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Im Training zuschlagen kein Problem, aber im wahren Leben!?


29 Antworten in diesem Thema

#1 boisi

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Geschrieben 25 September 2011 - 10:56 Uhr

Hallo zusammen,

ich betreibe seit ca. zwei Jahren Krav Mage einmal wöchentlich. Ist vielleicht zu wenig, aber an dem zweiten Termin in der Woche kann ich aufgrund meiner Arbeitszeiten nie teilnehmen.

Ich finde, dass ich im Training gut zurechtkomme. Technik- und Pratzentraining, aber auch 1:1-Training bereiten mir keine Probleme. Ich kann Schläge, Tritte, Hebel wegstecken, aber auch austeilen.

Jetzt, letztes Wochenende allerdings kam ich in eine Situation, in der ich nie sein wollte. Dazu möchte ich auch gar nicht mehr schreiben!

Da ich in dieser Situation "einfach" nicht zuschlagen oder -treten konnte, obwohl ich es hätte machen müssen, zumindest versuchen müssen. Aber ich war stockesteif. Ich war wie gelähmt. Ich kam mir vor, wie der Sandsack, den ich sonst bearbeite. Ich hatte irgendwie keinen Mumm, mich zu wehren. Ich hatte Hemmungen. Ich hatte auf einmal Angst. Angst davor, dass ich noch schlimmer geschlagen werde, wenn ich mich wehre. Angst davor, dass ich den anderen schlimm oder gar tödlich verletze. So steif, wie ich äußerlich körperlich war, so zittrig war ich innerlich. Ich habe fast hyperventiliert.

Ich komme mir irgendwie total bescheuert vor. Wenn das auch nicht so sein muss, aber jetzt mache ich seit zwei Jahren Krav Maga, wo halt solche "Straßensituationen" nachgestellt werden, und ich komme nicht aus die Hufe und bekomme aufs Maul von jemanden, der offensichtlich einfach nur wild drauflosgeschlagen und -getreten hat und keine SV-Erfahrung hat.

Ich meine, ich bin 185 cm groß, also überdurchschnittlich groß und wiege 95 kg, also nicht gerade leicht! Im Training sind die meisten kleiner als ich! Der Typ jetzt war ein Stückchen größer und wohl auch schwerer als ich.

Jetzt frage ich mich natürlich, ob das damit zuammenhängt!? Hab ich vielleicht Respekt oder gar Angst, vor jemanden, der größer und schwerer ist, als ich?

Sollte ich im Training ganz gezielt mit jemanden trainieren, der größer und schwerer ist, als ich?

Wo kommen auf einmal diese Hemmungen her? Gerade dann, wenn ich sie hätte gebrauchen können, versagen mir die Nerven und Muskeln! :-(

Was können Gründe, Ursachen für solche Hemmungen sein und wie bekämpfe ich diese?

Ich will nicht noch einmal in eine solche Situation kommen! Und schon gar nicht in eine solche Situation kommen, aus der ich als Sieger hervorgehen müsste, aber als Verlierer den Platz räumen muss!

Was sind eure Einschätzungen dazu?

Habt ihr evtl. ähnliche Erfahrungen?

Was habt ihr dagegen oder dafür gemacht?

Welche Tipps, Tricks und Ratschläge könnt ihr mir bitte mit auf den Weg geben?

Vorab herzlichsten Dank.

Gruß

PS: Ich war nicht alkoholisiert! Ich war nüchtern! Also normalerweise Herr meiner Sinne!

#2 Terao

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Geschrieben 25 September 2011 - 13:21 Uhr

Deinen Frust kann ich jedenfalls verstehen. Was sagt denn Dein Lehrer dazu?


Selbst kann ich zum Thema wenig beitragen. Hoffe aber mal, dass auch andere Antworten kommen als "Musst halt länger/häufiger trainieren". Wenn man nach 2 Jahren in einer expliziten SV-KK nichtmal grundlegend handlungsfähig ist, wenn`s ernst wird, scheint mir "mehr vom selben" nicht so die brauchbare Antwort.

Bearbeitet von Terao, 25 September 2011 - 13:28 Uhr.


#3 Lars

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Geschrieben 25 September 2011 - 14:16 Uhr

Man darf sich nichts vormachen, Training und Realität sind eben doch immer 2 Paar Schuhe, und auch wenn das Training realistisch ist und sich der Realität annähert, ist es eben immer nur eine Annäherung. Dass Du Dich mit 185 für überdurchschnittlich groß hälst, wundert mich allerdings etwas ;)

Was die Annäherung angeht: ein Freund von mir meinte, er hätte weniger Skrupel jemanden zu treten als zu schlagen. Darüber habe ich mal vor einiger Zeit nachgedacht. Meiner Einschätzung nach ist man beim Treten eher gewohnt, auch mal ohne Schützer im Sparring oder beim Training zu agieren. D.h. wie sich ein Tritt ohne Schützer anfühlt, weiß man. Wie ist das aber mit Handtechniken? Hier gibt es auch eine Lücke. Macht man Sparring immer nur mit Handschuhen, ist das eine andere Situation. Es fühlt sich ganz anders an, wenn Du einen Menschen mit der blanken Faust ins Gesicht schlägst, diese Erfahrung macht man im Training seltener. Vielleicht hängt es damit auch zusammen? Das ist eben die letzte Differenz zwischen "Realität" und Training. Genaugenommen müsste man mal Sparring ohne Handschuhe und im Vollkontakt machen, um sich wirklich einschätzen zu können. Unser Instruktor hatte sowas auch mal angeregt, aber das ist natürlich nicht ohne und ohne Verletzungen würde sowas auch nicht ablaufen, deshalb fragwürdig, ob es so "realistisch" sein muss.

Mich wundert allerdings, dass Du noch nie mit einem größeren und schwereren trainiert hast, das halte ich für grundlegend im SV Bereich.

Bearbeitet von Lars, 25 September 2011 - 14:19 Uhr.


#4 boisi

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Geschrieben 25 September 2011 - 15:02 Uhr

Den Trainer sehe ich erst im Laufe der nächsten Woche!

Na ja, die Durchschnittsgrößes eines Mannes liegt bei 175 cm. Also bin ich, mit 185 cm, überdurchschnittlich groß! ;-)

#5 Lars

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Geschrieben 25 September 2011 - 15:34 Uhr

Du kennst komische Männer ;)

Mich würde mal interessieren, was Dein Trainer zum geschilderten Problem sagt.

#6 Luggage

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Geschrieben 25 September 2011 - 16:31 Uhr

Für mich klingt das nicht nach einer Schlaghemmung sozialer Art, sondern schlicht Schiss. Kann jeden treffen, weiß man vorher nicht. Vermutlich hilft aber die jetzige Erfahrung bei einem möglichen nächsten Mal. Ich glaube nicht, dass man das trainieren kann, außer man sucht gezielt Stress auf der Straße... Man kann es damit versuchen, sich immer wieder die Situation zu visualisieren, sich mögliche Aktionen vorzustellen und durchzuspielen, sich sozusagen ein Bisschen in Rage denken und versuchen dieses Gefühl fürs nächste Mal bekannt und abrufbar zu machen.

Macht ihr Sparring im Training? Also nach verschiedenen Modi auf die Mütze hauen? Sowas kann auch helfen, mehr Vertrauen in die eigene Power zu bekommen, indem man mal sieht, wie die Schläge und Tritte wirken. Mir gings allerdings immer so, dass Mut und Zuversicht an den dicken Handschuhen hingen, die ich aus dem Thaiboxen gewohnt war, mit dünneren Handschuhen hatte ich auf einmal Schiss. Daran muss man sich erstmal gewöhnen, am besten sparrt man mit unterschiedlichen Schutzausrüstungen. Mit lockeren Kontakt und kontrolliert, mit Leuten, denen man vertraut kann man auch ganz ohne arbeiten, bringt eine Menge, finde ich. Ob man psychisch im Ernstfall einbricht, oder nicht, wird das aber auch kaum ändern können...

#7 Holgi77

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Geschrieben 25 September 2011 - 18:40 Uhr

Also boisi, zuerstmal hoffe ich dass es dir gut geht und du keine ernsthaften Verletzungen davon getragen hast.

Zuallererst ist der Modus "Kampf" eine 1. Einstellungssache, danach eine 2. Willenssache und erst dann eine 3. Frage der Ausbildung.

1. Die Frage der grundsätzlichen Einstellung kannst nur du dir selbst beantworten. Bist du fähig und willens Entscheidungen zu treffen und die jeweiligen Konsequenzen zu akzeptieren? Ist dir Konfrontation oder Ausweichen anerzogen worden? Wo ist deine persönliche Grenze wenn es um das Ertragen von Repressalien geht? Übrigens strahlt man diese Einstellung unbewusst nach aussen hin ab!

2.Willst du dich selbst, deine Werte, deine Lieben usw verteidigen, zur Not auch körperlich? Warum willst du das System KM lernen bzw überhaupt ein Nahkampfsystem?

3.Die Ausbildung jedweden Nahkampfsystems steht oder fällt im scharfen Einsatz mit der Trainingsmethodik. Beispiel: Im Karate kannst du ein Weltklasse-Kumitekämpfer sein, aber bei einer Kneipenschlägerei gehst du hoffnungslos unter. Werden oft Partnerkämpfe durchgeführt und wenn ja, mit Kontakt (Ich meine Aua-Kontakt ("Blutige Nase, wenn Pech dann auch mal KO")) oder mit sechzig Schonern/Weste/Ritterrüstung? Werden Techniken erlernt die auch realitätsnah sind und nicht nur bei abgesprochenen Übungen funktionieren? wWerden Techniken beidseitig trainiert?

Das Problem was du hattest kommt sehr viel Häufiger vor als du denkst. Nich nur bei Kampfkünstlern sondern bei allen Berufsformen wo Körperliche Gewalt mitspielt, vom Bodygard über den Türsteher bis zum Soldaten.

Wir sind die körperliche Konfrontation einfach nicht mehr gewöhnt. Auf Deutsch: Anstatt eine Schlägerei entgegen zu treten wählen wir lieber "Kurzwahl-Rechtsanwalt". Ist natürlich gesünder und zivilisierter, aber der "Killerinstinkt" weicht einer "Schockstarre" (von dir ja beschrieben).

Mach dir also keinen Stress. Lerne daraus, lasse deine Erfahrung in dein Training einfliessen und bedenke immer, auch die besten Kämpfer haben mit blauen Augen angefangen.
“Der Krieg schärft in uns die Sinne, schult unseren Verstand, vervollkommnet unsere körperliche Konstitution und bringt dem Mann dazu,

sich von jetzt auf gleich als Mann mit dem Manne zu messen."”

Ralph Waldo Emerson

#8 k.-g.beck-ewerhardy

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Geschrieben 25 September 2011 - 19:55 Uhr

Untersuchungen im Zweiten Weltkrieg hatten ergeben, dass Soldaten oft bewusst daneben schießen oder aber auch Scharmützeln ausweichen, wenn es geht - was unter anderem dazu geführt hat, dass man in einigen Waffengruppen das Training aggressiver und gefährlicher gestaltet hat. Mit einem gewissen Erfolg. Erhöhung des Zuckerhaushaltes vor einem Gefecht und bestimmte Stimulanzien wurden dann gerne eingesetzt um die Angst zu reduzieren und die "Bisshemmung" aufzuheben. Es macht einen Unterschied, ob ich mit im Sparring mit Safeties einen Kumpel haue oder im Ernstfall mit bloßen Fäusten Knochen auf Knochen gehe. Das weiß der Körper und er versucht dann oft unnötige Verletzungen zu vermeiden. Das ist ziemlich normal - und meist auch gesund.

Analysiere die gegebene Situation für Dich selbst und mit Hilfe von kompetenten Zuhörerinnen und Zuhörern so genau wie möglich, überlege, ob Kampf im gegebenen Fall wirklich eine vernünftige Option gewesen ist und spiele für Dich selbst verschiedene Alternativszenairen innerlich durch. Denn es ist sicherlich wichtig, eine solche Erfahrung ruhig zu verarbeiten um sie für spätere Situationen Nutzbar zu machen.

Angst ist ein guter Freund in manchen Momenten und vielleicht hatte Deine Angst ja Recht, als sie meinte, Du könntest noch schlimmer die Hucke voll bekommen. Meditationstechniken können einen lehren, seine eigene Angst wahrzunehmen, schnell zu analysieren und trotzdem - und mit ihrer Unterstützung - handlungsfähig zu sein. Das wäre sicherlich eine ganz gute Möglichkeit. Abgesehen davon sind nur wenige Menschen mit einem durchschnittlichen SV-Training nach zwei Jahren unbedingt in der Lage gegen einen geübten Straßenschläger zu bestehen. Da ist eine gewisse Zurückhaltung eventuell wirklich die klügere Variante.

Wer hat Dir eigentlich erzählt, Du müsstest aus so einer Situation als Sieger hervor gehen? Oder dass Du dies im Kampffall getan hättest? Hier solltest Du Deine persönlichen Glaubenssätze vielleicht mal näher unter die Lupe nehmen - wozu oben genannte Gespräche und Meditation gut beitragen können.

So, ich hoffe, dass hat Dir geholfen und wünsche Dir ein friedvolles Leben. Denke dabei auch an Sunzi: "Bai zhan Bai sheng, fei shan zhi san zhe ye: bu zhan er qu ren zhi bing, shan zhi shan zhe ye: [etwa] In allen Schlachten zu siegen ist nicht die größte Leistung; die größte Leistung ist, den Widerstand des Feindes ohne Kampf zu brechen, zu siegen, ohne zu kämpfen." ;)

#9 Carsten San

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Geschrieben 25 September 2011 - 20:41 Uhr

Beitrag anzeigenk.-g.beck-ewerhardy sagte am 25 September 2011 - 19:55 Uhr:

Untersuchungen im Zweiten Weltkrieg hatten ergeben, dass Soldaten oft bewusst daneben schießen oder aber auch Scharmützeln ausweichen, wenn es geht
Ähnlich auch die Funde bei den alten Kriegsschauplätzen, bei denen noch mit Musketen geschossen wurde. Da dauert das Laden ja eine halbe Ewigkeit. Die Mehrzahl der Musketen, welche man dort findet, sind jedoch anscheinend noch geladen. So "locker flockig" wie es uns Hollywood zeigt, scheint das wohl nicht von der Hand gegangen zu sein.

Ein realitätsnahes Training simuliert ja nur die technische Komponente. Aber alles andere lässt sich im Training ja schwer nachstellen.
Stan Schmidt (Karateka) und sicherlich noch ein paar andere sind die Sache ja so angegangen: Der hat sich einfach mal eben z.B. mit ein paar Judokas angelegt, hat sich von denen verhauen lassen und hat sich danach dann für die Lektion bedankt. Vor ein paar Jahren war er mal wieder in Deutschland auf einem DJKB-Gasshuku. Da hat er dann unter anderem gezeigt, wie man den Techniken eines Judokas entrinnen kann :lol:

#10 Den

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Geschrieben 26 September 2011 - 13:25 Uhr

Beitrag anzeigenboisi sagte am 25 September 2011 - 10:56 Uhr:

Hallo zusammen,

ich betreibe seit ca. zwei Jahren Krav Mage einmal wöchentlich. Ist vielleicht zu wenig, aber an dem zweiten Termin in der Woche kann ich aufgrund meiner Arbeitszeiten nie teilnehmen.

Ich finde, dass ich im Training gut zurechtkomme. Technik- und Pratzentraining, aber auch 1:1-Training bereiten mir keine Probleme. Ich kann Schläge, Tritte, Hebel wegstecken, aber auch austeilen.

Jetzt, letztes Wochenende allerdings kam ich in eine Situation, in der ich nie sein wollte. Dazu möchte ich auch gar nicht mehr schreiben!

Da ich in dieser Situation "einfach" nicht zuschlagen oder -treten konnte, obwohl ich es hätte machen müssen, zumindest versuchen müssen. Aber ich war stockesteif. Ich war wie gelähmt. Ich kam mir vor, wie der Sandsack, den ich sonst bearbeite. Ich hatte irgendwie keinen Mumm, mich zu wehren. Ich hatte Hemmungen. Ich hatte auf einmal Angst. Angst davor, dass ich noch schlimmer geschlagen werde, wenn ich mich wehre. Angst davor, dass ich den anderen schlimm oder gar tödlich verletze. So steif, wie ich äußerlich körperlich war, so zittrig war ich innerlich. Ich habe fast hyperventiliert.

Ich komme mir irgendwie total bescheuert vor. Wenn das auch nicht so sein muss, aber jetzt mache ich seit zwei Jahren Krav Maga, wo halt solche "Straßensituationen" nachgestellt werden, und ich komme nicht aus die Hufe und bekomme aufs Maul von jemanden, der offensichtlich einfach nur wild drauflosgeschlagen und -getreten hat und keine SV-Erfahrung hat.

Ich meine, ich bin 185 cm groß, also überdurchschnittlich groß und wiege 95 kg, also nicht gerade leicht! Im Training sind die meisten kleiner als ich! Der Typ jetzt war ein Stückchen größer und wohl auch schwerer als ich.

Jetzt frage ich mich natürlich, ob das damit zuammenhängt!? Hab ich vielleicht Respekt oder gar Angst, vor jemanden, der größer und schwerer ist, als ich?

Sollte ich im Training ganz gezielt mit jemanden trainieren, der größer und schwerer ist, als ich?

Wo kommen auf einmal diese Hemmungen her? Gerade dann, wenn ich sie hätte gebrauchen können, versagen mir die Nerven und Muskeln! :-(

Was können Gründe, Ursachen für solche Hemmungen sein und wie bekämpfe ich diese?

Ich will nicht noch einmal in eine solche Situation kommen! Und schon gar nicht in eine solche Situation kommen, aus der ich als Sieger hervorgehen müsste, aber als Verlierer den Platz räumen muss!

Was sind eure Einschätzungen dazu?

Habt ihr evtl. ähnliche Erfahrungen?

Was habt ihr dagegen oder dafür gemacht?

Welche Tipps, Tricks und Ratschläge könnt ihr mir bitte mit auf den Weg geben?

Vorab herzlichsten Dank.

Gruß

PS: Ich war nicht alkoholisiert! Ich war nüchtern! Also normalerweise Herr meiner Sinne!
Hallo boisi,

hier einige Gedanken auf die Schnelle:


Zunächst einmal: Diese Situation hat fast jeder von uns schon erlebt... Angst vorm Gegner, Angst vor der Wirkung eigener Aktionen... wenn Du nach zwei Jahren zum ersten Mal mit diesem Gefühl konfrontiert wirst, hat es bei Dir nur länger gedauert als bei den meisten, was verschiedenen Ursachen haben mag.

Du mutmaßt selber, dass es mit Deiner (in Deiner Trainingsgruppe ansonsten) körperlichen Überlegenheit zu tun haben könne... und jetzt biste halt auf jemand Neues gestoßen, der größer und schwerer ist und dazu auch noch kämpft/sparrt ohne sich an bekannte Muster zu halten, für Dich also unberechenbar ist. Unberechenbar in seiner Wirkung - aber ebenso unberechenbar in seinen 'Nehmerqualitäten' UND unberechenbar als Mensch (also v.a. wie er auf Gegenwehr/Aktionen Deinerseits reagiert).

Mich interessiert, was Dein Trainer in der Situation tat. Immerhin hat er Dir (als Fortgeschrittenen) offenbar einen Auftrag erteilt: Du solltest einen Neuling einen (härteren?) Sparring ermöglichen, ihn an seine Grenzen führen... und das auch noch ohne den Mann zu verletzen. Diesen Auftrag konntest Du an diesem Neuling aus der Hölle nicht erfüllen, warst/bist noch nicht so weit für solche Leute. Schäm Dich nicht dafür!!! Das ist eine der schwersten Dinge in den KK!!!

Ich würde von einem Trainer erwarten, dass er solche Situationen im Auge behält und seine SchülerInnen schützt (BEIDE!)... in diesem Fall z.B. die Übung (den Sparring) neu formuliert - neue Aufgabenstellung, einen Gang zurück... und Dir damit die Möglichkeit gibt, Dich an den Neuen zu gewöhnen (und zu erkennen, dass auch der nur im Rahmen seiner Möglichkeiten bleiben kann... die rein technisch nach dem Gelesenen ja nicht besonders vielfältig sein dürften... was allerdings nicht bedeutet, dass der Mann nix kann; zumindest scheint er ja recht unbeschwert von Hemmungen etc. zu sein). Sollte der Neue tatsächlich soviel kämpferische Fähigkeit mitbringen, dass Du nach 2 Jahren KM dem nicht gewachsen bist - so ist auch das nicht zwangsläufig ein Zeichen für verschwendete Trainingszeit. Da draußen laufen ja durchaus Leute rum, die auch ohne KK Hintergrund Dinge mitbringen für die viele von uns jahrelang trainieren müssen... Solche Leute in der eigenen Trainingsgruppe zu haben kann ein Fluch oder ein Segen sein. Aufgabe des Trainers wird es sein, diesen Mann in das Training für alle gewinnbringend einzubinden... ohne ihn dabei zu 'kastrieren'.

Vielleicht sollte sich sogar der Trainer selbst (so er nicht altersmäßig jenseits von Gut und Böse ist oder körperlich einfach zu extrem unterlegen, denn entgegen aller Mythen braucht es zum Kämpfen einen Körper) dieses Neulings annehmen... das ist ja gerade eine der größten Schwierigkeiten/Herausforderungen des Trainerjobs: Neulinge aus der Hölle! (Der Trainer hat nämlich einen Ruf zu verteidigen)... wie gesagt: Schämen musst Du Dich nicht! Die Situation mit einem unberechenbaren kampfstarken Neuling (verantwortungsbewusst) zu sparren ist eine der größten Herausforderungen überhaupt!

Parallel zu diesem Thread haben wir das Thema "Vollkontakt-Sparring von Anfang an" übrigens gerade am Wickel!!!
http://www.kampfkuns...showtopic=45748
Ich finde das Konzept, einen Fortgeschrittenen mit Anfängern verantwortungsbewusst Vollkontakt sparren zu lassen, interessant. Hier sieht man EINES der möglichen Risiken. Allerdings lässt sich daraus auch ein (Erkenntnis)gewinn erzielen. Der betrifft die Fähigkeiten/mentale Stabilität des mit dem Sparring beauftragten Fortgeschrittenen.

Gruß
Augen auf!

#11 Den

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Geschrieben 26 September 2011 - 14:11 Uhr

Nachtrag: Mit 1x die Woche Training sind auch nach 2 Jahren für einen (geistig) ansonsten im bürgerlichen Denken befindlichen Menschen keine Wunder zu erwarten, speziell was den mentalen Aspekt von (körperlichen) Kampf/Gewalt betrifft und die dazu bezogene Stellung.
Augen auf!

#12 k.-g.beck-ewerhardy

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Geschrieben 26 September 2011 - 17:03 Uhr

:confused: DEN:

Zitat

Mich interessiert, was Dein Trainer in der Situation tat. Immerhin hat er Dir (als Fortgeschrittenen) offenbar einen Auftrag erteilt: Du solltest einen Neuling einen (härteren?) Sparring ermöglichen, ihn an seine Grenzen führen... und das auch noch ohne den Mann zu verletzen. Diesen Auftrag konntest Du an diesem Neuling aus der Hölle nicht erfüllen, warst/bist noch nicht so weit für solche Leute. Schäm Dich nicht dafür!!! Das ist eine der schwersten Dinge in den KK!!!

Entschuldigung, aber worauf bezieht sich das? Ich meine, er redete von einem Wochenenderlebnis und wies extra darauf hin, dass er nicht alkoholosiert gewesen ist. Wie kommst Du auf die Idee, dass er da mit jemand größerem sparren sollte? Trinkt er beim Sparren?

Bearbeitet von k.-g.beck-ewerhardy, 26 September 2011 - 17:04 Uhr.


#13 Den

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Geschrieben 26 September 2011 - 18:33 Uhr

Oh verdammt... ich habe das als Trainingserlebnis gelesen... keine Ahnung, wie ich darauf kam, selbst dewr Threadtitel sagt es doch schon. (vielleicht wegen der Sache mit der Körpergröße; denn hier im Norden sind 1,85 m eigentlich normal und 95 kg auch net gerade ungewöhnlich... oder weil ich selber gerade viel sparre).

DANKE für den Hinweis und SORRY!!

-_-


Bearbeitet von Den, 26 September 2011 - 18:39 Uhr.

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#14 pugilism

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Geschrieben 27 September 2011 - 07:32 Uhr

An den Fredsteller:

Nicht falsch verstehen, aber ich finde es schön dass dies gerade jemandem passiert, welcher ein System betreibt, welches sich das Prädikat SV auf die Flagge schreibt :)

Dies bestätigt die Wolfs-Schaftheorie, welche ich vertrete, sehr gut.

Auch diesen Spruch finde ich sehr treffend, der ist übrigens von mir:): SV ist die Fähigkeit seinem Gegenüber volle Kanne die Faust in die Fresse zu rammen.

Denoch es gibt auch für Schafe Hoffnung :D

Du hast dir Angriffstechniken antrainiert welche sehr effizient sind, bist aber im Kopf nicht bereit diese anzuwenden. Am besten gehst du das Szenario im Kopf nochmals durch welches du erlebt hast bis zu dem Punkt wo Worte keinen Sinn mehr machten. Und da hättest du zuschlagen sollen. Stell dir vor wie du den Idioten kaput machst! Mach es besser das nächste Mal!

Ich habe mir ein Schema zurechtgelegt welches Normalos wie dir und mir helfen helfen eine Lage schnell und einfach zu beurteilen und dich nicht einschüchtern zu lassen, das war dein Problem, !Du wurdest durch deine Angst kampfunfähig!

Dieses Schema geht nur für Normalos welche provoziert werden, nicht für Arschlöcher die provozieren !

3 Punkteschema
Barsituation:
Du gehst in eine Bar und wie man das halt so machst checkst du deine Umgebung. Dein Blick kreuzt sich kurz mit einem Fremden Mann.
Eine Viertelstunde später kommt der freundliche Herr zu dir herüber und lässt sein Sprüchlein los: Dies kann vieles sein! Warum hast du mich vorher so angeguckt? Hast du ein Problem? .. Das kann weitergehen mit: Bist du Schwul oder was?- Nein... Gefalle ich dir etwa nicht? :) All diese Sprüche und viele mehr haben nur einen Zweck: Sie sind da um dich einzuschüchtern und abzuchecken. Bei dir war es wohl so dass es geklappt hat..

Zum Schema welches in deinem Kopf inert Sekunden ablaufen kann und muss!:

Punkt 1: Ist es ein Missverständnis?

Kennst du den Typen, hast du etwas falsch gemacht, kannst du dich entschuldigen? Kann man darüber reden?
Normalerweise, wenn du ein Normalo bist, ist keiner der Punkte richtig und du hast ein primitives ###### vor dir, dass Streit will!
Diese Erkenntnis ist psychologisch wichtig für die nächsten Schritte, weil diese evtl. mit legitimer Gewaltanwendung enden!

Punkt2: Kann oder will ich weg?

Unter Umständen bei einer Gruppe ist weggehen überlebenswichtig. Gehen wir aber von einem ###### aus, stellt sich die Frage ob du gehen willst?
Ja, dir ist es die Schlägerei nicht wert: Gehe!
Nein, der Idiot hat es verdient, die Situation lässt es gar nicht zu (Vielleicht ist deine Familie, Freundin anwesend, müssen geschützt werden!! Oder du bist schon eingekesselt!) = > Punkt 3

Punkt 3: Verpiss dich!

Sage deinem Gegenüber im ganz bestimmten Ton mit einer subtilen Vorkampfstellung, dass er dich unverzüglich in Ruhe lassen soll!
Er geht: Wunderbar, aber beobachte ihn weiter und pass beim verlassen des Lokals auf, Feiglinge warten gerne in dunklen Ecken!!!
Er geht nicht: Hau ihm eine rein! Fange an zu schreien! Lass mich in Ruhe! sonst mache ich dich ganz kaput! Denk dir was aus! Schreie und schlage bis sein Kampfwille gebrochen ist! Hör aber auf wenn er am Boden liegt, wir sind doch keine U-Bahnschläger ;)
Auch dann ist Vorsicht geboten in der Nahkampfphase!

Gehe dieses Schema im Kopf ein paar mal durch und lasse dich gar nicht auf Diskussionen ein! Umso mehr der Gegner dir drohen kann, umso grösser ist die Chance dass du eingeschüchtert wirst!

Mache es besser das nächste Mal

Gruss Pugie

Bearbeitet von pugilism, 27 September 2011 - 07:36 Uhr.

- Seinen Kampfstil gegen einen unkooperativen Gegner in einem freundlichen Sparring mal zu testen ist wohl das Mindeste bevor man grosse Reden über dessen Tauglichkeit schwingt.....
- Klassische KK-Attacken:

Stop and freeze Attack: Aus zwei Meter Entfernung wird ein Faustschlag gestartet und die Technik wird durchgezogen komme was wolle, abrupt wird die Bewegung mit ausgestrecktem Arm gestoppt und der grosse Sifu/Sensei kann eine im Minimum, 10 Fachcombofaustattacke demonstrieren. Zweitangriffe sind nicht möglich weil das Chi des Meisters dies verhindert.

Rhino Attack: Aus zwei Meter Entfernung, vielleicht sogar noch mehr, Ausgangsposition im besten Fall noch kniend am Boden, rennt der Angreifer auf sein Ziel los. Der Faustarm bleibt während der ganzen Bewegung gestreckt und man rennt unbeirrt weiter. Sollte sich das Ziel zur Seite bewegen, so rennt man weiter am Ziel vorbei. Sollte das Ziel Kontakt mit dem Angriffsarm aufnehmen so lässt man sich willenlos in ein Wurf oder Hebeltechnik führen. Zweitangriffe sind auch während dieser Bewegung unmöglich wegen einer KI-Blockade welche sich durch das eigene Momentum ergiebt.

Die Wichtigste Regel überhaupt in den klassischen KK's: Wenn wir alle gaaaaaaanz fest daran glauben, dann funktioniert es auch......

#15 Lars

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Geschrieben 27 September 2011 - 10:18 Uhr

Beitrag anzeigenpugilism sagte am 27 September 2011 - 07:32 Uhr:


Dies bestätigt die Wolfs-Schaftheorie, welche ich vertrete, sehr gut.
(...)
Mache es besser das nächste Mal

Was denn nun? ;)

#16 pugilism

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Geschrieben 27 September 2011 - 10:25 Uhr

Nunja es giebt ja noch das Schafsböcke :D

Bearbeitet von pugilism, 27 September 2011 - 10:25 Uhr.

- Seinen Kampfstil gegen einen unkooperativen Gegner in einem freundlichen Sparring mal zu testen ist wohl das Mindeste bevor man grosse Reden über dessen Tauglichkeit schwingt.....
- Klassische KK-Attacken:

Stop and freeze Attack: Aus zwei Meter Entfernung wird ein Faustschlag gestartet und die Technik wird durchgezogen komme was wolle, abrupt wird die Bewegung mit ausgestrecktem Arm gestoppt und der grosse Sifu/Sensei kann eine im Minimum, 10 Fachcombofaustattacke demonstrieren. Zweitangriffe sind nicht möglich weil das Chi des Meisters dies verhindert.

Rhino Attack: Aus zwei Meter Entfernung, vielleicht sogar noch mehr, Ausgangsposition im besten Fall noch kniend am Boden, rennt der Angreifer auf sein Ziel los. Der Faustarm bleibt während der ganzen Bewegung gestreckt und man rennt unbeirrt weiter. Sollte sich das Ziel zur Seite bewegen, so rennt man weiter am Ziel vorbei. Sollte das Ziel Kontakt mit dem Angriffsarm aufnehmen so lässt man sich willenlos in ein Wurf oder Hebeltechnik führen. Zweitangriffe sind auch während dieser Bewegung unmöglich wegen einer KI-Blockade welche sich durch das eigene Momentum ergiebt.

Die Wichtigste Regel überhaupt in den klassischen KK's: Wenn wir alle gaaaaaaanz fest daran glauben, dann funktioniert es auch......

#17 Carsten San

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Geschrieben 27 September 2011 - 11:42 Uhr

Oder die Wölfe im Schafspelz! :lol:
Betrifft solche Stöpsel wie mich, die dann vielleicht zu Beginn noch ein gewisses Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben.

#18 ten-chi

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Geschrieben 27 September 2011 - 11:56 Uhr

Auch beim Üben eines SV-Systems wie Krav Maga ist es doch so: Man geht ein bis zweimal die Woche zum Training und übt unter netten Menschen, die einem nichts böses wollen. Irgendwann ist es die gewohnte Gruppe und Umgebung, und man wird psychisch nicht mehr gefordert. Wenn man die Situationen nur aus dem Training kennt, nie in der Realität wirklich Aggressionen oder Gewalt ausgesetzt war, dann ist das halt schwierig und man ist überfordert. Völlig normal eigentlich.
Mehr trainieren als einmal die Woche halte ich für unbedingt notwendig, muss ja nicht Krav Maga sein.

#19 Den

    Stammgast

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Geschrieben 27 September 2011 - 12:33 Uhr

... vergesst die Ratten nicht!












und die Murmeltiere...












und dann soll es sogar ab und an Menschen geben. Die haben so eine angeborene Eigenart: Sie denken sich etwas bei dem was sie tun!
Augen auf!

#20 Lars

    Stammgast

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Geschrieben 27 September 2011 - 23:02 Uhr

Beitrag anzeigenten-chi sagte am 27 September 2011 - 11:56 Uhr:

Auch beim Üben eines SV-Systems wie Krav Maga ist es doch so: Man geht ein bis zweimal die Woche zum Training und übt unter netten Menschen, die einem nichts böses wollen. Irgendwann ist es die gewohnte Gruppe und Umgebung, und man wird psychisch nicht mehr gefordert. Wenn man die Situationen nur aus dem Training kennt, nie in der Realität wirklich Aggressionen oder Gewalt ausgesetzt war, dann ist das halt schwierig und man ist überfordert. Völlig normal eigentlich.

die Argumentation klingt zwar rund, aber wie funktionieren Deiner Meinung nach VK-Wettkämpfe ? Da müssten ja dann auch beide Kontrahenten völlig überfordert sein.