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Konditionierung des Körpers für aikido


19 Antworten in diesem Thema

#1 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 02 September 2011 - 07:55 Uhr

Moin

In einem thread fiel der Begriff der "Konditionierung". Es ging darum, den Körper in einer bestimmten Weise so zu konditionieren, daß er sich in bestimmter Weise verhält bzw. bewegt.
Und im kobudo-Forum geht es in einem thread um die Frage, wie man die "Lockerheit festhalten" kann.

Kennt bzw. tut ihr so etwas wie Konditionierung? Versucht ihr euren Körper bzw. dessen Struktur oder Bewegungsabläufe oder ... in Bezug auf aikido in einer bestimmten weise zu "formen", zu "verändern" oder zu "konditionieren"?

Oder erlebt ihr vielleicht umgekehrt, daß das Üben euren Körper, dessen Haltung oder Bewegungen beeinflußt oder verändert?

Wenn ihr so etwas wie "Koditionierung" (ich weiß im Moment keinen anderen oder besseren Begriff. Ihr?) kennt: Wie macht ihr das?

Bearbeitet von pilgrim, 02 September 2011 - 07:56 Uhr.


#2 pugilism

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Geschrieben 02 September 2011 - 08:09 Uhr

Da ich ja auch eine zum Grossteil weiche KK betreibe, poste ich auch mal :)

Ich denke es nie verkehrt, stark, ausdauernd, beweglich und abgehärtet zu sein. Ist eigentlich unabhängig von der KK. Das schwierige ist Technik nicht mit Kraft zu kompensieren. Ueshiba ist ja ein sehr gutes Beispiel dafür. Ich habe gelesen dass er sich extra schwere Landwirtschaftsgeräte hat anfertigen lassen um eine extra Krafttraining zusätzlich zur, schon zu seiner Zeit harten, landwirtschaftlichen, kräftigenden Arbeit zu kriegen. :respekt:
- Seinen Kampfstil gegen einen unkooperativen Gegner in einem freundlichen Sparring mal zu testen ist wohl das Mindeste bevor man grosse Reden über dessen Tauglichkeit schwingt.....
- Klassische KK-Attacken:

Stop and freeze Attack: Aus zwei Meter Entfernung wird ein Faustschlag gestartet und die Technik wird durchgezogen komme was wolle, abrupt wird die Bewegung mit ausgestrecktem Arm gestoppt und der grosse Sifu/Sensei kann eine im Minimum, 10 Fachcombofaustattacke demonstrieren. Zweitangriffe sind nicht möglich weil das Chi des Meisters dies verhindert.

Rhino Attack: Aus zwei Meter Entfernung, vielleicht sogar noch mehr, Ausgangsposition im besten Fall noch kniend am Boden, rennt der Angreifer auf sein Ziel los. Der Faustarm bleibt während der ganzen Bewegung gestreckt und man rennt unbeirrt weiter. Sollte sich das Ziel zur Seite bewegen, so rennt man weiter am Ziel vorbei. Sollte das Ziel Kontakt mit dem Angriffsarm aufnehmen so lässt man sich willenlos in ein Wurf oder Hebeltechnik führen. Zweitangriffe sind auch während dieser Bewegung unmöglich wegen einer KI-Blockade welche sich durch das eigene Momentum ergiebt.

Die Wichtigste Regel überhaupt in den klassischen KK's: Wenn wir alle gaaaaaaanz fest daran glauben, dann funktioniert es auch......

#3 UwMe

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Geschrieben 02 September 2011 - 08:14 Uhr

Ja, ich mache das indem ich zum Trainieren gehe. Als Auswirkung auf das Training passt sich der Körper den Umständen an. Das ist aber nicht nur im Aikido so.

Der Begriff Konditionierung ist für mich eher negativ im Sinn einer Einschränkung belegt. Der Körper fokussiert sich auf eine Tätigkeit oder Fähigkeit. Nimm z.B. einen konditionierten Uke. Er greift an und reagiert auf eine besondere, spezifische Art und Weise auf die Technik, weil sein Körper weiss was kommt. Dieses Verhalten sehe ich negativ für die Entwicklung der Technik von tori.

#4 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 02 September 2011 - 08:57 Uhr

Beitrag anzeigenUwMe sagte am 02 September 2011 - 08:14 Uhr:

Der Begriff Konditionierung ist für mich eher negativ im Sinn einer Einschränkung belegt.
Hm, ok. Ja und es ist eigentlich auch ein Begriff, der unlöslich mit dem Behaviorismus verbunden ist. Hast rech.

(Um-)Organisation oder auch (Neu-)Strukturierung des Körpers wäre vielleicht eher sinnvoll?

Was ich damit meine, ist der Vorgang, bestimmte im Alltag erlente und verwandte Verhaltensweisen, Haltungen oder auch Spannungsverhältnisse im Körper zu verändern.

Ein paar banale Beispiele für das, was ich meine:
Die Bauchatmung. Ich vermute, das z.B. macht jeder, der übt? Im Alltag wechselt man aber spontan zwischen Brust- und Bauchatmung. Beim Singen oder beim aikido wird dagegen bewußt versucht, mit dem Bauch zu atmen. Das muß man üben.
Entspannen der Knie: Im Alltag stehen die allermeisten Menschen mit angspannten Knien. Im aikido übt man (ich jedenfalls), sich mit entspannten Knien zu bewegen.
Die Stellung des Beckens: Bei vielen Menschen ist das Becken eher nach hinten gekippt. Beim aikido kippt man es nach vorne.
Bewegung aus dem Zentrum: Im Alltag bewegen sich die allermeisten Menschen aus dem Kopf/Schulter-Bereich heraus. Beim aikido bewegt man sich vom Zentrum her (was immer genau das nun heißt. Aber jedenfalls aus dem unteren Bereich des Rumpfes doch).
Oder auch: Beim Fallen ist es ein natürlicher und wichtiger Reflex, die Hände/Arme zum abstützen nach vorne zu bringen. Diese Reflex trainiert man den Übenden mehr oder weniger mühsam wieder ab. Und es gibt ja aikidoka, die nie aufhören, sich bei mae ukemi mit einer Hand abzustützen.
...
Sich bei einem Angriff zu entspannen, nicht zu greifen, nicht nach hinten zu gehen ... das sind auch so Sachen.

Naja, und das sind ja eher einfache Dinge.
Aber dennoch: Übt ihr so Sachen für euch selber, um sie beim aikido einbringen zu können? Versucht ihr bewußt, euren Körper neu zu organisieren?

Oder erlebt ihr das einfach im Training bzw. durch das Training, so wie es UwMe beschreibt?

@ pugi:
Wenn ich dich richtig verstehe, dann setze ich persönlich das, was du meinst, sowieso erstmal schon voraus: Kondition, Kraft, Beweglichkeit. Das sind nach meiner Ansicht Dinge, die man außerhalb des Trainings im dojo je nach eigenen Bedürfnissen oder Fähigkeiten sowieso trainieren sollte. Und ich kenne das von den allermeisten aikidoka, mit denen ich zu tun habe auch gar nicht anders. (Aber das ist ja auch nur meine Welt.)
Was ich hier meine, ist eben darüberhinaus das "Angwöhnen" oder "Lernen" bestimmter Verhaltensweisen, Haltungen oder dergleichen, die nicht so ohne weiteres "natürlich" sind und entsprechend nicht einfach so zum Training mitgebracht werden.

#5 amoeba

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Geschrieben 02 September 2011 - 09:49 Uhr

Nein, für mich selbst übe ich solche Sachen eher nicht. Ich merke aber durchaus, dass das Training auch auf den Alltag abfärbt - mein Gang sieht z.B. definitiv anders aus als früher, eben mit leicht nach vorne gekipptem Becken, lockeren Schultern etc.

#6 Konparu

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Geschrieben 02 September 2011 - 09:56 Uhr

Ich denke der Begriff Konditionierung ist schon richtig gewaehlt. Wir lernen durch staendige Wiederholung der selben Vorgaenge (hier konkret: der Kata).

Ich denke auch, dass diese Konditionierung nicht am Mattenrand aufhoeren sollte. Welchen Zweck haette sie dann?

Btw. Ich atme immer in den Bauch. Fuer mich ist das ganz natuerlich. Ich muesste mich eher bewusst anstrengen um in die Brust zu atmen. Bei mir war also zumindest diese Konditionierung erfolgreich.

#7 mausetiger

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Geschrieben 02 September 2011 - 18:42 Uhr

Hallo,
ich vermute mal, dass man diese Konditionierung am stärksten spürt, wenn man von einer KK in eine völlig andere wechselt. Man muss sich vermutlich extrem seiner Bewegung bewußt sein, um nicht immer wieder in alte Muster zu verfallen und außerdem ist das vermutlich auch der Hintergrund dafür, dass es beim Lernen keine Abkürzungen gibt. Oder?
Gruß Mausetiger
Such dir Menschen, die dir nicht weh tun ... und genieße mit ihnen ....

#8 Homunculus

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Geschrieben 02 September 2011 - 21:16 Uhr

Ueshiba hat ja mal behauptet, dass Aikido vor allem aus gesundheitlichen Gründen in jedem japanischen Haushalt geübt werden sollte.

Aikido-spezifisches Training wäre wohl einfach Aikido-Training und Aikitaiso.
Suburi wie ein Idiot und Ukemi wie ein Blöder. So was.

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#9 ten-chi

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Geschrieben 03 September 2011 - 10:11 Uhr

Beitrag anzeigenHomunculus sagte am 02 September 2011 - 21:16 Uhr:

Suburi wie ein Idiot und Ukemi wie ein Blöder.

Und so etwas soll man aus gesundheitlichen Gründen tun?

#10 Homunculus

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Geschrieben 03 September 2011 - 12:36 Uhr

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 10:11 Uhr:

Und so etwas soll man aus gesundheitlichen Gründen tun?
Der kleine kränkliche Mann hat gut damit gelebt.

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#11 ten-chi

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Geschrieben 03 September 2011 - 13:05 Uhr

Beitrag anzeigenHomunculus sagte am 03 September 2011 - 12:36 Uhr:

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 10:11 Uhr:

Und so etwas soll man aus gesundheitlichen Gründen tun?
Der kleine kränkliche Mann hat gut damit gelebt.

Nun ja, die Periode in der er wie ein blöder Ukemi geübt hat, wird sich wohl auf seine Lernphase beschränkt haben.
Die Trainingsweise die bei Ueshiba üblich war, auf jeden japanischen Haushalt übertragen zu wollen, wäre wohl etwas zuviel verlangt.
Zudem hat das nichts mit Pilgrims Fragestellung zu tun. Zu trainieren wie ein blöder hat noch niemanden wirklich weit gebracht.

Will man durch das Training etwas an seiner Struktur verändern, muss man sich über einige Dinge im Klaren sein. Erstens über die vorhandene Struktur, zweitens darüber was man ändern möchte, und drittens über die dafür geeignete Methode. Wie ein blöder oder wie ein Idiot zu üben, bringt gar nichts.

Aikido als Weg zu üben bedeutet unter anderem, sich jederzeit darüber im Klaren zu sein, was man macht, wie man es macht und warum man es macht. Vertrauen in die Lehrer ist gut und schön, aber ich habe festgestellt, dass die Verantwortung zur Weiterentwicklung bei einem selbst liegt.
Wie ein Idiot drauflos zu semmeln, ändert an vorhandenen Strukturen gar nichts, sie werden dadurch höchstens verfestigt.

#12 Homunculus

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Geschrieben 03 September 2011 - 14:19 Uhr

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 13:05 Uhr:

Nun ja, die Periode in der er wie ein blöder Ukemi geübt hat, wird sich wohl auf seine Lernphase beschränkt haben.
Die Trainingsweise die bei Ueshiba üblich war, auf jeden japanischen Haushalt übertragen zu wollen, wäre wohl etwas zuviel verlangt.
Zudem hat das nichts mit Pilgrims Fragestellung zu tun. Zu trainieren wie ein blöder hat noch niemanden wirklich weit gebracht.

Will man durch das Training etwas an seiner Struktur verändern, muss man sich über einige Dinge im Klaren sein. Erstens über die vorhandene Struktur, zweitens darüber was man ändern möchte, und drittens über die dafür geeignete Methode. Wie ein blöder oder wie ein Idiot zu üben, bringt gar nichts.

Aikido als Weg zu üben bedeutet unter anderem, sich jederzeit darüber im Klaren zu sein, was man macht, wie man es macht und warum man es macht. Vertrauen in die Lehrer ist gut und schön, aber ich habe festgestellt, dass die Verantwortung zur Weiterentwicklung bei einem selbst liegt.
Wie ein Idiot drauflos zu semmeln, ändert an vorhandenen Strukturen gar nichts, sie werden dadurch höchstens verfestigt.
Und was verstehst DU dann als Aikido-spezifisches Konditionieren?
So wie ich das verstehe, betreibst du Goju-Ryu unter anderem deswegen, um mehr über Körpermechanik zu verstehen. Nun wird da aber auch sehr viel Zeit investiert um den Koerper auf die typischen Belastungen (und Leistungen) zu konditionieren.

Wie/wo siehst du das im Aikido?

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#13 ten-chi

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Geschrieben 03 September 2011 - 14:59 Uhr

Beitrag anzeigenHomunculus sagte am 03 September 2011 - 14:19 Uhr:

[Und was verstehst DU dann als Aikido-spezifisches Konditionieren?

Konditionieren ist ein Begriff aus der Verhaltenspsychologie, der hier überhaupt nicht passt.

Das was Pilgrim meint, geht eher in die Richtung "strukturelle Integration". Es gibt spezielle Methoden die sich mit diesem Thema befassen.
Wenn man dies innerhalb der Kampfkünste sucht, wird es schwierig, weil das Training nicht auf dieses Ziel hin ausgereichtet ist.
Der Schlüssel ist bewusste Wahrnehmung, Übungen die in diese Richtung gehen findet man Beispielsweise in der Feldenkraismethode.
Im Aikido sollte es genauso um die Wahrnehmung gehen, mit "Üben wie ein Blöder" geht man genau in die entgegengesetzte Richtung.
Das ist im Goju-ryu Karate nicht anders. Wenn man die Sanchin-Kata übt und sich dabei anstrengt wie ein Ochse, aber die Wahrnehmung für seine Körperstrukutr nicht hat, ist die Mühe umsonst.
Die fehlende Bewusstheit für solche Zusammenhänge ist der Grund, warum manche Leute 30 Jahre üben, aber nichts dabei herauskommt außer das sie schon wieder alt und steif werden, bevor sie jemals ein gewisses Niveau erreichen konnten.
Wer sich schinden will kann auch auf der Baustelle mit Schaufel und Hacke arbeiten, da ist dann kein Unterschied.

Zur körperlichen Ertüchtigung ist das selbstverständlich geeignet,aber das ist ein anderes Thema.

Bearbeitet von ten-chi, 03 September 2011 - 15:05 Uhr.


#14 Homunculus

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Geschrieben 03 September 2011 - 15:16 Uhr

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 14:59 Uhr:

Konditionieren ist ein Begriff aus der Verhaltenspsychologie, der hier überhaupt nicht passt.
Ach nein?
Sollte ein wiederholtes Üben nicht gerade durch Erfolgserlebnisse als positive Verstärker eben den Lerneffekt hervorrufen, der ja angestrebt werden soll? Immerhin geht es hier darum was ins implizite Gedächtnis zu übertragen und das auch moeglichst richtig.

Zitat

Das was Pilgrim meint, geht eher in die Richtung "strukturelle Integration". Es gibt spezielle Methoden die sich mit diesem Thema befassen.
Wenn man dies innerhalb der Kampfkünste sucht, wird es schwierig, weil das Training nicht auf dieses Ziel hin ausgereichtet ist.
Der Schlüssel ist bewusste Wahrnehmung, Übungen die in diese Richtung gehen findet man Beispielsweise in der Feldenkraismethode.
Im Aikido sollte es genauso um die Wahrnehmung gehen, mit "Üben wie ein Blöder" geht man genau in die entgegengesetzte Richtung.
Das ist im Goju-ryu Karate nicht anders. Wenn man die Sanchin-Kata übt und sich dabei anstrengt wie ein Ochse, aber die Wahrnehmung für seine Körperstrukutr nicht hat, ist die Mühe umsonst.
Die fehlende Bewusstheit für solche Zusammenhänge ist der Grund, warum manche Leute 30 Jahre üben, aber nichts dabei herauskommt außer das sie schon wieder alt und steif werden, bevor sie jemals ein gewisses Niveau erreichen konnten.
Wer sich schinden will kann auch auf der Baustelle mit Schaufel und Hacke arbeiten, da ist dann kein Unterschied.

Zur körperlichen Ertüchtigung ist das selbstverständlich geeignet,aber das ist ein anderes Thema.
Nun, so verstehe ich Katas ja auch. Zumindest ist das einer der primären Gründe, wieso man Katas macht, oder nicht?

So war das zu verstehen, was ich meinte. Ich habe nun mal die Erfahrung, dass ich nach einer gewissen Wiederholungszahl genau spüre, wo ich etwas verbessern kann, wenn du verstehst. Bzw. irgendwann macht es klick.

Ich bin freilich nur ein Anfänger und behaupte nicht da so viele Erfahrungswerte zu haben wie ihr. Ich nehme an man lernt ab einem gewissen Punkt wohl doch anders... Oder?

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#15 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 03 September 2011 - 16:32 Uhr

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 14:59 Uhr:

Das was Pilgrim meint, geht eher in die Richtung "strukturelle Integration".
Jetzt hab ich aber grad echt blöd geguckt:
Denn ich bin erst vor kurzem auf diesen Begriff gestoßen, hab ihn aber bewußt vermieden, weil es eben eine eigene Methode ist, die eigentlich keine Überschneidung hat zum aikido. Ich kenne auch SI selber nicht, nehme aber das, was ich im Internet lese, in der Tat als etwas wahr, das dem, worum es mir geht, sehr nahe ist.
Du hast mit deiner Aussage also durchaus recht. Und zwar wohl mehr, als mir bisher selber klar ist.

Zitat

Es gibt spezielle Methoden die sich mit diesem Thema befassen. Wenn man dies innerhalb der Kampfkünste sucht, wird es schwierig, weil das Training nicht auf dieses Ziel hin ausgereichtet ist.
In meinem Fall ist es ja allerdings so, daß ich auf der Suche nach Begriffen und Parallelen zu dem, was ich schon seit einer ganzen Weile versuche zu üben, weil ich das, was ich von Endo kenne, in dieser Weise verstehe und was ich für mich persönlich "inneres aikido" genannt habe, auf den Begriff Struktur und von da auf die Strukturelle Integration gestoßen bin.
Ich vermut im Moment ja, daß es nur die Begrifflichkeiten und die grundlegenden Gedanken sind, die sich da berühren. Jedenfalls habe ich nicht von IS ausgehend bei der KK gesucht. Sonder bin auf der Suche nach Formulierungsmöglichkeiten für das, was ich in der KK erlebe, auf IS gestoßen.

Zitat

Der Schlüssel ist bewusste Wahrnehmung, Übungen die in diese Richtung gehen findet man Beispielsweise in der Feldenkraismethode.
Auch dazu habe ich ja schon gesagt, daß vieles, was dort wichtig ist, offenbar auch im aikido (so wie ich es kenne) angelegt ist.

#16 ten-chi

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Geschrieben 03 September 2011 - 23:29 Uhr

Beitrag anzeigenHomunculus sagte am 03 September 2011 - 15:16 Uhr:

Ach nein?
Sollte ein wiederholtes Üben nicht gerade durch Erfolgserlebnisse als positive Verstärker eben den Lerneffekt hervorrufen, der ja angestrebt werden soll? Immerhin geht es hier darum was ins implizite Gedächtnis zu übertragen und das auch moeglichst richtig.

Bei der Konditionierung geht es aber nicht um Fertigkeiten, sondern um Verhaltensweisen.
In gewisser Weise muss man sich tatsächlich umkonditionieren wenn es zum Beispiel darum geht, nicht zu verkrampfen wenn man festgehalten wird, und ähnliches.
Aber auch das erreicht man nur wenn man sich Dinge bewusst macht und daran arbeitet, nicht durch stumpfes Wiederholen.


Beitrag anzeigenpilgrim sagte am 03 September 2011 - 16:32 Uhr:

Auch dazu habe ich ja schon gesagt, daß vieles, was dort wichtig ist, offenbar auch im aikido (so wie ich es kenne) angelegt ist.

Angelegt, vielleicht.
Aber bei der Umsetzung ist doch häufig etwas anderes zu beobachten, nämlich eher ein Festhalten am Vorhandenen.
Um in die Tiefe zu gehen muss etwas vorhanden sein, was über das erlernen wollen von Techniken hinausgeht.
Ich kenne jemanden der bis vor kurzem noch behauptet hat, im Aikido könne man nichts anderes üben als Technik.

#17 UwMe

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Geschrieben 04 September 2011 - 08:31 Uhr

Beitrag anzeigenpilgrim sagte am 03 September 2011 - 16:32 Uhr:

Jetzt hab ich aber grad echt blöd geguckt:
Denn ich bin erst vor kurzem auf diesen Begriff gestoßen, hab ihn aber bewußt vermieden...
Der Begriff "strukurelle Integration" findet im Leistungssport Anwendung. Dort findest Du körbeweise Literatur. Ein Dr. Rolfer (oder Rolf, habe ich vergessen) hat zur letzten oder vorletzten Olympiade bei einigen Spitzensportlern gute Ergebnisse erzielt. Die Sportler wurden "gerolft" Anstatt dieses komplizierten Begriffes "strukurelle Integration" nannte man das Verfahren schlicht "Rolfing".
Rolfing beim Aikido, ich bin gespannt... :rolleyes:

Bearbeitet von UwMe, 04 September 2011 - 08:32 Uhr.


#18 Homunculus

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Geschrieben 04 September 2011 - 08:53 Uhr

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 23:29 Uhr:

Bei der Konditionierung geht es aber nicht um Fertigkeiten, sondern um Verhaltensweisen.
Natürlich geht es da auch um Fertigkeiten. Fertigkeiten sind Bestandteil vom Verhalten. :mellow: Konditionierung ist genau so Bestandteil vom Lernprozess wie alles andere.
Beim Aikido-Training z.B. sind die Verstärker/Bestrafung lediglich subtiler.
Es geht darum etwas ins implizite Gedächtnis zu brennen. Und die richtige Enkodierung läuft vor allem durch Konditionierung (wenn auch keiner ganz hirnlosen).

Zitat

In gewisser Weise muss man sich tatsächlich umkonditionieren wenn es zum Beispiel darum geht, nicht zu verkrampfen wenn man festgehalten wird, und ähnliches.
Aber auch das erreicht man nur wenn man sich Dinge bewusst macht und daran arbeitet, nicht durch stumpfes Wiederholen.
Gerade eben erst habe ich gesagt, dass die Wiederholung ein Mittel ist um zu lernen.
Klar kann man nicht hirnlos lernen. Immerhin bedarf es einem effizienten Lernprozess auch einer Dreifachkontingens bzw. diskriminativen Hinweisreizen.
Man soll ja bei einem falschen Ukemi => Aua! nicht lernen Ukemi = Schmerz, sondern weitergehend schlussfolgern wie der Schmerz zustande kam, den Schmerz als Bestrafung für die falsche Bewegung sehen und Erfolgserlebnisse als positive Verstärker.


Wie dem auch sei, ich klinke mich aufgrund mangelnder Erfahrung hier mal aus.

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#19 Gastpilgrim_*

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Geschrieben 04 September 2011 - 12:29 Uhr

Beitrag anzeigenUwMe sagte am 04 September 2011 - 08:31 Uhr:

... Anstatt dieses komplizierten Begriffes "strukurelle Integration" nannte man das Verfahren schlicht "Rolfing". Rolfing beim Aikido, ich bin gespannt... :rolleyes:
Grundgütiger! In was bin ich da bloß reingeraten???
Bilde mal 'nen Satz mit "Büchse" und "Pandorra" ...

Im Ernst:
Ich mache seit längerem die Erfahrung, daß es immer wieder Parallelen oder Überschneidungen von aikido und anderen Formen der Körperarbeit gibt. Ob das das Atmen beim Singen betrifft oder die Beckenbodengymnastik im Geburtsvorbereitungskurs oder eben wie oben schon gesagt Methoden, wie z.B. Feldenkrais.
Es gibt halt nur einen menschlichen Körper und wenn man damit intensiv umgeht, wird es doch zwangsläufig Berührungen der unterschiedlichen Wege und Methoden geben müssen?
Die Unterschiede liegen dann aber sicher in den Zielsetzungen, den Rahmenbedingungen des jeweiligen Systems und letztlich wahrscheinlich dann oft genug in den Details oder der konkreten Umsetzung.

Danke für den Hinweis:
Gehört habe ich den Begriff "Rolfing" schon häufiger. Ich habe jetzt gerade nur den ersten Absatz bei wikipedia überflogen. Aber die Parallelen zu dem, was ich als ki Arbeit aus aikido und shiatsu kenne, scheinen auf den ersten Blick ganz erstaunlich.
Und die Betonung der Bedeutung des Bindegewebes im Gegensatz zu Skelett und Muskulatur ist etwas, das in den US-amerikanischen Debatten über Internal Strength, immer wieder begegnet und also in den chinesischen Künsten eine Rolle zu spielen scheint.

Nun ja ...

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 03 September 2011 - 23:29 Uhr:

Aber bei der Umsetzung ist doch häufig etwas anderes zu beobachten, nämlich eher ein Festhalten am Vorhandenen.
Wer setzt was um? Und wer hält an welchem Vorhandenen fest?
Mir ist nicht genau klar, wie du diesen Satz meinst?
(Ich verstehe: Es wir viel ganz nett gedacht und gesucht. Und dann macht man wieder ikkyo genauso wie vorher auch immer schon. Meinst du es so?)

Zitat

Um in die Tiefe zu gehen muss etwas vorhanden sein, was über das erlernen wollen von Techniken hinausgeht.
Ich kenne jemanden der bis vor kurzem noch behauptet hat, im Aikido könne man nichts anderes üben als Technik.
Danke für diesen Einwurf!
Für mich persönlich schließt sich an dieser Stelle ein Kreis.
Ich habe aikido von Beginn an in einer Weise gelernt, daß die Techniken von der Körperstruktur her verstanden und unterichtet werden. Die äußeren Bewegungen sind gewissermaßen der Rahmen. Aber das Eigentliche sind die Stellung der Füße, der Hüften, des Orberkörpers. Haltung, Bewegungen, das, was ich jetzt Struktur nenne und Organisation des Körpers, ist genau das, was ich als Üben der Techniken seit jeher kenne.

Damit gehört zusammen, daß das Verstehen von ki und das Arbeiten daran, so wie ich es kennengelernt habe, immer in Zusammenhang mit der Körperarbeit in den Techniken steht: Die richtige Körperstruktur löst Blockaden und läßt ki fließen. Das stammt z.B. von Christian Tissier und nicht von Ida Rolf. Und ikkyo nikyo sankyo ... funktioniert aufgrund der Körperstruktur. ...

Bei Endo sensei dann - und eben auch bei meinem Lehrer - habe ich ein Üben gefunden, das diese Arbeit an der Körperstruktur noch differenzierter zum Thema hat und sozusagen gegenüber der Technik in den Vordergrund treten läßt. Ich karrikiere mal: Ikkyo "kann man sowieso schon", gearbeitet wird dagegen an der Haltung des kleinen Fingers und deren Auswirkung auf den eigenen Körper. Und fast als Nebeneffekt geht dann ikkyo viel geschmeidiger ... .
Und mit der Betonung des kimochi in Haltung, Bewegung, Kontakt und Technik ganz stark in die eigenen Körperstruktur hinein gerichtet und dann eben auch mit der inneren psychischen Haltung verbunden.
Ich verlinke das Video aus dem anderen thread hier noch einmal, weil's zu passen scheint.

Das Erlernen und Üben der Techniken ist also für sich selbst etwas, das in Tiefe geht. Daher mein Reden von "innerem aikido" (Eine Begrifflichkeit, die für mich nur ein Hilfskonstrukt ist und nicht etwas, das ich etablieren möchte.)

Das reine Nachvollziehen der äußeren Bewegungen, ist aus meiner Sicht nicht eigentlich Üben von aikido.
Daher (@ homunculus) ist nach meinem Verständnis auch nicht die Wiederholung die eigentliche Methode des Lernens. Das Lernen geschieht - nach meinem Verständnis - durch die Introspektion und die Veränderung von Haltung, Verhalten oder innerer Einstellung. Vielleicht hast du es ja auch genau so gemeint?

Bearbeitet von pilgrim, 04 September 2011 - 12:32 Uhr.


#20 ten-chi

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Geschrieben 04 September 2011 - 14:43 Uhr

Beitrag anzeigenpilgrim sagte am 04 September 2011 - 12:29 Uhr:

Gehört habe ich den Begriff "Rolfing" schon häufiger. Ich habe jetzt gerade nur den ersten Absatz bei wikipedia überflogen. Aber die Parallelen zu dem, was ich als ki Arbeit aus aikido und shiatsu kenne, scheinen auf den ersten Blick ganz erstaunlich.

Mir persönlich ist der Rolfing-Ansatz zu mechanisch/manipulativ, es kratzt eigentlich nur an der Oberfläche, eine tiefergehende Strukturänderung wird nicht bewirkt.

Beitrag anzeigenpilgrim sagte am 04 September 2011 - 12:29 Uhr:

(Ich verstehe: Es wir viel ganz nett gedacht und gesucht. Und dann macht man wieder ikkyo genauso wie vorher auch immer schon. Meinst du es so?)

So in etwa. Der Versuch Bewegungen einzuschleifen endet oft damit, dass mitsamt den Bewegungen die vorhandene Strukutur einzementiert wird. Was dabei heraus kommt, ist Mist.

Beitrag anzeigenpilgrim sagte am 04 September 2011 - 12:29 Uhr:

Ich verlinke das Video aus dem anderen thread hier noch einmal, weil's zu passen scheint.

Ich sehe hier ganz einfach ein gereiftes Aikido. Natürlich ist Endo gut "integriert".
Man könnte auch sagen er bewegt sich ganzheitlich, je nach Geschmack.

Beitrag anzeigenpilgrim sagte am 04 September 2011 - 12:29 Uhr:

Das reine Nachvollziehen der äußeren Bewegungen, ist aus meiner Sicht nicht eigentlich Üben von aikido.

Das wird für mich aber impliziert, wenn jemand sagt es ginge im Aikido nur um das Üben von Technik.

Wie du es erkärst, ist es allerdings verständlich, und deckt sich mit meinen eigenen Vorstellungen.
Lustig ist aber dass ein bekannter Aikido-Lehrer in Berlin, über den du mal sagtest dass du mit dem was er unterrichtet nichts anfangen kannst, genau den gleichen Ansatz schon seit jeher verfolgt.
Im Prinzip ist es sogar das Hauptthema seines Unterrichts.




Beitrag anzeigenHomunculus sagte am 04 September 2011 - 08:53 Uhr:

Natürlich geht es da auch um Fertigkeiten. Fertigkeiten sind Bestandteil vom Verhalten. :mellow: Konditionierung ist genau so Bestandteil vom Lernprozess wie alles andere.
Beim Aikido-Training z.B. sind die Verstärker/Bestrafung lediglich subtiler.

Wie gesagt macht es für mich wenig Sinn, Begrifflichkeiten aus der Verhaltensbiologie und Erkenntnisse und Beobachtungen aus Tierversuchen auf das komplexe Üben einer Kampfkunst zu übertragen.