ISBN 978-3-938305-03-4
Übersetzer: Frank Elstner
250 Seiten
Das Nunchaku ist mittlerweile in vielen europäischen Ländern - auch in Deutschland - verboten, weswegen der erste Teil dieses Buchs eigentlich Überlesen werden mÜsste. NatÜrlich werden sich KampfkÜnstler zumindest mit der Theorie hinter dem Nunchaku und seinen chinesischen Entsprechungen trotzdem auseinandersetzen wollen und sei es nur, weil es die Signaturwaffe Bruce Lees gewesen ist oder in seiner dreigliedrigen Form den Shaolin-Mönchen zugesprochen wird. Der Bezug zum Dreschschlegel im europäischen Raum wird ebenfalls nicht vergessen.
Wie bereits im ersten Band werden auch hier die Bestandteile (auf Japanisch), die Grundhaltungen und Grundblöcke und -angriffe dargestellt und in Kombinationen demonstriert, bevor es zu einer Reihe von Bildserien zu Kumites und Katas kommt, die wieder in der bereits im ersten Band ausgegebenen ungewöhnlichen Form beschrieben sind. Dabei fällt vor allen Dingen auf, dass die Katas hier wesentlich länger sind - und das bei vergleichsweise geringer Anzahl verwendeter Techniken. Es geht hierbei wohl in erster Linie um den schnellen Wechsel der Techniken. Durch den sehr langen Text und die Über mehrere Seiten gehenden sehr dichten Bildfolgen wird diese Darstellung allerdings in diesem Fall ein wenig unhandlich. So etwas sollte man wirklich in erster Linie im Verein trainieren und sich seine eigenen Aufzeichnungen dazu machen.
Der zweite Teil des Buchs beschäftigt sich dann in ähnlicher Weise mit dem "klassischen" Gebrauch des einfachen und doppelten Tonfas im Okinawa- Kobudô, wobei hier einige klarere Aussagen zur Geschichte und Herkunft gemacht werden können. Auch in diesem Fall fallen die Kata-Darstellungen sehr umfänglich aus, mit den gleichen Problemen, die sich bereits beim Nunchaku ergeben.
Der dritte Teil des Buchs behandelt dann den Einsatz des Tonfas im Bereich der polizeilichen Arbeit und des Objekt- und Personenschutzes und zeigt auch dafÜr Anwendungen. Hierbei sind besonders die Hebel- und Sicherungstechniken interessant, die beim "klassischen" Einsatz des Tonfas laut Habersetzer eigentlich keine Rolle spielen. Und auch das Heraushebeln von Personen aus Autositzen. Hier werden Angehörige von Sicherheitsdiensten ein, zwei interessante Ergänzungen finden. Das Meiste wird allerdings – zumindest bei der Polizei und in einigen Sicherheitstrainings – bereits in der Grundausbildung demonstriert und geÜbt.
Etwas seltsam fand ich, dass bei der Darstellung der Geschichte der EinfÜhrung des Tonfas bei europäischen Polizeikräften nicht kurz auf einige Planungsexzesse eingegangen wurde, wie sie etwas rabiatere Polizeivertreter geplant hatte (Tonfas mit einer Klinge im kurzen Ende und einer Tränengaspatrone auf der anderen Seite), und die glÜcklicherweise keine Anwendung gefunden haben.
K.-G. Beck-Ewerhardy



