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KK als schützenswertes Kulturgut


59 Antworten in diesem Thema

#1 Den

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Geschrieben 04 August 2011 - 00:58 Uhr

Beitrag anzeigenKagami sagte am 03 August 2011 - 20:33 Uhr:

Den, es ist eben nicht immer alles so einfach zu lösen. ich selbst musste auch öfter in den sauren Apfel beißen,
da japanische Kampfkünste teils als schützenswertes Kulturgut gelten und dazu gehören auch diverse Formalien.
Das Motto heißt da schlichtweg "Nimm es oder lass' es halt bleiben!" (so oder so ist Einem aber Keiner deshalb böse).
Hallo Kagami,
sicher gibt es immer auch unlösbare Situationen. [...]






@all,

zu meinem Anliegen:
Auf welchen Stand sind japanische KK (teils) als schützenswertes Kulturgut festgeschrieben? Warum ausgerechnet der gewählte? Sind Veränderungen möglich? Wenn ja: Was darf verändert werden und was nicht?

Welcher Funktion dient die Festschreibung von Form?

Grüße
Den
Augen auf!

#2 KAJIHEI

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Geschrieben 04 August 2011 - 06:05 Uhr

@Den :

Sage mir, warum ist Goethes Schaffenswerk Kultur ? Weil´s Leuten gefällt ? Weil´s teilweise die
deutsche Sprache mitgeprägt hat ?
Geauso kann man auch an deine Frage aus meiner Sicht herangehen .
KK ist deswegen Kultur weil sie ein großen Teil der japansichen Mentalität mit geprägt hat über die
Jahrhunderte.
Es ist Kultur, weil sie eben mit ihren strengen Dojoregeln einen Teil der alten japansichen Welt in
die Moderne rettet. Ohne diesen "alten Unterbau" würde auch ds Verständnis für viel andere Künste
verloren gehen. sei es die Kusnt der Schwertschmiede, der Bogenbauer, der ALckmeister bis hin zum Ikebana.
Japansiche Künste haben sich schon immer gegenseitig befruchtet. Zerstört man eine zu stark, kann das fix heftige Auswirkungen auf eine andere haben und ehe man sich versieht ; Nichts mehr da, das kulturelle Gut verloren.
Wer diese Verkettung nicht glauben will : Nehmt eine einfach Schwertmontierung. Lackarbeiter, Geschichten die erzählt werden
ein Myriade von verschieden Künsten die dort versammelt sind plus großenteils alte Üebrlieferungen die auf den zierraten erzählt werden.
Wäre die Schwertkultur weg, dann würde man all diesen Sektoren einen heftigen Schlag versetzen.
Wieder würde ein Teil der Kultur im Nichts verschwinden.
Genau das wäre übrigens wirklich fast schon zweimal passiert ; Der Verlust an wissen in diesen doch recht kurzen Zeiträumen war imens.
Das heißt die Bewahrung des Alten ist großenteils auch simple, vollkommen unsentimentale
Wissenssicherung.

Du fragst indirekt nach der Veränderbarkeit : Nein die kann es im großen Masstab nicht geben, denn dazu müßte sich die dazugehörige Welt ändern. Das kann sie aber nicht mehr, weil sie so schon über 100 Jahre nicht mehr
existiert. D.h. mit unseren traditonellen KK´s verhindern wir sozusagen, ds die alte Welt komplett
verschwindet und mit ihr ein großer Teil des Verständnisses für die schönen Dinge.
Etwas großartig zu verändern hätte aus meiner Warte die gleiche Qualtiät Goethes Faust mal eben auf modern zu trimmen

Man kann darin lesen, es benutzen, aber starke Veränderungen würden das Werk kaputt machen.
Das heißt das besthen auf der Form sichert alte Kultur und altes Wissen. Ds es funktioniert sieht man daran, das in japoan im gegnsatz zu Europa noch viele alte Künste fröhlich am blühen sind, obwohl die eigentliche grundlegende Kultur verschwunden sit.
D.h. mit dieser starren haltung ahben wir diese kulturgüter über die zeit gerette und sozusagen konserviert.
Genau deshalb bin ich was Dojoregeln angeht auch eher ein hardliner. Weil mir etwas an der Kultur liegt.

Bearbeitet von KAJIHEI, 04 August 2011 - 06:10 Uhr.

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#3 big X

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Geschrieben 04 August 2011 - 07:32 Uhr

ich wusste gar nicht, dass die japaner ihre kk´s auch unter naturschutz gestellt haben.
ist ja mal interessant.

in korea ist taekkyon ein nationales kulturgut.
in brasilien ist capoeira ein nationales kulturgut.

beide können/dürfen sich trotzdem noch verändern und sind nicht in stein gemeisselt worden ;).

#4 bugei

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Geschrieben 04 August 2011 - 07:47 Uhr

Beitrag anzeigenbig X sagte am 04 August 2011 - 07:32 Uhr:

...können/dürfen sich trotzdem noch verändern und sind nicht in stein gemeisselt worden ;).

Ich glaube, hier muß man unterscheiden zwischen "lebenden"*(Karate, Judo usw) und "überlieferten"* (TSKSR z.B., die gepflegt werden, um sie vorm Aussterben zu bewahren) KK unterscheiden.

* Steinigt mich jetzt nicht wegen den Begriffen "lebend" und "überliefert", ich hab trotz längerem Überlegen keine passendere Bezeichnung gefunden und hoffe stark, das klar wird, was ich ausdrücken will.

@ big X: Sorry, daß ich Dein Zitat so zusammengekürzt habe, aber der Punkt mit der Veränderung ist durchaus ein sehr wichtiger

Grüße

bugei
Mr. Socke 4.10.2010 - 31.05. 2011 GBNF

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#5 Terao

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Geschrieben 04 August 2011 - 08:01 Uhr

Naja, theoretisch kann man ja bis auf Suff und Fraß auf so ziemlich alles verzichten. Ist aber doch schön, wenn`s auch andere Sachen (darunter auch alte) gibt, mit denen sich jeder befassen kann, der danach sucht.

Die Faszination für altes Brauchtum (und alte Kampfkunst) lebt ja derzeit gerade auch in Europa auf. Bedauerlicherweise blieb da aber halt doch fast nichts über die Jahrhunderte übrig. Frag mal die Fans des europäischen Langschwertkampfes: Die würden ihren linken Arm dafür geben, wenn da wenigstens irgendwas aus der Zeit als lebendig gehaltene, direkt überlieferte Tradition existieren würde. Und obwohl viele da wirklich keine Mühen scheuen, um die Sachen, die früher vielleicht mal trainiert wurden, zu rekonstruieren, sind halt wahnsinnig viele Fragen offen, die auch nur eine einzige halbwegs authentisch überlieferte Kata sofort klären könnte. Von Stimmung, Atmosphäre und Gebräuchen eines solchen Trainings ganz zu schweigen. Ist das nicht schon irgendwie schade?

Oh, und zum Verändern: Meiner Ansicht nach (die Bujinkanler mögen mir verzeihen) ist genau das das Problem im Bujinkan, wie es zumindest in Europa gelehrt wird: Da spinnen so viele Leute was dazu oder entwickeln ihre ganz eigene Art, etwas auszuführen, dass am Ende keiner mehr weiß, wie`s vielleicht mal wirklich gemacht wurde, und was jemand, der nie jemandem mit scharfem Schwert gegenübergestanden hat, sich im Laufe der letzten 20 Jahre ausgedacht hat.

Bearbeitet von Terao, 04 August 2011 - 08:14 Uhr.


#6 KAJIHEI

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Geschrieben 04 August 2011 - 08:16 Uhr

@Big X
Ja, in Japan ist Kultur als solche unter Schutz gestellt. Das geht soweit das die Besten die tradtionelle handwerke und Künste ausüben ningen kokuho werden, d.h. sehr frei "lebender Nationalschatz" diese bekommen vom Staat eine Apanage um sich vollkommen ihrer Kunst widmen zu können ohne fianzielle Zwänge (sofern sich nicht´s geändert hat )
Bedeutende Kunstwerke werden Kokuho, also Nationalschatz, wurscht ob das jetzt ein Tempel, eine Teeschale oder ein schwert ist.
Und ja, in Stein gemeißelt ist nichts bis auf die Grundprinzipien. Man muß sich aber über Eines im klaren sein .Verstößt man dagegen, dann war es das. D.h. mal etwas asuprobieren, warum nicht, aber mit modernistischem Krempel bei einer traditonellen Diziplin anzutreten ? Nennen wir es Kamikaze-Vorhaben. Dabei ist es vollkommen wurscht wie berühmt
der Künstler ist. Siehe z.B: Yoshindo Yoshihara und sein Tiger auf als Gravur auf einer Schwertklinge : Sowas geht nicht, und schwups weg war sie die gute Platzierung beim Wettbewerb. Ansonsten ist der gute Mann wirklich einer der großen Könner, aber trotzdem ; keine Extrawurst.
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#7 Rakoshi

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Geschrieben 04 August 2011 - 08:48 Uhr

Manchmal bin ich absolut dafür, Kampfkunst als Kulturgut zu schützen.

Wenn man die Auswüchse in Deutschland so sieht, dann wird einem ganz anders.

Hier ein Beispiel: Kung Fu, soll traditionell sein, gleichzeitig neu und revolutionär. Psychologisch und für jeden praktizierbar. Und es heißt Marco, wie der Vorname des Erfinders. Aber natürlich völlig traditionell.

Etwas mehr Respekt für die Kampfkunst wäre wünschenswert. Es gibt genug Leute, die sich ernsthaft mit Kampfkunst auseinandersetzen wollen.

Aber Kampfkunst kann nicht als in steingemeißelt betrachtet werden. Damit würde man dieser Unrecht tun. Jeder Kampfkünstler hat seine Eigenheiten und bringt diese auch in die Kampfkunst, macht sie im besten Fall zu etwas besonderem.

Wir sind keine Roboter, daher ist es auch nicht wünschenswert, dass wir alle einem Ideal nacheifern.
www.kungfu-emsdetten.de
www.lee-kamwing.de

#8 Den

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Geschrieben 04 August 2011 - 13:26 Uhr

Okay, Ihr haltet die japanischen KK also (teils) für schutzbedürftig...

Bisher noch keine abschließende Antwort auf die Frage, was verändert werden darf und was festgeschrieben ist. Ich mach es mal genauer:
Die Basis soll erhalten bleiben, aber was ist die Basis einer KK? Im Ursprungsthread ging es u.a. um die Etikette im Dojo. Nehmen wir vergleichsweise mal europäisches Fechten mit Rapier oder Degen: Ist die höfische Etikette die Basis des Fechtens (gewesen)? Ist diese Kunst in ihrem Wesen nur komplett, wenn Gehabe und Selbstverständnis der (damaligen) Aristokratie verstanden und verinnerlicht sind?


Ebenso fehlen Antworten darauf auf welchen (historischen) Stand die japanischen KK (teils) festgeschrieben sind und warum auf diesen und keinen anderen ... auf die Zeit vor Sekigahara? Auf die Zeit vor 1868? Auf die Zeit des japanischen Imperialismus? Auf die Zeit direkt nach dem Krieg? Auf einen späteren Zeitpunkt? ... die Beantwortung dieser Fragen halte ich für notwendig.




-------------------------------



Weil die merkwürdigen 'Fantasy-Ninja-KungFu' Geschichten angedeutet wurden: Ich halte die Existenz solcher Sachen nur für möglich, wenn Menschen nicht primär an der Funktionalität der Sache für den Kampf liegt, oder an Fitness, Wellness, etc. ... sondern an Identitätsstiftung.

Bearbeitet von Den, 04 August 2011 - 13:41 Uhr.

Augen auf!

#9 amoeba

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Geschrieben 04 August 2011 - 15:17 Uhr

Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass die Kampfkunst selbst, also die Techniken, klar in der Traditionslinie verwurzelt sind. Das heißt nicht, dass alle immer dasselbe machen sollen wie alle anderen und wie vor hundert Jahren, wäre ja langweilig. Und natürlich bringt jeder Lehrer seine eigenen Ideen, seine eigene Note mit ein. Aber man sollte bitte nix völlig neues erfinden, sich von der Tradition lösen, seinen eigenen Verband gründen, neue Techniken einbauen... passiert ja oft genug, sowas, leider.

Wegen der Tradition: ich halte nicht viel davon, japanischer sein zu wollen als die Japaner. Sempai-Kohai-Verhältnis und ähnliche Späße lassen sich imho auf die europäische Kultur einfach nicht übertragen und wenn mans doch versucht, treibt das leicht absurde Blüten. Übertriebene Ehrfurcht dem Lehrer gegenüber, deutsche Lehrer nur mit "Sensei" anreden oder "mein Meister" (in der dritten Person natürlich) zu nennen - finde ich für mich komisch. Auch dass wir nicht ganz so strenge Matten-Etikette haben, finde ich gut - bei uns darf auch mal gelacht oder geredet werden, solange es den Unterricht nicht stört, zu spät kommen versucht man zwar zu vermeiden, aber schlimm ist es im Zweifelsfall auch nicht, insgesamt herrscht ein sehr entspanntes Verhältnis zwischen allen, unabhängig von Graduierung oder Alter oder Zeit, die man dabei ist.
Ich bin sicher, dass das alles traditionell in Japan nicht so entspannt gehadhabt wurde (und immer noch nicht wird). Ich will mein Training nicht gegen ein streng autoritäres System tauschen, nein danke.

Allerdings funktioniert das auch nur so gut, weil Respekt vor dem Lehrer und auch den Trainingspartnern selbstversändlich ist, alle die Regeln befolgen und sich bemühen, das Training angenehm für alle zu machen. Grenzen sind schon wichtig, die Frage ist eben nur, welche und wie eng. Und ich würde da eher danach gehen, was in unserem Kulturkreis sinnvoll ist und eine angenehme Atmosphäre schafft als danach, was die Japaner vor 50 oder 200 Jahren gemacht haben.

Gewisse Traditionen wie die Kleidung, das Verbeugen etc. gehören für mich allerdings einfach fest dazu. Sowas macht ja irgendwie auch den Reiz der japanischen Kampfkünste aus. Wenn ich im Trainingsanzug einfach nur üben will, geh ich halt zum Kickboxen (vorausgesetzt, ich als Aikidoka lauf da nicht gleich weinend wieder raus, aber es gibt ja schon prominente Beispiele, dies geschafft haben... :todlach: )

#10 Slow-Fox

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Geschrieben 04 August 2011 - 16:00 Uhr

Hallo zusammen :)

@Kagami:

Welche anderen Kampfkünste haben den von der japanischen Regierung noch den Titel eines
eines "unverletzlichen besonderen Kulturgutes" erhalten ?
Mir ist das nur von der Tenshin-Shoden-Katori-Shinto-Ryu bekannt.

Viele Grüße,

Daniel (Slow-Fox)
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#11 KAJIHEI

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Geschrieben 04 August 2011 - 16:27 Uhr

@Den : Nein nicht schutzbedürftig, sondern bewahrenswert im Sinne eines kulturellen Gesammtkonzeptes.
Ohne KK würde z.B. ein Teil der Klingenschmiedeidelogie ala "form follows function" kein Sinn mehr
machen. Schwerter wären dann nur noch reine Deko.
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#12 Den

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Geschrieben 04 August 2011 - 21:09 Uhr

Hallo,

Zitat

Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass die Kampfkunst selbst, also die Techniken, klar in der Traditionslinie verwurzelt sind. Das heißt nicht, dass alle immer dasselbe machen sollen wie alle anderen und wie vor hundert Jahren, wäre ja langweilig. Und natürlich bringt jeder Lehrer seine eigenen Ideen, seine eigene Note mit ein. Aber man sollte bitte nix völlig neues erfinden, sich von der Tradition lösen, seinen eigenen Verband gründen, neue Techniken einbauen... passiert ja oft genug, sowas, leider.
Hmmm... wenn jemand eine neue KK entwickelt, kann er der einen neuen Namen geben statt sie als (japanische) Tradition zu verkaufen. Ja, solche Etikettenschwindel sind ärgerlich (und m.E. auch unnötig, jedenfalls wenn die neue Sache gut ist).

Wenn jemand auf der Basis einer älteren KK Neues entwickelt, dann finde ich das zunächst überhaupt nicht bedauerlich, sondern begrüßenswert. Selbstverständlich muss das Neue überprüft werden - und sollte es weiter den alten Namen führen, dann muss es mit den Prinzipien der alten KK übereinstimmen -> womit wir wieder bei einer der von mir eingangs gestellten Fragen sind. s.o. und s.u.

Zitat

Gewisse Traditionen wie die Kleidung, das Verbeugen etc. gehören für mich allerdings einfach fest dazu. Sowas macht ja irgendwie auch den Reiz der japanischen Kampfkünste aus.
Für mich Null - was nicht bedeutet, dass mich Sachen aus Japan nicht interessieren. Speziell Aikido finde ich hochinteressant - aber nicht wegen der Kleidung oder der Rituale.

Zitat

Wenn ich im Trainingsanzug einfach nur üben will, geh ich halt zum Kickboxen
Das wäre nur dann sinnvoll, wenn der wichtigste Unterschied zwischen Kickboxen und der (Deiner) japanischen KK die Trainingskleidung wäre. Ist das denn so?

--------

Zitat

Ohne KK würde z.B. ein Teil der Klingenschmiedeidelogie ala "form follows function" kein Sinn mehr
machen. Schwerter wären dann nur noch reine Deko.
[edit] Selbst ein traditioneller Schmied des 21. Jhdt. bedient sich nach meinem Wissensstand in aller Regel neuer Technologie. So ein maschinengetriebener Blasebalg ist zum Beispiel schon eine echte Arbeitserleicherung (und dazu auch sehr genau). Auch die traditionellen Testverfahren werden m.E. nicht mehr alle angewandt, obwohl oder vielmehr gerade weil man die kennt und sie heute nicht mehr passen. Kurzum: Wenn es darum geht ein Schwert mit bestimmten physikalischen Eigenschaften zu schmieden, benötigt man dafür ein bestimmtes Handwerk. Ob es dafür das Montagsgebet und den Abendtee braucht stelle ich in Frage... Übertragen auf die KK: Ein guter Fauststoß ist auch dann ein guter Fauststoß, wenn er von einem Analphabeten in Jogginghose ausgeführt wird.

Wenn eine Tradition ihren Zweck erfüllt, bedarf sie keines Schutzes - außer der Zweck ist obsolet!

-------

Noch einmal:

Zitat

Bisher noch keine abschließende Antwort auf die Frage, was verändert werden darf und was festgeschrieben ist. Ebenso fehlen Antworten darauf auf welchen (historischen) Stand die japanischen KK (teils) festgeschrieben sind und warum auf diesen und keinen anderen

Bearbeitet von Den, 04 August 2011 - 21:22 Uhr.

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#13 Lindener

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Geschrieben 05 August 2011 - 07:44 Uhr

Beitrag anzeigenTerao sagte am 04 August 2011 - 08:01 Uhr:

Die Faszination für altes Brauchtum (und alte Kampfkunst) lebt ja derzeit gerade auch in Europa auf. Bedauerlicherweise blieb da aber halt doch fast nichts über die Jahrhunderte übrig. Frag mal die Fans des europäischen Langschwertkampfes: Die würden ihren linken Arm dafür geben, wenn da wenigstens irgendwas aus der Zeit als lebendig gehaltene, direkt überlieferte Tradition existieren würde.
Was alte europäische Kampfweisen angeht, wäre ich auch gerne besser informiert, aber ich denke, wir müssen an dieser Stelle eine Sache deutlich hervorheben: meines Wissens hat in West- und Mitteleuropa erst im Laufe des 19. Jahrhunderts so etwas wie bewusste Traditionspflege eingesetzt. Das ist so ähnlich wie beim Denkmalschutz. Auch da sind wir die erste Zeit, die sich über so etwas Gedanken macht. Früher wurde einfach bei Bedarf Altes durch Neues ersetzt. Schrecklicher Gedanke, wie viele Schätze des alten Rom kaputt gehauen und für Renaissance- oder Barock-Bauten neu verwendet wurden. Alles Barbaren! Wahrscheinlich sind die Steine von Caesars Haus jetzt ein Teil des Vatikans. :)
So war es eben auch bei den Kampf- und Kriegskünsten. Ich denke, im Laufe der Jahrhunderte waren diejenigen, die gerade mit dem Kriegshandwerk befasst waren, genug damit beschäftigt, sich an die jeweils neuen Erfordernisse ihrer Zeit anzupassen, da blieb nicht viel Zeit für Traditionspflege. Gerade dieses radikale und unsentimentale Abschneiden alter Zöpfe war es ja, was dem Abendland plötzlich einen so gewaltigen Vorsprung vor dem nahen und fernen Osten beschert hat. Als die Chinesen sich noch für das Reich der Mitte hielten und meinten, mit jahrhunderte alten Kampfmethoden zum Sieg kommen zu können, feuerten portugisische Galleeren eine Salve ab, und der chinesische Hafen war für sie offen. Nur so als Beispiel.
Leider ist auf diesem Weg des Fortschritts viel traditionelles Wissen und Können verloren gegangen.
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#14 Mac

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Geschrieben 05 August 2011 - 07:56 Uhr

Hi zusammen,

wenn eine KK als Kulturgut geschützt werden soll, wer hat dann die Aufsicht und das Recht, Teile als "authentisch" oder "progressiv" zu definieren.

Viele Grüße

Mac
Renne um Dein Leben, wenn ich lächele.

Wie soll ich wissen was ich denke, bevor ich lese was ich schrieb?

Ich wollte mich eigentlich geistig mit Dir duellieren, doch ich sehe Du bist unbewaffnet.

#15 Lindener

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Geschrieben 05 August 2011 - 08:03 Uhr

Beitrag anzeigenMac sagte am 05 August 2011 - 07:56 Uhr:

Hi zusammen,

wenn eine KK als Kulturgut geschützt werden soll, wer hat dann die Aufsicht und das Recht, Teile als "authentisch" oder "progressiv" zu definieren.

Viele Grüße

Mac

Ich hab da so ein bisschen an mich gedacht. :)
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#16 Terao

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Geschrieben 05 August 2011 - 08:08 Uhr

Zitat

Gerade dieses radikale und unsentimentale Abschneiden alter Zöpfe war es ja, was dem Abendland plötzlich einen so gewaltigen Vorsprung vor dem nahen und fernen Osten beschert hat.
Ja, schon. Die Japaner haben es aber halt geschafft, eines der hochtechnologisiertesten Länder der Welt zu werden und sich trotzdem uralte Traditionen zu erhalten. Die schätzen nicht nur Roboter, sondern auch altes Handwerk. Für mich macht u.a. das Japan so faszinierend.

#17 Lindener

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Geschrieben 05 August 2011 - 08:13 Uhr

Beitrag anzeigenTerao sagte am 05 August 2011 - 08:08 Uhr:

Zitat

Gerade dieses radikale und unsentimentale Abschneiden alter Zöpfe war es ja, was dem Abendland plötzlich einen so gewaltigen Vorsprung vor dem nahen und fernen Osten beschert hat.
Ja, schon. Die Japaner haben es aber halt geschafft, eines der hochtechnologisiertesten Länder der Welt zu werden und sich trotzdem uralte Traditionen zu erhalten. Die schätzen nicht nur Roboter, sondern auch altes Handwerk. Für mich macht u.a. das Japan so faszinierend.
Genau, diese Meinung verstehe ich ja auch, aber es geht hier eben um verschiedene Zeiten. Ich denke, wenn wir das Wissen von Früher konserviert hätten, würden wir es heute auch entsprechend pflegen, aber in der Zeit, als im Orient alle alten Zöpfe bewahrt wurden, wurden hier alle alten Zöpfe abgeschnitten. Vielleicht gab es im 16. und 17. Jahrhundert noch nicht die geistige Flexibilität, gleichzeitig zu verändern und zu bewahren. Nur eine Vermutung von mir.
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#18 KAJIHEI

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Geschrieben 05 August 2011 - 08:17 Uhr

@Den :
Tja da bist du komplett auf dem Holzweg.
Also fangen wir mal an. Die traditionellen Testverfahren werden selbstverständlich noch benutzt, blos
heut halt an Strohballen etc. ich glaube es würde ein Aufschrei durch die Welt gehen wenn wir wieder wie früher Verbrecher nehmen würden.
Und ja, die Schmiede benutzen maschinelle Hämmer, blos A. ) ändert das nicht´s am Grundprinzip und B. )
können sie es auch ohne. ( Ich hab doch gesagt, leichte Veränderungen gehen solange das Grundprinzip erhalten bleibt )
Das ist auch zwingend notwendig. nemen wir z.B: mal die Schmiedevorführung der Gassan in Boston. Hätten die ihre Dampframme mitnehmen sollen ?
Desweiteren : Alle wirklich wichtigen und kritischen Sachen werden nach wie vor mit Muckikraft gemacht.
und ja, es macht einen Unterschied für einen ordentlichen Toko ( Schwertschmied ) ob er sich vorher spirtuell reinigt
oder nicht.
Schwerter sind bis zu einem bestimmten Grade religiös.
So verrückt es klingt : Die Dinger sind ein Teil einer lebendigen Kultur die zwar in minoren Punkten moderne zuläst, ab in den Grundprinzipien ( Verwendeter Stahl etc ) es noch genauso gehandhabt wie vor Jahrhunderten.
Das gleiche gilt übriegns auch für meinen Beruf :
Selbstverständlich haben die meistne von uns sich mal etwas intensiver mit modernen Metallurgie befast, das ändert aber nichts daran, das wir trotzdem noch so arbeiten wie vor Jahrhunderten.
Es geht auch hier einfach nicht anders.
Was deine technische Argumentation angeht : Wenn man nur das akzeptiert was nützlich und technisch
optimal ist, dann brauchen wir kein Kultur und keine Kunst mehr.
Dann sit die Frage nach dem zweiten "K" in der KK wirklich obsolet.
Ein weiterer Punkt den ich auch erwähnt habe ist die Bewahrung des Wissens, auch in den KK.
Da fällt mir ein schönes Beipiel aus einem anderen Sektor ein :Die Granulationstechnik bei Goldschmieden.
Die Etrusker haben das fröhlichst getan, dann verschwand ihre Zivilisation und damit ihr Wissen.
Wie die Brüder es vor zweitausend Jahren geschaft haben diesen Krempel zu löten wurde erst am Anfang des 20igten jahrhunderts wiederentdeckt.
Wäre die Traditon am LEben geblieben wäre es einfacher gewesen.
Ich habe das Beispiel auch aus einem anderen Grund gewählt.
Du sagtst eine Traditon stirbt aus wen sie nicht gebraucht wird. Genau falsch herum, sie stirbt aus obwohl sie gebracuht wird, denn wäre sie nicht gebracuht worden, wieso hätten Menschen über die ganzen Jahrhunderte versucht rauszubekommen wie sadas geht das etruskische Granulieren.
D.h. Wir merken immer erst zu spät das mehr Wissen erlangen prima ist, aber Wissen wissentlich verschwinden zu lasen zu lassen
mit Abstand das Dümmste ist was man tun kann.
Auch aus diem Aspekt heraus sind Traditonen daher schützen und bewahrenswert.Gruß

Kaji
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#19 Terao

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Geschrieben 05 August 2011 - 08:23 Uhr

Zitat

Vielleicht gab es im 16. und 17. Jahrhundert noch nicht die geistige Flexibilität, gleichzeitig zu verändern und zu bewahren.
Vielleicht hatten und haben einige Kulturen uns ein "Sowohl als auch" statt eines "Entweder-oder" insgesamt voraus. Vielleicht liegts auch am Monotheismus. Wahrscheinlich hat auch beides Vor- und Nachteile. Wir sehen ja nur die Resultate.

Und, Bogen zurück zur Kampfkunst: Wenn ich mir die Resultate (die Bewegungsqualität) der "traditionell" lernenden jap. Schwert-KKler und die von Praktizierenden neu erfundener westlicher "Schwertstile" ansehe, wird mir schlagartig bewusst, dass neu nicht unbedingt gleich besser sein muss... und warum es manchmal sinnvoll ist, Traditionen zu bewahren.

Bearbeitet von Terao, 05 August 2011 - 08:26 Uhr.


#20 Lindener

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Geschrieben 05 August 2011 - 08:26 Uhr

Hallo Kaji und Den, ich glaube ihr vermischt hier gerade zwei Dinge, die ich lieber trennen würde, nämlich einmal traditionelles Wissen, das einen handwerklichen oder anwendbaren Wert beinhaltet und daneben sprirituelle oder kulturelle Gepflogenheiten, deren Wert eher abstrakt und nicht wirklich in Zahlen oder Fakten auszudrücken ist. Das wäre dann ein Wert, den man entweder als Selbstzweck akzeptiert oder den man als überflüssigen Schnickschnack abtut.
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