Zum Inhalt wechseln


- - - - -

Kampfsport aus Japan


51 Antworten in diesem Thema

#1 soto-deshi

    Stammgast

  • Members
  • 520 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bayern
  • Interests:Bücher über alles mögliche,

  • Kampfkunst:
    Kampfsport
Offline

Geschrieben 21 August 2011 - 14:46 Uhr

Hallo,

in unserem Verein werden verschieden ostasiatische Kampfsportarten unterrichtet. Einige kommen auch aus Japan einem faszinierendem Land mit einer Kultur mit tausendjähriger Tradition, einem Land der Gegensätze.

Diese Gegensätze halten wir auch ein. Vor dem Betreten des Dojo - leben und arbeiten wir in einem moderen Land - im Dojo oder (koreanisch Dojang) halten wir uns an Regeln die aus den traditionellen Kampfsportarten kommen. Genau das ist es , was mich am Training der Kampfsportarten fesselt, das völlig Abschalten vom Alltag.
" Durch einen Kampfsport sollst du dir selber näher kommen. Darum geht es und dazu dient auch ein Dojo: dem Schüler zu helfen seinen Weg zu finden. In einem echten Dojo ist es mit bloßer körperlicher Bewegung nicht getan. Geistige Konzentration und eine besondere Offenheit gehören auch dazu. Du bist zum Lernen im Dojo und auch zum Kennenlernen deines Innenlebens."
Diese Worte stammen aus dem Buch von Cuck Norris, Zen-Kampfkunst im täglichen Leben. Ich habe sie niedergeschrieben, da sie das ausdrücken, was ich im Dojo ( Dojang ) erleben will.

Daher werden auch bei uns die Dojang-Verhaltensregel genau eingehalten. Es gibt keine Abstriche - keine Änderungen. Wer traditionellen Kampfsport erleben will, mit allen seinen Sinnen - der muß es wie ein Reisender machen - der Japan besucht. Auch dort muß ich mich an Regeln halten, offen und ohne Vorbehalte ( aus meiner Kultur oder Religion) neondurchflutete Megastädte, alte Tempel und Gärten, versunken in meditaiver Stille, entdecken.
Die herrlichen Landschaften, schneebeckten Gebirgsketten der Japanischen Alpen, die Schneeaffen von Nagano, usw. warten darauf mit allen Sinnen betrachtet zu werden.

Die ostasiatischen Kampfsportarten muß ich als Ganzes aufnehmen oder einfach dem Training fernbleiben.

Das ist meine persönliche Ansicht... soto-deshi

#2 Bluescreen

    Stammgast

  • Members
  • 918 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Aachen

  • Kampfkunst:
    Kendo, Iaido (Muso Shinden Ryu)
Online

Geschrieben 22 August 2011 - 12:24 Uhr

Öhm ja ... Ich will dir ja deine Budo Romantik nicht wegnehmen aber warst du schon mal in Japan beim Training und bist von 8.Dan bei der Polizei oder an der Uni vermöbelt worden und anschließend mit denen die ganze Nacht saufen und Karaoke singen gewesen? Falls du das mit das "Ganze" meinst geb ich dir recht. :D Also dann :beer:
Achja Dojang = Koreanisch, Dojo = Japanisch. Sollte man nicht durcheinanderwerfen ;)

Eingefügtes Bild

Bearbeitet von Bluescreen, 22 August 2011 - 12:32 Uhr.

蝸牛剣道場 Kendo Katatsumuri-Kendojo Köln (DJSG e.V.) - www.djsg-kendo.de
1. Budo Club Eschweiler e.V. - www.budo-club-eschweiler.de
Nordrheinwestfälicher Kendoverband - www.nrwkendo.de
Hakushinkai Iaido Aachen - www.iaido-aachen.de

#3 soto-deshi

    Stammgast

  • Members
  • 520 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bayern
  • Interests:Bücher über alles mögliche,

  • Kampfkunst:
    Kampfsport
Offline

Geschrieben 22 August 2011 - 13:28 Uhr

Hallo Bluescreen,

ich spreche nicht von Budo-Romantik - davon bin ich geheilt - nachdem ich verschiedene Kampfsportarten immer einige Jahre geübt habe, dann erkannt wie groß die Schere zwischen dem Versprechen des Trainers und der Wirklichkeit war.

Meine Gedanken beziehen sich auf das Training in einem Dojo oder ( koranische Dojang, oder Kwan oder ....)in Deutschland. Auch hier gibt es Lehrer die Kampfkunst oder Kampfsport - unterrichten unter Bezug auf die koreanische oder japanische oder chinesische Kultur - und dabei auch Hinweise auf die drei großen asiatischen religiösen-philosphischen Richtungen Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus geben. Oder Du mußt Dich einfach selber informieren.
Ohne diese als " Stilreligion " einzuführen - sondern um den westlichen Menschen eine andere Sichtweise - Hinweise auf eine andere Kultur - Gesundheitslehre - Lebensweise zu geben.

Besonders beeindruckt haben mich die Gedanken von Seo Yoon-Nam, aus seinem Buch: Lachend den Berg besteigen. Ohne meine christliche Kultur verleugnen oder vergessen zu wollen - ist nicht der Zweck - sondern sich Gedanken, Vorstellungen einer anderen Kultur ( Älter als unsere Kultur ) unvoreingenommen durchlesen, abwägen und was nützlich ist probieren und evt. ins eigene Leben einbauen.
Aus den Vorschlägen von Seo Yoon-Nam habe ich schon einige ausprobiert und bei Knieschmerzen mit seiner Übung immer erfolg gehabt - daher bleibe ich daran.

Der Hinweis auf Japan als Reiseland - war nur als Beispiel gedacht - auch dort informiere ich mich vorher. Lese in einem Buch oder sehe im Internet nach; was muß ich oder sollte ich als Urlauber beachten.
Das mache ich inzwischen auch und habe mir ein Dojo ausgesucht, das im Training bestimmte Regeln (Dojo- Verhaltensregeln ), Gesundheitshinweise aus dem Qi Gong, usw. auch ins Training einfließen läßt.
Trotzdem bleibe ich von unserer Kultur beeinflußt - ich verbeuge mich vor dem Bild des Stilbegründers oder einem Foto von Okinawa - aus Respekt und vergesse nie, daß ich in einem anderen Kulturkreis zu hause bin.
Aber ich muß auch zugeben, daß die Gedanken von Meister Seo die Teil seiner koreanischen Kultur sind ,mir eine anere Sichtweise vermitteln.

" Do bedeutet als fortwährendes Lernen, mit sich und Welt ins Reine zu kommen, sich und die Welt zu verstehen. Am Ende steht die Erleuchtung, die nur ganz wenige Menschen erlangen." von Seo Yoon-Nam

Dies ist ein Lebensweg in unserer hektischen Zeit, den nicht jeder gehen soll!

soto-deshi

#4 Bluescreen

    Stammgast

  • Members
  • 918 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Aachen

  • Kampfkunst:
    Kendo, Iaido (Muso Shinden Ryu)
Online

Geschrieben 22 August 2011 - 14:02 Uhr

Zitat

Ich spreche nicht von Budo-Romantik - davon bin ich geheilt
Bist du sicher sicher? Naja ich halt nicht viel von solchen Lebensratgebern, Esotherik Ratgebern die zur "Erleuchtung oder erfüllten Leben" führen sollen. Schließlich ist das doch für jeden Mensch anders. Sorry aber, der "Lebensratgeber" der meisten japanischen Kendo Lehrer die ich (in Japan und hier in Deutschland, unser sensei ist Japaner) kennen gelernt habe ist das Bier, der Shochu oder Sake im "zweiten und dritten Dojo" danach. Ich bin in Japan von so gut wie keinem Training nüchtern zurückgekommen. So sieht die Realität aus. Was das angeht bist du wohl japanischer als die meisten Japaner, bzw Koreanischer als die Koreaner. ;)

Zitat

Der Hinweis auf Japan als Reiseland - war nur als Beispiel gedacht - auch dort informiere ich mich vorher. Lese in einem Buch oder sehe im Internet nach; was muß ich oder sollte ich als Urlauber beachten.
Hab ich auch und ich bin trotzdem noch in etliche Fettnäpfchen getreten. Davon bleibt man nicht verschont. Aber die Japaner lassen es sich nicht wirklich anmerken wenn man was falsch gemacht hat. Das erfährt man meistens erst hinterher ...

Darf ich fragen welche Kampfkunst du betreibst?

Bearbeitet von Bluescreen, 22 August 2011 - 14:14 Uhr.

蝸牛剣道場 Kendo Katatsumuri-Kendojo Köln (DJSG e.V.) - www.djsg-kendo.de
1. Budo Club Eschweiler e.V. - www.budo-club-eschweiler.de
Nordrheinwestfälicher Kendoverband - www.nrwkendo.de
Hakushinkai Iaido Aachen - www.iaido-aachen.de

#5 kkke

    Alter Hase

  • Members
  • 412 Beiträge
  • Geschlecht:weiblich
  • Wohnort:Suwon (Korea)
  • Interests:Kampfkunst, Koreanisch, Japanisch, Kultur, Philosophie, Biochemie,...

  • Kampfkunst:
    Taekkyon
Offline

Geschrieben 28 August 2011 - 18:22 Uhr

Hallo soto-deshi.

Zitat

Daher werden auch bei uns die Dojang-Verhaltensregel genau eingehalten. Es gibt keine Abstriche - keine Änderungen.

Doch. Nämlich genau die:

Zitat

der muß es wie ein Reisender machen - der Japan besucht.

Du bist in Deutschland einfach nicht in Japan oder Korea. Also erlebst du beim Training eine ganz andere Kultur als im Alltag. Dies ist für viele Leute faszinierend. Warum? Weil es anders ist.

Auch ich habe mich in Deutschland an die Verhaltensregeln im Karate Dojo gehalten. Es war für mich normal, dies zu tun. Und normal, es außerhalb des Dojos nicht zu tun, was z.B. das Verbeugen vor anderen Menschen angeht - wobei ich auch dies irgendwie immer öfter tat und das hat dazu geführt, dass mich andere Leute komisch angeguckt haben. Es herrschte eine Diskrepanz zwischen der im Dojo ausgelebten Kultur und der Kultur außerhalb des Dojos. Im Nachhinein betrachtet kommt mir das Verhalten in deutschen Dojos ziemlich gekünstelt vor. Warum? Es ist nicht natürlich. Es passt nicht zum Verhalten im Alltag.

Im Folgenden kann ich nur für Korea sprechen (nicht für Japan), weil ich dort lebe. Auch dort hält man sich im Training an bestimmte Regeln – nämlich an genau dieselben wie im Alltag. Zu Beginn meiner Zeit hier waren sowohl Training als auch Alltag kulturell faszinierend. Es war eben anders als gewohnt – genau das, was Leute normalerweise erleben, wenn sie versuchen, sich im Training an eine andere Kultur anzupassen. Mit der Zeit lernte ich viel über die üblichen Verhaltens- und Denkweisen, mir wird sogar oft gesagt, dass ich Koreaner geworden sei (dem stimme ich noch nicht so ganz zu, aber als ich deutsche Touristen getroffen habe, kam mir deren Verhalten fremder vor als das meiner koreanischen Mitmenschen). Somit sind für mich auch die Regeln beim Training natürlich geworden. Warum? Nicht, weil ich sie lange genug ausgeübt hätte, sondern weil sie mit dem Alltag übereinstimmen.

Man kann seinen Körper genauso gut kennen lernen, ohne zu versuchen, eine andere Kultur nachzuahmen. Letzteres ist aber interessant und spannend, eben weil man Unbekanntes erfährt. Es gibt neue Denkansätze – wirklich verstehen kann man diese aber nur beim Erleben der dazu gehörigen Kultur. Ich habe mich, während ich in Deutschland lebte und trainierte, viel mit der japanischen Kultur beschäftigt, um die Dinge im Training besser zu verstehen. Dieses Verständnis kommt aber überhaupt nicht an das Verständnis heran, das ich durch pures Erleben über die koreanische Kultur und Denkweise erlangt habe – in ein paar Monaten! Und dabei habe ich auch dort noch verdammt viel zu lernen.

Während ich in Deutschland trainiert habe, fand ich das Einhalten der (fremden) Etikette beim Training wichtig, weil ich dachte, dass dies der Charakterschulung (z.B. Respekt) beitragen würde. Liegt daran, dass ich durch das Verhalten beim Training tatsächlich einiges gelernt habe. Inzwischen denke ich darüber anders. Man kann Respekt auch anders zeigen und muss sich dafür nicht in ein Verhaltensmuster pressen, dass nicht der eigenen Natur, also dem Verhalten im Alltag, über das man nicht erst groß nachdenkt, entspricht.

Man kann auch mit deutschen Verhaltensweisen andere Leute respektieren, innerlich ruhiger werden usw. Einer meiner deutschen Lehrer ist ein gutes Beispiel dafür. Ach er hat sich zwar im Dojo verbeugt und ein Bild aufgehangen, aber wirklich faszinierend fand ich stattdessen einfach seine Art, mit Menschen und Problemen umzugehen. Es war einfach natürlich und passte sowohl zum Training als auch zum Alltag. Auch so kann man neue Denkansätze gewinnen – einfach durch den Umgang mit anderen Menschen, es müssen nicht immer Asiaten sein.


Zitat

Die ostasiatischen Kampfsportarten muß ich als Ganzes aufnehmen oder einfach dem Training fernbleiben.

Dem widerspreche ich. Man kann in Deutschland einfach nicht die komplette japanische/koreanische/ was weiß ich welche Kultur ins Training packen, ohne dass es für die Übenden unnatürlich wird. Und solange etwas unnatürlich ist, ist es nicht ganzheitlich erfasst. Soll man deshalb alle Kampfkünste aus einem anderen Kulturkreis in Deutschland einfach sein lassen? Fände ich schade. Vielleicht passen ja genau diese Techniken und Bewegungsprinzipien wunderbar zum eigenen Körper, warum also nicht üben?

Dieses krampfhafte Versuchen, eine andere Kultur im Training nachzuahmen und somit der Meinung zu sein, eine Kampfkunst zu erfassen… Das ist Budo-Romantik. Ganz zu schweigen davon, dass man sich meist nur die „Charakter fördernden“ Dinge rauspickt und – wie Bluescreen schon schrieb – den Alkohol und andere „bösen“ Sachen weglässt.


Zitat

Die herrlichen Landschaften, schneebeckten Gebirgsketten der Japanischen Alpen, die Schneeaffen von Nagano, usw. warten darauf mit allen Sinnen betrachtet zu werden.

Betrachte doch einfach mal die deutschen Alpen mit allen Sinnen, ist von den Reisekosten her auch nicht so teuer ^_^


Viele Grüße,
kkke
"Der Rang, der Fortschritt, der Status oder der Grad wird durch Arbeit und Hingabe erreicht und kann nur durch deren Beständigkeit erhalten werden. Es gibt keine Abkürzung, sondern nur Arbeit, Schweiß und Schmerzen."

Just do it.

www.taekyun.org
www.tkbattle.com

#6 WuDang

    Schon länger dabei

  • Members
  • 245 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:München

  • Kampfkunst:
    Baguazhang, Xingyiquan
Offline

Geschrieben 28 August 2011 - 20:10 Uhr

Ich lese hier ständig das Wort "Verhaltensregeln". Irgendwie passt mir das nicht so ganz. Verhaltenregeln haben für mich eher einen organisatorischen Charakter.
- Nicht vom Beckenrand springen
- Kein offenes Feuer
- etc.

Natürlich dienen Verhaltensregeln der Regelung des gegenseitigen Miteinanders.
Ich denke aber, dass die Regeln in einem Dojo einen tieferen Sinn haben, nämlich das Ritual. Das Begrüßen des Lehrers durch Verbeugung oder Ähnliches, das Betreten und Verlassen des Raumes durch bestimmte Türen, die Art und Weise, Lehrer, Mitschüler, etc. anzusprechen.
Das alles hat(te) im asiatischen Raum -denke ich- weniger eine Qualität des "sich daran haltens", sondern vielmehr wurde dieses "Ritual" als integraler Bestandteil einer Kampfkunst-Kultur angesehen.
Durch das Einhalten der rituellen Verhaltensweisen entwickeln sich Charakterzüge, die für das Meistern einer Kampfkunst essenziell sind/waren, nämlich Gehorsam, Respekt, Demut und Aufmerksamkeit.
Das Ritual im Dojo weist sozusagen allen Anwesenden ihren jeweiligen Platz im Gefüge zu, Lehrer, Meisterschüler, Schüler, etc.
Ich beziehe meine Aussagen übrigens vor allem auf den chinesichen Kulturkreis, die japanische Kultur ist mir (zumindest in diesem Zusammenhang) eher weniger geläufig.

Insofern ist das Verhalten im Dojo weniger eine von "Oben" aufoktruierte Gesetzgebung denn vielmehr Spiegel einer Lebenseinstellung, die mit dem Studium einer Kampfkunst einhergeht und damit für alle bBeteiligten eine Selbstverständlichkeit.

So, und bevor jetzt irgendjemand wieder das Unwort "Budo-Romantik" auspackt, kurz die Kehrseite der Medallie.

1. Wir leben nicht im asiatischen Kulturkreis
2. Wir leben in anderen Zeiten

Das heißt konkret: Weder jedem Lehrer noch jedem Schüler ist die Tragweite des Rituals am Trainingsort bewusst, dementsprechend erhält das Ritual nunmal nichtmehr die Bedeutung, die es verdienen würde. Davon einmal abgesehen tritt die charakterliche und pädagogische Seite von Kampfkünsten gegenüber kommerziellen Gedanken immer mehr in den Hintergrund.


Fazit: Ich persönlich erachte das Ritual im Trainingsraum für äußerst wichtig und integral, was mein Training angeht. Dementsprechend ernst nehme ich die Sache (für mich) auch. Wer sich nur dran hält, weils eine "Hausregel" ist, dem sei auch das gegönnt.

In diesem Sinne...

Bearbeitet von WuDang, 28 August 2011 - 20:12 Uhr.

WenWu - Zeitschrift für chinesische Kampfkunst und Kultur
http://wenwu-zeitschrift.de

#7 Nordlicht

    Stammgast

  • Members
  • 656 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Nordwestlich von Hamburg

  • Kampfkunst:
    Yang-Stil Tai Chi Chuan
Offline

Geschrieben 28 August 2011 - 21:10 Uhr

Beitrag anzeigensoto-deshi sagte am 21 August 2011 - 14:46 Uhr:

Es gibt keine Abstriche - keine Änderungen. Wer traditionellen Kampfsport erleben will, mit allen seinen Sinnen - der muß es wie ein Reisender machen - der Japan besucht. Auch dort muß ich mich an Regeln halten, offen und ohne Vorbehalte ( aus meiner Kultur oder Religion) neondurchflutete Megastädte, alte Tempel und Gärten, versunken in meditaiver Stille, entdecken.
Die herrlichen Landschaften, schneebeckten Gebirgsketten der Japanischen Alpen, die Schneeaffen von Nagano, usw. warten darauf mit allen Sinnen betrachtet zu werden.
Mich macht das ein bißchen traurig. Die kaputten Reaktoren von Fukushima können noch das halbe Land verseuchen. Manchmal denke ich, es könnte sein, daß unsere Dojos alles sein könnten, was von der japanischen Kultur übrigbleibt. Jedenfalls zur Zeit steht es nicht gut um Japan. Ich weiß zwar nicht, wie man auf diese Katastrophe angemessen reagieren soll, aber im Dojo einfach so zu tun, als wäre gar nichts geschehen, erscheint mir auch nicht so recht angemessen. Nichts geschehen wäre nur in der romantischen Vorstellung. Die hat dann aber nichts mit der Realität Japans zu tun.

Bearbeitet von Nordlicht, 28 August 2011 - 21:16 Uhr.


#8 Carsten San

    Alter Hase

  • Lehrende und Funktionäre
  • 310 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Ost-Württemberg
  • Interests:Anatomie, Physiologie, Biomechanik

  • Kampfkunst:
    Shotokan Karate
Offline

Geschrieben 28 August 2011 - 22:51 Uhr

@kkke:
Schöner und aufschlussreicher Beitrag! :)

Ich bin schon länger davon abgekommen, die Rituale als kulturelle Angelegenheit auszuüben, schließlich hab ich davon einfach zu wenig Ahnung. Da kann ich auch noch so viele Bücher gelesen haben, wenn ichs nicht erlebt habe (wie es kkke in seinem Beitrag schildert), hab ich keine Ahnung!
Ich schreibe den Ritualen ganz eigene Bedeutungen zu, welche für mich als Westler leicht verstänlich sind.
Mir geht es da vor allem um Mechanismen, die ich am ehesten der Klassischen Konditionierung zuschreibe.

Noch ein kleiner Einwurf, welcher das Thema ein wenig streift:
Toribio Osterkamp meinte mal in einem Lehrgang (bezüglich der Tatsache, dass er ja nur deutsch zählt): "Ochi* zählt auch immer auf deutsch! Ihr könnt ja mal darüber nachdenken, warum."

Shihan Hideo Ochi: JKA Chief Instruktor Deutschland/Europe - gebürtiger Japaner

Bearbeitet von Carsten San, 28 August 2011 - 22:55 Uhr.


#9 KAJIHEI

    Stammgast

  • Moderator
  • 3.143 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin
Offline

Geschrieben 29 August 2011 - 07:25 Uhr

Irgendwie ist es zum Schmunzeln. Gerade in den traditonellen stockkonservativen Schwertsektor scheinen die japoaner lockerer drauf zu sein als die Leutchen im japansichen Alltag. Ich kann mich da gut an Tanobe erinnern, wriklich ein netter Kerl und Direx des Schwertmuseums. Bei der Arbeit :Stocksteif, zugeknöpft. Danach ?
Hola die Waldfee.
Mishina, einer der besten Schwertpolierer : Auch ein sehr fröhliches Kerlchen nach dem dritten Sake.
Bei der Arbeit ? Sauertopf pur.
Oder junge Gassan ( Toko ) : Offiziell traditoniell bis zum Klingeln, inoffiziell
einer der fröhlichsten Menschen die man kennen lernen kann.
Das gleiche Spielchen im Dojo.
Kurz, die Traditonalisten sind moderner was das Entspannt sein angeht als die modernen Leutchen.
Macht was draus. :P

Bearbeitet von KAJIHEI, 29 August 2011 - 07:28 Uhr.

Lang lebe die Eineindeutigkeit der Zweideutigkeit !

Meine Beiträge sind mein geistiges Eigentum. Ich untersage hiermit ausdrücklich die Weiterverbreitung in anderen Foren ohne mein Einverständnis.

#10 Gastpilgrim_*

  • Gast
Offline

Geschrieben 29 August 2011 - 09:14 Uhr

@ KAJIHEI:
Warum ist "traditionell" = Sauertopf?
Warum siehst du einen Widerspruch zwischen Etikette und Frohsinn oder Entsanntheit?
Der Gegensatz ist mir nicht klar?

#11 ingolf

    Stammgast

  • Lehrende und Funktionäre
  • 1.962 Beiträge
  • Geschlecht:keine Angabe
Offline

Geschrieben 29 August 2011 - 10:07 Uhr

ich hab kajihei so verstanden, dass mishina bei der arbeit ein sauertopf sei.

an sonsten könnte ich mir vorstellen, dass das "ernsthaft" beim ersthaftes beschäftigen nicht gerade "frohsinn" sein könnte. nach allem was man so hört, ist selbt der beruf clown oder witzeerzähler ein knochenjob.

allerdings erkenne ich in kajihei's beispielen eine gewisse differenzierung zwischen privat- und berufsleben.
sei still

#12 KAJIHEI

    Stammgast

  • Moderator
  • 3.143 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Berlin
Offline

Geschrieben 29 August 2011 - 10:52 Uhr

Oki, doki
Zur Aufklärung.
Soweit ich es kennenlernen durfte sieht es so aus. Man ist zwar extrem ernsthaft bei der Sache im Dojo, aber trotzdem Locker im Rahmen der Regeln. Das heißt man witzelt auch mal raum, frei nach dem Motto "Was mach ich mit einer sehr breiten Klinge ?
Löcher rein damit ich den Gegener besser sehn kann"
Soll heißen, man macht die Regeln locker, lebt sie aber krampft nicht rum.
Aber aussrhalb des Dojo, auch die Togiheya ist ja nichts anderes, läst man einfach los.
Die Lockerheit die man im Privatleben einsammelt hilft einem, den Job psychisch zu überleben.
Man überlege sich Eins, ein Fehler, das war es. Klinge kaputt, Falscher gestückelt.
Die Anspannung ist recht groß im Dojo, bei aller Lockerheit man ist sehr ernsthaft dabei.
Damit´s nicht puff oder reist macht ; Karaoke und Kampai, bei mir halt die irische Ecke.
Lang lebe die Eineindeutigkeit der Zweideutigkeit !

Meine Beiträge sind mein geistiges Eigentum. Ich untersage hiermit ausdrücklich die Weiterverbreitung in anderen Foren ohne mein Einverständnis.

#13 soto-deshi

    Stammgast

  • Members
  • 520 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Bayern
  • Interests:Bücher über alles mögliche,

  • Kampfkunst:
    Kampfsport
Offline

Geschrieben 30 August 2011 - 11:33 Uhr

Hallo kkke,

ich finde Deine Gedanken zu meinem Schreiben super.

Nur bin ich in unsere Kultur fest eingebunden - und möchte daher einige Vorstellungen von mir[ klarstelle./b]

Wenn ich zum Training ins Dojo gehe, dann befolge ich bestimmte Rituale die mir helfen, einen kleinen Zeitraum von den Problemen die mich sonst beschäftigen abzuschalten.
Daher ziehe ich einen Karate-Anzug an, halte mich an die Dojo-Regeln und übe je nach Trainer ( Sensei ) den ich mir ausgesucht habe, ein Karate das den sportlichen Weg oder mehr einen gesundheitlichen Weg vermittelt. Das mit der Reise nach Japan - sollte eine Verdeutlichung werden - sich vorher informieren und versuchen das Reiseland mit offenen Sinnen zu erleben.( wie ich es im Training auch mache)
Übrigens ich war noch nie in Japan oder Korea - denn werde ich dort das vorfinden - was ich mir vorgestellt habe?

[b]Du bist in Deutschland einfach nicht in Japan oder Korea. Also erlebst du beim Training eine ganz andere Kultur als im Alltag. Dies ist für viele Leute faszinierend. Warum? Weil es anders ist.


Ich möchte Dir ungern widersprechen aber in Deutschland gibt es schon lange nicht nur eine Kultur. In unserem Land leben Menschen verschiedener Herkunft und Kultur und ich brauche nicht weit zu fahren, um z.B.: mich wie in der Türkei zu fühlen.

Lieber kkk - ich lebe gerne in diesem Land und bin zufrieden - was ich für persönliche Freiheiten habe, die ich nicht vermissen möchte.
Das bedeutet aber nicht, daß ich mich dem allgemeinen Sportgedanken anschließen möchte und in einem Lifestyle-Gym, oder Body Building Studio trainieren möchte. Bei lauter Musik auf dem Laufband oder Crosstrainer üben.

Daher habe ich den koreanischen Großmeister Seo Yoo-Nam genannte, der in seinem Buch: Lachend den Berg besteigen, einen ganz anderen Weg geht. Dort stellt er Übungen zur Gesunderhaltung vor, erzählt einiges von der koreanischen Gesundheitslehre, usw..

Aber das mit dem Kulturaustausch ist keine neue Sache. Chrissie Gallagher Mundy, stellt - natürlich ein Buch - Relaxation - verschieden Übungen aus unterschiedlichen Kulturkreisen vor. Die bewußte Erfahrung mit dem eigenen Körper, Entspannungsmethoden im Alltag, sanftes Muskeltraining ( ähnlich Pilates), Atemübungen, mentales Bewußtsein, Meditation ( ohne ZEN, ohne eine Guru). Es finden sich auch dort Hinweise auf fremde Kulturen und Lebensweisheiten.

" Der erste Schritt ist der halbe Weg " von Meister Seo

Noch einen schönen Montag, bei strahlendem Sonnenschein....soto-deshi

#14 Carsten San

    Alter Hase

  • Lehrende und Funktionäre
  • 310 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Ost-Württemberg
  • Interests:Anatomie, Physiologie, Biomechanik

  • Kampfkunst:
    Shotokan Karate
Offline

Geschrieben 30 August 2011 - 12:52 Uhr

Beitrag anzeigensoto-deshi sagte am 30 August 2011 - 11:33 Uhr:

Dort stellt er Übungen zur Gesunderhaltung vor
Die meisten Leute im Fitness-Studio, mit ihrer lauten Musik, mit ihren lustigen bunten Trinkflaschen, mit ihren Handtüchern um die Schulter und mit ihrem ganzen hippen Lifestyle tun auch nichts anderes (bis auf die Steroide-Junkies natürlich)! ;)
Ob Gladiatoren, Studiomäuse, Kampfkünstler, Fußballer oder Kampfjetflieger:
Alle machen sie nur Gymnastik! Auch hat jeder von denen seine eigenen Rituale.
Wir sind nichts besonderes.

#15 Bluescreen

    Stammgast

  • Members
  • 918 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Aachen

  • Kampfkunst:
    Kendo, Iaido (Muso Shinden Ryu)
Online

Geschrieben 30 August 2011 - 14:23 Uhr

Zitat

Die Anspannung ist recht groß im Dojo, bei aller Lockerheit man ist sehr ernsthaft dabei.
Damit´s nicht puff oder reist macht ; Karaoke und Kampai, bei mir halt die irische Ecke.
Du bringst es auf den Punkt. So hab ich Japan auch kennengelernt. Ich denke auch man sollte nicht mehr so versteift an die Sache rangehen. Nachdem dritten Sake tanzen die alle aufm Tisch. Wenn man mal viel Kontakt hat zu Japanern versteht man auch diese Lebensweise zwischen Tradition und Moderne besser. Ich persönlich sehe Bücher und auch wenn sie auch vom Großmeister XYZ sind doch recht kritisch da immer nur die Perspektive einer Person wiedergegeben wird. Um wirklich die Mentalität zu begreifen muss man aber schon hinfahren. Und Korea und Japan sind absolut zwei verschiedene Paar Schuhe! :)

Bearbeitet von Bluescreen, 30 August 2011 - 14:26 Uhr.

蝸牛剣道場 Kendo Katatsumuri-Kendojo Köln (DJSG e.V.) - www.djsg-kendo.de
1. Budo Club Eschweiler e.V. - www.budo-club-eschweiler.de
Nordrheinwestfälicher Kendoverband - www.nrwkendo.de
Hakushinkai Iaido Aachen - www.iaido-aachen.de

#16 Cron

    Stammgast

  • Members
  • 794 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

  • Kampfkunst:
    神道無双太刀一流
Offline

Geschrieben 30 August 2011 - 14:44 Uhr

Ich sag nur eins: 剣酒一致

:D
-------------------
Kenjutsu ni sasageta isshô!
korosu - kowasu
www.dento-budo.net - Forum für traditionelle Kampfkünste
Ein Leben für die Schwertkunst - http://lifeforasword.wordpress.com/

"Es spielt keine Rolle, ob man im Karate gut oder schlecht ist. Das einzige was zählt ist, daß man dabei bleibt, jeden Tag. Erst dann – nach den täglichen Trainingsstunden – schmeckt das Bier richtig." - Sugimori Sensei, Okayama-shi

#17 GastKagami_*

  • Gast
Offline

Geschrieben 30 August 2011 - 14:57 Uhr

Cron sagte:

Ich sag nur eins: 剣酒一致
Ich habe das zwar verstanden aber beachtet bitte, dass unsere Forensprache nicht Japanisch ist, zumal ja auch
sowieso nicht jeder Kampfkünsler hier aus der japanischen Ecke kommen dürfte - also bitte mit dt. Übersetzung.

Gruß, Kagami


#18 Cron

    Stammgast

  • Members
  • 794 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

  • Kampfkunst:
    神道無双太刀一流
Offline

Geschrieben 30 August 2011 - 16:37 Uhr

Alter Spielverderber! :P

Aber ein wenig sollte man schon im Japanischen bewandert sein...
-------------------
Kenjutsu ni sasageta isshô!
korosu - kowasu
www.dento-budo.net - Forum für traditionelle Kampfkünste
Ein Leben für die Schwertkunst - http://lifeforasword.wordpress.com/

"Es spielt keine Rolle, ob man im Karate gut oder schlecht ist. Das einzige was zählt ist, daß man dabei bleibt, jeden Tag. Erst dann – nach den täglichen Trainingsstunden – schmeckt das Bier richtig." - Sugimori Sensei, Okayama-shi

#19 Tyrdal

    Alter Hase

  • Members
  • 287 Beiträge
  • Geschlecht:männlich

  • Kampfkunst:
    BBT
Offline

Geschrieben 30 August 2011 - 19:19 Uhr

Warum? (Die Frage gilt vor allem für die Mitleser, die keine jap. KK betreiben) Ich habs nicht verstanden.

#20 Bluescreen

    Stammgast

  • Members
  • 918 Beiträge
  • Geschlecht:männlich
  • Wohnort:Aachen

  • Kampfkunst:
    Kendo, Iaido (Muso Shinden Ryu)
Online

Geschrieben 30 August 2011 - 22:29 Uhr

剣酒一致 => Schwert und Sake (Alkohol) sind eins! In dem Sinne :beer:
蝸牛剣道場 Kendo Katatsumuri-Kendojo Köln (DJSG e.V.) - www.djsg-kendo.de
1. Budo Club Eschweiler e.V. - www.budo-club-eschweiler.de
Nordrheinwestfälicher Kendoverband - www.nrwkendo.de
Hakushinkai Iaido Aachen - www.iaido-aachen.de