Hidden in plain sight - hats jemand gelesen?
#1 Gastpilgrim_*
Geschrieben 17 Oktober 2011 - 09:53 Uhr
ich habe gestern "Hidden in plain sight" von Ellis Amdur geschenkt bekommen. Hab schon viel drüber gehört und bin ziemlich gespannt drauf.
Kennt's jemand?
(oje: Es geht im Groben um das "innere" aiki. Wo Ueshiba es gelernt hat, warum es bei den meisten Lehrern heute kaum mehr vorkommt, usw. ...)
#3
Geschrieben 17 Oktober 2011 - 13:58 Uhr
pilgrim sagte am 17 Oktober 2011 - 09:53 Uhr:
ich habe gestern "Hidden in plain sight" von Ellis Amdur geschenkt bekommen. Hab schon viel drüber gehört und bin ziemlich gespannt drauf.
Kennt's jemand?
(oje: Es geht im Groben um das "innere" aiki. Wo Ueshiba es gelernt hat, warum es bei den meisten Lehrern heute kaum mehr vorkommt, usw. ...)
danke
Oli
一刀即ち万刀
#4
Geschrieben 17 Oktober 2011 - 15:30 Uhr
OliKa sagte am 17 Oktober 2011 - 13:58 Uhr:
danke
Oli
Review: http://blog.aikidojo...-clark-bateman/
auch interessant: http://www.e-budo.co...ead.php?t=44026
(Forumsthreat von Ellis Amdur)
sorry, die Seite ist edgework.info
Bearbeitet von North by Northwest, 18 Oktober 2011 - 08:59 Uhr.
#5 Gastpilgrim_*
Geschrieben 18 Oktober 2011 - 08:35 Uhr
Was die chinesische Connection angeht:
Ich habe bisher immer nur Diskussionen darüber mitbekommen, ob Ueshiba während seiner Zeit in der Monogolei oder Mandschurei etwas mitgebracht hat. Und das läßt sich - m.E. - klar verneinen.
Was ich jetzt gerade zum erstenmal wahrnehme, ist der der konkrete Einfluß Chinas in Japan. So z.B. dsa Auftauchen eines konkreten chinesischen Lehrers in bestimmten Schriften und die Frage, ob und welchen Einfluß er auf das Kito ryu hatte. Dargestellt wird das sehr differenziert und auch durchaus kontroverst.
Klasse!
#6 Gastpilgrim_*
Geschrieben 20 Oktober 2011 - 08:27 Uhr
Es geht dort wenig um "hara". Sondern wenn so etwas wie Zentrum gemeint ist, wird das als "tanden" bzw. "seika tanden". Bezeichnet.
Mir ist bisher (bin auch noch nicht sehr weit) nicht klar, ob das eine bewußte Differenzierung ist, ob einfach der Sprachgebrauch übernommen wird, der in den koryu vielleich üblicher ist oder ob es an der "Chinese Connection" liegt.
Dann: Ja, es werden vor allem Folgerungen von Amdur geboten.
Das allerdings immer auf einer äußerst fundierten Basis historischer Forschung. Es gibt ja die Kommentare von Peter Goldsbury und auch unterschiedliche Diskussionen in Foren, die seine Darstellung und seine Wertung der Fakten aufdröseln.
D.h. selbst da, wo man seine Folgerungen (oder auch seinen Zynismus) nicht hundretprozentig teilt, hat man immer noch sehr viel gelernt.
So ist für mich z.B. gerade das Kapitel über die Geschichte des Daito ryu, in der ich mich ganz gut auszukennen meinte, überaus erhellend.
Eine Schwierigkeit gibt es vielleicht für LeseInnen, die mit der grundsätzlichen Debatte, auf die dieses Buch überhaupt reagiert, nicht vertraut sind. Amdur setzt schlicht voraus, daß einem die Frage nach dem Verständnis von dem aiki Ueshibas im Sinne von Internal Strength (Gibt's da eigentlich eine deutsche Begrifflichkeit?) vertraut ist. Wenn das der Fall ist, liest sich bereits das Vorwort mit Gewinn. Wenn man von dieser Debatte aber gar nichts weiß, dann ist einem wahrscheinlich gar nicht klar, auf welche Fragen Amdur hier so vehement Antworten sucht und gibt.
Bearbeitet von pilgrim, 20 Oktober 2011 - 08:27 Uhr.
#7 Gastpilgrim_*
Geschrieben 22 Oktober 2011 - 12:52 Uhr
Die Geschichte des Daito ryu beginnt mit Takeda Sokaku. Amdur pflückt die klassische Darstellung der Geschichte des Daito ryu, das ja sogar als koryu anerkannt ist, gründlich auseinander, indem er zeigt, daß die allgemein angenommenen überlieferungsstränge - seinen Erkenntnissen nach - so nicht exisitiert haben können. Gleichzeitig zeigt er Verbindungen zu den Schulen, die Verbindungen mit chinesischen Lehrern hatten.
Und er diagnostiziert - aus der Erfahrung seiner Arbeit heraus - bei Takeda Sokaku ADHS und PTSD. D.h. er ist der Ansicht, daß die Erlebnisse Sokakus in seiner Kindheit und Jugend zu diesen Störungen geführt haben müss(t)en und ordnet dem die Symptome im Verhalten des Erwachsenen zu.
Die Wurzel der Arbeit mit aiki "verschiebt" sich dadurch gewissermaßen: Nicht mehr die in Aizu geübten Künste wären demnach Träger dieser Fäghigkeiten gewesen, sondern die ryu, die Verbindungen mit chinesischen Lehrern hatten: Kito ryu, Tenjin shinyo ryu und Yoshin ryu.
Das ist deshalb aus meiner Sicht sehr spannend, weil es ja tatsächlich keine stichhaltigen Belege für eine Takeda ryu vor Sokaku gibt. Außer der Geschichtsschreibung des Daito ryu selber. Und weil die enge Verwandtsschaft zwischen Aikido, Kito ryu und Tenjin shinyo ryu seit jeher immer wieder diskutiert wird. Zumal Ueshiba sie ebenfalls geübt hat. Wie Yoshin ryu da hineinpaßt, ist mir bis jetzt nicht ganz klar.
#8 Gastpilgrim_*
Geschrieben 24 Oktober 2011 - 13:31 Uhr
Ja, schon. Aber aus keiner, die uns geläufig wäre, da Takeda Sokaku das Schwert wohl vor allem einhändig geführt und mit zwei Schwertern gekämpft hat hat ...
Insgesamt sauspannend:
Fast alle historischen Lücken, auf die man stößt, wenn man sich mit der Geschichte des aikido beschäftigt, finden plausible - wenn auch sehr "fremde" - Erklärungen.
Amdur kann zeigen, wie es war. Es war allerdings komplett anders als bisher meist vermutet.
... wenn Amdur Recht hat ...
Bearbeitet von pilgrim, 24 Oktober 2011 - 13:43 Uhr.
#9
Geschrieben 25 Oktober 2011 - 10:01 Uhr
pilgrim sagte am 24 Oktober 2011 - 13:31 Uhr:
Ja, schon. Aber aus keiner, die uns geläufig wäre, da Takeda Sokaku das Schwert wohl vor allem einhändig geführt und mit zwei Schwertern gekämpft hat hat ...
Falls es da überhaupt einen Zusammenhang gibt, d.h., falls Takeda Sokaku der "Erfinder" des Daito-ryu ist.
Selbst dann gibt es wohl eher einen zusammenhang mit den Schwertschulen aus denen die ursprünglichen Techniken stammen und nicht mit den von Takeda geübten Schwertkünsten.
Es ist wohl eher so dass er beides parallel entwickelt hat, das waffenlose Daito-ryu und seine Fertigkeiten im Schwertkampf.
ähnlich wie Ueshiba, der dann aber eine Verbindung zwischen Tai-Jutsu und Buki-waza hergestellt, bzw. beides einem einheitlichen Prinzip unterstellt hat.
Die später geschaffene Verbindung zwischen Daito-ryu und Onoha-Itto-ryu zum Aiki-Budo stammt wiederum von Takeda Tokimune.
pilgrim sagte am 24 Oktober 2011 - 13:31 Uhr:
Eher wie es gewesen sein könnte, denn es ist wohl einiges weiterhin unklar.
#10 Gastpilgrim_*
Geschrieben 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr
ten-chi sagte am 25 Oktober 2011 - 10:01 Uhr:
Er kommt zu dem Schluß, daß Takeda keine überlieferte KK gelernt / geübt hat, sondern verschiedene Element mehr oder weniger selbständig zu dem zusammengefügt hat, was wir heute als Daito ryu kennen. Das oshiki-uchi versteht Amdur - wie auch andere Historiker - ausschließlich als Etikette-Schule. Deren Bedeutung liegt seiner Ansicht nach darin, daß Takeda Sokaku hier gelernt hat, mit anderen Menschen umzugehen und zu kommunizieren. "Socializing" ... Eine Fähigkeit, die er aufgrund der Umstände seiner Kindheit und Jugend (viele traumatisierende Kriegserlebnisse + kontinuierliche Mißhandlung durch den Vater) nicht bessen habe.
D.h. weiter zugespitzt:
Takeda hat seine Schüler spontan unterrichtet. Die kata, die wir heute kennen sind aus diesem spontanen Unterricht erst entstanden - und nicht "schon immer" da gewesen. (Ingolf mag sich an die Arbeit von Yoshigasaki sensei erinnert fühlen.) Zweite Klammer: (Das paßt auch zu der immensen Vielfalt bzw. Vielzahl der kata im Daito ryu.)
Sehr anders also, als mein Bild bisher war/ist.
Zitat
Auch hier:
Der Gedanke die Eigenarten des Daito ryu und dann eben auch des Aikido seien aus der uns geläufigen Schwertarbeit heraus zu verstehen (der mir im Laufe der Jahre immer weniger plausibel geworden ist), wäre, wenn Amdur Recht hätte, nicht länger haltbar.
(Witzigerweise hat gerade heute bei Tissier mit einhändiger Schertarbeit in der ersten Einheit zu ikkyo in der zweiten Einheit hingeführt. überhaupt verstehe ich manche Sachen, die er macht und manche Erklärungen inzwischen anders. Viele Parallelen zu den "inneres aikido" Erfahrungen)
Zitat
ähnlich wie Ueshiba,
Zitat
Zitat
Amdur macht aber immer ganz präzise deutlich, was belegt ist, was von wem zitiert ist und was seine Folgerungen sind. Dabei diskutiert er durchaus auch verschiedene Möglichkeiten, bzw. bestehende von seinen Gedanken abweichende Interpretationen des gleichen Problems, bzw. Schwachstellen oder scheinbare Widersprüche seiner Darstellung.
Was Amdur vielen anderen dabei voraus hat, sind sein Wissen um und seine Kontakte zu Vertretern der ryu, um die es jeweils geht. Das ist wirklich außerordentlich interessant.
Amdur zeigt also vor dem Hintergrund der heute zumeist als sicher geglaubten oder mindestens unhinterfragt verbeiteten Fakten, zunächstwie es gewiß nicht gewesen ist. Und begründet präzise und nachprüfbar, warum es so nicht gewesen sein kann. Wenn auch man seine Lösungsvorschläge nicht übernehmen mag, dann ist doch zumindest dieser erste Schritt sehr klar, deutlich und wichtig.
#11
Geschrieben 25 Oktober 2011 - 14:55 Uhr
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Wo kommt dann die Takeda ryu her? Da gibt es doch angeblich belege für eine überlieferung? (Obwohl ich diese Takeda ryu sehr skeptisch betrachte)
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Ob diese Schlussfolgerung richtig ist, bleibt offen, genau wie die Frage was Takeda von Saigo Tanomo gelernt hat.
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Ich habs gelesen, ( allerdings die unüberarbeitete Version, das Buch ist noch nicht da) und auch das Review von P. Goldsbury im Aikiweb.
Ich meinte aber das eher so verstanden zu haben, das Takedas Schwertkunst und sein Daito-ryu sich parallel entwickelt haben, denn er hat ja Schwert auch nicht in dem Maße unterrichtet wie tai-jutsu, was aber Sinn gemacht hätte, wenn seine Kunst auf seinen Schwerttechniken basiert hätte.
Statt dessen hat er hauptsächlich waffenlos unterrichtet, und einige wie Amdur ja sagt eher unrealistische Entwaffnungstechniken.
Hier zeigt er ja parallelen zu Ueshiba auf (allerdings in dem Zusammenhang mit dem Erwerb von sogenannten "internal skills").
Die tai-jutsu techniken stammen aus den unterschiedlichen von Takeda geübten jujutsu Ryu, die ihrerseits natürlich Bezüge zu Schwertschulen haben, da sich Jujutsu und Waffentechnik nicht trennen lässt.
Was er nun alles trainiert hat, lässt sich ja nicht genau sagen, es wird aber wenig gegeben haben was er nicht ausprobiert hat.
Die Angriffsformen im Daito-ryu, aber auch Techniken wie Ippondori sind aber sicher nicht auf einhändige Schwerttechniken zurückzuführen.
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Das ist etwas was aus der Schwertarbeit von Yamaguchi herrührt, ein Bogen zu Takeda scheint mir da etwas gewagt.
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Das sehe ich anders. Die Schwertarbeit ist vom Gedanken des Aiki beeinflusst, aber keinesfalls technisch aus dem tai-jutsu abgeleitet.
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Zitat
Ja. Aber er hat wohl keinen Zusammenhang oder eine Verbindung hergestellt, wie sein Sohn das später gemacht hat.
Was das sogenannte "innere Aiki" angeht, so werde ich immer skeptischer.
Sicher sind diese Fähigkeiten die sowohl Ueshiba als auch Takeda hatten, nur im zusammenhang mit einem sehr harten körperlichen Training zu erwerben, von daher gibt es keine Trennung von "außen" und "innen".
Was beide gemeinsam hatten war das exzessive sich üben in jeglicher Hinsicht, sowohl körperlich als auch mental.
"So, jetzt zeige ich dir mal wie man zaubern lernt", das läuft so nicht.
#12 Gastpilgrim_*
Geschrieben 26 Oktober 2011 - 12:26 Uhr
ten-chi sagte am 25 Oktober 2011 - 14:55 Uhr:
Zitat
Belege hat allein Tokimune behauptet. Da die aber im Ise jingu unter Verschluß liegen und er der einzige war, dem bisher Einblick gewährt wurde ...
Zitat
pilgrim sagte am 25 Oktober 2011 - 13:28 Uhr:
Zitat
Zitat
Ich erlebe aber eben selber auch häufig den Bezug von taijutsu zu Schwertarbeit als einigermaßen künstlich. Es paßt einfach oft "nicht so richtig". Und wenn, dann vor allem, weil die Schwertarbeit aus dem aikido her abgeleitet wird.
Diejenigen, die ich kenne, die wirklich ein kenjutsu üben, führen das Schwert nicht so, wie jemand, der Schwertarbeit vor dem Hintergrund von aikiod gelernt hat.
Endo hat interessanterweise mal - gänzlich unabhängig von dieser Diskussion - gesagt, daß man nicht mehr wirklich wissen können, auf welche der vielen Schulen sich Ueshiba bezogen habe, wenn er gesagt hat, aikido stamme aus der Schwertarbeit.
Zitat
Nein, kam in diesem Fall nicht von Yamaguchi her, soweit ich das überblicke. War eine bestimmte batto/iai jutsu Form.
Zitat
Ein schönes Beispiel ist für mich der Kashima shinto ryu - Unterricht im kobukan, bei dem dann anschließend Ueshiba gezeigt hat, wie man das, was geübt wurde "auf aiki" ausführt. Meinst du es so?
Das würde ich eben als aus dem tai jutsu abgeleitet verstehen, weil das, was aiki sein soll sowohl von Takeda, als auch von Ueshiba dort gelernt und geübt wurde. Sie haben also "Prinzipien" aus der Körperarbeit in die Waffenarbeit übertragen.
Bei Takeda weiß ich das nur durch Amdur. Bei Ueshiba läßt es sich schlicht biographisch zeigen und war mir vorher schon bewußt.
Was ich nicht unbedingt meine, ist daß Schrittfolgen oder konkrete Bewegungen aus dem taijutsu in die Schwertarbeit übertragen wurden, wie z.B. bei Nishio sensei.
Zitat
Sicher sind diese Fähigkeiten die sowohl Ueshiba als auch Takeda hatten, nur im zusammenhang mit einem sehr harten körperlichen Training zu erwerben, von daher gibt es keine Trennung von "außen" und "innen".
Was beide gemeinsam hatten war das exzessive sich üben in jeglicher Hinsicht, sowohl körperlich als auch mental.
"So, jetzt zeige ich dir mal wie man zaubern lernt", das läuft so nicht.
Ich habe für mich beschlossen, einfach mal auf diesem Wege weiter zu gucken und zu schauen, was passiert. Wenn's mein aikido nicht verbessert, habe ich inzwischen immerhin ein paar Sachen gelernt, die bei Bauchtanz nützlich sind. Von Ikeda gab's übungen, die man auch zum Breakdance verwenden kann. Es ist also keine vertane Zeit.
Ich werde sehen, was geht und was nicht.
Bei Tissier-Lehrgang erlebe ich im Moment, daß ich Leute, die steif sind, wie ein Brett (aus Beton) manchmal schlechter bewegen kann, als früher. Oder auch gar nicht. Das erdet.
Ja, daß hartes körperliches Training nötig ist, ist völlig unbestritten. Es geht ja nicht um Magie oder so etwas. Aber es geht z.B. um die Frage, ob Solo-Training hilft, aiki zu entwickeln oder ob das keinen Sinn macht. Bis vor einiger Zeit hätte ich Letzteres gesagt, inzwischen mache ich jeden Tag irgendwelchen komischen Kram um mein dantian zu rotieren oder Spiralen in meinen Beinen aufsteigen zu lassen oder durch die Fußsohlen einzuatmen.
torifune z.B. übe ich seit einer Woche komplett anders.
Interessant für mich: Immer wieder, wenn ich bei aikiweb was von den IS Päpsten lese, fällt mir auf, daß Endo mal was in der Richtung gesagt oder gezeigt hat. (Was nicht heißt, daß das nicht andere auch tun! Nur für mich entsteht dann da eine Verbindung.)
#13
Geschrieben 26 Oktober 2011 - 13:23 Uhr
pilgrim sagte am 26 Oktober 2011 - 12:26 Uhr:
Prinzipien, die aber nicht an bestimmte Techniken oder Stile, und eben auch nicht an Körperarbeit gebunden sind. Deshalb meine ich, das es keinen technischen Zusammenhang geben muss oder im Falle des Aikido auch nicht gibt.
(Anders wäre es auch nicht möglich dass Ueshiba einem Tenryu nach drei Monaten "alles beigebracht" haben kann. Die körperlichen und technischen Fähigkeiten waren vorhanden, aber aus dem Sumo, nicht aus dem Aikido oder dem Daito-ryu)
Nach meinem Verständnis ist das Schwert von Ueshiba nicht aus den Techniken, bzw. aus dem tai-jutsu des Daito-ryu oder des Aikido abgeleitet. Es ist halt der Gedanke des Aiki, der das verbindende Element ist.
Eine Schwertbewegung wie sie beispielsweise der Technik Shiho-nage zugrunde liegt, gibt es in dieser Form in den Buki-waza Techniken nicht.
pilgrim sagte am 26 Oktober 2011 - 12:26 Uhr:
Du musst einfach mal berücksichtigen auf welchem Level die sind, und in welcher Form und Intensivität die bisher trainiert haben. Wie ich meine ist es notwendig, über einen längeren Zeitraum bei einem Shihan oder jemandem ählicher Qualität intensiv zu üben.
Allgemein und nicht auf bestimmte Personen bezogen: Zu sagen, jemand macht nur äußere Form lässt sich solange behaupten, bis man ihn mal angegriffen hat.
zum Beispiel wird ja von Kisshomaru ähnliches behauptet. Ich glaube die Leute die mal sein Kokyu gespürt haben, denken anders darüber.
pilgrim sagte am 26 Oktober 2011 - 12:26 Uhr:
Ich mache solche Sachen seit ich Aikido mache. übungen aus dem Yoga, dem Qui Gong, übungen die ich von Tada, Asai und anderen gezeigt bekommen habe. Früher vor jedem Training ca. 1 Stunde, heute überall wo ich gehe und stehe. Im Wald, am Bahnhof, im Büro.
Natürlich hilft das.
Es ist aber nur ein Baustein, ohne das entsprechende köperliche training ist es mentales Training, Gesundheitstraining, führt aber nicht zur Einheit von außen und innen, zumindest was gewisse Aiki-Fähigkeiten angeht.
Bearbeitet von ten-chi, 26 Oktober 2011 - 13:36 Uhr.
#14 Gastpilgrim_*
Geschrieben 26 Oktober 2011 - 14:07 Uhr
ten-chi sagte am 26 Oktober 2011 - 13:23 Uhr:
Zitat
Kennst du das Buch von Shirata Rinjiro, wo zu jeder tai jutsu Form eine Schwertform gezeigt wird. (Ich glaub ein Buch von John Stevens ist das?)
Zitat
zum Beispiel wird ja von Kisshomaru ähnliches behauptet. Ich glaube die Leute die mal sein Kokyu gespürt haben, denken anders darüber.
Zitat
Natürlich hilft das.
#15
Geschrieben 26 Oktober 2011 - 14:40 Uhr
pilgrim sagte am 26 Oktober 2011 - 14:07 Uhr:
Das Buch kenne ich nicht. Aber ich habe auf zahlreichen Lehrgängen solche Formen gezeigt bekommen, von Tada, von Ikeda, Fujimoto, etc. Ich beziehe mich in meinem Unterricht auf solche Formen und entwickle eigene, beziehe Tanto-Techniken mit ein, u.s.w.
Aber diese Formen sind keine Bestandteile des von O-Sensei entwickelten Aiki-ken, denn die sind tatsächlich aus dem Tai-jutsu abgeleitet oder sind ein Hilfsmittel die Tai-jutsu Formen zu verstehen und zu studieren.
pilgrim sagte am 26 Oktober 2011 - 14:07 Uhr:
Asai würde wohl so etwas sagen wie: "Das ist Problem..., wenn nur Bewegung macht aber nix drin..."
#16 Gastpilgrim_*
#17
Geschrieben 03 November 2011 - 12:29 Uhr
pilgrim sagte am 17 Oktober 2011 - 09:53 Uhr:
Am meisten wundert mich ja eigentlich die Fragestellung selbst.
Natürlich kommt das innere Aiki (oder Kokyo-ryoku) bei heutigen Lehrern vor, vielleicht aber nicht in so spektakulärer Ausprägung, so wie es bei den technischen Fähigkeiten ja genauso der Fall ist.
Ist es denn aber wirklich so verwunderlich, dass es immer nur wenige Menschen gibt die ein so hohes mit Ueshiba oder Takeda vergleichbares Niveau erreichen? Das exzessive Training wie Ueshiba es gemacht hat, wird doch von den allerwenigsten in der Form betrieben.
Die Antwort könnte doch eigentlich einfach lauten: Von nix kommt nix, schon gar nicht von 3 Trainingseinheiten a 1 oder 2 Std. pro Woche.
Zum Vergleich mal Chi-Gong: Wie viele Milliionen üben Chi-Gong oder Tai-chi und die "inneren" Künste? Und wieviele von denen können mit einem Finger einen Kieselstein zerteilen, wie es angeblich ein alter Chi-Gong Meister kann (oder konnte, ich weiß nicht ober noch lebt)?
Ich habe mal gelesen in China gibt es eine an beiden Händen abzählbare Anzahl alter Herren (oder auch Damen), die vergleichbare "Skills"
(und nicht Tricks, wie die bei den Shaolin-Vorführungen gezeigten "inneren Kräfte") entwickelt haben.
#18 Gastpilgrim_*
Geschrieben 03 November 2011 - 14:06 Uhr
ten-chi sagte am 03 November 2011 - 12:29 Uhr:
Zitat
Ist es denn aber wirklich so verwunderlich, dass es immer nur wenige Menschen gibt die ein so hohes mit Ueshiba oder Takeda vergleichbares Niveau erreichen?
Ich denke, der grundsätzliche Gedanke ist der, daß es eben nicht so ist, daß alle im Prinzip dasselbe üben und einige dann dabei besser vorankommen, als andere.
Sondern daß vielmehr Unterschiedliches geübt wird. Amdur gehört in eine "Szene", in der es klar ist, daß das aikido, das in den allermeisten dojo gelehrt wird, wesentliche Aspekte von dem, das Takeda oder Ueshiba hatten, nicht mehr enthält. Du bist, wenn ich es richtig verstehe, anderer Ansicht. Aber dieses Buch geht eben u.a. davon aus, daß es Ueshiba und Takede etwas anderes geübt haben, als heutige aikidoka. Und fragt nach dieser qualitativen Differenz.
Es ist ja aber auch nicht nur wichtig, daß man trainiert, sondern auch was man trainiert. Dazu muß man den Disput um inneres aiki doch gar nicht ausfechten. Aber einfach nur die äußeren Bewegungen immer wieder nachahmen führt doch nicht weiter, auch wenn man das 7 mal die Woche tut. Es muß doch immer auch um das Üben einer bestimmten Qualtiät gehen?
Ich persönlich fand Hidden in plain sight jedenfalls sehr interessant. Ob ich alles so bejahen kann, weiß ich nicht. Ich werde es mindestens noch einmal lesen müssen.
Aber die grundsätzlichen Linien finde ich spannend.
#19
Geschrieben 03 November 2011 - 15:31 Uhr
pilgrim sagte am 03 November 2011 - 14:06 Uhr:
So wie ich Amdur verstehe benutzt er die Begriffe Synonym. Ich denke ebenfalls es ist das gleiche, wenn auch nicht alle Phänomene damit beschrieben werden können, allerdings mit "innerem Aiki" auch nicht.
Es gibt eben meiner Meinung nach doch die untrennbare Einheit von innerem und äußerem aiki.
pilgrim sagte am 03 November 2011 - 14:06 Uhr:
Für mich liegt die Differenz darin begründet, dass es Leute gibt die ernsthaft üben, und andere die auf der Matte quatschen, schlafen oder ihren Feierabend versüßen und gar nicht die Intention haben selbst gut zu werden, weil es ihnen reicht sich vor einem Bild zu verbeugen und die Verantwortung an die Wand abzugeben.
pilgrim sagte am 03 November 2011 - 14:06 Uhr:
pilgrim sagte am 03 November 2011 - 14:06 Uhr:
pilgrim sagte am 03 November 2011 - 14:06 Uhr:
Interessant ist es sicher. Ich wundere mich nur über den Aufhänger. Wie soll ich es sagen? Es kommt mir vor als ob jemand sich wundert, dass nicht jeder der Geigenunterricht hatte ein Yehudi Menuhin geworden ist und sich fragt, warum andere Gegenlehrer ihre Schüler nicht so weit gebracht haben, und warum die bloß seelenloses Zeug runterspielen.
#20
Geschrieben 23 Januar 2012 - 22:22 Uhr
pilgrim sagte am 22 Oktober 2011 - 12:52 Uhr:
Yuikioshi Sagawa (Daito-ryu Sagawa-ha) ist der Ansicht, Takeda habe diese Fähigkeit und die Technik des Aiki selbst entwickelt. In dem Buch von Kimura - Transparent power - wird diese Ansicht des Öfteren geäußert, obwohl auch eine Geschichte vorkommt in der Takeda selbst sagt er habe diese Dinge von Hoshina san (saigo tanomo) gelernt. Vielleicht war oshikiuchi doch nicht nur Etikette?
Bearbeitet von ten-chi, 23 Januar 2012 - 22:23 Uhr.



