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Magersucht in Kampfsport und Kampfkunst


28 Antworten in diesem Thema

#1 Catwoman

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Geschrieben 22 August 2011 - 12:56 Uhr

Hallo,

der zurzeit laufende Parallelthread und die sich daraus entwickelte Diskussion brachten mich auf die Idee dieses Themas.

Nach meiner Einschätzung passiert es grad im sportlichen Bereich (evt. auch in den Kampfkünsten, dass weiß ich nicht, gilt es aber auch zu erörtern), dass der Grad von einem gesunden Umgang mit dem Körper hin zu einem ungesunden Körperkult recht schmal sein kann (z.B. Fehlernährung, übertriebene Sportleistung).

Habt ihr sowas schon mal in eurer Gruppe erlebt (vielleicht selbst erlebt)? Wie geht ihr damit um/seit damit umgegangen? Was ist eure Meinung allgemein zu diesem Thema: Sport/Übertriebener Körperkult? Gehört das zusammen? Wo fängt das an?

LG Catwoman
"(und bei Katzen ist die vollkommen irrationale Launenhaftigkeit biologisch angelegt. Wenn man so will: Die sind von Natur aus wahnsinnig.)" Terao, 02.03.12

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#2 Terao

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Geschrieben 22 August 2011 - 13:15 Uhr

Ehrlich gesagt, nein. M.W.n. betreiben Anorektiker auch viel häufiger alleine ausführbare Ausdauersportarten als irgendwelchen Vereinskram.

In Fitnesstudios hingegen gab es immer Einzelne (wenige eigentlich für solche ausdrücklichen "Tempel des Körperkults"), die weiß Gott nicht mehr gesund aussahen (bei den Männern häufiger aber wegen arg überzüchteter und völlig unausgewogener Muskeln. Das wäre dann das dritte Thema...).


Im großen und ganzen scheint mir Sport von der absoluten Mehrheit in vernünftigem, tendenziell eher zu geringem als zu großem Ausmaß betrieben zu werden. Klar, ist ja auch anstrengend. Ausnahmen gibts natürlich. Die werden dann oft als Argument für die eigene, eher zu unsportliche Lebensweise herangezogen. Wie immer: Die Mitte finden ist wichtig.

Bearbeitet von Terao, 22 August 2011 - 13:18 Uhr.


#3 Jerome

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Geschrieben 22 August 2011 - 13:24 Uhr

Also in dem Dojo in dem ich trainiere ist dies mir noch nicht aufgefallen.
Jedoch trainiere ich parallel meine Fittness in einem Fittnessstudio. Dort fällt mir schon auf, dass es einige augenscheinlich übertreiben.

Es gibt da so die eine oder andere Frau, die mehrere Stunden auf dem Laufband, Crosstrainer und im Gerätebereich arbeiten und kein bisschen Körperfett mehr haben. Es ist sogar eher so, dass die Knochen (Beispielweise Hüftknochen) deutlich zu erkennen sind.
Ich trainiere ca. 3-4 mal die Woche im Studio und egal zu welcher Zeit ich gehe (Vormittags oder Abends), diese Kandidatinnen sind immer da.
Daher kann man annehmen, dass ein übertriebener Fittness und Magerwahn vorliegt.

Die Männer sehe ich eher im Muskelaufbau-Bereich. Samstags habe ich ein Trainingspensum von ca. 3 Stunden (je nach Tagesleistung), 1 Stunde Kondition, 1 Stunde Muskelaufbau / Muskelausdauer und danach entspanntes Stretching.
Mit umziehen und duschen bin ich so 3 Stunden im Studio und die Kollegen sehe ich in dieser Zeit ausschließlich im Muskelaufbaubereich. (Viele Sätze, hohe Gewichte, wenige Wiederholungen)

Ist das jetzt nur meine persönliche Beobachtung, oder kann es sein, dass Frauen grundsätzlich eher dazu neigen Schlank zu sein, während Männer dazu neigen sich aufzupusten?

Zum Glück muss ich dazu sagen, dass diese Kandidaten an einer Hand abzuzählen sind, jedoch stelle ich mir immer wieder die Frage, wie man mit soetwas umgehen soll.
Da ich ein Fremder bin, käme ich mir schon doof vor, wenn ich hinginge und Fragen würde: "Hi, ich bin der Jerome. Sag mal, kann es sein dass du tendetiell Fittnesssüchtig/Magersüchtig bist??" :blink:

Wäre es anmaßend als Studiobetreiber das Gespräch mit diesen Kunden zu suchen und Vorsichtig auf den Zahn zu fühlen?

Im Dojo könnte ich schon eher das Gespräch suchen, da die Atmosphäre da familiärer ist. Im Studio ist man schon anonymer, da würde mir dies zugegebener Maßen schwerer fallen.
Schmerzen sind der Beweis dafür, dass du noch am Leben bist.

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#4 Bluescreen

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Geschrieben 22 August 2011 - 13:27 Uhr

Wenn man hinterher mit den Jungs ein Bierchen trinken geht ist das vom Kaloriengehalt wieder ausgeglichen. :beer:
蝸牛剣道場 Kendo Katatsumuri-Kendojo Köln (DJSG e.V.) - www.djsg-kendo.de
1. Budo Club Eschweiler e.V. - www.budo-club-eschweiler.de
Nordrheinwestfälicher Kendoverband - www.nrwkendo.de
Hakushinkai Iaido Aachen - www.iaido-aachen.de

#5 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 22 August 2011 - 13:39 Uhr

Beitrag anzeigenCatwoman sagte am 22 August 2011 - 12:56 Uhr:

Habt ihr sowas schon mal in eurer Gruppe erlebt (vielleicht selbst erlebt)?
Nein, ehrlich gesagt nicht.
Wenn man gut sein möchte und wenn man das lange bleiben möchte, dann scheint es mir wichtig, auch mit seinem Körper gut umzugehen.

Es mag so etwas im Leistungssport (Doping zur Leistungssteigerung oder Schmerzmittel, um trotz Verletzungen an Wettkämpfen teilnehmen zu können) wohl geben.
Im aikido kenne ich das nicht. Sondern wir haben umgekehrt relativ viele Leute bei uns, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Die Tendenz geht bei uns also eher in eine umgekehrte Richtung. Gesundheit ist wichtig.
Einige unserer prägenden Lehrer sind zwischen 60 und 70 Jahre alt und unterrichten täglich.

Nein, diese Problematik kenne ich so nicht.

#6 Smoo

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Geschrieben 22 August 2011 - 14:23 Uhr

Hi zusammen,

Zur Wettkampfvorbereitung ist Sportbullemie gerade bei Frauen beliebt.

Das Kampfgewicht lässt sich gut ansteuern und die leckeren Sachen lassen sich trotzdem gut vertilgen.

Rationale Argumente gibt es da nicht. An die Leute ist kein rankommen. Das einzige was hilft ist eine ordentliche Therapie und evtl. das Aufsuchen einer Selbsthilfegruppe für einige Zeit. Mehr gibt es nicht, was man den Betroffenen sagen kann... Wer glaubt dass er die Kraft hat so jemanden zu begleiten, dem Wünsche ich sehr sehr viel Kraft. Ich traue es mir selbst nicht zu, auch nach der Pflege Ausbildung nicht (im Dezember fertig). Eine Bindung zu so einem Menschen geht immer mit krassesten Schieflagen einher. Emotionaler Abstand ist da sehr wichtig - zum Schutz für sich selbst.

Allem geht voraus, dass der / diejenige Krankheitseinsicht hat und die haben solche Menschen in der Regel nicht. Das Ganze macht Helfende nur Müde, fassungslos und traurig. Am Besten man sagt da einmal was zu, ist seine Verantwortung los und hält sich sonst so gut wie man kann da raus! Ist man da einmal drin macht der Strudel beide kaputt.

Nur noch der Wettkampf, dann ist alles wieder normal... bis zum Nächsten. Immer und immer wieder dasselbe Nervenaufreibende Spiel?

Essstörungen sind grundsätzlich psychische Störungen und müssen sehr sehr ernst genommen werden!

Habe ich durch die Ausbildung erfahren und über die Beobachtung anderer Sportler in ihrer Vorbereitung. Ich glaube, manchmal bin ich besonders sensibel, was das erfassen von solchen Informationen angeht. Ich habe da schon manch absurdes Gespräch geführt. Und es kostet Kraft, wenn der tolle Trainingskollege zu dem man immer aufblickt, auf einmal um einige Ränge fällt... er das aber nicht merken soll und man ihm ähnliche Beachtung schenkt, damit alles in den gewohnten Fugen weiterläuft. Und das ist immer der Anfang vom Ende. Denn dann rutscht man ganz schnell, wenn man eng befreundet ist, in die Co-Abhängigkeit.

Solche Erfahrungen bringen einem bei, warum Abstand auch zu engsten Bekannten wichtig sein kann.

Gruß

Peter

Bearbeitet von Smoo, 22 August 2011 - 14:25 Uhr.

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#7 Jerome

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Geschrieben 22 August 2011 - 14:54 Uhr

Hi Smoo,

danke für deinen Beitrag. Ich habe mir schon immer gedacht, dass eine Therapie nur möglich ist, wenn die Person auch therapiert werden will (also das Suchtverhältnis eingesehen hat).

Auch das ein gewisser Abstand zwischem dem Patienten und Therapeuten notwendig ist, ist mir auch bekannt gewesen. Jedoch war mir bisher nicht bewusst, wie sehr dieser Abstand notwendig ist. Da ich mich dafür sehr interessiere (nur aus interesse halber und nicht wegen einem Lebensumstand) würde ich dich bitten, mir die Auswirkungen / Wechselwirkungen bei zu geringem Abstand zu erläutern.

Besteht denn nicht die Gefahr, dass bei zu großem Abstand das Interesse dem Patienten zu helfen leidet?

In einer meiner Seminararbeiten habe ich gelernt, dass das soziale Umfeld einen Teil der Weltanschauung bestimmt und prägt. (In der Arbeit ging es vornehmlich und die Legitimation und Anerkennung von Straftaten).
These in Kurzform: Im Lebensumfeld sind Straftaten akzeptiert bzw. Annerkennung durch andere wächst, wenn diese begangen werden => führt dazu, dass man selber dazu neigt, Straftaten zu begehen, weil man das Unrechtsbewusstein nicht hat.

Eine Essstörung ist eine psychische Störung, kann die Ursache aber nicht in dem sozialen Umfeld gesucht werden?
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#8 Richard

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Geschrieben 22 August 2011 - 15:00 Uhr

Ich muss auch sagen, dass ich unter meinen Teamkollegen schon Verhaltensweisen gesehen habe, die zumindest Magersucht/ Bulimie-Anklänge hatten, insbesondere vor Wettkämpfen. Dauernd auf die Waage stellen, Diät als Dauergesprächsthema, am Abend vor dem Wettkampf dann Monologe, die man von muskelbepackten Männern sonst nicht hört, nach dem Motto, kann ich mir jetzt einen ganzen Salat leisten oder muss es ein halber bleiben... verbunden mit der durch den niedrigen Blutzucker verursachten üblen Laune. Nach dem Turnier dann zum Burger King und rein das Zeuch.

So richtig krankhaft ist das aber, soweit ich das mitbekommen habe, noch bei keinem geworden - einfach weil Dauerdiät und zu krasses Abmagern die Leistungsfähigkeit senken würden, und die ist immer noch wichtig (das ist nicht selbstverständlich - oft verselbständigt sich bei solchen Störungen ja ein Proxy für Leistungsfähigkeit (z.B. "schlank" als Proxy für "fit und gesund").

#9 Terao

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Geschrieben 22 August 2011 - 16:07 Uhr

Zitat

oft verselbständigt sich bei solchen Störungen ja ein Proxy für Leistungsfähigkeit
Die Formulierung mit den sich verselbständigenden Proxies gefällt mir außerordentlich gut. Tatsächlich lässt sich damit glaube ich auch ganz gut erklären, wie es zur Muskeljagd im Fitnesstudio kommt: Oberarmumfang als Proxy für Kraft, Kraft als Proxy für Männlichkeit, Härte, Durchsetzungsfähigkeit (ich weiß, Klischees. Aber in den Köpfen vieler sind die wirkmächtig. Und sie haben ja auch nicht nur Nachteile). Gibts aber auch in tausend anderen Bereichen: Das Arbeitsmails-Abrufen um 11 Uhr abends etwa als Proxy des engagierten, unentbehrlichen Mitarbeiters. Alles kein Problem, solange es sich nicht allzusehr verselbständigt.


Bei näherem Hinsehen kann man viele Diskussionen hier im Forum darauf reduzieren, welche Proxies etwa für "Kampfkraft" geeignet seien (Kata, präzise Techniken, Wettkampferfolge, schwarze Gürtel?), und viel Gejammer über die "Degeneration" von Kampfkunst/-sport meint eigentlich aus eigener Sicht verselbständigte Proxies.

Damit wird vielleicht auch klarer, warum Magersüchtige eher nicht so im Kampfsport auftauchen: Extreme Schlankheit ist als Proxy für große Kampfkraft o.ä. (und vielen gehts ja schon zumindest am Anfang um irgendsowas) halt nicht so glaubhaft.

#10 Carsten San

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Geschrieben 22 August 2011 - 16:38 Uhr

Diese Verselbstständigung der Ideale ist bei beiden Geschlechtern gleichermaßen zu beobachten, ich bezieh mich jetzt mal aufs Äußere Erscheinungsbild.
Wer sich äußerlich schick macht, der hat meist den Hintergedanken, für das andere Geschlecht attraktiver zu wirken.
Männer gehen pumpen, Frauen stehen länger vorm Spiegel, um es mal ganz platt zu formulieren.
Aber irgendwann nimmt das Maße an, die sich völlig von dieser Absicht abheben.
Die wenigsten Frauen fahren auf Steroidejunkies ab, genauso wie wir Männer eher weniger mit übertriebenem Make up oder mit Körpchengröße G anfangen können. Da gehts dann schon eher um einen geschlechterinternen Wettstreit.
Das allgemeine Paradoxon, rein auf den Körper bezogen:
Ein attraktiver, trainierter Körper reizt uns. Weil wir damit Gesundheit, Wehrfähigkeit, hohe sexuelle Qualität, Willensstärke etc. damit assoziieren. Ein mit Testosteron, Trenbolon, Winstrol, Synthol (*g*) gepimpter Körper entfernt sich jedoch von all diesen Kriterien. Er ist alles andere als Gesund, viele von denen Sterben mitte 40 an multiplem Organversagen. Von Wehrfähigkeit kann man auch nur bedingt sprechen, die meisten kriegen ja irgendwann die Deckung vorne gar nicht mehr zusammen. Sexuell mag es für manche mal reizvoll sein, nur die erbsengroßen Hoden können das, was man irgendwann damit primär bezweckt, nicht leisten. Von mentaler Stärke brauchen wir auch nicht sprechen, wenn Leute abhängig sind.
Frauen mit großen Brüsten suggerieren dem Mann eine anständige Stillfähigkeit. Nunja, mit Implantaten ist das jedoch nicht mehr so einfach. Ein faltenfreies Gesicht lässt auf sorgsame Pflege schließen. Ob Nervengift auch unter diese Kategorie fällt, darüber lässt sich streiten.
Man könnte die Liste wohl noch lange weiterführen, aber eigentlich ists ja gar nicht das Thema hier.

@Thema:
Von einem Kumpel weiß ich, dass sich einige Boxer aus seinem Stall vor den Kämpfen meist den Finger in den Hals stecken, um auf ihr Gewicht zu kommen.

#11 Smoo

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Geschrieben 22 August 2011 - 17:34 Uhr

Hallo Jerome,

Ich empfehle dir mal den Artikel auf Wiki: http://de.wikipedia....h%C3%A4ngigkeit

Zum Thema Co-Abhängigkeit kann man dann eigentlich nur noch persönliche Erfahrung ergänzen.

Als ich in der Psychiatrie eingesetzt war, sahen manches mal die Ehepartner geschaffter aus, als der Suchtkranke. Wie sie das alles erleben, möchte ich am liebsten nicht nachempfinden.

Eine Psychologin sagte mir mal, als ich ihr den Fall von Sportskollegen mit ihren Essbrechverhalten beschrieb: "Ziehen Sie sich da zurück, brechen Sie den Kontakt am Besten ab! Das wird ein Spiel aus Komm her! Geh weg! Komm her! Geh weg!"

Ich weiß nicht, ob sie in einer Schauspielschule war, aber so wie sie dabei auf mich zu kam und es betont hat, ließ es mir einen Schauer über den Rücken laufen.

Zitat

Eine Essstörung ist eine psychische Störung, kann die Ursache aber nicht in dem sozialen Umfeld gesucht werden?
Das muss man individuell beurteilen.

Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, was generell alle Suchtkranken jetzt betrifft, dass je gestörter das Suchtverhalten (Menge an Konsum und Vielfalt an Substanzen), desto gestörter war auch das häusliche Umfeld. Was da aber was zu erst bedingt hat, ließ sich aus unserer Sicht meistens nicht nachvollziehen.

Genauso ist es bei der Essstörung schwierig zu sagen, ob es eine Veranlagung gibt (die wird nicht mehr komplett abgestritten) oder ob das Umfeld den meisten Einfluss nahm - nach dem Motto die Werbung mit den Topmodels ist schuld... irgendwie gefällt mir der Gedanke besser, dass derjenige Schuld hat, der sich der Sache annimmt. Wer zu blöd ist zu hinterfragen und zu lernen und lieber einfach ausprobiert ist halt selber schuld.


Edit:

@Carsten San
Winstrol lässt grüßen, ist das nicht das Zeug aus Russland für Rennpferde?
Kenne einen, der danach übelste Rückenakne bekommen hat... Unglaublich was sich die Leute heute alles reinziehen.
Ich habe nicht und werde nicht und rate auch jedem davon ab... ich hoffe ich deute dein *g* falsch!

;)

FG

Smoo

Bearbeitet von Smoo, 22 August 2011 - 17:35 Uhr.

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#12 Catwoman

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Geschrieben 22 August 2011 - 18:30 Uhr

Hallo,

vielen Dank für eure Beiträge.

Was Smoo über Co-Abhängigkeit schreibt ist gut. Auch was Du, Smoo, mit der Psychologin erlebt hast. (Meine Erfahrung diesbezüglich ist genauso verlaufen, allerdings bei einem anderen Suchtmittel. Ich habe dann an der Stelle, auch wegen suizidaler Gefährdung, eine Einweisung veranlaßt, was zum Abbruch des Beratungsverhältnisses führte. Aber dieses: "Komm her! Geh weg!" war da deutlich ausgeprägt).

Unter diesem Gesichtspunkt finde ich es auch grad spannend, wie sich das Thema entwickelt. Zum einen meine ich zu erkennen, dass es sowohl eine Rolle im KK/KS Bereich spielt, zum anderen, dass es Sensibilitäten dafür gibt, also das die "Kollegen" schon merken.

Interessant scheint tatsächlich die Frage zu sein, wie geht man damit um? Wegschauen? Raushalten? Co-Abhängigkeit?

Was ich für schwierig halte, ist eine allumfassende Ursachenforschung hier zu betreiben. Zum einen gibt es dazu, nach meinem Wissen, bereits eine Menge Literatur, zum anderen sind die Ursachen sicherlich so vielfältig, wie die Menschen selbst. Allerdings können natürlich bestimmte (soziale, psychische) Konstellationen förderlicher sein als andere.

Das Bild mit dem sich verselbstständigenden Proxy gefällt mir auch gut. Zumal, was ich immer wieder erstaunlich finde, die Betroffenen ihren Körper zum Teil im Selbstbild sehr anders wahrnehmen, als der Körper im Fremdbild zu sehen ist. (Was es eben schwierig macht, wie Smoo geschildert hat, von außen eine Krankheitseinsicht zu implizieren).

Bin auf weitere Efahrungsberichte/Meinungen/Fragen/Diskussionen gespannt.

LG Catwoman

PS: Das Thema "Mittel zur Leistungssteigerung im KK" scheint ja auch noch mal ein Thema für sich zu sein und offensichtlich diskussionsbedürftig ;)

Bearbeitet von Catwoman, 22 August 2011 - 18:31 Uhr.

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#13 Smoo

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Geschrieben 22 August 2011 - 21:59 Uhr

Hi Catwoman,

Den Zusammenhang "Komm Her! Geh weg!" mit Essbrechsucht habe ich aber noch nicht ganz verstanden. Wie kommt das zustande?

FG
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#14 Carsten San

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Geschrieben 23 August 2011 - 04:00 Uhr

Beitrag anzeigenSmoo sagte am 22 August 2011 - 17:34 Uhr:

@Carsten San
Winstrol lässt grüßen, ist das nicht das Zeug aus Russland für Rennpferde?
Kenne einen, der danach übelste Rückenakne bekommen hat... Unglaublich was sich die Leute heute alles reinziehen.
Ich habe nicht und werde nicht und rate auch jedem davon ab... ich hoffe ich deute dein *g* falsch!
Eher hack ich mit die Hand ab, bevor ich die Nadel ansetze.
Hab mich mal ein paar Abende mit der Sache befasst in diversen Foren etc.
Der Standard sind Hormone, also Testosteron zum reinen Muskelaufbau.
Wem das nicht reicht, der nimmt noch andere Medikamente, zb Wassertreibende, um die Sache maximal zu definieren und auf abartigste Härte zu bringen. Da fängts dann an richtig gefährlich zu werden. Einige dieser Präparate machen die Leute mental so fertig und lassen sie so austicken (da wird Trenbolon oft erwähnt), dass manche von ihnen ihr gesamtes soziales Umfeld vergraueln. Im nachfolgenden Satz, in dem sie von ihrem sozialen und gesundheitlichen Untergang sprechen, berichten sie erfreut von dem merklich gesteigerten Pump.
Synthol stellt den Gipfel der Absurdität dar, drum der Grinser. Synthol ist ein Öl, welches man direkt in den Muskel spritzt, dieses lagert sich dann am Muskel an und sorgt für eine rein optische Massesteigerung, welche sich bei übermäßigem Gebrauch (muss ich erwähnen, dass dies immer der Fall ist?) nicht mehr an die anatomisch physiologischen Gegebenheiten hält und somit völlig skuril ausschaut. Das muss man einfach mal gesehen haben:

Das ist doch einfach nur bemitleidenswert oder?

In meinen Augen hat Catwoman da einen ganz essenziellen Punkt angesprochen:
Die Diskrepanz zwischen dem Selbstbild und dem Fremdbild. Die Medien suggerieren, dass die Anforderungen mitlerweile sehr hoch sind. Dies trifft jedoch schlicht und einfach bei der Mehrheit der Leute nicht zu.
Wer von uns Jungs steht nicht jedes mal etwas neidisch vor dem Cover der Men´s Health in der Zeitschriftenabteilung? Und die Bilder sind ja meist nichtmal soo abgehoben.
Tja, der ein oder andere wäre wohl überrascht, wie die Mehrheit der Frauen darüber denkt.

Bearbeitet von Carsten San, 23 August 2011 - 04:02 Uhr.


#15 Lung fu Mo Shi

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Geschrieben 23 August 2011 - 04:01 Uhr

Hallo zusammen!

Zum Thema "Komm her" "Geh weg":

Die Betroffenen möchten einerseits, dass sie jemanden haben wo sie sich zwar auskotzen können und dementsprechend Aufmerksamkeit in der Situation bekommen (und darum geht es ihnen auch vorangig, dass jemand da ist und sich um sie kümmert. In irgend einer Art und Weise Aufmerksamkeit schenkt), aber andererseits ist ihnen das sehr unangenehm und peinlich das der andere ihn in dieser Situation miterlebt und dementsprechend wird man weggestoßen.

Für denjenigen wo "helfen" will ist das eben darum sehr kräftezerrend (wenn kein professioneller Abstand besteht), weil er eben den Wunsch hat zu helfen und irgendwie wenigstens für einen Moment dem anderen seine Sorgen sozusagen abzunehmen. So, das klappt für kurze Zeit (der Betroffene nimmt die Hilfe an) und im nächsten Moment prallt man wieder unerwarteterweise ab und versteht das aber nicht, weil ein Tag vorher alles gut war da der Betroffene sich an seiner Schulter ausgeweint hat.

Und dieses Wechselbad der Gefühle ist so wahnsinnig kräftezerrend für denjenigen, der helfen will!

Aber was macht man in einer Situation, in der man so einen Vereinskollegen antrifft?
In allererster Linie (so schwer es auch einem fällt), sollte man den Lehrer/Trainer informieren da er eine Verantwortung gegenüber dem Schüler hat. Und wenn der mitten im Training zusammenbricht, ist das auch für ihn sehr schwierig.

Jetzt kommt es auch darauf an, in welchem Verhältnis man zu demjenigen steht.
Wie sehr kann man sich nämlich im Nachhinein distanzieren?

Wichtig ist, eine klare Ansage zu machen "Hör zu, ich habe mitgekriegt das die Dinge so und so liegen und ich stehe dazu so"
Man sollte einerseits sagen das man sich ungefähr vorstellen kann wie schwierig das für den Betroffenen ist, aber andererseits von Anfang an auch klipp und klar sagen das derjenige es nicht alleine schafft und professionelle Hilfe benötigt die man auf diese Weise in seinem Freundeskreis nicht erhält wie er sie in dem Masse benötigt! Im Gegenteil, es führt eher zu einer zusätzlichen Belastung auf beiderlei Seite und man sich deshalb dementsprechend auch weitestgehend raushalten sollte...ansonsten geht man kaputt dran über kurz oder lang durch das emotionale Auf und Ab.

Bearbeitet von Lung fu Mo Shi, 23 August 2011 - 04:06 Uhr.

-Das Läbe isch e Emergency Room-



>>Siehst du denn Horizont?
Direkt überm Boden fängt der Himmel an.
Und wär' ich dort,
dann würd' ich wetten,
dass ich ihn erreichen kann.
Doch hier, hat es den Anschein, bin ich dafür zu klein.<<

-Thomas D.-

#16 Catwoman

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Geschrieben 23 August 2011 - 08:12 Uhr

Hallo,

@Carsten San

Das Video kann ich mir hier im Moment nicht ansehen. Das Bild, was ich sehe reicht mir aber, um drüber nachzudenken, mein verzehrtes Frühstück noch mal wieder zu sehen im Rückwärtsgang (wie makaber diese Aussage in diesem Thread). Im Ernst, es erzeugt mir echte Übelkeit.

Und damit zur Überleitung zum Selbstbild/Fremdbild: Ja, das ist das, was zuviele Muskeln bei Männern bei mir als Frau auslösen: Übelkeit. Wenn die Adern anfangen hervorzutreten und die Muskeln zu wahren Bergen verkommen, wirds für mich einfach nur noch gruselig und, sorry für die Wortwahl, eklig.

Und ich denke, Du hast nen guten Tipp gegeben: Es geht vermutlich an der Stelle um Konkurrenz (ich bin der/die Beste in was auch immer). Oder? Jetzt gehts doch schon um Ursachenforschung ;) ...

@Lung Fu Mo Shi

Danke für Deine Ausführungen. Wie genau das mit dem "Geh weg/Komm her" funktioniert wußte ich nämlich selbst nicht. Nur praktische Erfahrung zeigt, dass es funktioniert. Ich bewundere insofern jeden, der es schafft aus diesen Co-Abhängigkeiten zu entkommen. Die sind nämlich hart zu knacken. Um es auf die Spitze zu treiben, schaffen es manche Co-Abhängige dann sogar (unbewußt!!!) Situationen zu erzeugen, dass der Abhängige Part weiter in seiner Sucht gefangen ist, damit sie ihre Co-Abhängigkeit nicht aufgeben müssen. Wie LuFu schon schrieb: Es wird Kräftezehrend und ein Teufelskreis.

Deshalb danke LuFu auch für die Tipps, wie man damit umgehen kann.

Infos zu Sucht, Co-Abhängigkeit etc. findet man auch hier:

http://www.bzga.de/

Mit den Broschüren zur Thematik habe ich jahrelang gearbeitet und kann sie wirklich nur empfehlen.

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Geschrieben 23 August 2011 - 08:30 Uhr

Zitat

Übelkeit. Wenn die Adern anfangen hervorzutreten und die Muskeln zu wahren Bergen verkommen, wirds für mich einfach nur noch gruselig und, sorry für die Wortwahl, eklig.
Davon mal abgesehen, dass ich Dir in der Sache recht gebe: Im Nachbarthread hast Du es sogar kritisiert, wenn man extrem übergewichtige Leute als "fett" bezeichnete. Wie hättest Du reagiert, wenn jemand geschrieben hätte, er fände sie übelkeitserregend? Gibt es gute und schlechte Selbstverstümmler? Ernsthaft Kranke, bzw. Leute, die auch beim besten Willen nicht mehr aus eigener Kraft zurück können, gibts doch ebenfalls in beiden Gruppen.

Bearbeitet von Terao, 23 August 2011 - 08:42 Uhr.


#18 Catwoman

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Geschrieben 23 August 2011 - 08:42 Uhr

Hallo Tereo,

meine Antworten (die Du gerade in Betracht ziehst) beziehen sich (meines Erachtens auch deutlich gekennzeichnet) auf meine persönlichen Empfindungen. Wenn jemand Übergewichtig ist, löst das bei mir keine so eine Reaktion aus, wie bei diesem übermäßigen Muskelaufbau. Es ist meine ganz eigene Empfindung. Die auf eine sachliche Ebene zu bringen ist schwierig, finde ich.

Auch, da Du ja meine Beiträge interessiert zu lesen scheinst, habe ich bereits im Nachbarthread geschrieben, dass Übergewicht nicht meinem persönlichen ästhetischem Emfpinden entspricht. Aber es löst bei mir persönlich keinen Ekel aus.

Daraus abzuleiten, dass es (sachlich betrachtet) gute und böse Selbstverstümmler gibt, wird meinen Antworten nicht gerecht. Aber ich bin verunsichert: Habe ich tatsächlich meine persönlichen Empfindungen so wenig gekennzeichnet, dass sie als sachliche Antworten ausgelegt werden können?

LG Catwoman
"(und bei Katzen ist die vollkommen irrationale Launenhaftigkeit biologisch angelegt. Wenn man so will: Die sind von Natur aus wahnsinnig.)" Terao, 02.03.12

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#19 Terao

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Geschrieben 23 August 2011 - 08:49 Uhr

Naja, diese Trennung zwischen sachlich und persönlich ist ja doch eher theoretischer Natur. Bereits durch die Wortwahl und Formulierung gehen natürlich immer persönliche Empfindungen mit ein. Umgekehrt kann auch die sachlichste Aussage in Mitlesenden heftigste Empfindungen hervorrufen (ob sie nun richtig oder falsch ist).

Oft muss man halt entscheiden, ob man (ob Fakt oder Meinung) ehrlich oder höflich sein will. Mir scheint, dass Du da mit zweierlei Maß misst.

#20 Catwoman

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Geschrieben 23 August 2011 - 08:57 Uhr

Hallo Terao,

das ist in Ordnung, wenn Du das so wahrnimmst.

Können wir jetzt wieder zurück zum Thema kommen oder wollen wir weiter über meine Ambivalenzen diskutieren? Die würde ich dann doch lieber mit Dir per PN klären wollen....

LG Catwoman
"(und bei Katzen ist die vollkommen irrationale Launenhaftigkeit biologisch angelegt. Wenn man so will: Die sind von Natur aus wahnsinnig.)" Terao, 02.03.12

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