Ist Vereinsausschluss bei Extremismus gerechtfertigt?
#21
Geschrieben 30 Januar 2012 - 10:34 Uhr
#22
Geschrieben 30 Januar 2012 - 12:53 Uhr
Ich bin da persönlich voll bei dir, ich würde nur ässerst ungern im Dojo mit politisch extremen trainieren müssen. Ich würde (ganz persönlich) zwar immer noch lieber mit nem extrem Linken, als nem extrem Rechten trainieren, aber das ist ja nicht Punkt der Debatte. Punkt der Debatte ist ja der Umgang im Verein mit dieser Problematik.
Ich vertrete aber trotz meier privaten Ansichten die Einstellung (inzwischen), daß Politik gar nichts in KK/KS zu suchen hat und sobald da etwas bekannt wird (vor allem solche Kaliber), sehe ich schon Handlungsbedarf. Ob der betreffede jetzt Titel bringt oder nicht. Immerhin steht man dann - böse gesagt - als Verein in einem Licht des "Ausbilders für (politisch motivierte) Schläger". Was ja nicht im Sinne eines Vereins liegen kann.
Ich überlege nur immer, ab wann da ein Ausschluß erfolgen sollte, wie gesagt auch aus dem Verband. Ich kenne Leute, de durchbdiverse Vereinsaktivitäten schon "von der Kippe" wieder auf den Boden geholt wurden. Ich habe z.B. einen Bekannten, der keinen Hehl daraus macht als Teenager (vorsicht Klischee) im Osten extrem rechts gewesen zu sein (in dem Alter eindeutig als Mitläufer, wie er inzwischen auch erkannt hat). Ein Fußballverein hat ihn da rausgeholt. Er ist aus dem Osten mit seiner Familie nach München in den münchener norden gezoge und hat dort auch nen neuen Verein gesucht. Jetzt hatte er die Wahl entweder mit zu trainieren oder bei knapp 70/80% Ausländeranteil in unserem Viertel eifach mit zu machen. Er hat mit gemacht und hat einiges über seine ach sofest verankerten Ansichten gelernt.
Inzwischen ist ein braver Junge und hat geheiratet... Und zwar eine Türkin. Soll heissen: Vereine können wichtige soziale Anlaufstellen sein, die junge Menschen formen. Aus meinen eigenen Bemühen weiss ich aber auch, daß man es als Aussteiger in gewissen Teilen der Szene nicht immer leicht hat und da hebe ich besonders die Faschisten hervor. Durch deren wirre Ansichten kommt auch nicht jeder "raus, der gerne raus möchte". Gerade in dieser verbohrten Szene gibt es wenig Leute, die sich auch mal ausserhalb dieser bewegen, von daher nur mal Kontakt mit "normalen Leuten" bräuchteb.
So noch ne Erklärung in eigener Sache, nicht dass mich jemand falsch versteht:
Als ich von "eigenem Bemühen" gesprochen habe, meinte ich nicht etwa, dass ich selbst mal rechts, links oder sonst was war. Ich bin nur schon viele Jahre bemüht aktiv gegen Faschismus zu sein und da lernt man auch mal Nazis und deren Strukturen kennen und glaubt mir... Es gibt seeehr viele Gruppierungen, die in verschiedensten Vereinen KS trainieren (vorwiegend "Strassentaugliche").
Und da liegt der Hase im Pfeffer. Die heutige rechte (bestimmt auch anderweitig Radikale, aber die sind das meist recht offen...) zeigt sich erstmal nicht als solche. Die Neue Taktik ist das unterwandern in dem man sich erstmal gemässigt oder gar nicht als extremist zu erkennen gibt, um in's Gespräch zu kommen. Ich will damit auf folgendes hinaus:
Es ergibt sich aus dieser Vorgehensweise meist kein Grund für einen Ausschluss aus dem Verein und nur wenige sind wirklich so dumm-dreist, daß sie mit Hitler-Gedächtnis-Shirts rumlaufen.
Also ab welchem Kenntnisstand sollte man aktiv werden in Sachen Rausschmiss? Meine persönliche Meinung hab ich ja schon mitgeteilt, bzw. wenn es NUR nach mir ginge, dann würde ich sagen: Sofort bei Bekanntwerden des extremen Gedankenguts, mit dem Vorbehalt, himzusehen, wen man vor sich hat. Den Hardcorenazi ode nen jugendlichen Mitläufer auf der Kippe, der m.M.n. schon me Chance verdient, "gerettet" zu werden.
greetz
Sake
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and no one says a fu**ing word.
so let's scream as loud as we can
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and let nothing stand in our way.
"Revival Never Goes Out Of Style" - Walls Of Jericho
#23
Geschrieben 30 Januar 2012 - 15:10 Uhr
Ob jemand eine extremistische Gesinnung hat, kann ich auf den ersten Blick nicht feststellen. Jeder bekommt bei mir eine Chance und meist auch noch eine Zweite.
Ich persönlich habe durch TKD/KK/KS schon Leute kennengelernt, die sich positiv verändert haben. Da war (ist nur ein Beispiel) der Moslem auf einmal ein klasse Kumpel(ine).
Bei mir ist jeder willkommen, der sich an die Regeln unseres Dojang hält. Meint einer/eine (als Beispiel) ein Hitlershirt/Hakenkreuz anziehen zu müssen, forder ich auf, das auszuziehen und dies in Zukunft zu lassen. Wird sich dran gehalten ist (erst mal) gut, wenn nicht - auf Wiedersehen.
Sollte jemand versuchen zu missionieren, das selbe.
Gruß
Drax
#24
Geschrieben 30 Januar 2012 - 17:00 Uhr
Find ich aber gut, die Art der Handhabung. Wobei besagtes Shirt dann wohl schon ziemlich offensichtlich zu verstehen wäre.
greetz
Sake
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#26
Geschrieben 30 Januar 2012 - 18:37 Uhr
#27
Geschrieben 01 Februar 2012 - 12:10 Uhr
Anfang der 80er begann ein stadtbekannter Radikaler in unserem (kommerziellen) Dojo. Sehr schnell regte sich Widerstand bei einigen von uns Schülern. Wir baten unseren Trainer, den Betreffenden rauszuschmeißen, aber er wollte das nicht. Beim nächsten Training hatten wir uns eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn verabredet. Als unser Radikaler kam, warteten wir bereits auf ihn. Unser Kücken (14 Jahre und kein bischen bange) eröffnete ihm, dass kein Schüler aus unserer Gruppe mit ihm trainieren möchte, weil wir seine offen zur Schau getragenen Ansichten schlecht fanden.
Dann gab es eine kurze Debatte wg. Meinungsfreiheit (das führte er an). Irgendwer erwiderte, dass genau diese Meinungsfreiheit auch für uns gelte und unsere Meinung nunmal sei, dass Extremisten nichts in unserem Dojo zu suchen hätten. Er ist gegangen und nie wiedergekommen.
Das Verhalten unseres Trainers fand ich bescheiden.
Auch heute sehe ich es so, dass offen zur Schau gestellte extremistische Haltungen nichts in einem Sportverein verloren haben. Ich würde gerne das rechtskräftige Urteil sehen, wo ein offensichtlich Radikaler sich in einen Verein eingeklagt hat.
Tay
Seminar mit Hidetoshi Nakahashi und Carlos Molina
am 19. und 20.5.2012 in Berlin
Infos unter http://www.shingitai...mid=122&lang=de
#28
Geschrieben 01 Februar 2012 - 14:01 Uhr
greetz
Sake
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#29
Geschrieben 11 Februar 2012 - 19:47 Uhr
Lasse ich sie rein, biete ich eventuell irgendwelchen verquasten Ansichten Nährboden.
Also tue ich Folgendes : Ich weise sie freundlich darauf hin das ich ihre Haltung zur Kenntniss nehme, aber sie beim ersten Missionierungsversuch etc. hochkant rauswerfe.
Meine Beiträge sind mein geistiges Eigentum. Ich untersage hiermit ausdrücklich die Weiterverbreitung in anderen Foren ohne mein Einverständnis.
#30
Geschrieben 11 Februar 2012 - 21:40 Uhr
Ich denke, du hast da einen Weg gefunden, der gangbar ist.
Man muß klare Ansagen machen. Wenn der Typ sich daran hält, ist es ok. Auch gibt es Leute, die ihre Einstellung ändern können. Wenn er sich nicht daran hält, kann man immer noch reagieren.
Wenn man eine Person rauswirft, muß man sich verdeutlichen, welche Gründe dazu geführt haben und diese Gründe müssen stichhaltig sein.
Ansonsten kann es passieren, dass man irgendwann sehr viele Personen rausgeworfen hat und nur weil einer falsch gehustet hat (übertrieben) und dieses Mittel einfach verwendet wird, unliebsame Personen zu entsorgen.
www.lee-kamwing.de
#31
Geschrieben 18 März 2012 - 10:23 Uhr
Ich persönlich würde wohl einen Unterschied darin sehen, ob ich einen Rechtsradikalen im Kickboxtraining habe oder sein linkes Pendant. Klar, beide haben auf ihre Weise einen an der Waffel, allerdings sehe ich im rechten Flügel größeres Gewaltpotential.
Kommt es am Ende evtl. auch auf die KK an?
Sorry, falls das etwas wirr ist, bin grade erst aus dem Bett gekrochen.
in diesem Sinne
Alerta!
Sake
edit: @Kaji: Ich verstehe, was du meinst. Aber es geht imo (je nach KK) ja nicht NUR im evtl. Missionare, sondern um das Ausbilden von potentiell gefährlichen Subjekten. Ein besoffener Nazischläger jst schonmal nicht angenehm. Ein besoffener Nazischläger mit jahrelanger Kickbox-, Box-, oder sonsteiner prof. Kampfausbildung ist aber nochmal eim ganz anderes Kaliber.
Bearbeitet von DfnSake, 18 März 2012 - 10:26 Uhr.
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#32
Geschrieben 18 März 2012 - 11:43 Uhr
betrachtet das Thema doch einmal nicht unter dem rein politischen Gedanken.
Jeder kennt vermutlich Geschichten, bei denen Leute vor die Tür gesetzt wurden. Am Ende des Tages ging es dabei um den Menschen, der aus welchem Grund auch immer unlieb geworden ist.
Vergleiche ich solche Geschichten mit der Fragestellung, ob ein Verein mit vielen Mitgliedern - vielleicht auch vielen jugendlichen Mitgliedern - durch einen einzelnen in Verruf gerät oder derjenige das Vereinsleben zur Saat seiner Ideologie nutzen will, dann scheint mir die Antwort auf die Frage, ob er im Verein verbleiben soll, schnell beantwortet zu sein.
Oder - um es einmal darwinistisch zu betrachten: ist ein einzelner soviel Vereinsaufwand zu lasten anderen - unproblematischerer - wert, wenn es noch 50 oder mehr andere Teilnehmer gibt, die schlicht und ergreifend ihrem Hobby nachgehen wollen und die sich entspannen wollen? Muss ein normaler e.V. neben der von den Eltern gewünschten Erziehung der Kinder auch noch andere Aufgaben leisten? Oder kann man nicht einfach einmal sagen
"Bei uns im Verein gibt es keine Sozialarbeiter oder Psychologen etc, die entsprechende Erfahrungen haben, deshalb wollen wir derartiges garnicht erst leisten?"
Ich persönlich halte das für legitim.
Provokant
Mac
Wie soll ich wissen was ich denke, bevor ich lese was ich schrieb?
Ich wollte mich eigentlich geistig mit Dir duellieren, doch ich sehe Du bist unbewaffnet.
#33
Geschrieben 18 März 2012 - 12:50 Uhr
Man kann zeigen, daß man für Leistung noch mehr Anerkennung bekommt, als z.B. für's Verprügeln von Rentnern.
greetz
Sake
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#34
Geschrieben 18 März 2012 - 13:18 Uhr
Zitat
Oder - um es einmal darwinistisch zu betrachten: ist ein einzelner soviel Vereinsaufwand zu lasten anderen - unproblematischerer - wert, wenn es noch 50 oder mehr andere Teilnehmer gibt, die schlicht und ergreifend ihrem Hobby nachgehen wollen und die sich entspannen wollen? Muss ein normaler e.V. neben der von den Eltern gewünschten Erziehung der Kinder auch noch andere Aufgaben leisten? Oder kann man nicht einfach einmal sagen
Ich hoffe, dass ich dich falsch verstanden habe.
Man sollte einen richtig guten Grund für einen Ausschluss haben und nicht jemanden aufgrund von Antipathien ausschließen.
Ich möchte nur an die Situation in den ´60 erinnern in den USA. Wie war das mit den Schwarzen? Oh, es ist natürlich viel unproblematischer Weiße untereinander zu unterrichten, als einen Schwarzen zu zulassen. Der die Weißen in Verruf bringen konnte.
Wer sich also für einen Ausschluss einer Person entscheidet, sollte wirklich sachliche Gründe haben, ansonsten geht es verdammt schnell in Richtung Diskriminierung und das sollte man sich als Verein doch überlegen.
Ich bin für Offenheit und scheue mich nicht vor Problemfällen. Ich habe einen Jungen, der adoptiert aus Russland kommt. Er hat aufgrund seiner Geschichte deutliche soziale Defizite. Ein anderer Junge hat eine mieserable Koordinationsgabe, so dass einige Andere nicht mehr mit ihm trainieren wollen.
Soll ich ihn dafür nach Hause schicken?
Natürlich ist Rechtsextremismus, oder Linksextremismus, ein Problem. Aber wenn wir jedem die Chance sofort nehmen, etwas auch an seiner Einstellung zu verändern, ihm einen anderen Blickwinkel zu ermöglichen. Dann sind wir im Kastensystem, in welches man immer auf der Stufe bleibt, in der man geboren wurde, ohne Möglichkeit einer Entwicklung.
Vorurteile sind für mich eine Ausrede und eine Chance hat wohl jeder verdient. Weil irgendwann brauchen wir die Chance genauso und dann sind wir froh, wenn man uns diese gewährt.
Wer sich dann nicht benehmen kann, der ist draussen. Aber wir gehen mit jedem Schüler ein Risiko ein und ich bin mir nicht sicher, welcher Schüler mehr Wert ist. Ob man ein Unrecht mit 50 fachem Recht ausgleichen kann. Das muß jeder für sich entscheiden.
Meine Tür bleibt offen.
Bearbeitet von Rakoshi, 18 März 2012 - 13:19 Uhr.
www.lee-kamwing.de
#35
Geschrieben 18 März 2012 - 18:15 Uhr
Uebrigens waren das unpolitische Angelegenheiten
Drax
P.S.
Und ich wuerde es jederzeit wieder tun!
#36
Geschrieben 18 März 2012 - 19:09 Uhr
Nach einem persönlichen Gespräch aufgrund von trifftigen Gründen, ist das völlig in Ordnung.
Ich weiß zwar nicht, wie eine Schüler eine Gruppe kaputt machen kann, aber dann ist die Entscheidung legitim.
Aber hattest du nicht auch mal schwierige Schüler, wo man sich mit der Zeit zusammengerauft hat und die dann mittrainieren konnten?
www.lee-kamwing.de
#37
Geschrieben 19 März 2012 - 09:08 Uhr
Aber sicher und ich gebe jedem mindestens eine zweite Chance.
Da gabe es schon mal Probleme mit Drogen und mein Schüler konnte sich auf mich verlassen, hat bei mir Halt gesucht und den auch bekommen.
Wurde später ein hervorragender Kämpfer und ist heute Ingenieur.
Ein anderer hat sich selber einen DAN-Grad verliehen, weil er nicht an eienr Prüfung teilnehmen durfte (berechtigt).
Da er dann auch immer wieder versucht hat, Leute auf seine Seite zu ziehen habe ich über den Vereinsvorstand dafür gesorgt, das er gehen muss (nach mehreren vergeblichen Versuchen mit ihm zu sprechen).
Drax
P.S.
Besagte zweite Person hat dann ein halbes Jahr später den 5. DAN und einige Jahre später den 6.DAN von irgend einem Koreaner bekommen (natürlich gegen einen entsprechenden Obolus).
Das letzte was ich von ihm hörte war, das er sich in seinem eigenen Verband den 7.DAN verliehen hat.
Na ja, in meinem Stammbaum steht er immer noch als 3.DAN und dass wird auch immer so bleiben (ach ja, er wollte aus meinem Stammbaum entfernt werden, worauf ich ihm sagte, das es an jedem Baum auch faule Äpfel gibt
sorry, O.T.
#38
Geschrieben 19 März 2012 - 09:26 Uhr
Aber ich find's gut, dass dubdann da als Lehrer am Start bist. Gerade die ganzen Chemiejunkies können Hilfe gut brauchen. Sehr cool von dir.
greetz
Sake
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#39
Geschrieben 19 März 2012 - 15:28 Uhr
Da er am Anfang noch recht gut war, war er so was wie ein Vorbild für viele Jüngere und da kann das ganz schnell zum Problem werden.
Aber er hat den Dreh gekriegt und ich bin richtig stolz auf das, was er mittlerweile erreicht hat!
Ups, das mit dem Stolz war ja ein anderes Thema
Drax
#40
Geschrieben 19 März 2012 - 21:15 Uhr
Zitat
Die Sichtweise ist echt cool und ich werde mir das zu Herzen nehmen. Danke
www.lee-kamwing.de



