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Samurai


7 Antworten in diesem Thema

#1 gatsby

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Geschrieben 23 Oktober 2011 - 10:47 Uhr

Liebe Karateka,

hier ein Spiegel-Artikel über Samurai, für die sich hier wohl jeder mehr oder minder interessieren dürfte:

http://www.spiegel.d...,791848,00.html

Viele Grüße,

gatsby
Nichts ist praktischer als einen gute Theorie. (Kurt Lewin)

Wir sehen was wir sehen und sehen nicht, was wir nicht sehen. Und wir sehen nicht, dass wir nicht sehen, was wir nicht sehen. (Heinz v. Foerster)

#2 Shava

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Geschrieben 23 Oktober 2011 - 13:04 Uhr

Was für ein Haufen Unsinn... naja, Bildzeitung für Abiturienten halt.

Der Spiegel reproduziert hier die Klischees, die er kritisiert. Das passiert halt, wenn man meint, knapp 1.000 Jahre Geschichte auf zwei Seiten zusammenfassen zu müssen, ohne Ahnung zu haben, oder auch nur im Geringsten der Komplexität der Materie einen Gedanken zu würdigen. Ich kenne den Autor nicht, denke aber, dass er außer bei der Wikipedia wenigstens mal beim Schwentker, Turnbull oder Jansen hätte nachlesen können.

Ich würde niemandem, der ernsthaft an dem Thema interessiert ist empfehlen, den Artikel zu lesen, denn man eignet sich entweder Unsinn an, oder ist verärgert. Beides nicht erstrebsam.
あら恥かしや我が姿。はや人々に見えけるぞや。あの灯火を消し給へとよ。
.
"Allein sind die Menschen noch annehmbar, doch wenn sie Cliquen bilden, fangen sie an, zu verblöden. Sie verfallen dem Gruppenwahn. Sie sind so sehr darauf aus, in Gruppen zu verblöden, dass sie dafür extra Vereine gründen und Mitgliedsbeiträge bezahlen. [...]" (Sawaki Kôdô)

#3 Volker

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Geschrieben 23 Oktober 2011 - 16:27 Uhr

Das wäre doch jetzt DIE Gelegenheit, einige Bücher zu dem Thema zu empfehlen, die auch der Laie versteht und die er sich ohne Umstände beschaffen kann!?

v. :26:

#4 Shava

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Geschrieben 23 Oktober 2011 - 18:43 Uhr

Lieber Volker,

hättest Du Deine Aufmerksamkeit nicht nur auf meine - zugegeben harsche - Kritik gerichtet, hättest Du in meinem Beitrag drei Namen gefunden, die als Informationsgeber zum Anfang ausreichen, wovon einer auf Deutsch schreibt und die alle drei in Hülle und Fülle in den gängigen Online-Einkaufsportalen zu erstehen sind.
あら恥かしや我が姿。はや人々に見えけるぞや。あの灯火を消し給へとよ。
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#5 Volker

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Geschrieben 23 Oktober 2011 - 18:54 Uhr

Na also! Man weiß bei den "Fachkollegen" ja nie ...

v.

#6 FireFlea

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Geschrieben 28 Oktober 2011 - 19:38 Uhr

John Whitney Hall - Das japanische Kaiserreich

Bekommt man gebraucht schon für ca. 2 Euro - aber es ist nunmal eben ein Geschichtsbuch und kein populärwissenschaftliches Bilderbuch. ;)
"Es gibt keine Abkürzung, sondern nur Arbeit, Schweiß und Schmerzen." Choshin Chibana

#7 Holzkeule

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Geschrieben 29 Oktober 2011 - 09:50 Uhr

Ok und was genau ist da jetzt Unsinn ?
Bevor ich mir diese Bildzeitung kauf...
" Ratschläge sind eine gefährliche Gabe, selbst von den Weisen an die Weisen, und alle Wege mögen in die Irre führen "

( Gildor Inglorion , aus Finrods Geschlecht )

#8 Shava

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Geschrieben 01 November 2011 - 11:30 Uhr

Zitat

Ok und was genau ist da jetzt Unsinn ?
Wo fange ich da nur an? Zu allererst mal der Mord an Asanuma. Hier wird eine Verbindung zu "DEN SAMURAI" ™ hergestellt, der völliger Unsinn ist. Da wird dann von "rituellem Mord" gesprochen, wobei es sich "schlicht" um den politischen Mord an einem Linken von einem Vertreter der politischen Rechten handelte. Dass diese so allerlei klischeegebundene Fetische haben, will ich gar nicht abstreiten, ob da aber das Mordwerkzeug deshalb gewählt wurde, weil damit vor Hunderten Jahren Leute anderen - im Zweikampf - besiegten Leuten den Kopf abgeschnitten haben, wage ich zu bezweifeln. Auch, dass "DIE SAMURAI" ™ die Vorkämpfer "für die Rückkehr zum Gott-Kaisertum" waren, ist quatsch. "DIE SAMURAI" ™ waren in erster Linie für die Entmachtung des Kaiserhofs verantwortlich und nicht wenige haben sich gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gegen die Seite des Kaisers und somit gegen die Landesöffnung gestellt (knapp ausgedrückt). Die Rechten wissen das, weshalb sich hier vermutlich der Fetisch auf die üblichen in der Populärkultur kolportierten Klischees beschränkt: Ehre, Treue usw. usf.

Zitat

Dabei waren die gepanzerten Reiter der ersten Stunde weder monarchisch gesinnte Ritter noch todesverachtende Edelleute. Die frühen Samurai, zunächst noch "Bushi" (Krieger) genannt, waren anfangs einfach mehr oder weniger gut ausgebildete Söldner, die bei Gefahr oft wegliefen, statt bis zur Selbstaufgabe zu kämpfen. Ihr Aufstieg konnte erst beginnen, nachdem der Kammu-Kaiser Ende des 8. Jahrhunderts die Wehrpflicht abgeschafft hatte; zu schwach, zu unzuverlässig erschien ihm die zwangsrekrutierte Bauernarmee.
Hier finden sich einige Ungenauigkeiten oder Fehler. "Bushi" war sicher nicht der Begriff für die Mitglieder der durch den Kaiser rekrutierten Bauernarmee (jedenfalls nicht das Fußvolk). Das waren auch damals schon Familien, die sich über Heirat und Geldspenden am Kaiserhof eingenistet hatten und die im Land Lehen besaßen und also demnach schon Großgrundbesitzer waren. Man könnte auch vom "Landadel" sprechen. Der Begriff "Bushi" bezeichnet auch mehr als "nur" einen "Krieger". Das Wort besteht aus dem Zeichen für "Krieg, Militär usw." und dem Zeichen für den "konfuzianischen Edelmann" (welcher - je nach Quelle - einen aufrecht stehenden Mann, oder einen erigierten Penis zeigt). Schon deshalb ist es keine Bezeichnung für "normale Bauern".

Zitat

Die Samurai, viele von ihnen zuvor Bauern und Räuber, stießen in diese Lücke. Manche schlossen sich zu Banden zusammen und plünderten ganze Landstriche aus. Andere zogen für Großgrundbesitzer in den Krieg oder stiegen zu Leibwächtern der mächtigen Regionalherrscher auf. Einige garantierten auch den Provinzbeamten des Kaisers sicheres Geleit und trieben für sie die Steuern ein. Diese Samurai galten bald als "Zähne und Klauen" des Kaiserhofs, der ihre Treue mit Ämtern und vererbbarem Landbesitz belohnte - misstrauisch beäugt vom arrivierten Hofadel, der in den Emporkömmlingen sittenlose Barbaren sah.
Das mag im Großen und Ganzen so stimmen. Allerdings "stießen die Samurai" nicht in diese Lücke, sondern der Begriff war vorher schon am Hofe vorhanden für die niederen Ränge. Hier:

Zitat

So waren die Samurai von Beginn an eine ziemlich heterogene Schicht, allerdings mit einem bald recht einheitlichen Auftreten: Sie profilierten sich als meisterhafte Bogenschützen und Schwertkämpfer. Mit aufwendigen, aus mindestens 23 Einzelteilen bestehenden Rüstungen und furchteinflößenden, mit Hörnern verzierten Gesichtsmasken zogen sie in den Kampf. Und nur sie besaßen das Recht, zwei Schwerter zu tragen, die sogar religiös geweiht waren.
wirds schon wieder etwas merkwürdig. Einerseits spricht der Autor von einer "heterogenen Schicht", subsummiert aber trotzdem alles Mögliche an Vorstellungen unter dem Begriff "SAMURAI". Ob sich die Herren als "meisterhafte Bogenschützen und Schwertkämpfer" profilierten sei mal dahingestellt. Der Bogen war für eine lange Zeit sicher die vornehmliche Waffe (zumindest vor dem Massengemetzel der späten Muromachi-Zeit), das Schwert war allerdings anfangs eher zweitrangig. Da war die Hellebarde (Naginata) oder der Speer wichtiger. Die Anzahl der Rüstungsteile ist Unsinn, denn sie impliziert eine Standardausrüstung, die es so nicht gab. Generell werden hier Gegebenheiten verschiedener Zeitepochen in einen Topf geworfen (Zwei-Schwerter-Tragerecht z.B.).

Zitat

Geprägt einerseits vom Autoritätsglauben des Konfuzianismus, andererseits von der Flüchtigkeit des Lebens, die der Zen-Buddhismus lehrte, entwickelten die Samurai im Laufe der Zeit einen eigenen, strengen Sittenkodex. Werte wie Mut, Pflichtbewusstsein und Ehrlichkeit spielten eine wichtige Rolle. Kern der Ethik war dabei die unbedingte Treue zum jeweiligen Fürsten, selbst wenn dies bedeutete, gegen den eigenen Sohn kämpfen zu müssen. Dieses enge Verhältnis, das nicht selten auch ein sexuelles war, galt bis in den Tod. Starb ihr Fürst, begingen viele Samurai Selbstmord. So vermieden sie ein ehrloses Schicksal als "Wellenmenschen", wie herrenlose Glücksritter genannt wurden, die durch das Land vagabundierten.
Ich weiß gar nicht, so ich hier anfangen soll... Der Konfuzianismus spielte sicherlich eine Rolle... ob die nun aber so groß war, wie immer behauptet wird. Man kann sich davon selbst ein Bild machen, wenn man betrachtet, wie viele loyale Diener ihren Herren mitten in der Schlacht verraten oder ihren Fürsten ermordet haben. Überläufern winkte oftmals eine Belohnung, zumindest, sofern sie vor Ende der Schlacht den Seitenwechsel vornahmen. Einer der bekanntesten "Verräter" mag wohl Akechi Mitsuhide sein, der für das Ableben eines der drei großen Reichseiniger - Oda Nobunagas - verantwortlich war. Was den Zen-Buddhismus angeht, so mögen Teile durchaus Einzug in einige Bushi-Haushalte gefunden haben. Das hat aber keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Die Idee der Vergänglichkeit ist dem Buddhismus im allgemeinen inhärent und hat nichts speziell mit Zen zu tun. Die Anrufung bestimmter Gottheiten aus dem esoterischen Buddhismus und das Verwenden derer Symbole und Attribute war sicher weiter verbreitet, als ein Zen praktizierender Samurai. Was den Ehrenkodex angeht, habe ich dazu an anderer Stelle (im Kendô-Forum) schon etwas geschrieben. Das ist kein einfaches Thema, allerdings lässt sich sagen, dass ein verbindlicher, einheitlicher Kodex nicht existierte. Was das "sexuelle Verhältnis" angeht, will ich mich wegen fehlendem Detailwissen nicht weiter äußern. Gönner-Günstling Verhältnisse - ähnlich denen des antiken Griechenlands - gab es sicher zur Genüge und da spielten auch sexuelle Gefälligkeiten eine Rolle. Was den Selbstmord angeht, so empfehle ich hierzu Ulrich Pauly "Seppuku". Der Folgetod war nicht immer ganz so freiwillig, zumindest, wenn man den enormen Gruppendruck dahinter betrachtet. Später (17. Jhdt.) wurde er eh verboten. Ich denke, es handelt sich hierbei um eine Idealvorstellung, die in der Realität weit weniger praktiziert wurde, als behauptet. Was die "Wellenmenschen" (rônin) angeht, war das eigentlich erst ein richtig dickes Problem, als die Landesbefriedung eingesetzt hatte und die soziale Mobilität dadurch zeitweilig arg stagnierte. Wenn Posten erblich werden, ist für Quereinsteiger nicht mehr so viel Platz. Zu Kriegszeiten war das weniger ein Problem, da brauchte man jeden Recken.

Zitat

"Wenn man überlebt, ohne ein gerechtes Ende erlangt zu haben, ist man ein Feigling", heißt es in einer der bedeutendsten Samurai-Schriften. Denn "Bushido", der "Weg des Kriegers", führe in den Tod - nur wer dazu jederzeit bereit sei, könne "rein wie ein Diamant" leben. Im Idealfall war der Samurai also ein kämpfender Philosoph; ein Ästhet, der sich vom Schlachtenlärm bei meditativen Teezeremonien erholte; ein selbstbeherrschter Asket und ein Krieger, für den Tugend und Töten kein Widerspruch waren.
Oh man... Wenn ich mich recht entsinne, stammt der Ausspruch aus dem Hagakure. Dieses Teil als eine "der bedeutendsten Samurai-Schriften" zu bezeichnen grenzt an größenwahnsinniger Übertreibung, auch wenn der Autor des Werkes dem sicher gerne zugestimmt hätte. Die Schrift ist bis zur Modernisierung kaum über die eigenen Lehensgrenzen hinaus bekannt geworden, da sie auch unter den jungen Vasallen des Clans nur unter vorgehaltener Hand weitergereicht wurde. Der Autor war ein gescheiterter Verwaltungsknecht, dem man den rituellen Folgetod versagt hat (wie gesagt, war verboten) und der sich darum in eine Klause zurückzog und anfing über die "gute alte Zeit" zu schwadronieren. Sicher ist das Hagakure interessant im Bezug auf die darin enthaltenen Anekdoten bezüglich des Nabeshima-Clans... ob die allerdings alle so der Wahrheit entsprechen... Auf jeden Fall erlangte der Wisch erst mit der Modernisierung und der späteren Faschistisierung Japans nationales Aufsehen, da einige der darin propagierten Ideen der Staatsdoktrin gut in die Hände spielten. Der restliche Absatz besteht schlicht aus Klischees.

Zitat

Auch der eigene Freitod, "Seppuku" genannt (in Europa und den USA meist als Harakiri bezeichnet) wurde zu einem quasireligiösen Ritual überhöht. Es regelte bis ins Detail, wie sich der Samurai den Bauch, der als Sitz der Seele galt, aufzuschlitzen habe: von links nach rechts, mit einem schnellen Schnitt zur Brustmitte. Diese Demonstration schier übermenschlicher Selbstdisziplin war sogar ein exklusives Vorrecht der Samurai; Adlige hatten sich banal mit Gift umzubringen.
Das "seppuku" wird gemeinhin gerne als Privileg dargestellt, welches bei geringsten Ehrverletzungen freiwillig gewählt wurde. Man muss sich aber vor Augen halten, dass es sich hierbei um eine Todesstrafe handelt. Der Akt war so unmenschlich, dass später der Dolch auch gegen Holzmesser oder Fächer ausgetauscht und dem Kandidaten einfach so der Kopf abgeschlagen wurde; ohne Bauch aufschlitzen. Ich verweise hier nochmals auf den Pauly. Was die Geschichte von Yoshitsune dann in dem Artikel soll, weiß ich nicht. Wer sich dafür interessiert, kann eine gute Analyse bei Ivan Morris: Samurai or the Nobility of Failure finden.

Zitat

Mehr als 400 Kilometer entfernt von der alten Kaiserstadt Heiankyo, dem heutigen Kyoto, war plötzlich ein zweites Machtzentrum entstanden, das für Jahrhunderte bestehen sollte. Und hier, in der Provinz, schwangen sich die Samurai endgültig zu Herrschern Japans auf: 1192 wurde Yoritomo vom Kaiser zum "Großen General für die Vertreibung gegen die Barbaren" ernannt. Damit war ein neuer Ehrentitel geboren, der "Shogun" (General). Kamakura galt nun offiziell als Sitz der Militärregierung und wurde mit einer eigenen Verwaltung ausgestattet.
Das ist Unsinn, da der Titel "Seii taishôgun" bereits im 9. Jhdt. bei der Vertreibung der Emishi verliehen wurde. Wörtlich ist es der "Großgeneral der die Barbaren (Emishi) unterwirft".

Zitat

Doch in dieser aussichtslosen Lage bewahrte die Urgewalt eines Taifuns das Kaiserreich vor der unabwendbar scheinenden Katastrophe: Ein schwerer Sturm vernichtete einen großen Teil der mongolischen Flotte. Die Japaner deuteten das rettende Unwetter als Hilfe der Götter und sprachen ehrfurchtsvoll von "Kamikaze", "göttlicher Wind" - ein Begriff, der zum Synonym für nationale Rettung in hoffnungsloser Lage wurde. Sieben Jahre später schützte ein weiterer Taifun das Land erneut vor einer gewaltigen Invasion der Mongolen; danach griff sieben Jahrhunderte keine fremde Macht mehr Japan an.
Der Mythos des "Kamikaze" wurde an verschiedenen Stellen bereits demontiert. Man musss sich vor Augen halten, was für eine enorme Logistik hinter diesen Unterfangen standen und wie absolut beschissen die nautischen Verhältnisse vor Japan sind. Darüber hinaus bestanden große Teile der mongolischen Armee aus Versklavten oder Unterworfenen. Zumindest bei der zweiten Expedition geht man heute von nicht geringer Sabotage an den Schiffen durch die koreanischen und chinesischen Handwerker aus. Allein über dieses Thema ließe sich schon ein ganzer Artikel schreiben. Der Spiegel-Autor reproduziert hier leider nur die populärste Variante.

Zitat

die Hochzeit der Samurai, deren Heldentaten nun regelmäßig in No-Dramen, opulenten Theaterstücken mit kunstvoll geschnitzten Holzmasken, nachgespielt wurden.
Seufz... auf wenn einige Nô-Dramen durchaus auf ihre zeitgenössischen politischen Begebenheiten Bezug nahmen, dreht sich der Großteil doch um Geschichten aus den großen Epen (Genji und Heike monogatari), bzw. um Göttersagen und dergleichen. Auf "moderne" Heldentaten wurde da nicht wirklich eingegangen.

Zitat

Kriegerkaste
Brr... diesen Begriff liest man oft, genau so wie "Klasse" oder ähnliches. Natürlich ist es immer abhängig vom eigenen Standpunkt, sodass ein eingefleischter Marxist durchaus von "Klasse" sprechen kann... allerdings würde ich eher von einer Schicht sprechen, die vollkommen heterogen war, deren ärmste Vertreter auch im produzierenden Gewerbe tätig sein mussten (daher in meinen Augen keine Klasse) und nicht religiös bedingt war (daher in meinen Augen keine Kaste).

Zitat

Viele hatten zudem bei der Reichseinigung ihre Landgüter verloren und zogen in die Burgstädte. Gekämpft wurde bald nur noch auf Turnieren. Notgedrungen gingen die Samurai in die Verwaltung, wendeten sich geistigen Schriften zu oder arbeiteten wenig standesgemäß als Handwerker und Kleinhändler.
Hm... das scheint mir so nicht ganz richtig. Es gab für die meisten Samurai keine Wahl, OB sie in die Burgstädte gehen sollten. Entweder man blieb auf seinem Gut (so man denn eines hatte) und wurde Grundbesitzer (und verlor damit seine Privilegien als Samurai), oder man ging in die Städte und behielt seinen Status. Es gab zwar auch weiterhin den "Landadel" (gôshi), aber nur vereinzelt und nicht in allen Fürstentümern (am stärksten wohl auf Kyûshû). Das mit den "Turnieren" ist mir neu... ich weiß nicht, wo der Autor das her hat. Was soll denn da "gekämpft" worden sein? Und die Leute gingen nicht "notgedrungen" in die Verwaltung. Das waren im Prinzip alles behördliche Angestellte mit einem festen Einkommen/Stipendium. Ist doch klar, dass man denen Posten zuwies. Leider war der Verwaltungsaparat teilweise so aufgeblasen, dass sich zwei Leute eine Stelle teilen und bei der Arbeit abwechseln mussten.

Zitat

Selbst einst wohlhabende Samurai, notierte ein Beobachter im 18. Jahrhundert, "befinden sich in solch einer trostlosen Lage, dass sie sich im Sommer kein Moskitonetz leisten können und im Winter ohne warme Decken auskommen müssen". Der Staat musste die Samurai, denen zu besten Zeiten rund 1,5 Millionen Japaner angehört hatten, nun mit üppigen Zuschüssen unterstützen.
Naja, was heißt hier "Zuschüsse"? Jeder bekam ein seinem Status entsprechendes Reisstipendium. Das Problem war nur, dass dieses tatsächlich in Reis bemessen war und da die Preise für diesen durch neue Züchtungen und bessere landwirtschaft mit der Weile in den Keller gingen, hatten die Leute automatisch weniger Kohle in der Tasche, wenn sie ihr Auskommen durch die Reishändler zu Geld machen ließen. Wer mit dem Geld nicht hinkam (also im Prinzip alle), musste sich in der Stadt Geld leihen. Hätte das Bakufu seine Bezahlpolitik umgestellt, wäre der Bürgerstand vielleicht nie so reich und einflussreich geworden und die Samurai nicht abgestürzt.

Zitat

Als Japan jedoch begann, sich radikal zu modernisieren, 1872 die allgemeine Wehrpflicht einführte und die traditionellen Privilegien der Samurai gesetzlich aufhob, riskierte ein Teil des Kriegerstandes 1877 den Aufstand. In der Provinz Satsuma lieferten sich Regierungstruppen eine erbitterte Schlacht mit über 20.000 Rebellen - die Kämpfer beider Seiten entstammten dem gleichen Kriegerstand. Die Moderne siegte, und Rebellenführer Saigo Takamori suchte den Tod auf dem Schlachtfeld.
Hmpf... als jemand, der zu dem Thema eine 40seitige Arbeit verfasst hat, passt mir hier einiges nicht. Kritik an diesem Absatz müsste aber zu sehr ins Detail gehen. Zuletzt frage ich mich noch, wie die Yakuza ihre Verbrechen - welche sich größtenteils in der Baubranche abspielen - mit Schwertern begehen soll... aber da fehlt mir wahrscheinlich die Phantasie.

Bearbeitet von Shava, 01 November 2011 - 11:32 Uhr.

あら恥かしや我が姿。はや人々に見えけるぞや。あの灯火を消し給へとよ。
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"Allein sind die Menschen noch annehmbar, doch wenn sie Cliquen bilden, fangen sie an, zu verblöden. Sie verfallen dem Gruppenwahn. Sie sind so sehr darauf aus, in Gruppen zu verblöden, dass sie dafür extra Vereine gründen und Mitgliedsbeiträge bezahlen. [...]" (Sawaki Kôdô)