Natürlich hat Ringeck völlig recht. Stumpf anzugreifen ist ja auch nicht, was Ringeck in dem Zitat empfiehlt. Er empfiehlt nur, dass man nicht versuchen sollte rein defensiv zu bleiben... speziell nicht, wenn man gerade die Distanz verkürzt (closing to the opponent).
Selbstverständlich sucht man ins 'Vor' zu kommen bzw. die Initiative zu ergreifen... aber das ist nicht gleichbedeutend damit, als erster loszustürmen und auf Teufel komm raus draufzuhauen oder zu stechen. Das ist trotzdem EINE Möglichkeit von mehreren. Wenn zwei Leute gegeneinander kämpfen, die BEIDE nur diese EINE Möglichkeit kennen... dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass BEIDE sich schwer verletzen oder töten... und das ist mein Problem mit Schulen, bei denen in Wettkämpfen regelmäßig Doppeltreffer stattfinden... wem ist mit dem Tod BEIDER gedient??
Du stelltest die Frage nach der Evolution der Herangehensweise und wer wohl auf lange Sicht überleben würde -> ich vermute, dass nur auf Angriff bedachte Leute nicht lange leben würden... die haben nämlich sehr gute Chancen draufzugehen... wenn sie auf ihren Bruder im Geiste treffen... und wenn sich zwei Hurrah Draufgänger gegenseitig umbringen, dann sind gleich zwei von denen weniger da ihre Methode zu verbeiten. Wie man
sicher die Initiative erkämpft... dazu gehört m.E. mehr als Vorstürmen und alles in den einen Hieb setzen (auch wenn das durchaus
mal zum Erfolg führen
kann... Siehe auch Silver, erstes Zitat?).
Was also ist die Lösung? Bedingungsloser Angriff ist es m.E. nicht... Halbherzigkeit natürlich auch nicht...
den Moment abpassen und (ja, dann bedingungslos) vor? Klingt schon etwas besser... aber die Sache mit dem
Abpassen des Moments für den eigenen Angriff gibt schon die Initiative ein Stück weit aus der Hand, der Gegner schaffte einem diesen Moment (In den Samurai Filmen gewinnt auch immer der, der länger wartet... was m.E. daran der Sache entspricht -> siehe weiter unten)
Die Möglichkeit zum Angriff schaffen, ja, das geht schon eher in die Richtung die mir gefällt. Wie schafft man das? Indem man sich bewegt... bevor man in die Distanz eintritt... auch wenn der Gegner auf meinen kleinen nur einen kleinsten Schritt tun muss (z.B. bei circulärer Schrittarbeit) - er muss ihn tun und ist damit schon (knapp) hinterher. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass kleinste Schritte leichter seien als kleine oder gar unterlassbar... das Gegenteil ist der Fall. Hmm... wenn ich meinen Gegner dazu bringe auch nur kurz seinen Fokus auf mich zu verlieren, dann ist der Moment vorzustürmen. Es scheint fast das Gleiche wie die Methode mit dem Abpassen zu sein.. aber ist es nur in dem einen Moment. Wie der Moment zu Stande kam, macht den Unterschied.
Gegen eine reine Stichwaffe ist es verhältnismäßig einfacher, man muss 'nur' an der Spitze vorbei. Da reicht es auch oft mit nem kleinen Antippen diese ihren Fokus verlieren zu lassen, aber wem sag ich das? Du hast ja gefochten... (deshalb macht eine Planche/Bahn da auch Sinn... beim Säbel finde ich die allerdings beeinträchtigend). ABER: Je hieblastiger die Waffe des Gegners und je länger oder (während des Hiebs) veränderbarer der von dem gefährlichen Teil der Waffe bestrichene Bereich, desto ungenauer kann sein Fokus sein... bzw. desto weniger ZEIT habe ich.... und ZEIT brauche ich.
Das macht eine Naginata (oder auch eine Kuse, eine Glefe, o.ä.) so schwer zu bekämpfen mit einer kürzeren Waffe. Die Naginata hat aufgrund ihrer langen Klinge einen recht großen Bereich, den sie schon ohne Manipulation während des Hiebes bestreicht... UND sie kann noch während des Hiebes verkürzt werden... was diesen Bereich faktisch verlängert. Dazu noch entsprechende Schrittarbeit (es reicht ein kleinster Schritt zurück oder zurück und ganz leicht zur Seite) und der zu überwindende Bereich wird noch lääänger. Was ich nicht mit EINEM Schritt überwinden kann, ist gegen einen wachsamen Gegner fast nicht zu schaffen.
Gibt es noch eine Methode? Ja... es gibt sie. Sie besteht darin,
den Gegner zum Angriff zu bringen. Ihn zu locken, zu ziehen... oder auch ihn zu zwingen (da kommen die Räumlichkeiten ins Spiel). Das Zwingen erfolgt durch Bedrängen... Scheinangriffe... das Locken durch Geben scheinbarer Öffnungen, durch Weichen, durch Vortäuschen von Schwäche... möglicherweise auch durch 'Entnerven' (Samurai Filme zum 2ten...

). Gelingt dieses Spiel, den Gegner zum Angriff zu bringen... und mit ihrem Angriff
dem Provokateur den Raum zu gewinnen (ohne dass der dafür den Schritt gehen muss), ist der Moment das Ding zu setzen... und dann sofort raus aus dem Gefahrenbereich. Das RAUS kann, aber muss nicht immer eine Distanzvergrößerung sein. Es kann auch durch Winkeln und manchmal sogar auch durch Distanzverkürzung geschehen. Eine andere Möglichkeit ist das 'Fesseln'/'Sperren' der gegnerischen Waffe... gerade im Nahkampf. Aber so ein 'Fesseln' oder 'Sperren' ist meist nur für einen Moment möglich...
Auf jeden Fall... und da bin ich ganz bei Dir... geht nichts von alledem, wenn man einen auf Slacker macht.
So... spät ist es. Den muss jetzt schlafen...
Gruß
Bearbeitet von Den, 08 Februar 2012 - 04:50 Uhr.