ich fand das Thema zwar interessant, hatte aber keine zeit und jetzt haben bereits Andere eigentlich genug geantwortet.
Nichtsdestotrotz versuche ich als Derjenige, dessen Sätze im Eröffnungsbeitrag zitiert wurde, mich einmal einzubringen.
Den sagte:
Mitunter gibt es den althergebrachten Lehrplan und später (was trotzdem vor 1800 gewesen sein könnte) hinzugefügte Techniken in einem
extra Katalog (eine Trennbarkeit ist gegeben, die eigentliche Kern-Koryû jederzeit wieder klar herausstellbar).
bugei sagte:
insofern Probleme, als das auch nur eine von mehreren Möglichkeiten ist, warum man eine alte KK trainiert und pflegt (z.B. Kämpfen zu lernen),
man andererseits aber auch moderne Stile durchaus nicht aussterben lassen will und sie vielleicht nicht zuletzt deswegen trainiert
(gerade das noch recht junge Jûdô ist mit seinen Konflikten zwischen Klassikern und Sportjûdôka ein sehr gutes Beispiel).
Zumindest als eine Tendenz möchte ich Deinen Gedanken aber gerne folgen, sehe nur eben noch mehr Grautöne.
Rakoshi sagte:
Und es heißt Marco, wie der Vorname des Erfinders.
Zitat
Den sagte:
wenn Gehabe und Selbstverständnis der (damaligen) Aristokratie verstanden und verinnerlicht sind?
wüsste ich nicht, wie ich diese Frage beantworten sollte. Ich sehe allerdings auch keine Basis die erhalten
werden sollte, sondern Konstrukte, die jeweils in ihrer Gesamtheit (möglichst) erhalten bleiben sollten.
Den sagte:
auf die Zeit vor Sekigahara? Auf die Zeit vor 1868? Auf die Zeit des japanischen Imperialismus? Auf die Zeit direkt nach dem Krieg?
Auf einen späteren Zeitpunkt? ... die Beantwortung dieser Fragen halte ich für notwendig.
Ich denke, es wird überwiegend die Edozeit gewesen sein (die von Shava angemerkte Betonung des Schwerts), muss aber wie viele Dinge letztlich immer am konkreten Fall
betrachtet werden. TSKSR ist z.B. umbenannt worden und trägt mittlerweile wieder den alten Namen - mit einem Lehrplan kann ähnliches passieren und sei es nur
die Reihenfolge von Techniken, die geändert wird. Auch gibt es Stile, die immer noch mit Langwaffe beginnen und das Schwert später unterrichten.
Im Bereich der Koryû, die nur wenig verändert werden, ist es ja auch so, dass grob von den 1300s bis 1800s sich alles Koryû nennen kann
und es kann davon ausgegangen werden, dass Jemand 1966 nicht mehr unbedingt Schwuimmen in Yoroi neu eingeführt hat.
Es sind andererseits aber auch uralte Stile geschrumpft und unterrichten z.B. ihr Bajutsu (Reiten) nicht mehr.
amoeba sagte:
lassen sich imho auf die europäische Kultur einfach nicht übertragen und wenn mans doch versucht, treibt das leicht absurde Blüten
[...]
Ich bin sicher, dass das alles traditionell in Japan nicht so entspannt gehadhabt wurde (und immer noch nicht wird).
Ich will mein Training nicht gegen ein streng autoritäres System tauschen, nein danke.
sondern schlichtweg Schüler des Stils und als solcher hast Du die gleichen Rechte und Pflichten, wie jedes andere reguläre Mitglied.
Im Bereich Koryû kenne ich lockerere Verhaltensweisen aber auch die von Vielen als steif empfundene, hängt von den jap. Lehrern ab.
Slow-Fox sagte:
"unverletzlichen besonderen Kulturgutes" erhalten ? Mir ist das nur von der Tenshin-Shoden-Katori-Shinto-Ryu bekannt.
Rede ich von einem "schützenswerten Kulturgut", schaue ich jetzt allerdings nicht nur auf Papiere,
sondern betrachtet den Umgang der Leute mit den Dingen oder wie sie davon sprechen.
Ich hatte deshalb auch ganz bewusst keinen offiziellen Titel erwähnt.
Den sagte:
Wenn eine Tradition ihren Zweck erfüllt, bedarf sie keines Schutzes - außer der Zweck ist obsolet!
Gesicht eines Angreifers bei identischer Ausführung für besser als den ins Gesicht der widersprechenden Freundin.
Ich will die mir im Beispiel zuwenig berücksichtige geistige Einstellung und Moral keinesfalls überbewerten
à la "Bushido in jeder Falte des Hakama", jedoch ist die Lehrmethodik u.U. komplexer als im Sportverein.
Es gibt Schulen mit philosophisch-esoterischen Lehrinhalten, Medizin (vermutlich nur in Ansätzen) usw.
und überlege ich mir dann noch, dass das Tagesgeschäft eines Kriegers früher Krieg und Tod war,
glaube ich, dass es nicht verkehrt war, Menschen nicht nur technisch zu schulen.
1. Mir ist klar, dass auch Wettkämpfe mitunter mit Durchhaltewillen, selbstüberwindung u.ä. zu tun haben
- sterben tut man i.d.r. aber auch bei Versagen nicht.
2. Mir ist ebenso klar, dass Schüler einer Koryû heute nicht zwingend in den Krieg ziehen, viele Stile abgespeckt gelehrt werden.
3. Das bringt uns zum obsoleten Zweck (Kampf, vielleicht auch Vorbereitung auf den Tod? - da kann ich nicht für Andere sprechen),
der meiner Ansicht nach nicht für jeden Koryûler obsolet sein muss, die Meinungen darüber gehen sicherlich weit auseinander.
Reine Brauchtumspflege mit einem gewissen "Ich habe mal kurz etwas Sport gemacht." gibt es sicherlich und kann
dann evtl. als überholte Tradition angesehen werden, nur kommt hier KAJIHEIs Einwand ins Spiel, dass man
durch die gelebten Traditionen auch sozusagen etwas Vergangenheit in die neue Zeit hinüber rettet.
Einen Zweck theoretisch erfüllen zu können, heißt m.A.n. übrigens nicht unbedingt auch,
dass man die Chance erhält, diesen Zweck zu erfüllen. Es gibt genug Künste,
die leider erst nach ihrem Aussterben schmerzlich vermisst wurden.
Lindener sagte:
ist es, dass ich irgendetwas anderes in die Finger kriege, dass ich als Waffe verwenden kann (Übertragbarkeit von Prinzipien und Techniken)?
Ich sehe ständig irgendwelche "Waffen" um mich herum aber Schusswaffen liegen selten einfach offen herum - und wenn der Gegner schießt wird's eh mau.
Für die Meisten wird KK allerdings, da verstehe ich Euch durchaus richtig, wie ich denke, tatsächlich eher nur netter, teilweise auch fordernder Hobby-Zeitvertreib sein.
Bezüglich des heutigen Verbesserns der alten Koryû-Techniken ist es so, dass wie jemand glaube ich bereits andeutete,
die Gründer entweder noch in der Schlacht kämpften (gut, bei jüngeren Koryûstilen wieder weniger) oder zumindest
Duelle fochten oder sich anderweitig schulten. Heutzutage geht das aber nur schwer da illegal und da ist man
mit den Techniken der alten Kämpfer eben besser bedient, als wenn man selbst ohne jede Erfahrung
einfach mal so an den alten Inhalten wild herumbastelt. Es ist zudem so, dass das ganze
Lehrgebäude in sich schlüssig ist und Alles aufeinander aufbaut, sodass es schwer
fallen wird, herumzubasteln, ohne das Gebäude zum Einstürzen zu bringen.




