. Und er hat genau die gleiche Ausführung der Techniken als Negativbild gezeigt, auf die sich auch Endo bezieht. Exakt das gleiche. Und eben Formen, die du - nach meiner Wahrnehmung - in den allermeisten dojo finden wirst. Und dann mit seinem japanischen Akzent: "No aikido! Doesn't work! Only work weak people, not strong!"
Ich denke, daß unterwegs viel verloren gegangen ist. Große dojo, Menschen die ein- oder zweimal in der Woche üben. Lehrer, die sich auf eine solche Sitution einstellen. Ich weiß nicht, was die wirklichen Ursachen sind. Aber ich sehe vieles, was als aikido dargestellt, gebüt, gelehrt wird, was aber letztlich eben wirklich nur ein sehr äußeres und äußerliches Üben ist.
Um ehrlich zu bleiben ist mir bei diesen Aussagen wichtig: Das, was ich am WE geübt habe, kann ich zu Hause nicht wirklich reproduzieren! Ich kann darüber schreiben, was ich erlebt habe, aber ich kann das bisher nicht wirklich umsetzen. Aber ich habe mir wie gessagt Soloübungen von Ikeda zeigen lassen, mit denen ich erstmal anfangen kann. Und sie eng mit dem zusammenhängen, was auch Endo unterrichtet, wird sich das entwickeln.
Zitat
Und es gibt die Orientierung an Frankreich, von dort ist derlei nicht zu uns gekommen.
Zitat
Aber insgesamt, war das, was vom Tempukai herkommt immer etwas "Spezielles", etwas "Besonderes". "Unser" aikido stand damit nicht wirklich in direktem Zusammenhang.
Zitat
Zitat
Vielleicht.
Ich selber kann mit diesem systemischen Aspekt nicht wirklich etwas anfangen.
#9
Geschrieben 26 Juli 2011 - 11:19 Uhr
Zitat
--- hat sich eben mit deinem anderen beitrag erledigt. connection/atari. danke.
Bearbeitet von ingolf, 26 Juli 2011 - 11:23 Uhr.
#10
Geschrieben 26 Juli 2011 - 11:34 Uhr
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 10:24 Uhr:
Das hat übrigens viel mit yin und yang zu tun.
Man wird sich auch schon vorher bewegen müssen, denn bei diesem Kuzushi bzw. Übungen der Art, die du hier beschreibst, handelt es sich um gestellte Situationen.
Im Aikido geht es immer noch um körperliche Angriffe, die eventuell Aua machen wenn man sich nicht bewegt.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 10:24 Uhr:
Es ist ja nun nichts neues, dass Leute meinen etwas "anderes" zu unterrichten und das andere kein "richtiges" Aikido machen.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 10:24 Uhr:
Es ist doch klar, dass wenn man Bewegungen ohne Ki macht, nichts dabei herauskommt als ein "schwaches" Aikido.
Jeder Lehrer bei dem ich geübt habe, hat dies betont und Beispiele von Bewegungen gezeigt, die "leer" sind.
Wer hätte je gesagt, dass es unwichtig sei die verschiedenen Aspekte von "Ki" im Aikido zu üben?
Ich habe z.B. vieles, was ich übe oder woran ich arbeite, in dem Buch von William Gleason wiedergefunden.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 10:24 Uhr:
Diese Dinge kommen nicht nur aus dem Tempukai. Ueshiba hat doch ständig solche Dinge gezeigt und erklärt.
Tohei sagte doch selbst, O-Sensei habe ständig über Ki geredet.
Nur weil man seine Erklärungen nicht verstanden hat, sind manche zum Tempukai gegangen um sich die Sachen dort erklären zu lassen.
Ich habe doch schon öfter Tada Sensei zitiert, der meinte, es wäre gar nichts großartig anderes.
Das bei euch früher diese Sachen kein Thema waren, wundert mich wirklich.
Daher ist es aber auch nicht erstaunlich, dass sich da eine neue Welt zu eröffnen scheint.
Bearbeitet von ten-chi, 26 Juli 2011 - 11:35 Uhr.
#11 Gastpilgrim_*
Geschrieben 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr
ten-chi sagte am 26 Juli 2011 - 11:34 Uhr:
Mir geht es hier darum, daß ich immer wieder erlebe, daß aikido als eine Kunst verstanden wird, in der eine Bewegung des Angreifers aufgenommen, weitergeleitet und entweder gegen ihn selber oder ins Leere geführt wird.
Entsprechend wird dann gar nicht statisch geübt, wird nicht zugelassen, daß der Angreifer sich eingräbt, bei Greifangriffen fest greif usw..
Bei jenen, die doch (aus didaktischen Gründen) statisch arbeiten, wird der Partner zumeist dadurch bewegt, daß tori sich in bestimmter Weise bewegt. Zum Beispiel die Freiheit der Füße nutzt, um sich neu zu positionieren oder dergleichen.
Wir nun haben bei dem Lehrgang Übungen probiert, bei denen sich tori äußerlich nicht bewegt hat. Bzw. sensei hat sich nicht oder kaum bewegt. ;-)
Natürlich: Das sind didaktische Formen, Übungen, ...
Ikeda hat bei fast allen ein sehr langsames Tempo gezeigt, d.h. uke hat gegriffen und sensei hat die Beziehung ganz langsam aufgebaut. Dann hat er das Gleiche gezeigt schnell, sofort im Moment des Kontaktes umgesetzt. Und schließlich hat er gezeigt, wie bzw. wo das in den klassischen waza vorkommt. (Deren Form dann interessanterweise denen von Endo sehr ähnlich waren.)
Zitat
Im Ernst, ich finde das schon ulkig: Ikeda ist einer der wichtigsten Vertreter von Saitos Verband in den USA und ganz sicher kein Eigenbrötler. Und Endo war der offizielle "Außenminister" des aikikai. Also auch niemand, der hinterm Wald so vor sich hinmuckelt.
Ich höre jedenfalls solche Sätze nicht besonders gern. Ich glaube, daß es beiden letztlich darum geht, daß sie feststellen, daß bestimmte Dinge verloren gegangen sind. Und diese Elemente wieder verstärken wollen. Ich denke, dazu muß man sich aber nicht in dieser Form abgrenzen.
Zitat
Jeder Lehrer bei dem ich geübt habe, hat dies betont und Beispiele von Bewegungen gezeigt, die "leer" sind.
Ich kenne auch nicht viele Lehrer, da ich für Lehrgänge immer nur Zeit investiert habe für Lehrer der Richtung, die ich kenne.
Was aber meinst du denn mit "Bewegungen ohne Ki"? Ich habe Ki sehr oft als etwas nicht Greifbares, ätherisches, spirituelles ... beschrieben bekommen.
Konkreter und vor allem körperlicher ist es für mich geworden durch die shiatsu Lehrgänge in unserem dojo Früher. Und durch ein betimmtes Verständnis der Techniken und der Körperarbeit im aikido. Das ist durch die Orientierung an Endo verstärkt worden und bei dem Lehrgang von Ikeda ist der Begriff ki wenn überhaupt dann nur mal nebenher gefallen.
Ki hat für micht mit Körperorganisation, Durchlässigkeit, Struktur, Weichheit usw. zu tun.
Zitat
Zitat
Zitat
Das ist doch aber auch ein müßies Gespräch. Für Tohei hats funktioniert. Es gibt heute noch ki-aikido. Und in den USA ist das sogar eine sehr einflußreiche Strömung. Mit inzwischen auch schon wieder x Ablegern. Die Diskussion darum ist also einigermaßen akademisch, oder?
Zitat
Daher ist es aber auch nicht erstaunlich, dass sich da eine neue Welt zu eröffnen scheint.
Aaaaber das Verständnis von ki, die entsprechenden Übungsformen etc. die bei uns unterrichtet wurden, stammen aus einer anderen Tradition, als das, was Tohei oder eben Tempu unterrichtet haben. Das ist eigentlich relativ simpel. Es ist halt eine Linie, die eher auf ander Lehrer zurückgeht und auf deren Verständnis.
Hm, daß ich von dem, was ein besimmter Lehrer zeigt, begeister bin, ist - für mich jedenfalls - noch einmal etwas anderes, als "daß sich eine neue Welt zu öffnen scheint". Den Effekt hatte ich in etwa, als ich Endo sensei das erste mal erlebt habe und mir bewußt wurde, was eigentlich aikido wirklich ist. Da hatte ich noch nichts gehört oder verstanden. Ich wußte nur,daß ich etwas Besonderes vor Augen hatte. Bei Ikeda jetzt habe ich durch seine Unterrichtsweise eigentlich "nur" einen zentralen Aspekt noch einmal neu oder besser verstanden, als vorher.
Es geht ja nicht darum "bewegungsloses" aikido zu machen. Ging es auch am Wochenende nicht. Sondern dabei ging es nur darum bestimmte Aspekte zu üben. Also z.B. die Verlagerung des seika tanden innerhalb es Körpers. Oder das Lenken des atari / connection zu ganz bestimmten, konkreten Stellen im Partner des Körpers und so Kram.
Dinge eben, an denen ich vorher so rumgeübt hatte, weil ich meinte, das müsse doch die Konsequenz sein, aus dem, was wir sonst üben.
Ich vermute, daß das Aspekte sind, die manchen anderen Schüler von Endo im tai chi findne, oder die z.B. mein Lehrer aus seiner klassischen koryu her kennt.
(Ich glaube, ich kann füüüüühlen, was du denkst, ten-chi, während ich den letzten Satz schreibe.
Bearbeitet von pilgrim, 26 Juli 2011 - 12:48 Uhr.
#12
Geschrieben 26 Juli 2011 - 14:06 Uhr
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Ich nehme mal an du meintest Saotome Sensei ....
Noch eine Querverbindung zu dem parallel laufenden Thread (wobei ich glaube dass das hier besser passt)
Zitat
L.G
Bearbeitet von stillalive, 26 Juli 2011 - 14:20 Uhr.
-Das zu wissen, das ist Weisheit-
-Es sich nutzbar zu machen, ist die Kunst-
#13 Gastpilgrim_*
#14
Geschrieben 26 Juli 2011 - 16:34 Uhr
Zitat
Auch andere Dinge hören sich für mich stark nach dem an, was ich aus dem Ki-Aikido kenne. Einer meiner Lehrer hat mir mal die Hand auf die linke Schulter gelegt und gesagt: "Und nun beuge ich dein rechtes Knie." Und schwupps war ich unten. Er hat das mal mehr oder minder so erklärt, dass durch die Veränderung seiner Intention (von "ich lege meine Hand hier ab" zu "ich beuge jetzt sein Knie") viele kleine und kaum (oder garnicht) spürbare (schon garnicht sehbare) Veränderungen im Körper stattfinden (hier wird ein Muskel entspannt - dort einer ein klein wenig angespannt), was dann das gewünschte Resultat erzeugt. Das ist für mich wie bei den Ki-Test. Einer schiebt und und man spürt, wie man entweder gegenhält oder einfach entspannt und stabil steht. Äusserlich verändert sich da garnichts.
Das lernen durch "Reinfühlen" in den Partner, anstelle der reinen Praxis von Kihon Waza, wäre auch etwas, dass mir aus Heidelberg noch sehr vertraut ist.
Und dann natürlich noch Hitori waza??
Ich bin ehrlich etwas überrascht über deinen Beitrag. Finde ich aber interessant die Richtung die du da eingeschlagen hast.
Bearbeitet von Konparu, 26 Juli 2011 - 16:35 Uhr.
#15
Geschrieben 26 Juli 2011 - 17:54 Uhr
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Auf einer rein mechanischen Betrachtungsebene ist das ja zum Teil auch richtig, aber nur zum Teil.
Es geht aber immer um Ki.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Kraftlose, leere, schlaffe oder im Gegenteil verkrampfte, blockierte Bewegungen, ohne Beziehung zur Mitte, ohne Richtung. Wie ein McDo-Brötchen als Bewegung.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Sicher. Aber es gibt viele Aspekte von Ki.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Was findest Du daran lustig? Es zeigt doch nur dass Menschen gewohnt sind in Schubladen und Kategorien zu denken.
Es ist für mich selbstverständlich, dass man über das tägliche körperliche Üben zu diesen Dingen findet. Tatsächlich sind aber bei uns diese inneren Aspekte immer Bestandteil des Unterichts gewesen, wenn auch auf eine sehr körperliche und weniger esotherische Art.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Zitat
Ich gestehe Tada Sensei einen recht großen Erfahrungsvorsprung zu, diesen Sachverhalt beurteilen zu können.
hinter dem Weggang von Tohei stecken ganz andere Dinge (wie du selbst weißt) als irgendwelche unterschiedlichen Lehrinhalte, sonst hätte Tada nämlich ebenrfalls gehen müssen. Statt dessen hat er vom 2. Doshu den 9. Dan verliehen bekommen.
Was Ueshiba angeht war er ein ziemlicher Kauz, warum er mit wem wann rumgeschimpft hat, wir heute niemand von uns mehr beurteilen können (Jedenfalls hat ER Tohei nicht rausgeworfen), vielleicht war er einfach stinkig weils bei ihm keiner kapiert hat, zudem war bei ihm alles einer ständigen Entwicklung unterzogen.
Das Argument der unterschiedlichen Traditionen ist für mich nicht haltbar, da auch in Ueshibas Gedankenwelt ganz unterschiedliche Strömungen zusammenflossen, heraus kam ein shintoistisch-buddhistisches Konglomerat verschiedener Schulen, mit einem sehr großen Einfluss der oomoto-kyo Religion, die selbst auch aus verschiedenen Richtungen "zusammengebastelt" wurde, was für japanische Sekten nicht gerade ungewöhnlich ist.
Aber alles in allem war er ein Eklektiker, der auch seine eigenen Lehrer verlassen hat (oder umgekehrt), wenn es nicht mehr gepasst hat.
Ich denke, es geht im Wesentlichen um Ki und dessen Verständnis. in welches Gedankengebäude da die Erkenntnisse eingebunden werden, spielt vielleicht nicht die herausragende Rolle. Ueshiba war nicht so kleingeistig, er hat auch niemandem seine Religion aufgezwungen, von daher kann ich mir nicht vorstellen dass er wirklich etwas dagegen hatte dass die Leute zu Tempu gingen. Wenn es wirklich völlig gegensätzliches Gedankengut gewesen wäre und er es unerträglich gefunden hätte, hätte er diese Schüler nicht mehr unterrichtet.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
(Ich glaube, ich kann füüüüühlen, was du denkst, ten-chi, während ich den letzten Satz schreibe.
Was du glaubst zu fühlen was ich denke, weiß ich nicht.
Eigentlich denke ich dazu erst mal überhaupt nichts.
Mir fällt dazu nur ein, dass jemand der bei mir mal einige Zeit Aikido geübt hat und schon ein paar Jährchen tai-chi geübt hatte, sagte, dass er durch das Üben von Aikido sein tai-chi erst richtig verstanden hat.
#16
Geschrieben 26 Juli 2011 - 19:28 Uhr
wie wohl andere auch, glaube ich mich zu erinnern, dass Du in Deinen Beiträgen hier früher sehr oft und eindeutig Aikido als rein körperliche Übung verstanden und beschrieben hast. In verschiedenen Deiner jüngeren Beiträge liest sich das nun anders. Schön, da sind wir dann ein Stück näher beinander.
Bemerkenswert finde ich auch, dass wohl doch sowohl Tissier als auch Endo etwas Eigenes zu vermitteln haben. In meiner Erinnerung stecken noch Aussagen von Dir, dass z.B. Tissier heute den Ikkyu genauso ausführt wie vor vielen Jahren und dass es nur eine unveränderliche Urform jeder Technik gibt, die sich bis auf O Sensei oder noch weiter zurück zurückführen läßt.
Da haben wohl verschiedene Lehrgangsbesuche und die Zeit (des Übens) Deine Meinung verändert?
Aber ich möchte ganz kurz auf einen Punkt Deines vorletzten Postings eingehen, obwohl Tenchi auch schon etwas dazu geschrieben hat.
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Wenn O Sensei selbst ein so großes Problem mit Toheis Unterricht gehabt hätte, dann wäre der Weggang Toheis wohl schon zu Lebzeiten O Senseis und vor Verleihung des 10. Dan erfolgt. Oder?
Du hast selbst die große Bedeutung Tohei Senseis für die weltweite Verbreitung und den Einfluß seiner Lehren bis heute, vor allem ausgehend von Hawaii in die USA, geschildert.
Warum ist es Dir nach meinem Eindruck so wichtig, auf (meiner Meinung nach offensichtlich) unterstellte Differenzen zu Ueshiba Morihei hinzuweisen???
Ich frage deshalb, weil diese Botschaft immer wieder mal, wenn auch in immer größeren Abständen, in Deinen Postings in Nebensätzen auftaucht.
Mit besten Grüßen
Maik
Bearbeitet von askerde, 26 Juli 2011 - 19:29 Uhr.
#17 Gastpilgrim_*
#18
Geschrieben 27 Juli 2011 - 08:54 Uhr
hat den bei ikeda uke eigentlich keine wahl loszulassen? - ich meine, wenn ich mir die videos so anschaue, sieht es so aus, als wenn die "techniken" deswegen funktionieren, weil uke einfach an seinem festhalten festhält. - nicht immer ist loslassen eine gute idee. deswegen interessiert mich, ob uke (und du pilgrim warst ja einer) das gefühl hat, nicht loslassen zu können (und sei es, weil es eine schlechte idee ist - unabhängig vom vorführen).
ich meine wie z.b. in diesem video zu sehen (obwohl er sich da bewegt)
bei 0:53 meine ich einen uke zu sehen, der sich das leben scheinbar unnötig schwer macht, obwohl in gerade diesem fall, wie vermutet, losslassen wohl eben nicht so einfach ist.
Bearbeitet von ingolf, 27 Juli 2011 - 09:08 Uhr.
#19 Gastblauvogel_*
Geschrieben 27 Juli 2011 - 09:40 Uhr
nach pilgrims beschreibung hätte ich etwas anderes erwartet
natürlich sieht man bewegung. auch der arm bewegt sich immer in irgendeiner form.
ich dachte, er würde nahezu unbeweglich dastehen und die uke purzeln nur so durch die gegend.
diese feinen bewegungen dürften für pilgrim ja nix neues sein.
ich hätte eine frage an die ki-aikido-fraktion:
hier scheint ja ein grosser konsens zu sein, alllerdings sehe ich wesentliche punkte, die hier verglichen werden nie so auf ki-aikido-videos. bleiben wir doch gerade am beispiel der feinen arm bzw. handgelenksbewegungen. diese wird ja nicht durch reine intention beeinflusst.
gibt es ein ki-aikido-video, bei dem ihr der meinung seid, dass man das da gut sehen kann ?
noch zu ingolf: wenn uke loslässt hat er die hand auf der nase oder sonstwo. ein uke hält nicht, weil er gerade nichts anderes zu tun. das ist ja gerade eines dieser "spannungsfelder".
#20 Gastpilgrim_*
Geschrieben 27 Juli 2011 - 09:46 Uhr
Zunächst möchte ich mich entschuldigen!
askerde sagte am 26 Juli 2011 - 19:28 Uhr:
pilgrim sagte am 26 Juli 2011 - 12:47 Uhr:
Weil das, was er unterrichtet hat, Gedankengut von Tempu Nakamura war und nicht mit dem zusammengepaßt hat, was Ueshiba unterrichtet hat.
Ich frage deshalb, weil diese Botschaft immer wieder mal, wenn auch in immer größeren Abständen, in Deinen Postings in Nebensätzen auftaucht.
Es war nicht meine Absicht, Streitigkeiten über Richtungen, Lehrer, geschichtliche Abläufe oder Dergleichen zu beginnen oder zu befeuern!
Und es tut mir sehr leid, wenn meine Äußerungen als Angriff oder gar Verunglimpfung von Tohei sensei oder Derjenigen, die sein aikido üben und unterrichten, aufgefaßt werden müssen. Denn das ist definitiv nicht meine Absicht.
Carsten
@ Maik: Bitte schau in deine PNs.
Bearbeitet von pilgrim, 27 Juli 2011 - 09:52 Uhr.



