mausetiger sagte am 24 August 2011 - 20:39 Uhr:
offenbar einen anderen (Kunstbegriff) als du.
Da bin ich nicht sicher. Ich fragte ja nach deinem, weil ich mir nicht sicher war, in welchem Sinne du den Begriff Kunst verstehst, da du vor allem die sog. schönen Künste aufgezählt hattest und aikido dann dort eingeordnet hast.
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... ja, sogar von Handwerkskunst, wenn gutes Handwerk, zum Beispiel ein exzellentes Messer oder ein Schwert vorliegt.
Insofern habe ich einen völlig anderen Kunstbegriff und würde ihn eben gerade nicht auf die "schönen Künste" beschränken,
Ok. Das kann ich nachvollziehen.
Ich denke aber, daß man zwar einerseits den Begriff Kunst für dieses gesamte Spektrum verwenden kann. Daß aber dennoch in mancherlei Hinsicht die einzelnen Bereiche von Kunst nicht identisch sind.
Und macht es nicht einen Unterschied, ob man Kunst als ein Mittel versteht, sich auszudrücken?
Oder ob man Kunst versteht, als eine hohe Fertigkeit (skills) bezogen auf einen bestimmten Zweck?
Man würde ja z.B. auch Heilkunst nicht vor und für Publikum ausüben?
(Mir fällt allerdings gerade die Ausstellung "Körperwelten" ein, die ich vor Jahren gesehen habe. Die fand ich in der Tat sehr beeindruckend. hm)
Wir haben übrigens früher shiatsu im Zusammenhang mit aikido gelernt und praktiziert. Es gibt dort also eine Begegnung. Gerade aber da ich beides kenne und kann: Mithilfe ganz nahe beieinanderliegender Methoden einen Menschen gesund machen (shiatsu) oder aber ihn potentiell verletze und mindestens körperlich in bestimmter Weise dominieren (aikido) empfinde ich das nicht als eine Begegnung, sondern eher werden mir die unterschiedlichen Intentionen deutlicher.
Hat eigentlich "schöne Kunst" Zwecke?
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Warum denn nicht? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Kann man so sehen, ich sehe es anders, ich mag Grenzgänge.
Ich habe ganz und gar nichts gegen Grenzgänge. Oder Begegnungen. Oder gegen das Entdecken von verborgenen Dimensionen. Es geht mir ganz und gar nicht um eine grundsätzliche Ablehnung derartiger Projekte.
Ich kenne aus eigener Erfahrung viele solcher Begegnungen: aikido und Kontaktimprovisation. aikido und Theater (d.h. nicht Tanz, sondern szenische Elemente), auch aikido und Tanz. aikido und Kommuniaktionstraining. aikido und bildende Kunst. Natürlich der Klassiker: Aikido und Tango. Und manches mehr habe ich in all den Jahren in meinem ganz persönlichen Umfeld erlebt.
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... allerdings ist es für mich deswegen immer noch keine Verhohnepiebelung, sondern ein Experiment der Begegnung, das - wenn auch gescheitert - so doch legitim ist.
Die Begegnung ist aus meiner Sicht nicht das Problem. Mir geht es um die Weise, in der aikido hier dargestellt wird. Daß aus einer Fertigkeit (~Kunst), die sich mit Kampf, Aggression, Konflikt auseinandersetzt und deren Inhalt es meiner Ansicht nach ist, einen anderen Menschen mittels eines bestimmten technischen Prinzips (= aiki) körperlich zu kontrollieren, etwas gemacht wird, das diese Aspekte völlig vermissen läßt.
aikido in dieser Weise zu verzerren - ob nun bewußt oder unbewußt - und ein solches Zerrbild auf eine Bühne zu bringen und damit zu sugerieren, daß bestimmte Aspekte von aikido und Ballett sich gleichen, das ist es, was mir problematisch scheint.
Es geht also um meine Interpretation von aikido dabei. Nicht um meine Interpretation von Begegnungsmöglichkeit.
ten-chi weist aber mit Recht darauf hin, daß es keine Interpretationshoheit gibt für aikido. Ob es tatsächlich so ist, daß aikido niemand gehört, darin bin ich allerdings nicht einig mit ihm.
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Das Ehrverletzende kann ich nicht sehen, auch wenn ich durchaus verstehe, dass sich das mit deinem Aikido bzw. deiner Auffassung davon in keiner Weise vereinbaren lässt.
Vielleicht fehlt mir bei diesem Thema einfach die Gelassenheit.
Ich führe mit immer wieder Gespräche darüber, ob aikido als KK ernst zu nehmen sei. Und ich bin immer wieder erfreut über KKler, die sich dann wirklich überwinden und mitüben und sich selber ein Urteil bilden. Und in diesem Video sehe ich halt genau all die Klischees bedient, die in vielen Köpfen existieren und mir immer begegnen.
So ist's in meiner Wahrnehmung eben nicht einfach eine Form von Vielen, sondern vielleicht eher so etwas wie eine Karrikatur, die die Vorurteile über aikido abbildet.