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Niederlagen bei Turnieren


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3 Antworten in diesem Thema

#1 Vagabund

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Geschrieben 12 August 2011 - 14:20 Uhr

Beitrag anzeigeningolf sagte am 12 August 2011 - 13:42 Uhr:

nehmen wir mal einen kampfsport, bei dem es auch noch wettkämpfe gibt. - bei 50 teilnehmern an so einem wettkampf ist einer gewinner. - wie macht sich das eigentlich für das selbstwertgefühl der 49 verlierer? wird das mit ignoranz ausgebügelt?

Das finde ich eine sehr interessant Frage!

Für mich war es immer gut zu verkraften. Meine ersten Wettkämpfe bei der DLRG habe ich mit ca. 10 Jahren bestritten. Im TKD mit ca. 14 oder 15 Jahren. Ich weiß noch, dass ich nach einem verlorenen Kampf immer lange darüber nachgedacht hatte, warum ich nicht in der einen oder anderen Situation besser reagiert hatte.

Mit dem Verlieren hatte ich also wenig Probleme. Ich würde sogar sagen, dass mich auch die verlorenen Kämpfe gestärkt haben. Ich habe dadurch gelernt, mit Niederlagen umzugehen. Passiert jedem ("ich bin nur einer von vielen, die nicht aufs Treppchen kamen"). Man stellt sich einem Wettbewerb - alleine das fördert schon, Mut und Schneit zu entwickeln. Einfach reingehen, mehr als verlieren kann man nicht. Wenn man durch den ganzen Prozess von Vorbereitung - Wettkampf - Analyse - Vorbereitung ... gegangen ist, verliert man die Angst vor Niederlagen, weil man weiß, daran stirbt man nicht.

Außerdem sind die Turnierkämpfe ja nicht die einzigen Kämpfe, die man macht. Man bereitet sich ja im Training vor und hat dort natürlich auch Erfolgs- und Niederlagenerlebnisse. Meistens wahrscheinlich mehr Erfolgserlebnisse. Nicht wenige Wettkämpfer sind im eigenen Verein die größten.

Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass andere Kampfsportler ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht gibt es Sportler, die sich nur noch über Erfolgserlebnisse definieren? Bin gespannt, was hier dazu vielleicht noch gepostet wird.

LG,
Vagabund
Taekkyon-Seminar mit Großmeister Lee Yong-bok (9. Dan Taekkyon und 9. Dan Tae Kwon Do) in Hamburg: www.zentrum.taekkyon.de/news

#2 Kenkon

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Geschrieben 13 August 2011 - 08:13 Uhr

Hm, zu dem Thema kann hier sicher kaum einer was schreiben... .

Mir waren die Turnierniederlagen in meinen Gewichtsklassen auch eher wurscht. Ich wußte immer mehr oder weniger, woran es gelegen hatte. Oder glaubte. es zu wissen. Und Wissen war da Macht für mich.
Für mich war eher das Sparren mit höheren Gewichtsklassen Grenzen aufzeigend.
Aber dieses "nicht so wichtig" bei Wettkämpfen war auch länger ein bequemer Schutzschild, der mich psychisch geschwächt hat.
Auch meine Siege waren für mich immer relativ.

Meiner Ansicht nach ist es für kleinere Menschen immer schwerer, im Sparringsbasierten KK-Training Selbstbewußtsein aufzubauen. Größere haben einfach mehr Erfolgserlebnisse, bleiben öfter dabei, können sich leichter vor Verletzungen schützen, das sie seltener echte Opposition haben.
Das fällt nur nicht so auf, weil die Kleineren oft durch stärkere körperliche Komplexe getrieben werden.

In der Serie Seinfeld berichtete der Charakter "Kramer" mal von seinem gesteigerten Selbstwertgefühl und Durchsetzungsvermögen durch sein Karatetraining.
Später stellte sich heraus, das er wegen besonderen Unvermögens bei den Anfängern bis 12 Jahre mittrainierte.

Ist immer eine Frage der Selbstreflexion.
Als ich Mitte der Achtziger WT ausprobierte, wurde mir durch bestimmte technische Ideen dort sehr schnell klar, das da m.E. viel Schrott um Selbstverständliches herum gebaut wurde.
Ich konnte nur die Relationen von Brauchbarem und Unbrauchbarem nicht einschätzen. Sehr wohl aber die psychische Formung durch geliehenes Selbstbewußtsein. Äh, geliehen nur im übertragenen Sinne. Weiß Gott.
Aber ein, zwei Bekannte mit ebenfalls kämpferischer Vorbildung liessen sich dadurch länger nicht irritieren.

Kämpfen zeigt einem, wo man gerade steht.
Gute Trainer machen einem klar, dass es eben nur zeigt, wo man GERADE und gegen DEN steht. Eigentlich nur gerade eben gestanden hat.

Der Kämpfer, der immer meint, der andere hätte nur Glück gehabt, mag zwar voll realitätsfern sein. Aber wenn er dazu noch bereit ist, zu lernen, wird sich seine Realität dennoch sehr stark anfühlen.
Man kann auch "zu intelligent" zum Kämpfen sein.

Zum Glück mittlerweile eher blöde:
Kenkon
Mal verliert man, mal gewinnt der Andere.

#3 Taysoku

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Geschrieben 16 August 2011 - 12:02 Uhr

Es gibt solche und solche Niederlagen.

Ich habe meinen Mädels beigebracht, dass sie selbst der Maßstab sind, und nicht die Gegner. Wenn sie mit sich zufrieden sind, dann ist es (fast^^) egal wer gewinnt. Das hat lange gut funktioniert und hat über Situationen hinweggeholfen, wo KR ihrem Job Schande gebracht haben.

Dann hat sich die Meinung etabliert, dass beide lieber auf hochklassigen Turnieren verlieren, als auf Gurkenturnieren zu gewinnen.

Das passte alles noch gut zusammen, weil 6 bis 10 Stunden Training pro Woche gut zum eigenen Anspruch passten.

Solange war es gut für das Selbstwertgefühl.

Man erreicht eine Ebene, wo plötzlich die "Profis" vor einem stehen, und trotz eigener Top-Leistung verliert man. Das hat die Mädelz zunächst traurig gemacht. Aber ich konnte ihnen begreiflich machen, dass sie auch dort gewinnen können, der Preis aber hoch ist. Sie haben drüber nachgedacht und sich für die "Zweitklassigkeit" entschieden (was ich die bessere Wahl finde).

Die gelegentlichen Niederlagen haben sich nicht negativ ausgewirkt und umso mehr freuten sie sich wieder über sporadische Siege.

Doch jetzt stehen plötzlich Freund, Schule, und Studium im Vordergrund. Untrainiert wäre etwas übertrieben, aber die sportliche Leistung hat klar nachgelassen. Und dann auf einem Turnier zu starten, und gegen an sich Schlechtere (was in diesem Fall aktuell einfach nicht stimmt) verlieren, das trifft und löst ganze Sinnkrisen aus. Aber auch die Klippe wird gerade umschifft und im Ergebnis wachsen die Mädelz daran.

Tay
Meine Lehrgangsempfehlungen:
Seminar mit Hidetoshi Nakahashi und Carlos Molina
am 19. und 20.5.2012 in Berlin
Infos unter http://www.shingitai...mid=122&lang=de

#4 KAJIHEI

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Geschrieben 16 August 2011 - 15:31 Uhr

Öffentlich auf die Nase fallen ist schlimm. Aber es geht noch schlimmer.
Nicht hingehen, weil man Angst hat man versagt, es reicht nicht.
Mich hat das einen Preis beim Politurkontest der NBTHK gekostet. Wär ich aufgetaucht, gut ich hätte diesmal einen Keks bekommen, wenn nicht, tja es wäre irgendwie auch nichts passiert.
Aber so ?
Jedesmal wenn ich dran denke ärger ich mich, denn ich habe mich durch die Nichteilnahme mehr blamiert als ich es je durch eine misslungene Teilnahme geschaft hätte.
Ergo ist für mich die schlimmste Form der Niederlage die Nichtteilnahme.

Bearbeitet von KAJIHEI, 16 August 2011 - 15:31 Uhr.

Lang lebe die Eineindeutigkeit der Zweideutigkeit !

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