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Ikeda Hiroshi


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90 Antworten in diesem Thema

#81 ten-chi

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    Aikido (zaidan hōjin aikikai), Goju-Ryu Karate
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Geschrieben 03 August 2011 - 12:00 Uhr

Beitrag anzeigeningolf sagte am 02 August 2011 - 11:35 Uhr:

man muss ja nicht gleich eine übung entwickeln. es würde fürs erste genügen, sich details zu widmen.

Daraus resultieren diese Übungen ja eigentlich von selbst. Es ist nichts anderes als das Üben von Details.

Ich persönliche ziehe es im Allgemeinen eigentlich vor, komplette Bewegungen zu üben, die Details kommen dort ja genauso vor.

#82 ingolf

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Geschrieben 03 August 2011 - 14:20 Uhr

hast ja recht, aber ich meinte, dass man vielleicht erst mal eine kleine stelle in der kompletten bewegung absichtlich variiert. neben der natürlichen unschärfe (also der variation, die sich von selbst ergibt) natürlich. damit ergibt sich endlich vielleicht keine neue technik, aber vielleicht funktioniert die ursprüngliche dann besser.

...gibt es da nicht dieses französische sprichwort, das sinngemäss so geht: "je mehr sich die dinge ändern, um so mehr bleibt alles beim alten"?
sei still

#83 ten-chi

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Geschrieben 03 August 2011 - 15:14 Uhr

Beitrag anzeigeningolf sagte am 03 August 2011 - 14:20 Uhr:

hast ja recht, aber ich meinte, dass man vielleicht erst mal eine kleine stelle in der kompletten bewegung absichtlich variiert.

Ja, das mache ich ständig. Nicht nur kleine Stellen, manchmal auch die gesamte Bewegung.

#84 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 15 August 2011 - 13:58 Uhr

Beitrag anzeigeningolf sagte am 01 August 2011 - 08:04 Uhr:

vorsichtig angefragt: ...schliesst du aikido unter "so weiter" aus?
Nein. Ich habe aikido als eine für mich sinnvolle Methode, einen für mich richtigen Weg gefunden. Und ich habe ein bestimmte Form von aikido, ein konkretes Bild von aikido als für mich wegweisend gefunden.

Zitat

ich finde ja den satz von dir ganz gut; er verwundert mich nur ein bisschen wenn ich die gedanken vorher von dir in beziehung dazu setze:
Sich dieser Methode, diesem Weg, und konkreter diesem bestimmten Bild von aikido zu widmen und anzuvertrauen, sich dem zu übergeben und daran zu binden, zu verpflichten - für mich ist in diesem Zusammenhang der englische Begriff "commitment" spannend - bedeutet dann aber eben nach meinem Verständnis auch, sich von diesem Weg formen zu lassen und ihn so zu nehmen, wie er eben ist.
Daher gibt es aus meiner Sicht nicht den Widerspruch, den du hier siehst.

Zitat

... wer sagt denn, ob der ort im leben, den man gefunden hat, noch der passende ist?
Das Gefühl. Die Erfahrung. Das Erleben.
Man selber geht, bewegt und verändert sich.
Das Leben bewegt und verändert sich.

Wenn es richtig ist, zu üben, dann übt man. Wenn es richtig ist, mit üben aufzuhören, hört man auf. Das ist eigentlich ganz einfach. Wie bei allem anderen auch, ist aus meiner Sicht die Frage: Fühlt es sich gut oder richtig an? Oder eben nicht?

die grundlage von damals sich heute gewissermassen als sand oder luft herausstellt? - das muss ja nicht sein, aber nachprüfen kann auch nicht schaden. vielleicht ergeben sich einfach im lauf der zeit andere möglichkeiten (blickwinkel), sachen wahrzunehmen.

Zitat

ich weiss nicht ob es eine gute idee ist, das selberdenken jemand andern zu überlassen.
So, wie ich Üben verstehe, geht es nicht um Denken. Sondern um die Weitergabe von Wissen, oder anders um das Tradieren und Ermöglichen bestimmter Erfahrungen und das Erlernen bestimmter Fähigkeiten.
Dbaei geht es nach meiner Erfahrung darum, etwas zu finden, das scheinbar jenseits des eigenen Horizonts liegt. Ds man also durch selber "denken" nicht finden kann.

Zitat

auch wenn jemand am anderen flussufer winkt und sagt, "komm rüber", muss das nicht bedeuten, dass der weg dahin noch möglich ist. bzw. ob es auf der anderen seite wirklich schöner ist.
Oder es bedeutet, daß er eine Möglichkeit kennt, den Fluß zu überschreiten, die man selber nicht sieht. Und daß er von einem Ort weiß, den man selber nicht kennt. Das genau wäre denn ein Lehrer. Ob nun beim aikido. Oder auch ein spiritueller Lehrer. (Was ja eine andere Dimension meiner Existenz ist.) Einer, der bereits erlebt hat (先生 sen sei), was man selber noch erleben wird, kann, möchte.

Ob man sich einem solchen Überlieferungsprozeß anvertrauen möchte, oder nicht, liegt doch an einem selbst? Ob man den Fluß überhaupt überqueren möchte und auch, ob man der Person am anderen Ufer vertraut, muß man selber entscheiden. Und auch den Fluß durchqueren muß man dann noch immer selber.

Zitat

die umgekehrte atmung kann auch bei der ki-atmung untersucht werden. hier zieht man mal den bauch beim einatmen ein.
Das meine ich mit inverser Atmung: Ausdehnung beim Ausatmen und Einziehen der Bauchdecke beim Ausatmen. Sinn ist dabei die Aktivierung des hara und des tanden.
Eine feste oder bestimmte Verbindung von Atmung und Technik (also z.B. einatmen beim Annehmen und ausatmen beim Werfen oder so etwas) kenne ich so aus meinem aikido-Üben nicht.

Zitat

allerdings dreht sich das ganze um, wenn man schnell ausatmet wie beim kiai oder einer schnellen bewegung: frag mich nicht nach den mechanismen im bauch
Eine solche Umkehrung gibt es bei uns nicht: Das kiai z.B. entsteht durch das Einziehen der Bauchdecke.

Zitat

dass das von yoshigasaki kommt. - allerdings ist es auch interessant, dass man (er) immer wieder in schubladen landet.
Schubladen sind doch erst einmal schlicht Sortierhilfen? Interessant wird es ja dann, wenn jemand dann weiter ausdifferenziert und deutlich macht, wie sich seine Anschauung dann doch unterscheidet von dem, was man bereits kennt. Oder warum es aufgrund eines veränderten Kontextes anders einzuordnen ist, als gewohnt.
Hier konkret habe ich eben nicht verstanden, was für dich persönlich das Interessante oder Besondere an dieser Aussage ist, die mir recht geläufig zu sein schien.

Beitrag anzeigeningolf sagte am 01 August 2011 - 09:10 Uhr:

versteh mich bitte nicht falsch: es ist eine durchaus sinnvolle möglichkeit (wenn nicht gar die klassische schlechthin), sich von einem lehrer zeigen zu lassen, wie es geht.
... ich meinte hier, dass es auch durch eigene wahrnehmung möglich ist, herauszufinden, was sinnvoll ist.
...ich vermute, beide möglichkeiten führen wahrscheinlich letztlich zu der selben technik.
Ok, ich habe bisher andere Erfahrungen gemacht. Ich habe es bisher nie erlebt, daß das, was ich als Entwicklungsschritt bezeichnen würde, bei mir - oder auch bei anderen Übenden in meinem Umfeld - aus dem Schüler selbst heraus möglich war.
Und ich denke, es ist im Gegenteil je weiter man kommt, umso besser möglich, ganz unterschiedliche Formen "gut" oder "richtig" aussehen bzw. wirken zu lassen und zum funktionieren zu bringen. Da aber immer noch mehr darin liegt, als man je zur Zeit wahrnimmt, macht es durchaus einen Unterschied, an welcher man übt und welche weitergegeben wird.
Das jedenfalls ist das, was ich erlebe.

Zitat

variante eins ist meines wissens usus bei mudansha, variante zwei wird bei uns dannach langsam pflicht.
Wie gesagt: Nach meinem Verständnis sind die ersten vier dan Schülergraduierungen.
Und nach meinem Erleben, nimmt man mit höherer Graduierung umso eher wahr, was überhaupt zu üben wäre, was überhaupt der Lehrer eigentlich zeigt.
Es war ausgesprochen interessant von einem 7. dan die Basisarbeit von Endo vermittelt zu bekommen. Sehr wohltuend.

Beitrag anzeigeningolf sagte am 01 August 2011 - 10:13 Uhr:

worauf begründest du das vertrauen in deine senseis?
Das ist eine interessante Frage.
Ebenso wie die Gegenfrage, meine ich: Worin gründet denn das Mißtrauen gegenüber deinem Lehrer? Und worin das Vertrauen, das du dagegen umgekehrt in dich selber hast?

Aber um auf deine Frage zu antworten:
Ich habe erlebt und erlebe in vielen Bereichen meines Lebens die Weitergabe von Wissen und/oder Erfahrung durch Lehrer. Das ist etwas ganz Selbstverständliches in Fragen von Religosität und Spiritualität. Theologie kann man als Geisteswissenschaft studieren. Spiritualität und geistliches Leben nicht.

Und wenn man sich wissenschaftlich mit der Weitergabe religiösen Wissens beschäftigt, stößt man auf ganz ähliche Prozesse, wie ich sie beim aikido zu erleben meine.

Das Vertrauen in meinen Lehrer und dessen Lehrer gründet in meinen Erfahrungen mit mir selber. Es gründet in meinen Erfahrungen mit aikido (als ich diesen Lehrer gewählt habe, hatte ich gut 11 Jahre geübt) und in den Erfahrungen anderer Menschen, die ich gut kenne, mit ihm.
Und es gründet - etwas allgemeiner - eben in dem Wissen und auch der Erfahrung, daß die Weitergabe von Erfahrungen nur in dieser Weise geschehen kann. Es macht für mich einfach wenig Sinn, in einem einzigen Leben aus sich selbst heraus Dinge finden zu wollen, die unzählige Menschen Menschen in zig Generationen vorher angesammelt haben.

#85 ingolf

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Geschrieben 15 August 2011 - 15:43 Uhr

Zitat

Es macht für mich einfach wenig Sinn, in einem einzigen Leben aus sich selbst heraus Dinge finden zu wollen, die unzählige Menschen Menschen in zig Generationen vorher angesammelt haben.
es ist ja nicht ganz aus sich selbst heraus. - der lehrer unterstützt eben das herausholen ja. - aber wie es so schön heisst: jeder muss den weg selber gehen. - ich verstehe den weg (also in meine richtung) so, dass der lehrer zeigt, wie man sachen selbst herausfinden kann. mehr nicht. es geht darum eine gewisse selbständigkeit aufzubauen oder von mir aus erwachsen zu werden. - ich habe da von einer zengruppe gehört, die regelmässig alle schriften vernichtet, damit ja niemand sich auf den lorbeeren von anderen ausruht. (äh, um keine missverständnisse aufkommen zu lassen: lassen wir mal mudansha aussen vor)

konkret auf der matte beobachte ich meinen lehrer, wie er mir manchmal einfach nur zuschaut. wenn ich gar zu sehr daneben liege, macht er die kritische stelle so, als wenn er sie für sich noch mal durchgeht. an sonsten nickt er manchmal nur, was ich dann in den augenwinkeln sehe. das ist ein diffiziles unterrichten, eine gradwanderung zwischen zeigen und rausfinden lassen.

Zitat

Worin gründet denn das Mißtrauen gegenüber deinem Lehrer? Und worin das Vertrauen, das du dagegen umgekehrt in dich selber hast?
die (!) lehrer weisen ausdrücklich darauf hin, sie in frage zu stellen. - genau wie sich selbst. - dabei geht es nicht darum, alles anzuzweifeln, sondern einfach nur rauszufinden, wie es tatsächlich ist. wenn yoshigasaki eine technik zeigt, muss es nicht heissen, dass ich diese genauso machen kann. - z.b. braucht er manchmal aufgrund seiner kürzenen beine bei einer festhalte im stehen vielleicht einfach nur mit geraden beinen stehen, ich aber muss mindestens einen stock tiefer gehen, damit ich ukes arm gut kontrollieren kann. - wenn yoshigasaki über ionen redet, dann fällt es einem zugegebenermassen recht leicht, ihn anzuzweifeln. obwohl auf der anderen seite ein quentchen sinn dahinter steckt. den letzten schritt, rauszufinden welcher, überlässt er seinen zuhörern. - ähnliches z.b. bei den tsuzuki-waza. wenn man sich ein bisschen mehr damit beschäftigt, als diese vertrauensvoll nachzumachen, erkennt man vielleicht, dass diese eine logische kette bilden. - das anzweifeln des lehrers mündet oft in einem "aha"-effekt. was wiederum zu einer engeren bindung führt, wenn man erkennt, wem man diesen aha-effekt zu verdanken hat und auf welchem wege das geschehen ist. vielleicht glaubt man nur, alles selbst herauszufinden, weil der lehrer im hintergrund wirkt. - umgekehrt genauso: von meinem lehrer habe ich inzwischen gelernt, dass dieser recht aktiv sein muss, wenn er unterrichtet. er selbst kann nicht dem schüler vertrauen, dass es schon irgendwie werden wird. - wenn er aus einem anfänger einen schüler und aus einem schüler einen menschan machen will, dann muss er dran bleiben. muss ihn entwickeln, muss ihn dazu bringen selber fragen zu stellen (und zu beantworten). - das geht nicht "schnipp" nach dem 4. dan, sondern muss genauso entwickelt werden, wie sich bewegen zu können. - so seh ich das gerade. frag mich in 20 jahren noch mal.

Bearbeitet von ingolf, 15 August 2011 - 15:56 Uhr.

sei still

#86 ingolf

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Geschrieben 15 August 2011 - 16:06 Uhr

noch was: das vertrauen in meine lehrer begründet sich darauf, dass sie gewillt sind, mir zu helfen. - dabei gibt es keine garantie, dass sie richtig liegen.
sei still

#87 Gastblauvogel_*

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Geschrieben 15 August 2011 - 16:15 Uhr

Zitat

das ist ein diffiziles unterrichten, eine gradwanderung zwischen zeigen und rausfinden lassen.

das ist der spannende teil am unterrichten und am lernen.
was gibt man dem schüler vor und was gibt man ihm vor, damit er selbst es lernt.

ich habe das selbst bei allen lehrern, bei denen ich war, so erfahren.

manchmal ist die konzentration des schülers wichtiger, in der er dinge finden kann, als diese konzentration zu unterbrechen, weil er gerade etwas nicht ganz perfekt macht. :)

Zitat

es ist ja nicht ganz aus sich selbst heraus. - der lehrer unterstützt eben das herausholen ja. - aber wie es so schön heisst: jeder muss den weg selber gehen

sicher.

das lernen und die bereitschaft dazu muss der schüler schon mitbringen.

allerdings sollte der lehrer nicht auf einen weg verweisen, aber die schilder, die die richtung weisen, abbauen.

Zitat

er selbst kann nicht dem schüler vertrauen, dass es schon irgendwie werden wird. - wenn er aus einem anfänger einen schüler und aus einem schüler einen menschan machen will, dann muss er dran bleiben. muss ihn entwickeln, muss ihn dazu bringen selber fragen zu stellen (und zu beantworten). - das geht nicht "schnipp" nach dem 4. dan, sondern muss genauso entwickelt werden, wie sich bewegen zu können. - so seh ich das gerade. frag mich in 20 jahren noch mal.

das halte ich für eine logische folge vom aikido-training.
allerdings sind diese ansätze schon bei der ersten danprüfung rudimentär ein thema.
ich erinnere mich noch gut, als carsten mir den tip gab, bei der vorbereitung zur shodan-prüfung das aikido so zu zeigen wie man selbst es versteht.
da gab es eine menge fragen, die absolut selbstständig für sich selbst beantwortet und präsentiert werden mussten.

es war ein ungemein wichtiger schritt.

wenn ich heute unterrichte, dann tauchen in der vorbereitung und beim training auch fragen auf, die ich selbstständig beantworten muss.
das geschieht selbstverständlich und mit erstaunlicher selbstsicherheit, auch wenn ich mir bewusst bin, dass die antworten in 20 jahren andere sein können.
die schüler kommen trotzdem :)

Bearbeitet von blauvogel, 15 August 2011 - 16:17 Uhr.


#88 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 16 August 2011 - 08:17 Uhr

Beitrag anzeigeningolf sagte am 15 August 2011 - 15:43 Uhr:

ich verstehe den weg (also in meine richtung) so, dass der lehrer zeigt, wie man sachen selbst herausfinden kann.
Vielleicht unterscheidet sich unser Verständnis davon, was ein Lehrer ist oder besser: Was er nach unserer eigenern Auffassung sein sollte?

Nach meiner Auffassung ist ein Lehrer zunächst einmal nur jemand, der auf unterschiedlichen Ebenen repräsentiert, was überhaupt man finden können kann. Um in deinem Bild von neulich zu bleiben: Er ist bereits auf der anderen Seite des Flusses angekommen. Eines Flusses, von dem man selber ganz sicher war, daß man ihn nicht überqueren können kann.

Wenn dieser Lehrer dann auch noch zeigen kann, wie man dorthin gelangt und einen sogar dabei begleitet, ist das etwas sehr Schönes. Ich denke, es gibt aber ganz sicher auch Lehrer, die zwar diese Vorbildfunktion erfüllen, aber keine "Didaktiker" sind. Von Ueshiba selber wird ja gesagt, daß er - außer vielleicht in Iwama, das mag ja sein - nicht wirklich unterrichtet habe.

Zitat

es geht darum eine gewisse selbständigkeit aufzubauen oder von mir aus erwachsen zu werden.
Vielleicht gibt es auch da einen Unterschied bereits im Vorfeld?

Ich bin selbständig und auch erwachsen. Das ist nicht etwas, was durch das Üben erst vermittelt werden müßte. Sondern gerade das ist überhaupt die Voraussetzung des Übens. Jemand, der nicht selbständig und erwachsen ist - was immer das im Einzelnen heißen mag - wird nicht in der Lage sein, sich und sein Leben so zu organisieren, daß er kontinuierlich intensiv trainieren kann. Er wird auch nicht in der Lage sein, die Entwicklung im aikido in den eigenen, persönlichen Wachstumsprozeß zu integrieren, denke ich.
Und auch, wenn ich unterrichte, setze ich Selbtständigkeit und Erwachsen-sein voraus bei denen, die in mein Training kommen.
Und umgekehrt: Ein aikido Lehrer ist lediglich als aikidoka auf einem höheren technischen Niveau. Er ist kein besserer Mensch, hat nicht unbeding mehr Lebenserfahrung, ist nicht erwachsener, ist nicht spirituell fortgeschrittener, nicht beruflich weiter entwickelt oder was weiß ich ... Er weiß "nur" mehr über den technischen Weg des aikido.
Ich persönlich habe es in all den Jahren gar nicht so selten erlebt, daß jemand, der mir auf der tatami sehr weit voraus war, mich sogar unterrichtet hat, in ganz anderen Bezügen zu mir in die Beratung gekommen ist, meine Hilfe in Anspruch genommen hat, oder ich in meiner Rolle als Pastor agiert habe.

Was Erwachsen-werden und Selbständigkeit im aikido selber angeht, fallen mir dazu eigentlich nur zwei Situationen ein:
Wie blauvogel schreibt, ist es ein ganz wichtiger Aspekt bei der Vorbereitung zur shodan Prüfung, ein eigenes Verständnis zu entwickeln und sich selber zu verorten. Das ist aus meiner Sicht ein Schritt. Der zweite dann, auch das schreib sie ja, wenn man selber unterrichtet und also ganz bewußt Verantwortung nicht allein für sich selbst, sondern auch für andere übernimmt.

Zitat

- ich habe da von einer zengruppe gehört, die regelmässig alle schriften vernichtet, damit ja niemand sich auf den lorbeeren von anderen ausruht. (äh, um keine missverständnisse aufkommen zu lassen: lassen wir mal mudansha aussen vor)
Tempel werden niedergebrannt (oder kontrolliert abgerissen) und neu errichtet. Schriften werden verbrannt - und dann neu verfaßt. Kleider werden abgelegt ...
Es sind das Rituale, die Werden und Vergehen, Fließen und Wandel der Zeiten verdeutlichen wollen. Etwas sehr ähnliches gibt es auch in christlicher Form, auch wenn das nicht so präsent und nicht so illustrativ ist: In vielen Ritualen, wie z.B. auch der Taufe und der Sündenvergebung geht es um Erneuerung, wieder-geboren werden, neuen Anfang. Immer, jeden Tag, ganz neu anfangen zu können, ist ein wesentliches Element christlichen Glaubens.
Bei alledem geht es aber nicht darum, Wissen oder Erfahrung zu vernichten und wieder ganz neu zu erwerben.
Die Schriften, die vernichtet werden, werden buchstabengetreu wieder hergestellt, denn die Mönche können sie - und zwar jeder einzelne - wortwörtlich auswendig. (Das ist nicht so, als ob man die UB von Heidelberg niederbrennt oder so). Die Tempel werden als Kopie wieder aufgebaut. (jedenfalls in der Theorie ist das so) Denn ihre Architektur ist nicht willkürlich. usw.

Zitat

... an sonsten nickt er manchmal nur, ...
Das kenne ich von meinem Lehrer eher nicht. ;-)

Zitat

die (!) lehrer weisen ausdrücklich darauf hin, sie in frage zu stellen.
Ok. Dann verstehen auch sie selber sich offensichtlich anders, als ich es bei meinem Lehrer und dessen Lehrern erlebe. Damit ist nicht gemeint, daß sie sich als alleingültig verstehen. Oder daß es ihnen nicht darum ginge, daß man selber verinnerlicht, was eigentlich man da tut. Oder daß sie es nicht gutheißen würden, wenn man nicht bei anderen Lehrern übt und vergleicht.
Aber das, was unterrichtet wird, ist nicht beliebig und auch nicht Anleitung zum Hinterfragen, sondern es ist wesentlich und soll so geübt und gelernt werden.
Darum kann man es auf DVDs zeigen und verbreiten, nicht nur die eigentlichen Techniken, sondern auch die Übungen zu Körperorganisation und zu aiki.
Oder man kann es in Büchern festhalten und erläutern.
Es ist nicht beliebig, sondern reproduzierbar, lehrbar und lernbar. Was man in seinem Leben daraus macht oder damit anfängt, ist etwas anderes. Aber wie schon manchmal gesagt: Das ist so wie ich übe, nicht Thema des eigentlichen Unterrichts.

Zitat

wenn yoshigasaki eine technik zeigt, muss es nicht heissen, dass ich diese genauso machen kann. - z.b. braucht er manchmal aufgrund seiner kürzenen beine bei einer festhalte im stehen vielleicht einfach nur mit geraden beinen stehen, ich aber muss mindestens einen stock tiefer gehen, damit ich ukes arm gut kontrollieren kann.
Das bezieht sich auf die persönlichen Unterschiede und ist klar. Unterschiedlich Körper, unterschiedliche Bilder.
Solche Dinge sind aber dort, wo ich übe, nicht Inhalt des Unterrichts. Sondern das, was gezeigt und unterrichtet wird, sind immer Formen, die als für jeden tauglich gedacht sind. Bei kihon waza sowieso (das definiert sich ja gerade so, daß es für jeden nage bei jedem uke funktioniert). Aber auch ansonsten ist es der Anspruch, so zu unterrichten, daß solche persönlichen Aspekte nicht ins Gewicht fallen.

Wenn es Yoshigasaki anders tut, dann wird das so richtig sein.
In meinem - also einem anderen!!! - Kontext (nochmal: Es geht mir nicht darum, deine Erfahrungen zu werten, sondern um die Darstellung meiner Erfahrungswelt) ist es aber ein deutliches Zeichen für die mangelnde Qualität eines Lehrers, wenn das, was er zeigt, für jemand mit einem anderen Körperbau oder auch einer anderen psychischen Konstitution nicht nachzuüben ist.
(Das genau ist ganz konkret bei uns im Verein einer der Punkte, die einem der bei uns am längsten Unterrichtenden vorgeworfen werden und u.a. dazu geführt haben, daß er eine Weile nicht unterrichtet hat.)

Zitat

... wenn er aus einem anfänger einen schüler und aus einem schüler einen menschan machen will, dann muss er dran bleiben.
Ich lese "Menschen" für "menschan". Ist das richtig?
Wenn du der Meinung bist, ein aikido Lehrer habe die Aufgabe, aus jemandem einen Menschen erst zu machen, dann unterscheidet sich unser Verständnis davon, was ein Lehrer ist (auch ein Lehrer in anderen Bezügen) ganz grundsätzlich.
Oder ist's anders zu lesen?

Beitrag anzeigeningolf sagte am 15 August 2011 - 16:06 Uhr:

noch was: das vertrauen in meine lehrer begründet sich darauf, dass sie gewillt sind, mir zu helfen. - dabei gibt es keine garantie, dass sie richtig liegen.
Das deutet vielleicht noch einen Unterschied im Verständnis an?
Ich gehe bei meinem Lehrer - und genauso auch bei dessen Lehrern, von denen er herkommt - davon aus, daß sie "richtig liegen". Das genau ist der Grund, warum ich ihn als Lehrer gewählt habe. Und das genau ist überhaupt die grundlegende Voraussetzung des Übens.
Ohne das wäre eine Lehrer-Schüler-Beziehung aus meiner Sicht witzlos. Menschen, die mir helfen, mich begleiten und unterstützen gibt es - Gott sei Dank! - nicht wenige auf meinem Weg. Das macht sie aber noch längst nicht zu Lehrern.

Und: Garantien gibt es für überhaupt gar nix im Leben. Alles verändert sich, immer.

Bearbeitet von pilgrim, 16 August 2011 - 08:25 Uhr.


#89 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 23 August 2011 - 19:41 Uhr

Beitrag anzeigenKonparu sagte am 26 Juli 2011 - 16:34 Uhr:

... Und dann natürlich noch Hitori waza?? ...
Da ich aufgrund von blauvogels Frage nebenan gerade Prüfungsordnungen gegogglet habe:
Verstehe ich das richtig, daß die hitori waza im Ki-Aikido sozusagen Soloformen bestimmter Techniken oder technischer Elemente sind? So wie ikkyo undo oder tai sabaki oder dergleichen?

So etwas meinte ich hier mit Solo-Übungen allerdings nicht.
Mir geht es dabei plakativ gesagt um Übungen zur eigenen Körperstruktur. Bewegen des Zentrum ohne die Hüfte zu bewegen. Oder Stärken der Verbindung von Zentrum und Schulter. Oder Erzeugen von Spiralenergie aus den Beinen heraus. Weich stehen.
So Sachen eben.

Das ist zwar auch solo, aber ich glaube es ist noch einmal etwas anderes, als das, was im Ki-Aikido hitori waza meint, oder?

#90 ingolf

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Geschrieben 24 August 2011 - 06:53 Uhr

hitori waza habe ich als, sagen wir mal, technische elemente kennengelernt. es sind keine soloformen bestimmter techniken. es geht wohl darum, bestimmte, immer wiederkehrende elemente von techniken zu üben. das kann die beinarbeit beim gehen betreffen, ob ki in den händen ist oder auch einfach das zusammenspiel beine, hüfte, schulter, arme. - also welche auswirkungen hat die stellung des fusses auf die der hände oder was zu erst bewegt wird.

das mit dem weich stehen ist wohl bei uns mehr ki-übung, was natürlich ein teil der hitori waza ist. in jeder übung in den hitori waza kann man ki-tests machen und die "einheit von geist und körper" (so wurde es nun mal genannt) checken. kurz: lässt sich der geist von einem äußeren einfluss beeinflussen und damit der körper leicht bewegen. - simple reaktion ist z.b. das gegendrücken bei einem test. dann schiebt der prüfer leicht in die selbe richtung und der prüfling kippt um. steif machen (gegenteil von weich stehen) hat ähnliche folgen. man kippt halt als block.

was das bewegen des zentrums ohne hüfte sein kann, ist mir momentan ein rätsel. vielleicht weil mir der begriff zentrum nicht ganz klar ist. falls es der schwerpunkt sein sollte, ist es relativ klar. aber dann verstehe ich das nichtbewegen der hüfte nicht. falls es das zentrum der wahrnehmung sein sollte, konnte ich mir ausmahlen, dass es die konfiguration im körper beeinflussen würde. - aber möglicherweise gehts noch um was anderes.

Bearbeitet von ingolf, 24 August 2011 - 06:54 Uhr.

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#91 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 24 August 2011 - 21:11 Uhr

Beitrag anzeigeningolf sagte am 24 August 2011 - 06:53 Uhr:

hitori waza habe ich als, sagen wir mal, technische elemente kennengelernt. es sind keine soloformen bestimmter techniken. es geht wohl darum, bestimmte, immer wiederkehrende elemente von techniken zu üben.
Merci. So etwas sind die Soloformen, die ich für mich inzwischen übe, in der Tat nicht.

Zitat

in jeder übung in den hitori waza kann man ki-tests machen und die "einheit von geist und körper" (so wurde es nun mal genannt) checken.
Das würde bei dem, was ich meine, keinen Sinn machen. Also ganz abgesehen davon, was man von ki-Tests hält, wäre das sozusagen keine passende Frage an diese Übungen.

Zitat

was das bewegen des zentrums ohne hüfte sein kann, ist mir momentan ein rätsel. vielleicht weil mir der begriff zentrum nicht ganz klar ist.
dantian, seika tanden. Der Mittelpunkt des Hara.

Zitat

falls es der schwerpunkt sein sollte, ist es relativ klar. aber dann verstehe ich das nichtbewegen der hüfte nicht.
Hm, wie beschreiben ...
Man kann schon mal ganz unesoterisch gedacht, die Muskulatur bewegen, die sich zwischen den Hüftknochen befindet. Man kann in shizentai das Gewicht auf ein Bein verlagern, indem man das aus den Beinen heraus tut. Man kann das Gewicht auf ein Bein velagern durch eine Bewegung der Hüfte. Und man kann das Gewicht auf ein Bein verlagern, indem man lediglich die Bauch- und Rumpfmuskulatur benutzt. Verständlich?
Man kann bauchtanzartig mit der Hüfte kreisen. Oder man kann das tun nur mit der Muskulatur. Auch vertikale Kreisbewegungen.
Das ist jetzt etwas grob beschrieben, aber so etwa fängts an. Man übt einfach "feinere" Bewegungen innerhalb des Körpers.
Oft fängt das erstmal damit an, daß man diese Bewegungen nur vorstellt, weil man zunächst die Muskulatur gar nicht ansprechen kann.
Oder man bewegt die Muskulatur, die man ansprechen kann, weil man das tanden als solches - wie tenchi richtig kritisierte - gar nicht bewußt lokalisieren und bewegen kann.
Dergleichen Dinge ...

Jedenfalls - und das war ja meine Frage - wohl noch einmal etwas anderes als hitori waza?

Zitat

falls es das zentrum der wahrnehmung sein sollte, konnte ich mir ausmahlen, dass es die konfiguration im körper beeinflussen würde.
Ich nun wieder weiß nicht, was das "Zentrum der Wahrnehmung" ist?
Aber es geht schon darum, die "Konfiguration" des Körpers zu verändern. Genau das ist der Punkt. Und es ist ziemlich erstaunlich, was das passiert.