ich bin neu in diesem Forum und finde es sehr gut,dass es so ein Forum gibt und dass sich so viele Leute mit tieferen Fragen des Kampfes beschäftigen.
Somit auch ein großes Lob an die Begründer dieses Forums !
Ich selbst habe verschiedene Kampfkunst/sportarten ausprobiert (Jiu Jitsu, Judo, Kenpo, Kendo, Aikido) bis ich schließlich bei einem WT Derivat gelandet bin, dass ich nun längere Zeit betreibe. Es macht mir eigentlich sehr viel Spaß, da ich bei dieser Art der Bewegungskunst auch sehr viel über mich selber lerne. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich in meiner Jugend aufgrund meines negativen Umfelds sehr viele Strassenschlägereien miterlebt habe, wo ich sehr viel eingesteckt wie auch sehr viel verteilt habe.
Nun bekomme ich immer wieder in den verschiedenen Kursen völlig komische Argumentationen zu hören, wie "wenn du auf der Straße bist und dich jemand mit einem Würgegriff angreift", oder "in der U-Bahn kommen sie dir Näher und die Gruppe umzingelt dich" , was mich immer wundert und ich das eigentlich als eine Marketingstrategie empfinde.
Ich weiß, dass die Trainer, mit denen ich bis jetzt zu tun gehabt habe, eigentlich noch nie einen Reelkampf miterlebt haben. Aber unabhängig von den Trainern ist es auch so, dass in vielen Kampfsportarten (MMA vielleicht ausgeschlossen) eigentlich nicht wirklich Wirksames gelehrt wird. Meißtens ist es auch so, dass die Angriffsarten mehr oder weniger vorbestimmt sind. Aber wer mal einen Reelkampf erlebt hat, weiß dass es sehr schmutzig zugeht und Schlägereien meißtens völlig unerwartet anfangen. Z.B. habe ich es mal erlebt wie mir jemand in die Augen gespuckt hat und dann auf mich losgegangen ist. Zum Glück hat er nicht richtig getroffen. Oder einer unterhält sich mit dir völlig banal um dich abzulenken und der andere greift dich von hinten an oder, noch schlimmer, tritt dir in die Eier.
Letztendlich hat mir meine Erfahrung gelehrt, dass wenn jemand auf mich aggressiv zukommt, ich den sofort ohne Vorwarnung unschädlich machen muss, bevor der überhaupt Scheisse sagen kann. Dies gilt besonders für Gruppen, wo ich den Leithammel ein wenig brutaler angehen muss, damit ich aus dem Schockeffekt einen Nutzen ziehen kann. Aber um eine Nase zu brechen braucht man keine Kampfkunst. Aber dann bin ich vor der Polizei meißtens der Bösewicht, denn der andere wollte ja nur mit mir "friedlich diskutieren".
Und die Rede, dass ein "wahrer Krieger" den Kampf ohne zu Kämpfen gewinnt (O-Zitat bei einem Aikidokurs), kann man in einem bestimmten Umfeld getrost vergessen. Klar kann man das irgendwo, wenn man dort wegzieht, was ich auch nach 20 Jahren (inkl. meiner versauten Jugend) gemacht habe und seit dem nie wieder Bullshit erleben mußte, aber das hat der Trainer -glaube ich- nicht gemeint.
Die Abwehrtechniken der Kampfsportarten, die ich kennen gelernt habe, sind z.T. so kompliziert, dass sie eigentlich das Zeitfenster vergewaltigen in denen man handeln sollte. Beim Training ist natürlich alles Butterweich aber wenn jemand mit Adrenalin auf dich zugeht
um dich ernsthaft zu verletzen dann bleibt leider nicht viel Technik übrig.
Man kann dies auch in einigen Videos im Netz nachvollziehen, wo betagte Kampfsportler im Sparring aufeinander losgehen und man kaum saubere Techniken sieht, sondern eigentlich dass was man auch in einem Strassenkampf erlebt: Ein Bauerngetrampel vom Feinsten. Es sei der macht das schon "100 Jahre". Korrigiert mich wenn ich falsch liege.
Letztendlich bleibt für mich nur die Erkenntnis, dass das was ich mache eigentlich Fitnessübungen sind, die meiner Gesundheit dienen.
Das ist ja auch OK so, denn ich habe eigentlich mit dem Kampfsport angefangen, da mir Fitnessstudios zu langweilig waren. Darüber hinaus lernt man auch seinen Körper kennen und lernt Feinmotorik, Orientierungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kondition, Flexibilität und kognitive Fähigkeiten, die man auch in seinem eigentlichem Leben, sei es im Beruf oder im Alltag, im "zivilen" Leben einbringen kann und davon auch Energie schöpft. Aber ob man damit nun eine echte Schlägerei übersteht oder gewinnt ist ein großes Fragezeichen.
Aber wenn ich dann von "gefährlichen Techniken" oder "wirksamen Techniken" höre (nicht nur beim WT), muss ich immer wieder schmunzeln. Ich haue das den Trainern natürlich nicht unter die Nase, das wäre zu respektlos und auch sinnlos. Der wird nicht den Ast absägen, mit den er seinen Lebensunterhalt verdient. Aber wenn ich dann sehe wie die meißten Mitglieder mit Teils offenen Mündern zuhören, müßte ich eigentlich laut Lachen. Ich nehme es aber eigentlich so hin und akzeptiere es als eine Art Salat zum eigentlichen Essen. Ist ja nicht uninteressant sich gleichzeitig komplex wie auch geschmeidig zu bewegen.
Nun kann ich mir vorstellen, dass Leute, die noch nie ein Reelszenario hatten, mit ihrer Kampfart zumindest das Selbstvertrauen gewinnen, jemanden anzugreifen, der bei ihnen Schlechtes will. Aber ob da was Effektives rauskommt, ist eine andere Sache. Und ich will nicht wissen, wie enttäuscht dieser Mensch ist, dass er trotz jahrelangem Training, auf einmal von irgendwelchen Flitzepiepen auf der Straße einfach so zuzammengefaltet wird. Ganz zu schweigen von den rechtlichen Konsequenzen.
Habt ihr auch Reelkampferfahrungen und wie sieht ihr das in Bezug zu eurer Kampfart oder habt ihr sogar gegenteilige Erfahrungen gehabt und eure Kampfart hat euch schon geholfen ?
Bearbeitet von nc365, 07 November 2011 - 13:48 Uhr.




