Terao sagte am 31 August 2011 - 08:55 Uhr:
Ich frag mich immer wieder, wie sich solche Mythen überhaupt so lange halten können. Seit vielen Jahren werden Vollkontaktkämpfe aller Art für jeden sichtbar im Fernsehen übertragen. Da schlagen, treten, ellenbogen und knien sich Leute mal mit mehr, mal mit weniger, mal ganz ohne Schützer aus jedem erdenklichen Winkel auf jede erdenkliche Stelle. Todesfälle sind extrem selten. Auch K.O.s sind keine sichere Sache. Meist ist die Schlagwirkung selbst bei in KK-Kreisen immer noch als sicher kampfbeendend geltenden Techniken eher gering und beeinflusst den Kampfverlauf nicht wesentlich.
Klar, der Getroffene ist meist ein Profi, d.h. durchtrainiert und geübt darin, Schlägen die schlimmste Wirkung zu nehmen. Der Treffende allerdings auch...
Kurz: Seither glaube ich nicht mehr an die unglaubliche knochenbrechende, behindernde, ablenkende, tödliche Wirkung von Schlägen und Tritten auf ein bewegliches Ziel.
Die einzige wirklich definitiv und 100%ig tödliche Technik (wenn sie voll und bis zum bitteren Ende durchgezogen wird) ist und bleibt der gute alte Würgegriff. Abgesehen davon ist der Körper schon (Achtung, Filmzitat! Wer kennt`s?) eine ziemlich zähe Maschine. Bis auf ganz seltene Ausnahmen (und natürlich bewusstlos am Boden Liegende).
Du darfst den Faktor des trainierten und vorbereiteten "Empfängers" nicht unterschätzen. Auf der Straße sind One-Hit-KO's keine Seltenheit, sogar Todesfälle nach nur einem Schlag sind häufiger als man denken mag, wenn man sich die Jungs im Ring so anschaut. Damit sind primäre Schlagwirkungen gemeint, also wirklich KO und Tod infolge eines oder einiger weniger Treffer, aber auch sekundäre Wirkungen, wie unglückliches Fallen - etwa mit dem Kopf auf die Bordsteinkante - nach einem unerwarteten, harten Treffer. Zu guter letzt kann es ein Treffer sein, der einen zu Boden schickt und so hilflos den Tritten der Kameraden aussetzt. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein trainierter, Treffergewohnter Mensch einen Schlag abbekommt und den auch erwartet, oder ob es jemanden unvorbereitet trifft. Man nehme nur das berühmte Boxerurteil aus den 70ern, das Ursache der Mär ist, als KK'ler müsse man vorm Zuschlagen seinen Kontrahenten von seinen Sonderfertigkeiten unterrichten. Da hat nämlich ein trainierter Wettkampfboxer seinen physisch stark unterlegenen Gegner in vermeintlicher Notwehr mit einer einzigen Geraden ins Gesicht totgeschlagen.
Auf der einen Seite kann der Mensch ne Menge wegstecken, bevor er drauf geht. Aber auf der anderen Seite kann manchmal auch ein unglückliches Ereignis ausreichen um Schluss zu machen. Darauf muss man sich einstellen und die Unwägbarkeiten in sein Handeln miteinbeziehen. Das heißt möglichst Ärger und Treffern jederzeit aus dem Weg zu gehen, aber auch bei eigenen Aktionen möglichst schonend vorzugehen, so es die Situation im Einzelnen zuläßt.
Wie auch immer, der Nasenknochen im Hirn war nach meinem Kenntnisstand noch nie Todesursache, auch nicht bei besagtem Boxerurteil. Stumpfe Schädeltraumata können aber allgemein durchaus zum Tode führen, ich lese zumindest ständig Fälle, bei denen das in der einen oder anderen Weise der Fall war. Übrigens auch in Verbindung mit Würgen sind es meist Schläge und Tritte, die - oft nach der Ohnmacht - zum Tode führen. Denn Todwürgen dauert ganz schön, die meisten hören auf, wenn die Lichter ausgehen.