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Magersucht in Kampfsport und Kampfkunst


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28 Antworten in diesem Thema

#21 Smoo

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Geschrieben 23 August 2011 - 13:40 Uhr

Vielleicht sollte man den Titel des Threads umbenennen, da es hier vorwiegend um Fehlernährung und Suchtverhalten geht.

Echte Magersucht, war bis jetzt noch gar nicht Thema.

Während nämlich beim Magersüchtigen jedes Gramm weniger einen weiteren Erfolg darstellt, geht es dem Essbrechsüchtigen vorwiegend darum so viel zu essen von all dem leckeren Zeug wie nur möglich ohne zuzunehmen um nicht die Figur zu gefährden.

Es gibt auch Alkoholbulimien, die sich nicht nur dadurch äußern, dass sie viel trinken und dann brechen um weiterzutrinken - hier sei auch mal der mit "Anerkennung" behaftete Ausdruck "Taktisches Zwischenkotzen" erwähnt.
Es geht darum, dass vor allem junge Frauen, die durch viel trinken schon relativ abgehärtet sind, extra wenig essen und vor dem Diskobesuch erbrechen, damit eben nicht auffällt, dass Alkohol erst nach dem 6 Glas leicht wirkt... man/sie will in der Gruppe als Alki nicht auffallen und sorgt eben dafür, dass der Alkohol eben doch schnell und "gut" wirkt.
Das ist ein Ausnahmetyp... aber er ist immer mehr im Kommen.

Irgendwie erhält man den Gesamteindruck über diese Erkrankungen erst mit dem gesellschaftlichen Kontext. Ob das Magersucht, Bulimie oder Spezialtypen der Bulimie sind.

Man könnte auch sagen: Nach her ist man auch noch schuld daran, wenn der Mensch seine Bulimie überwindet - der Suchtdruck ist aber da und wird verlagert... Nach her isst derjenige dann aufeinmal zu viel <- Kein scherz und das gibt es häufiger als man glaubt!

Edit: Habe ich ganz vergessen! Hier ist noch ein Spitzending für die Info über Bulemie von A-Z. Ist viel zu lesen :D http://www.btonline....sa/bulimie.html

FG

Smoo

Bearbeitet von Smoo, 23 August 2011 - 13:47 Uhr.

Ich bin personifiziertes Yang und kann nix dafür, is' halt so.

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#22 Jerome

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Geschrieben 23 August 2011 - 13:50 Uhr

Es gibt Fälle, in denen ein Ex-Bulemie Kranker nach Überwindung der Bulemie an "Fresssucht" leidet und stark übergewichtig wird? Ich hätte eher vermutet, dass genau die "Wissen", wie sie sich zu ernähren haben. :mellow:
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#23 Catwoman

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Geschrieben 23 August 2011 - 14:04 Uhr

Hallo Jerome,

ja, die gibt es.

Ein konkreter Fall ist mir bekannt. Der Körper der jungen Frau weigerte sich irgendwann zu erbrechen (da das ständige Erbrechen ja auch den Körper kaputt macht: Speiseröhre etc.), aber sie stopfte weiter Unmengen an Essen in sich hinein (wir reden hier wirklich von Unmengen. Eine große Torte ist da nix, der Magenmuskel ist sehr stark gedehnt....). Das führte natürlich zu Fettleibigkeit. Mit Hilfe von einer Therapie hat sie das aber in den Griff bekommen und meine letzte Info war, dass sie "nur" noch gelegentlich erbricht (also das ging nach der Therapie wieder los).
LG Catwoman
"(und bei Katzen ist die vollkommen irrationale Launenhaftigkeit biologisch angelegt. Wenn man so will: Die sind von Natur aus wahnsinnig.)" Terao, 02.03.12

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#24 Jerome

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Geschrieben 23 August 2011 - 15:11 Uhr

Uff... Das erinnert mich an einen Satz, den ein Kollege zu mir gesagt hat:
Wenn man einmal ein Alkoholiker ist, dann ist man immer ein Alkoholiker, auch wenn man Jahre lang "trocken" ist.

Auf diese Situation könnte man also sagen: Man ist immer Essgestört, auch wenn man eine Essstörung "im Griff" hat, die Störung bleibt trotzdem irgendwo da...
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#25 Tyrdal

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Geschrieben 23 August 2011 - 16:49 Uhr

Und das ist noch schwieriger, da man ja auf Alkohol verzichten kann, aber nicht aufs Essen.

#26 Catwoman

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Geschrieben 23 August 2011 - 17:49 Uhr

Huhu,

also das war jetzt EIN Beispiel, weil es grad zum Thema passte. Daraus kann man aber nicht schließen, dass man jetzt für immer Essgestört bleibt :) .

Ist vermutlich etwas blöd rübergekommen.

LG Catwoman
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#27 WuDang

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Geschrieben 23 August 2011 - 18:27 Uhr

Okay, mal meine 2 Cent zu dem Thema:

Ich habe in meiner täglichen Arbeit auch sehr viel mit essgestörten Patienten zu tun.
Beim lesen dieses Threads fällt mir jetzt auf, dass die Definition von Essstörungen stellenweise etwas zu oberflächlich sind. Da sich die Argumentation aber eben genau um diese Fälle dreht, wäre es vielleicht zunächst mal sinnvoll, zu klären, was eine Essstörung überhaupt ist.

Die zwei häufigsten Essstörungen sind zum einen die Anorexie (Magersucht) und die Bulimie (Ess-Brech-Sucht).
Da es in diesem Thread um starkes Untergewicht bzw. Training als Mittel zur Gewichtsabnahme geht, kann man die Bulimie thematisch eigentlich streichen.
Die Bulimie führt nicht (zwingend) zu Untergewicht und hat seine Entstehung in anderen Faktoren verortet als die Anorexie bzw. sie dient einem anderen "Zweck".

Die Anorexie hingegen ist symptomatisch durch eine massive und pathologische Gewichtsabnahme gekennzeichnet, die auf ein massiv gestörtes Körpergefühl zurückgeht. Der Anorexie-Patient will nicht einem bestimmten Vorbild entsprechen ("ich will so schlank sein wie das Model XY"), sondern nimmt den eigenen Körper vollkommen gestört wahr. Diese Diskrepanz zwischen der Eigen- und der Fremdwahrnehmung hängt meistens mit psychosozialen Faktoren zusammen. Klassiker wäre das kleine Mädel, dass seit jeher unter einem hohen Erwartungsdruck der eigenen Eltern leidet. Hier ist das Kind nicht in der Lage, eine eigens definierte Persönlichkeitz zu entwickelt sondern wird quasi "fremd geformt", was in der Konsequenz zu einem gestörten Selbst-Bild führen kann (gerade in der Zeit der Pubertät, wo der eigene Körper langsam entdeckt und mit Bedeutung bemessen wird).
Oft spielt auch der Faktor der Selbstkasteiung/-bestrafung eine Rolle. So, mehr möcht ich eigentlich garnicht ausführen, ist ja auch (ein wenig) am eigentlichen Thema vorbei.

Wichtig ist nur, dass man so eines verstehen kann: Der anorektisch veranlagte Sportler hat wenig Möglichkeit, sich innerhalb einer festen sozialen Struktur (wie einem KK-Verein oder ähnliches) auf ein gesundheits-schädigendes Körpergewicht "runter zu trainieren", zumal auch die körperliche Leistungsfähigkeit ganz massiv abnimmt. Hier würden sofort Mitsportler oder Trainer einschreiten.
Insofern halte ich die Kampfkunst für denkbar ungeeignet, anorektische Ziele zu verfolgen.

Und übrigens: man bleibt NICHT IMMER essgestört. Eine Anorexie ist durch eine intensive Psychotherapie vollkommen heilbar.
Ein wenig anders ist das bei der Bulimie: Die Bulimie dient einem ganz bestimmten Zweck, das heißt auf eine pathologische Art und Weise macht dieses Verhalten sinn. Dementsprechend ist eine Rückfallgefahr durchaus gegeben.
Das wäre in etwas vergleichbar mit dem Rauchen. Heute macht es für mich Sinn, nach einer stressigen Situation eine zu rauchen. Wenn ich jetzt aufhöre zu rauchen und in ein paar Jahren in eine stressige Situation gerate, hat das Gehirn in der Rubrik "Sinnvolle Lösungsansätze zur Stressbewältigung" auch noch das Rauchen abgespeichert. Es besteht also die Gefahr, dass ich rückfällig werde.
Das hängt mit der Dynamik hinter Sucht-Erkrankungen zusammen.

so far...klugscheißer-Modus off! ;)
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#28 Lung fu Mo Shi

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Geschrieben 23 August 2011 - 18:53 Uhr

Beitrag anzeigenCatwoman sagte am 23 August 2011 - 08:12 Uhr:

Ich bewundere insofern jeden, der es schafft aus diesen Co-Abhängigkeiten zu entkommen. Die sind nämlich hart zu knacken. Um es auf die Spitze zu treiben, schaffen es manche Co-Abhängige dann sogar (unbewußt!!!) Situationen zu erzeugen, dass der Abhängige Part weiter in seiner Sucht gefangen ist, damit sie ihre Co-Abhängigkeit nicht aufgeben müssen. Wie LuFu schon schrieb: Es wird Kräftezehrend und ein Teufelskreis.

LG Catwoman

Dieses Entkommen ist für jeden Einzelnen anders schwierig!
Man muss sich vor allem bewusst machen, wenn man schon drin steckt, dass es sehr schwierig ist wieder aus der Situation rauszukommen! Vor allem da die Betroffenen dann einem ein schlechtes Gewissen einreden. Klar, fühlen die sich im Stich gelassen da man einen Rückzug veranstaltet um sein eigenes Seelenheil zu retten.

Aber darum geht es eben und das muss man sich bewusst machen:
Ich kann demjenigen nicht helfen, da er es nicht alleine schafft auch nicht mit gut zu reden von Freunden (was im übrigen meistens nach hinten los geht. Die Sache muss man komplett anders anpacken), er benötigt professionelle Hilfe und diese kann man als Freund/Kollege einfach nicht gewährleisten!

So, das ist das Erste.

Und dann muss man zu dem Zeitpunkt sich wirklich überwinden und ein kleiner Egoist sein....ansonsten geht man eben (mit-) zugrunde.
Und es hilft im Endeffekt keinem von beiden, wenn der Helfende auch ein kaputtes Seelenwrack ist.
Wie gesagt, beiden Seiten ist nur geholfen mit einer professionellen Therapie.
-Das Läbe isch e Emergency Room-



>>Siehst du denn Horizont?
Direkt überm Boden fängt der Himmel an.
Und wär' ich dort,
dann würd' ich wetten,
dass ich ihn erreichen kann.
Doch hier, hat es den Anschein, bin ich dafür zu klein.<<

-Thomas D.-

#29 Lung fu Mo Shi

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Geschrieben 23 August 2011 - 18:59 Uhr

Beitrag anzeigenWuDang sagte am 23 August 2011 - 18:27 Uhr:


Ein wenig anders ist das bei der Bulimie: Die Bulimie dient einem ganz bestimmten Zweck, das heißt auf eine pathologische Art und Weise macht dieses Verhalten sinn. Dementsprechend ist eine Rückfallgefahr durchaus gegeben.



Das wusste ich bislang noch nicht. Interessant! Dankeschön für deine Ausführungen ;)
-Das Läbe isch e Emergency Room-



>>Siehst du denn Horizont?
Direkt überm Boden fängt der Himmel an.
Und wär' ich dort,
dann würd' ich wetten,
dass ich ihn erreichen kann.
Doch hier, hat es den Anschein, bin ich dafür zu klein.<<

-Thomas D.-