Trainerfehler
#1
Geschrieben 27 Juli 2011 - 10:48 Uhr
ich glaube jeder kennt das Gefühl, beim Training nicht so recht zu wissen, was der Trainer eigentlich von einem will.
Welche Fehler machen Trainer und wie können sie ausgemerzt werden und dem Trainierenden die Verwirrung nehmen.
Einer der häufigsten Fehler ist die fehlende Übereinstimmung von verbaler Beschreibung und tatsächlicher Ausführung:
Trainer: "Bei dem Faustschlag ziehst Du die andere Hand zum Gürtel zurück" und er selber lässt sie bei der Demonstration vor dem Bauch stehen.
Was begegnet euch so und hat Lernerfolge schwerer gemacht oder sogar ins Negative gekehrt?
Viele GRüße
Mac :-)
Wie soll ich wissen was ich denke, bevor ich lese was ich schrieb?
Ich wollte mich eigentlich geistig mit Dir duellieren, doch ich sehe Du bist unbewaffnet.
#2
Geschrieben 27 Juli 2011 - 11:37 Uhr
ein sehr interessantes und auch wichtiges Thema, sowohl für Schüler, als auch für die Trainer.
Mac sagte am 27 Juli 2011 - 10:48 Uhr:
Das was Du beschreibst, kenne ich auch. Dann gibt es aber noch etwas anders, was mir auch häufig aufgefallen ist. Der Trainer zeigt eine Technik und dann beim Erklären während des Übens pixelt er die Technik auseinander. Und es wird so detailreich, dass ich am Ende zum einen nichts mehr von der Ausgangstechnik sehe und zum zweiten überfordert bin, was jetzt eigentlich wichtig ist. Außerdem, so ist es mir schon mehrfach aufgefallen, stimmt dann die Technik nicht mehr so, wie sie gezeigt wurde. Also sie verändert sich über das Pixeln. Und das finde ich verwirrend.
Wie kann das geändert werden? Ich denke, indem sich ein Trainer darüber klar ist, was er grad zeigt, wo die Schwerpunkte der Technik liegen und diese auch zunächst so weiter gibt. Außerdem darüber, dass der Trainer darüber hinwegsehen kann, dass nicht jedes Detail sofort beherrscht werden kann. Also die Infos an das Trainingsniveau seiner Schüler so weiter gibt, dass es seine Schüler für ihren jeweiligen Trainingsstand aufnehmen und verarbeiten können.
LG Catwoman
shikin haramitsu daikomyo
http://www.onsideklettersport.de/
#3
Geschrieben 27 Juli 2011 - 12:02 Uhr
#4
Geschrieben 27 Juli 2011 - 12:05 Uhr
ja, stimmt schon, aber das was Mac meint ist auch: Der Trainer sollte eben auch das selbst umsetzen (beim zeigen, weil wir eben meist visuell orientiert sind), was er erzählt oder erklärt.
LG Catwoman
shikin haramitsu daikomyo
http://www.onsideklettersport.de/
#5
Geschrieben 27 Juli 2011 - 12:20 Uhr
Bearbeitet von heavenlybody, 27 Juli 2011 - 12:23 Uhr.
#7
Geschrieben 27 Juli 2011 - 13:08 Uhr
Lanariel sagte am 27 Juli 2011 - 12:59 Uhr:
Ja und nein. Natürlich wird man in ner Anfängergruppe das Training anders gestalten als bei Fortgeschrittenen, das ändert aber mal nichts dran, daß man bei beiden Gruppen prinzipiell dieselben Übungen machen kann, man wird bei nem Anfänger eben den Fokus auf andere Dinge legen als bei einem Fortgeschrittenen.
@Topic
Ich persönlich finde es arg nervig, wenn der Trainer Sachen anders erklärt als er sie zeigt. Ist ne klasse Methode, die Leute komplett zu verwirren.
Außerdem (und nein, daß widerspricht nicht meiner obigen Aussage bezüglichs Lanariels Posts) erlebe ich es oft genug, daß der Lehrer Anfänger Übungen bzw Techniken machen läßt, die schon für Fortgeschrittene anspruchsvoll sind. Dabei sehe ich meist komplett überforderte Anfänger, die nach dem zweiten Satz der Erklärung nicht mehr wissen, ob sie den Knoten jetzt in den linken oder den rechten Arm machen sollen oder ob es doch der Hals war. Das trägt nicht wirklich dazu bei, den Leuten Fortschritte zu ermöglichen und hemmt nebenbei auch die Fortgeschrittenen, da sie beim Üben oft, zu oft von irgendwelchen Erklärungen unterbrochen werden.
Grüße
bugei
GFID
Pogue Mahone!
#8
Geschrieben 27 Juli 2011 - 13:14 Uhr
- fachliche Inkompetenz oder didaktische Inkompetenz oder beides
- Lehrende haben Zielkonflikte. (betrifft gerade auch fachlich kompetente Lehrer viel zu häufig, z.B. bei fehlendem Bezug zur Situation der Lernenden evtl. durch 'Abgehobenheit' der Lehrenden)
- Lehrende sind (zeitweise) nicht bei der Sache, mangelnd vorbereitet; mögl. Ursachen: private Probleme; Desinteresse
-> Resultat: Lehrende haben keine/unzusammenhängende Lehrstruktur ... Kurzfristig, mittelfristig, langfristig
aber auch:
-> Lehrende habe starre Lehrstruktur, immer gleiche Abläufe auch bei Stagnation der Lernenden -> fachliche Unsicherheit, wenig Erfahrung; fehlender Blick über den Tellerrand; (betrifft speziell gewisse Franchise KK)
----------------------------------------
im Zusammenhang damit u.a. möglich:
- Unzreichende oder stereotype Erklärung/Vermittlung von Ausführung sowie Sinn und Zweck von Übungen
- unzusammenhängende oder keine Übungsreihen, stattdessen viele Einzelübungen,
- kein 'Motto', fehlender 'roter Faden'.. aber ellenlange Vorträge (Reden ist nicht verkehrt, aber Lehrende sollten über EIN Thema pro UE dozieren;)
- Selbstdarstellung der Lehrenden und Einbahnstraßenkommunikation, Degradierung der Lernenden zu passiven Rezipienten (nicht nur auf Lehrgängen von 'Superstars' zu finden)
- damit verbunden: (private) Vereinnahmung der Lernenden durch Lehrende, evtl daraus resultierende Rollenkonflikte
Bearbeitet von Den, 27 Juli 2011 - 13:27 Uhr.
#9
Geschrieben 27 Juli 2011 - 13:26 Uhr
Meine Erfahrung: Gute Leute erklären weniger und zeigen mehr (und lassen noch viel mehr machen). Jede Stunde hat ein Thema. Wenn Erklärtes und Gezeigtes auseinanderfallen, kann`s derjenige entweder nicht so gut (ganz schlecht), oder er kann`s nicht verbalisieren (dann soll er die Klappe halten und zeigen).
Beim Herumgehen und Korrigieren weisen gute Leute einen immer nur auf einen Fehler gleichzeitig hin (auf mehr kann man eh nicht gleichzeitig achten), und wissen auch spontan Übungen, mit denen man genau an diesem Fehler arbeiten kann.
So will ich auch mal werden, wenn ich groß bin
Bearbeitet von Terao, 27 Juli 2011 - 13:27 Uhr.
#10
Geschrieben 27 Juli 2011 - 13:34 Uhr
Zitat
Dazu gehört regelmäßige Auswertung für jeden einzelnen Schüler; erhöhter Schwierigkeitsgrad für Lehrende bei heterogenen Trainingsgruppen und/oder unregelmäßig anwesenden SchülerInnen...
Bearbeitet von Den, 27 Juli 2011 - 13:35 Uhr.
#11
Geschrieben 27 Juli 2011 - 15:12 Uhr
Probleme, denen ich bis jetzt begegnet bin:
- immer dasselbe, dabei enger Blick -> irgendwann keine Weiterentwicklung des Schülers mehr möglich
- zu viel Gerede (von einem Thema zum nächsten - zwar alles interessant, aber wäre doch schöner nach dem Training beim Essen oder so)
- während des mehrmaligen Vormachens wird die Übung geändert
- Verständigungsprobleme aufgrund der Sprache, dann geht es eben mit mehrmals gucken und fühlen weiter (das ist natürlich kein Lehrer-Fehler)
Und ich musste verstehen, dass man mit einem Lehrer in Korea nicht so locker umgehen kann wie in Deutschland. Ein Beispiel: Widerrede geht nicht, selbst wenn der da vorne Schwachsinn erzählt und dann einen direkt fragt "Stimmt's?"
Dass ich in dieser Situation mal ein schüchternes "nein" verlauten ließ und daraufhin ziemlichen Ärger hatte, würde man in Deutschland als Lehrer-Fehler betrachten (Unfehlbarkeit...), in Korea ganz klar als Schüler-Fehler.
Viele Grüße,
kkke
Just do it.
www.taekyun.org
www.tkbattle.com
#12
Geschrieben 27 Juli 2011 - 15:39 Uhr
Am Ende eines jeden Trainings steht eine Abschlußbesprechung, man könnte auch Rückmelderunde sagen.
Hier werden noch Fragen, die sich während des Trainings gestellt haben, Erfahrungen und Erkenntnisse, die einem gekommen sind, oder sich noch nicht
erschlossen haben, besprochen.
Es wird Kritik geübt positiv, wie negativ.
Ich kann hier als Trainer genau ablesen, ob mein Sermon angekommen, verstanden oder unverständlich ist.
Wir fahren damit bestens.
Trainer aus traditionellen Systemen hätten es natürlich schwer, über diesen Schatten zu springen.
Gruß Fidibus
I tried religion, meditation, even therapy... then I realized all I really needed was more horsepower.
Ich bin gegen Gewalt.......Es sei denn, sie ist gut gemacht....
#13
Geschrieben 27 Juli 2011 - 15:54 Uhr
Fidibus sagte am 27 Juli 2011 - 15:39 Uhr:
Trainer aus traditionellen Systemen hätten es natürlich schwer, über diesen Schatten zu springen.
Ich denke, dass ist ein wichtiger Punkt und gehe nicht davon aus, dass das nur Trainer traditioneller KKs betrifft. Die Frage nämlich: Wollen und können Trainier sich mit Kritik (sowohl positiver als auch negativer) auseinandersetzen oder nicht? Können und wollen sie ihre Trainerarbeit reflektieren?
Ich denke, dass ich nicht für jeden Trainer so einfach. Dazu gehört nämlich einfach eine gesunde Portion Mut, sich mit anderen auseinanderzusetzen, und auch Selbstbewußtsein. Denn letztlich muss man als Trainer, finde ich, nicht nur seine Leistung reflektieren können (und wollen), sondern auch daraus entsprechende Konsequenzen ziehen können (und wollen). Denn wenn man einen Schüler hat, der einfach aus Prinzip rummotzen will oder der es fürs Ego braucht, zu glauben, alles besser zu wissen, kann ich als Trainer nicht ständig für diesen Schüler meinen Unterrichtsplan ändern, sondern muss auch mal was durchziehen. Wenn ein Trainer aber mit konstruktiver Kritik etwas anfangen kann, ist es bereichernd, nicht nur für den Schüler.
Und so wie es kkke schildert, bin ich froh, nicht in Korea zu trainieren
LG Catwoman
shikin haramitsu daikomyo
http://www.onsideklettersport.de/
#14
Geschrieben 27 Juli 2011 - 17:21 Uhr
Fidibus sagte am 27 Juli 2011 - 15:39 Uhr:
Wie meinst du das jetzt genau? Hast du darin irgendwelche Erfahrungen gemacht?
#15
Geschrieben 27 Juli 2011 - 17:56 Uhr
@Fidibus:
Zitat
Mit der von Dir angesprochenen Rückmelderunde habe ich durch die Bank bisher nur gute Erfahrungen gemacht.
Damit eventuelle Fragen oder Anregungen entsprechend behandelt werden können,
sollte der Zeitansatz dann aber auch ausreichend bemessen sein.
Wenn man schon keine "echte" Rückmelderunde durchführt, bei welcher event. auch eine Diskussion aufkommen kann,
welche den zur Verfügung stehenden Zeitansatz dann ggf. schnell sprengt,
halte ich es für wichtig, dass der Lehrer sich zumindest vergewissert ob grundsätzlich noch Fragen offen sind.
Diese können dann in der nächsten Trainingseinheit behandelt werden.
Zitat
Warum Du das jetzt allerdings an "traditionellen" Systemen festmachst, erschliesst sich mir nicht wirklich...
Ich habe ähnliches bisher beim Jiu-Jitsu, BBT, TSKSR und beim Goju-Ryu-Karate kennengelernt
und denke, es kommt nicht darauf an ob es sich um ein "traditionelles" System handelt oder nicht,
sondern darauf, wie sehr der Lehrer an der Ausbildung seiner Schüler interessiert ist,
wie er mit Kritik umgehen kann - und ob er über ein ausreichendes Wissen und Erfahrung verfügt,
um event. tiefergehende Fragen seiner Schüler auch beantworten zu können.
Ich persönlich habe kein Problem damit zuzugeben, wenn ich mal (auf Anhieb) etwas nicht weiß !
In der Regel kann ich die Frage dann aber spätestens beim nächsten Training beantworten...
Viele Grüße,
Daniel (Slow-Fox)
Homepage: www.bsv-rheinbach.de
#16
Geschrieben 27 Juli 2011 - 19:12 Uhr
Ich sage damit nicht, dass alle Trainer aus traditionellen Systemen damit ein Problem haben.
Es ist auch ehrlich gesagt eine Annahme von mir. Ich bin natürlich nicht dabei.
Es liegt einfach m. M. n. daran, dass traditionelle Systeme ihren Lehrer auf ein Podest gestellt sehen wollen.
Hier spielt mit Sicherheit auch ein typisch deutsches Symptom mit (auch eine Annahme von mir), dass bei z. B. asiatischen Systemen die deutschen Ableger
gerne die "besseren Asiaten" sein wollen.
Ich persönlich habe ja früher auch Karate und Ju Jutsu trainiert und hier die Feststellung gemacht, dass viele Trainer (eher die meisten m.M.n.)hier nicht
kritikfähig sind, sein wollen oder können.
Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Wie gesagt, ich betone, dass das meine persönlichen Erfahrungen und Vorstellungen sind.Es sollte sich also keiner
angegriffen fühlen. Jeder kann/soll nach seiner Facon glücklich werden.
Gruß Fidibus
Bearbeitet von Fidibus, 27 Juli 2011 - 19:14 Uhr.
I tried religion, meditation, even therapy... then I realized all I really needed was more horsepower.
Ich bin gegen Gewalt.......Es sei denn, sie ist gut gemacht....
#17
Geschrieben 27 Juli 2011 - 19:32 Uhr
ABER: Ich kann mir schon vorstellen, dass es hier und da nen Persönlichkeitsbeeinträchtigten mit Tendenzen zu ICD-10 F60 gibt
Bearbeitet von heavenlybody, 27 Juli 2011 - 19:32 Uhr.
#18
Geschrieben 27 Juli 2011 - 19:38 Uhr
Ich komme aus einem traditionellen System, wo es manchmal schwierig ist Neuheiten, wie eine Rückmelderunde einzusetzen.
Ich denke allerdings nicht, dass es wirklich so ist, dass der Trainer auf ein Podest gestellt werden will. Er hat es nur so gelernt von seinem Lehrer und hat keine neuen Eindrücke bekommen. Manche unterichten nur in einem Schema, was aber nicht falsch sein muß.
Für mich war es wichtig, offen für verschiedene Trainingsmethoden zu sein. Daher habe ich mich zusätzlich für eine Ausbildung im Trainerbereich entschieden. Das hat mir wirklich eine offener Sicht ermöglicht. Die Umsetzung ist allerdings mühevoll und bedeutet Arbeit, weil man etwas neues ausprobiert, was manchmal auch nicht akzeptiert wird von den Schülern.
Man macht Fehler, aber man lernt auch aus ihnen.
www.lee-kamwing.de
#19
Geschrieben 28 Juli 2011 - 07:29 Uhr
Das geschieht eigentlich immer während des Trainings im direkten Kontext zu dem was gerade geübt wird.
Mit meinen Fortgeschrittenen bin ich sowieso im ständigen Austausch und jeder, vom Anfänger bis zum hoch Graduierten, kann jederzeit Fragen stellen (z.B. wenn er etwas nicht verstanden hat).
Meine Schüler bekommen auch sofort Rückmeldung, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte oder wenn ich meine, das z.B. die körperlichen Gegebenheiten einen anderen Spielraum setzen.
Kritik ist bei mir immer willkommen, denn die benötige ich um besser zu werden - ABER - es gibt auch Leute die sind von Natur aus "dagegen" - und mit denen diskutiere ich nicht.
Was ich zum Ende fast jeden Trainings mache ist, dass ich kurz erkläre, warum WIR das gemacht haben oder so machen und was mir an Negativem und Positivem besonders aufgefallen ist. Das dauert dann max. 5 Minuten.
Drax
P.S.
Trainerfehler meiner Lehrer:
Sicherlich habe ich in der Vergangenheit auch das ein oder andere Mal gedacht "Was soll das denn jetzt" oder "Das bringt doch überhaupt nichts".
Ich muss aber sagen, dass, im nachhinein betrachtet, das alles so falsch nicht gewesen sein kann.
Denn letztendlich hat dies dazu geführt, das ich mich kritisch mit dem auseinandersetze, was ich lerne und lehre und das ich meinen Schülern wiederum ein gute Ausbildung zukommen lassen kann.
Bearbeitet von Drax, 28 Juli 2011 - 07:30 Uhr.
#20
Geschrieben 28 Juli 2011 - 09:01 Uhr
Bearbeitet von heavenlybody, 28 Juli 2011 - 09:02 Uhr.



