Der Begriff "Zentrum" im aikido
#1 Gastpilgrim_*
Geschrieben 27 August 2011 - 19:46 Uhr
Benutzt ihr auch japanische Begriffe?
Und falls ja: Welche?
Gibt es bei euch den Ausdruck: "Mit dem Zentrum arbeiten"?
Wenn ja: Was meint ihr in eurem Üben konkret damit?
Und wie setzt ihr das um?
#2
Geschrieben 28 August 2011 - 02:26 Uhr
Mein amerikanischer Lehrer spricht dagegen öft von "center". "Face your center towards me.", "Lower your center." oder als Uke "Give me your center." wären da typische Anweisungen. Er erläutert das nicht näher, aber so wie ich ihn verstehe bezieht er sich damit auf meine Körpermitte. Also einen Punkt oder Bereich innerhalb meines Bauches.
Bearbeitet von Konparu, 28 August 2011 - 02:30 Uhr.
#3
Geschrieben 28 August 2011 - 08:34 Uhr
an sonsten habe ich "zentrum" und "zentriertsein" oder "mit dem zentrum arbeiten" im ki-aikido noch nicht gehört. wahrscheinlich gibt es für die begriffe ähnliche begriffe.
vielleicht ist es beim bewegen "körpermitte" oder "hüfte", aus der eine bewegung beginnen kann. es gibt aber auch den dazu umgekehrten ansatz, bei dem bewegungen an der pheripherie beginnen. hat beides seine berechtigung. - beim "statischen" üben ist das absenken der mitte oft das mittel der wahl, um uke in bewegung zu bekommen. - so wie es hier aufgeschrieben steht, ist es aber glaube recht unverständlich.
#4
Geschrieben 28 August 2011 - 10:06 Uhr
Hin und wieder auch bei Tenkan ("Zentrum aus der Angriffslinie bringen.").
Katanas are awesome! They can cut through a tank! No, seriously! I read it on the internet!
#5 Gastpilgrim_*
Geschrieben 28 August 2011 - 11:31 Uhr
Konparu sagte am 28 August 2011 - 02:26 Uhr:
Der spricht ja zumeist von den "Hüften".
ingolf sagte am 28 August 2011 - 08:34 Uhr:
Wenn "der eine Punk" nicht immer an derselben Stelle ist, sich sogar außerhalb des Körpers befinden kann, ist er dann mehr ein "Konzep", eine "Vorstellung" von etwas? Und er ist dann also nicht identisch mit dem, was man tanden oder bei den Chinesen dantian nennt, oder?
Zitat
Homunculus sagte am 28 August 2011 - 10:06 Uhr:
#6
Geschrieben 28 August 2011 - 13:22 Uhr
pilgrim sagte am 28 August 2011 - 11:31 Uhr:
So bei Nikyo z.B.:
Arm geht ins Zentrum (ins Becken, meines oder das vom Uke) und die Fingerspitzen gehen zu den Zehen, als ob ein Gewicht an ihnen hinge.
Mal als sehr bildhaftes Beispiel.
Das sorgt bei Anfängern für etwas Verwirrung, ist aber imho als inneres Bild bei der Ausführung hilfreich.
Bearbeitet von Homunculus, 28 August 2011 - 13:23 Uhr.
Katanas are awesome! They can cut through a tank! No, seriously! I read it on the internet!
#7
Geschrieben 28 August 2011 - 15:45 Uhr
Zitat
umgekehrt kann man bei kakudai ho versuchen, die wahrnehmung so weit es geht auszudehnen.
habs mal in dem kleinen bildchen unten versucht anzudeuten.
es geht bei den übungen ums ausdehnen und kleinerwerdenlassen an sich. - kann sein dass das eigentliche ziel die absolute wahrnehmung ist. bei der nicht mehr zwischen den einzelheiten unterschieden wird, und diese z.b. nacheinander fokussiert werden. - stell es dir wie den absoluten blick vor, wo du alles im gesichtsfeld siehst. - das eben nur nicht aufs sehen beschränkt.
als mittelpunkt bietet sich dabei die eigene person an. für den rest des universums ist es vollkommen egal ob ich einen meter weiter links stehe oder fünfzig billionen lichtjahre weiter rechts. für meine wahrnehmung stehe ich immer noch im mittelpunkt. - und die mitte von mir ist, tja irgendwo unterm bauchnabel. - leicht zu überprüfen, z.b. an einer reckstange, ab wann man nach vorne kippt.
Angehängte Dateien
#8 Gastpilgrim_*
Geschrieben 29 August 2011 - 08:17 Uhr
ingolf sagte am 28 August 2011 - 15:45 Uhr:
Der "eine Punkt" wird ja aber zunächst auch dort lokalisiert, wo man das tanden verortet, oder?
Wird dann aber abstrakter verstanden und kann - anders als das tanden, das halt immer da im Körper bleiben muß, wo es ist - seine Position verändern?
Wie ist denn dann der "eine Punkt" definiert? Also, wie kann man ihn für sich finden? Oder ist es etwas, das man sozusagen selber "kreiert"?
Und in welchem Verhältnis steht denn dieser "eine Punkt" zu den Auffassungen von hara und tanden, wie sie sonst in den japanischen oder chinesischen Künsten begegnen? Ist das etwas ganz anderes? Oder gibt es Bezüge zwischen beidem?
Zitat
Zitat
...
Zitat
-----
Zitat
aber ... wirklich ot ... sorry ...
-----
Zitat
Ist das auch dann der Fall, wenn ich Kontakt (atari) zu einem uke habe? Oder verändert sich die Wahrnehmung dann und damit auch deren "Mittelpunkt"? Wie ist das bei einem emotionalen, emphathischen Kontakt? Bleibe ich auch da der Mittelpunkt der Wahrnehmung?
Zitat
Der Körperschwerpunkt aber verändert sich je nach Masseverteilung und vor allem aber: Er verändert sich abhängig von der Bewegung des Körpers. Und der Körperschwerpunkt kann daher in der Tat auch gänzlich außerhalb des Körpers liegen. Er kann doch also eigentlich ebenfalls nicht identisch mit dem tanden/dantian/Zentrum sein?
Zudem: Asiaten haben im Stehen in aller Regel einen tieferen Schwerpunkt, als Europäer, da das Verhältnis Beine/Rumpf anders ist.
oh ...
... meint ihr mit dem "einen Punkt" den Körperschwerpunkt des Menschen? Geht es darum?
@ Homunculus:
Danke! Ich kann dieses Bild sehr gut nachvollziehen, denn ich kenne es ebenso. Und dabei gerade "zielt" man ja aber mit der hauptsächlichen Bewegung tatsächlich recht genau auf das Zentrum/Becken/tanden .... Daß die Finger nach unten zeigen (bei uns sollen sie das nicht), dient doch vor allem einer besseren Übertragung der Bewegung in uke hinein, oder? Der eigentliche Effekt geht aber genau in die "Mitte"?
#9
Geschrieben 29 August 2011 - 09:03 Uhr
pilgrim sagte am 29 August 2011 - 08:17 Uhr:
Zitat
Zitat
Zitat
Zitat
Zitat
Zitat
Zitat
Zitat
Ist das auch dann der Fall, wenn ich Kontakt (atari) zu einem uke habe? Oder verändert sich die Wahrnehmung dann und damit auch deren "Mittelpunkt"? Wie ist das bei einem emotionalen, emphathischen Kontakt? Bleibe ich auch da der Mittelpunkt der Wahrnehmung?
Zitat
Bearbeitet von ingolf, 29 August 2011 - 09:10 Uhr.
#10
Geschrieben 29 August 2011 - 09:46 Uhr
pilgrim sagte am 29 August 2011 - 08:17 Uhr:
Danke! Ich kann dieses Bild sehr gut nachvollziehen, denn ich kenne es ebenso. Und dabei gerade "zielt" man ja aber mit der hauptsächlichen Bewegung tatsächlich recht genau auf das Zentrum/Becken/tanden .... Daß die Finger nach unten zeigen (bei uns sollen sie das nicht), dient doch vor allem einer besseren Übertragung der Bewegung in uke hinein, oder? Der eigentliche Effekt geht aber genau in die "Mitte"?
Das mit den Fingern dient lediglich als Bild für blutige Anfänger, wenn sie in der sehr statischen Phase ein Gefuehl für die Mechanik an sich bekommen sollen. (Ich hab es so beigebracht bekommen damals und ich hab das bei den Kindern und Jugendlichen auch so weitergegeben).
Freilich kann man da spielerischer mit umgehen. So kann man z.B. durch eine geschickte Bewegung aus der Angriffslinie (ggf. mit leichtem Zug) eine Position finden, wo man Uke in den Bauch "schlägt". Da bleibt dann nur loslassen und irgendwie versuchen wegzukommen oder weiter halten und dem Nikyo nachgeben (was dann schon ne recht gute Fallschule braucht).
Interessant ist auch der Vergleich mit anderen KKs. Bei Gesprächen mit Ing Unglern gab es viel Konsens aber auch Diskrepanz beim Vergleich mit der "Mittellinie" bei denen.
Ich bin ja selbst noch Anfänger. Aber das sind so die Bilder die mir bekannt sind.
Katanas are awesome! They can cut through a tank! No, seriously! I read it on the internet!
#11
Geschrieben 29 August 2011 - 10:12 Uhr
ingolf sagte am 29 August 2011 - 09:03 Uhr:
Bearbeitet von UwMe, 29 August 2011 - 10:13 Uhr.
#12
Geschrieben 29 August 2011 - 10:28 Uhr
#14
Geschrieben 29 August 2011 - 10:48 Uhr
#15
Geschrieben 29 August 2011 - 10:56 Uhr
(Ich sollte ja mit diesen aufblasbaren Schwimmflügeln an den Armen Schwimmen lernen. Die haben aber so gescheuert, dass ich die einfach abgetreift habe und so weitergepaddelt bin)
#17
Geschrieben 29 August 2011 - 11:16 Uhr
pilgrim sagte am 29 August 2011 - 09:01 Uhr:
Zitat
Sowas wie den unbeugbaren Arm z.B. kann man ja einem Schüler energetisch erklären. Oder schlicht von der Bewegung, bzw. Haltung her. Beides funkioniert.
Und dann: Was heißt denn "energetisch" eigentlich? Wenn man jemand bewegen kann, ist das letztlich immer erst einmal ein auch ganz körperliches Phänomen. Selbst wenn man jemand bewegt, ohne ihn zu berühren. Das geschieht ja nicht durch Röntgenstrahlen, sondern mithilfe des eigenen Körpers.
Von daher geht es zunächst erst einmal um das Ansprechen einer Muskulatur, die bisher in meinem Üben nicht vorkam. Das gab's seit ich mich an Endo sensei orientiere ganz genau so bereits an anderen Stellen meines Körpers. Nun also am Bauch.
Ich denke aber, daß es - zusammen mit dem Gesamtpaket - dabei letztlich durchaus um das geht, was man tanden nennt und vielliecht nicht mit Muskelkraft bewegen kann. Aber bewegen eben schon ...
Ich antworte mal hier, weil es besser zum Thema passt.
Einen unbeugbaren Arm kann man ganz einfach mit der Funktionsweise der Muskulatur erklären (Längsgestreifte/Quergestreiftze Muskulatur).
Ein "Zentrum im inneren des Hara" dagegen nicht, ich kann hier das Nervensystem als Erklärungsmodell zu grunde legen, oder ein System wie es im Yoga zur Definition von energetischen Zentren, also den Chakren, genutzt wird. Die beiden Modelle ergänzen sich, und sind teilweise sogar Deckuntgsgleich. Die Chakren entsprechen wichtigen Nervenzentren, beschreiben aber eine andere energetische Ebene. Diese sind aber genauso auch körperlich, haben nur ebend nichts mit beweglicher Muskulatur zu tun.
Energie kann aber hier spürbar erzeugt oder gelenkt werden, meist mit Hilfe von Visualisierungen oder bestimmten Körperlichen Übungen, die auf bestimmte Zentren einwirken (Yoga).
Die Absicht, dadurch eine Wirkung auf eine andere Person hervorzurufen ist damit erst einmal nicht verbunden, es geht um das Lenken und Stärken der eigenen Energie (Ki, Prana), was wiederum ein spirituelles Wachstun zur Folge haben soll.
Auch im Aikido geht es meiner Meinung nach nicht darum, "jemanden zu bewegen", sondern um musubi. Die Frage ist also, was man mit der Art Übung die du beschreibst, erreichen will.
Natürlich durchdringen sich die Ebenen des körperlichen und des energetischen, denn der Körper als Materie ist ja nichts anderes als verdichtete Energie.
#18 Gastpilgrim_*
Geschrieben 29 August 2011 - 11:57 Uhr
ingolf sagte am 29 August 2011 - 11:04 Uhr:
Wenn man ein bestimmtes Konzept benutzt, um die Körperstruktur zu modifizieren, dann denke ich, daß man es verstehen und auch im Bewußtsein halten muß. Man muß es "Denken".
Wenn man es nach zwei Minuten eh wieder vergißt, dann sehe ich nicht, wie es etwas verändern können soll?
(Abgesehen davon finde ich es gar nicht so unkompliziert, sich außer um die Technik auch noch um ein Selbstkonzept kümmern zu müssen. Und ich denke, für unsere Achtjährigen wäre das nicht so einfach, wie es bei dir klingt. Aber auch ansonsten erlebe ich die Integration bestimmter Selbstkonzepte zusätzlich zu der Technik als etwas, das mir erst in einem einigermaßen fortgeschrittenen Stadium möglich scheint.)
#19
Geschrieben 29 August 2011 - 12:41 Uhr
Zitat
einfacher im gegensatz wozu? - zum einfach machen? was macht man überhaupt? übt man per zufallsprinzip, oder will man wirklich alle biopsychosozialmechanischen eigenschaften erklären, die für eine bewegung nötig sind?
umgekehrt merkt man es recht schnell, wenn jemand die "gewünschte" konfiguration (z.b. einheit von geist und körper) nicht hat. - manchmal hilft dann einfach nur an so ein konzept zu erinnern: halte den punkt. - plopp, und peter kippt nicht mehr nach vorne.
Bearbeitet von ingolf, 29 August 2011 - 12:49 Uhr.
#20
Geschrieben 29 August 2011 - 17:54 Uhr
pilgrim sagte am 28 August 2011 - 11:31 Uhr:
Das Zentrum der Wahrnehmung ist da, wo man den Mittelpunkt von sich selbst empfindet, bzw. an welchr Stelle man meint dass dort die entsheidenden Vorgänge stattfinden, bei den meisten Menschen ist das Zentrum der Wahrnehmung der Kopf, daher "Kopfmenschen", bzw. "Bauchmenschen", wenn das Zentrum der Wahrnehmung im Bauch ist.
pilgrim sagte am 28 August 2011 - 11:31 Uhr:
Das haben die Punks halt so an sich, die hüpfen ständig herum!




