UwMe sagte am 04 September 2011 - 08:31 Uhr:
... Anstatt dieses komplizierten Begriffes "strukurelle Integration" nannte man das Verfahren schlicht "Rolfing". Rolfing beim Aikido, ich bin gespannt...

Grundgütiger! In was bin ich da bloß reingeraten???
Bilde mal 'nen Satz mit "Büchse" und "Pandorra" ...
Im Ernst:
Ich mache seit längerem die Erfahrung, daß es immer wieder Parallelen oder Überschneidungen von aikido und anderen Formen der Körperarbeit gibt. Ob das das Atmen beim Singen betrifft oder die Beckenbodengymnastik im Geburtsvorbereitungskurs oder eben wie oben schon gesagt Methoden, wie z.B. Feldenkrais.
Es gibt halt nur einen menschlichen Körper und wenn man damit intensiv umgeht, wird es doch zwangsläufig Berührungen der unterschiedlichen Wege und Methoden geben müssen?
Die Unterschiede liegen dann aber sicher in den Zielsetzungen, den Rahmenbedingungen des jeweiligen Systems und letztlich wahrscheinlich dann oft genug in den Details oder der konkreten Umsetzung.
Danke für den Hinweis:
Gehört habe ich den Begriff "Rolfing" schon häufiger. Ich habe jetzt gerade nur den ersten Absatz bei wikipedia überflogen. Aber die Parallelen zu dem, was ich als ki Arbeit aus aikido und shiatsu kenne, scheinen auf den ersten Blick ganz erstaunlich.
Und die Betonung der Bedeutung des Bindegewebes im Gegensatz zu Skelett und Muskulatur ist etwas, das in den US-amerikanischen Debatten über Internal Strength, immer wieder begegnet und also in den chinesischen Künsten eine Rolle zu spielen scheint.
Nun ja ...
ten-chi sagte am 03 September 2011 - 23:29 Uhr:
Aber bei der Umsetzung ist doch häufig etwas anderes zu beobachten, nämlich eher ein Festhalten am Vorhandenen.
Wer setzt was um? Und wer hält an welchem Vorhandenen fest?
Mir ist nicht genau klar, wie du diesen Satz meinst?
(Ich verstehe: Es wir viel ganz nett gedacht und gesucht. Und dann macht man wieder ikkyo genauso wie vorher auch immer schon. Meinst du es so?)
Zitat
Um in die Tiefe zu gehen muss etwas vorhanden sein, was über das erlernen wollen von Techniken hinausgeht.
Ich kenne jemanden der bis vor kurzem noch behauptet hat, im Aikido könne man nichts anderes üben als Technik.
Danke für diesen Einwurf!
Für mich persönlich schließt sich an dieser Stelle ein Kreis.
Ich habe aikido von Beginn an in einer Weise gelernt, daß die Techniken von der Körperstruktur her verstanden und unterichtet werden. Die äußeren Bewegungen sind gewissermaßen der Rahmen. Aber das Eigentliche sind die Stellung der Füße, der Hüften, des Orberkörpers. Haltung, Bewegungen, das, was ich jetzt Struktur nenne und Organisation des Körpers, ist genau das, was ich als Üben der Techniken seit jeher kenne.
Damit gehört zusammen, daß das Verstehen von ki und das Arbeiten daran, so wie ich es kennengelernt habe, immer in Zusammenhang mit der Körperarbeit in den Techniken steht: Die richtige Körperstruktur löst Blockaden und läßt ki fließen. Das stammt z.B. von Christian Tissier und nicht von Ida Rolf. Und ikkyo nikyo sankyo ... funktioniert aufgrund der Körperstruktur. ...
Bei Endo sensei dann - und eben auch bei meinem Lehrer - habe ich ein Üben gefunden, das diese Arbeit an der Körperstruktur noch differenzierter zum Thema hat und sozusagen gegenüber der Technik in den Vordergrund treten läßt. Ich karrikiere mal: Ikkyo "kann man sowieso schon", gearbeitet wird dagegen an der Haltung des kleinen Fingers und deren Auswirkung auf den eigenen Körper. Und fast als Nebeneffekt geht dann ikkyo viel geschmeidiger ... .
Und mit der Betonung des kimochi in Haltung, Bewegung, Kontakt und Technik ganz stark in die eigenen Körperstruktur hinein gerichtet und dann eben auch mit der inneren psychischen Haltung verbunden.
Ich verlinke
das Video aus dem anderen thread hier noch einmal, weil's zu passen scheint.
Das Erlernen und Üben der Techniken
ist also für sich selbst etwas, das in Tiefe geht. Daher mein Reden von "innerem aikido" (Eine Begrifflichkeit, die für mich nur ein Hilfskonstrukt ist und nicht etwas, das ich etablieren möchte.)
Das reine Nachvollziehen der äußeren Bewegungen, ist aus meiner Sicht nicht eigentlich Üben von aikido.
Daher (@ homunculus) ist nach meinem Verständnis auch nicht die Wiederholung die eigentliche Methode des Lernens. Das Lernen geschieht - nach meinem Verständnis - durch die Introspektion und die Veränderung von Haltung, Verhalten oder innerer Einstellung. Vielleicht hast du es ja auch genau so gemeint?
Bearbeitet von pilgrim, 04 September 2011 - 12:32 Uhr.